Samstag 24.11. setzen wir Segel für den Rückweg zu den Kapverden. Ziel ist die Hauptstadt Praia auf der Insel Santiago.

Gegen die Tidenströmung geht es langsam raus, und da der Wind während der ersten paar Seemeilen von vorne kommt, unter Motor. Das ermöglicht es uns, den Wassermacher laufen zu lassen, um unsere ziemlich leeren Tanks wieder zu füllen.

Danach geht es unter Segel weiter, allerdings kommt der Wind aus Nordwest bis West, also von vorne. Glücklicherweise dreht er ein paar Stunden später nach Nordost, wo er für den Rest der rund 400 sm auch bleibt. Allerdings heißt das für etliche Stunden: wenn sich zwei Wellen treffen. Die „alte“ aus Nordwest und die „neue“ aus Nordost schütteln die Luna Mare etwas durcheinander.

Für den Großteil der Strecke haben wir aber Welle direkt von der Seite. Etwas wackelig bleibt es, aber bei im wesentlichen 15 bis 20 kn Wind (nur selten darüber, oder darunter) geht es dafür flott voran. Wir schaffen im Schnitt nach etwas langsameren Beginn jeweils etwas mehr als 6 Knoten. So erreichen wir bereits am 3. Tag um Mittag herum Praia.

Hier treffen wir zum ersten Mal auf einen „Dinghi-Aufpasser“. Er will 5 Euro Schutzgeld, damit unserem Dinghi nichts passiert. Hilft nichts, wir akzeptieren und gehen zur Policia Maritima, zum einklarieren.

Beim Transfer geht uns allerdings am Dinghi eine der Befestigungen für die Ruderblätter kaputt. Eine Schweißnaht ist gebrochen und so wird das paddeln etwas schwieriger. Zu zweit geht es aber, jeder ein Paddel und wir kommen entsprechend zurück zur Luna Mare.

Anschließend verlegen wir die Luna Mare etwas näher zum Fischerhafen. Dort kann man laut Seglerberichten am Fischersteg mit dem Dinghi anlegen.

Über Praia heißt es, dass hier Kriminalität häufiger anzutreffen ist. Vor einem Jahr wurden hier, wo wir momentan vor Anker liegen, 4 Segelyachten überfallen, teils mit Gewaltanwendung gegenüber der Besatzung. Diese Berichte machen schon ein wenig nervös. Meinem Gefühl nach habe ich an keiner Stelle hier in Praia, sei es rund um den Hafen, oder in der Innenstadt ein Gefühl von Gefahr. Ich habe vielmehr den Eindruck, dass es hier, wie auch in Senegal und Gambia, für Ausländer sicherer ist als in etlichen Teilen Deutschlands.

Am nächsten Morgen dann los an Land, noch der Immigration einen Besuch abstatten. Der Skipper einer französischen Yacht winkt uns ran, dort können wir das Dinghi festmachen. Der Bereich in dem wir sind, ist eigentlich nicht von außen zugänglich, er zeigt uns aber, wie wir um eine Mauer herum rauskommen und bringt uns gleich noch zur Immigration. Auch hier völlig problemlos. Und wollte der in Mindelo noch 5 Euro an Gebühren haben, ist es hier kostenlos.

Fischereihafen. Um die markierte Mauer müssen wir rum.

Wir erzählen dem Skipper der französischen Yacht von unserem Malheur mit dem Dinghi. Der macht uns gleich mit Pinto bekannt, welcher sagt, sein Sohn Quintino könne das wieder anschweißen. Gleich am nächsten Tag überlassen wir ihm das Dinghi, während wir unseren ersten Spaziergang durch Praia planen. Das Zentrum befindet sich auf einem Plateau und heißt auch so. Mit dem Taxi zum Plateau kostet es gerade mal zwei Euro.

Wir sind sehr angetan vom Zentrum Praias. Nach ein paar Einkäufen gönnen wir uns noch ein Bier an einer Freiluftbar am Rande eines kleinen Parks. Da sitzt man sehr angenehm und kann bei einem kühlen Getränk die Stadt genießen. Deshalb sieht man uns hier auch öfters, im Prinzip jedes mal nach dem Besuch des Supermarktes.

Die Skipperin vor unserer Lieblingsbar.

Zurück im Hafen ist Quintino mit der Schweißarbeit am Boot bereits fertig und wir haben wieder ein voll funktionsfähiges Dinghi. Er meint, es wäre etwas gefährlich wo wir lägen, so nah am Land. Da könnten Leute zum Boot schwimmen, um uns zu berauben. Am nächsten morgen würde aber eine von den zwei französischen Segelyachten die Marina verlassen und damit wäre ein Platz in „seiner“ Marina frei. Dann könnten wir längs an die verbleibende französische Yacht anlegen.

Das halten wir für eine gute Idee und verlegen die Luna Mare am nächsten Tag zu Quintino. Er und sein Vater sind ausgesprochen nette und hilfsbereite Zeitgenossen. Bei dem einen oder anderen gemeinsamen Bier erzählen sie uns ein wenig über ihr Leben hier. Quintino ist dabei ein Fischerboot seeklar zu machen. Mit dem will er dann Fische für die Hotelanlagen auf Sal, Santa Maria, fangen. Schade für uns Segler, da er dann wohl den „Marinaservice“ hier in Praia einstellen wird.

Mit der Segelyacht, an der wir längsseits liegen, ist ein junges Paar mit dem Vater der Frau und ihrem 3-jährigen Sohn Ewen unterwegs. Sie wollen von hier nach Tobago und anschließend Richtung Norden die karibischen Inseln entlang. Mai nächsten Jahres müssen sie dann zurück in Frankreich (Bretagne) sein.

Nachdem Ewen seine Scheu etwas abgelegt hat, haben wir mit ihm einen fast ständigen Besucher auf der Luna Mare. Mit ihm und seinen Eltern kann ich mein spärliches Französisch wieder etwas anwenden. Hat viel Spaß gemacht, die vier kennen zu lernen. Mittlerweile sind sie auf dem Weg nach Tobago.

Wir haben auch fast alle Vorbereitungen erledigt. Einkaufen kann man in Praia ganz ordentlich und quasi in Riechweite landen die Fischerboote an und wir können direkt vor Ort Fisch erwerben. Frischer geht kaum.

Übermorgen, am Freitag, wollen wir noch etwas Obst und Gemüse einkaufen und am Samstag den 8.12. kann es dann losgehen. 2.200 sm bis Antigua. Das wird wohl rund 3 Wochen dauern, Weihnachten verbringen wir auf hoher See und, falls alles gut geht, Silvester auf Antigua. Die Anspannung steigt.