Der Plan war ja, einige der Las Perlas Inseln zu besuchen. Aber wie das mit Plänen beim Fahrtensegeln halt so ist, die Halbwertzeit ist sehr kurz.

Der Außenborder will mal wieder nicht (siehe Tech-Eck). Und ohne Außenborder ist es zumindest mühsam an Land zu kommen. Bei entsprechender Strömung, die uns bei einigen Inseln erwarten soll, möglicherweise unmöglich.

Also motoren wir mangels Wind die 36 sm zum Ankerplatz „Las Brisas“. Denn in Panama City finden wir eher jemanden, der sich um den Außenborder kümmern kann, sofern ich damit nicht weiterkomme. Außerdem wollten wir den Ankerplatz kennen lernen. Zum einen um zu sehen, wie dort eine Aufstockung der Vorräte möglich wäre und zum anderen, um die Luna Mare dort zu lassen, während wir uns als Line Handler auf der SY Nana (vom Pazifik zum Atlantik) und der SY Bengt (Gegenrichtung) verdingen.

Es heißt allgemein, der Ankergrund wäre Schlick und der Halt nicht sonderlich gut. Da die Marinas in der Gegend USD 70 und mehr pro Nacht nehmen, sind die keine Alternative. Aber der Ankergrund hat den Test bestanden. Die Luna Mare hat sich auch bei zwischendurch etwas stärkeren Böen nicht wegbewegt und den Anker habe ich am Ende nur mit großer Mühe wieder aufholen können. Damit steht unserer Line-Handler-Aktion diesbezüglich nichts mehr im Weg.

Der Ankerplatz liegt am „Amador Causeway“. Ein wohl zumindest am Wochenende beliebtes Ausflugsziel mit Geschäften und zahlreichen Restaurants, sowie zwei Marinas und auch Schiffsausstatter sind in der näheren Umgebung.

Die Busfahrt (25 US-Cent pro Person und Strecke) dauert 25 Min. und endet an der Albrook Mall, einem ziemlich großen Einkaufszentrum. Was es dort nicht gibt, gibt es woanders vermutlich auch nicht. Außerdem befindet sich dort der zentrale Busbahnhof mit Busverbindugen zu zahlreichen Orten Panamas.

Panama City
Ankerfeld
Nochmal fliegen die Rochen.
View from the top.
Blick aus der Kojenluke
Brücke der Amerikas und das bunte Bio-Museum
Es gibt auch Dauerlieger hier.
Wer findet den Dauerlieger auf diesem Bild?

Das hätte das Ende der Langfahrt sein können!

Kennt Ihr das auch? Man steht wie der sprichwörtliche „Ochs vorm Berg“ und realisiert Dinge nicht, die einem mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen sein sollten? So bei unserer Anfahrt zur Ankerbucht „Las Brisas“. Der Plotter zeigt dieses Bild:

Ich registriere lediglich die Wassertiefe, 9,2 m. Also kein Problem. Wir beide sehen Wasserstrudel vor uns. Komische Strömung, oder? Kein weiterer Gedanke, obwohl wir wissen müssten, dass es an Riffen genau so aussieht. Einfach weiter.

Hinter uns ein Dinghy in schneller Fahrt. Zwei einheimische, die wild in unsere Richtung gestikulieren. Mit Blick nochmal nach vorne zum brodelnden Wasser sage ich zur Skipperin am Steuer „lass uns umdrehen und die beiden Fragen, was sie wollen“.

Sie erklären uns, dass wir außerhalb des Seezeichens (siehe Bild oben) vorbeifahren sollen, da es auf unserem geplanten Weg ein flaches Riff gibt. Selbstverständlich kennen wir die Bedeutung des Seezeichens, haben es aber einfach ignoriert. Die gelben Tonnen auf dem Plotter gibt es in Wirklichkeit nicht und das das Gebiet eine Baustelle ist, hat uns wegen der eingezeichneten Wassertiefe von 9,2 m nicht weiter gestört. Ist ja „leere Fläche“ vor uns.

Das war knapp und hätte sehr böse enden können.

Übrigens war es kein Riff, die haben hier nur einen Wellenbrecher angelegt, damit die Kreuzfahrtschiffe an der Steganlage, die dort aktuell gebaut wird, ruhiger liegen. Wo bei unserer Anfahrt noch alles unter der Wasseroberfläche war, hat man 5 Tage später schon einiges aufgeschüttet. Wäre dann vermutlich auch für mich Blindgänger leichter zu erkennen gewesen.

