Von Madeira nach Sines/Portugal

Besondere Vorkommnisse:

Wind: kam ausreichend und vor allem überwiegend aus guter Richtung (NNW bis NW).
Segel: Haben gehalten
Motor: Ging kaputt, deshalb Segelmanöver: Erstes Ankermanöver im Marinabecken unter Segel. Beim 3. Anlauf hat es geklappt!

Los ging es am Samstag früh um 2 Uhr, mit dem Leihwagen von Wiesbaden nach Düsseldorf zum Flughafen. Nachdem wir ein kostenloses upgrade auf einen üppig ausgestatteten 5er BMW erhielten, ließ es sich die Skipperin nicht nehmen, gleich mal ans „Ruder“ zu gehen. Hat uns dann sicher zum Flughafen gebracht.

Pünktlich um 6 Uhr Abflug, entsprechend pünktlich in Funchal gelandet. Anschließend dort Übernahme eines Leihwagens (hier ohne upgrade), anschließend zur Marina, Gepäck abladen und dann nach Machico zum Proviant einkaufen.

Zurück in der Marina Proviant verstaut und die letzten Vorbereitungen getroffen.

Abfahrt dann am Sonntag gegen 10 Uhr. Vorher noch die Reservekanister gefüllt, da wir immer noch nicht genau wissen, wieviel Diesel wir im Tank haben. Sollte er also alle sein, blieben uns noch 20l um bei Bedarf beweglich zu sein.

Keine 2 h später musste sich die Skipperin der Seekrankheit ergeben und hat den Großteil der folgenden Tage schlafend verbracht. Erste Nacht gehörte dem Skipper allein; jede halbe Stunde geweckt, kurzer Rundblick und, sofern “die Luft rein” war wieder knapp 30 min geschlafen. Ging eigentlich ganz gut, war aber trotzdem froh, für die Folgenächte die Wache mit der Skipperin teilen zu können.

Es waren wundervolle sternenklare Nächte, nur ab und zu ein Tanker bzw. Containerschiff überwiegend mit reichlich (2 sm) Abstand. Nur einer meinte er müsste das Spiel “wer weicht zuerst aus” spielen. Da wir bei dem Spiel ohnehin ohne Chance sind, habe ich Kurs gehalten und als ich über Funk versucht hatte, das nähernde Objekt zu erreichen, dann doch ein Ausweichmanöver dessen. Sah schon eher bedrohlich aus, war aber an sich keine Gefahr.

Die Tage und Nächte vergingen “wie im Fluge”. Wir hatten bereits zu Beginn das Groß ins erste Reff genommen und die Genua in voller Pracht gefahren. Dies blieb so bis zum Ende der Reise. Insgesamt hatten wir lediglich 4 mal eine Wende zu fahren und ebenfalls 4 mal das Boot wieder in Richtung zu bringen, nachdem unsere Emma (