Nach 5 Tagen haben wir uns nochmal vor der Insel Taboga vor Anker gelegt. Den Wassermacher wollten wir in der trüben Ankerbucht nicht laufen lassen und auch so ist die Insel eine nette Abwechslung, auch wenn nun statt der Skyline von Panama City Frachter wie an einer Perlenkette aufgereiht den Horizont bilden.

Perlenkette
Taboga Fähre
Taboga Pier
Taboga Ort
Waschtag vor Taboga

Tech-Eck

Der Außenborder, unser Sorgenkind. Irgendwas hat der wohl immer. Und wie meistens stehe ich ratlos davor. Er springt mit gezogenem Choke an, manchmal läuft er dann, so lange ich den Choke in gezogener Position belassen, aber meistens geht er gleich wieder aus. Zündkerze kann es nicht sein, sonst würde er gar nicht, auch nicht kurz, anspringen. Benzin auch nicht, den er springt ja an. Luft? Keine Ahnung.

Glück wenn man jemand mit Ahnung in der Familie hat. So konnte mir Hartl zahlreiche Ratschläge zukommen lassen. Habe den Vergaser mehrfach zerlegt, versucht zu reinigen und wieder zusammen gesetzt. Mit Bremsscheibenreiniger sollte ich versuchen herauszufinden, ob es da undichte Stellen gibt, wo er „Falschluft“ ziehen kann. Wusste gar nicht, das Luft falsch sein kann.

Seit 10.000 sm haben wir eine Dose Bremsscheibenreiniger an Bord. Jetzt stellt sich heraus, dass diese leer ist. Aber Hilfe ist nicht fern. SY Nana liegt ebenfalls in der Ankerbucht und Daniel hat etliche Dosen und zwar gefüllte. Bau den Vergaser wieder zusammen und achte diesmal darauf, dass ich die Schrauben an der Plastikabdeckung nicht zu fest ziehe. Habe den Eindruck, dadurch verzieht sich das Teil und liegt nicht so dicht an wie es sollte.

Dann Startversuch und Bremsscheibenreiniger versprüht. Springt sofort an. Geht das auch ohne Choke? Solange ich auf den Vergaser sprühe schon, sobald ich aufhöre, geht der Motor aus. Da mir ohnehin nichts besseres einfällt, mache ich das ein paar Mal und siehe da, plötzlich läuft er auch ohne Unterstützung des Bremsscheibenreinigers.

Läuft. Danke an Hartl und Daniel für die tolle Unterstützung.

Nächste Baustelle

Immer wenn ein Problem gelöst ist, stellt sich die Frage, was wird das nächste sein. Das Schicksal meint es „gut“ mit mir und lässt mich nicht lange warten. Heute bin ich mit Kochen dran und schalte unseren über alles geliebten Dieselherd ein.

Nach etlichen Minuten denke ich, schön langsam müsste er aber loslegen. Macht er aber nicht. Ausschalten und nach kurzem Warten wieder einschalten. Nichts. Ein gelbes Lämpchen blinkt zaghaft, laut Manual deutet das auf ein Problem beim Vorglühen (nicht das vor der Party) hin.

Nach einigem hin und her mit erfolglosen Startversuchen schließen wir uns der Meinung des Manuals an, muss wohl die Glühkerze defekt sein. Für den Herd haben wir allerdings null Ersatzteile dabei und ähnlich der Hempel Farbe gibt es die außerhalb Europas kaum zu erwerben. Da liegt die Hoffnung mal wieder auf SVB. Vielleicht können die uns die nächsten Tage Ersatzteile zusenden.

Damit die Küche nicht tage-, möglicherweise wochenlang kalt bleibt, haben wir uns diesen High-Tech-Gaskocher zugelegt. Jetzt gibt es zumindest schon wieder das Lebenselixier Kaffee am Morgen. Und zusammen mit dem Cobb-Grill lässt sich dann schon etwas leckeres zubereiten.

Und auch ein neuer Windmesser ist unterwegs, von Florida per Seefracht nach Panama. Das würde noch eine Baustelle schließen. Oh weh, welche wird sich hier dann neu auftun?

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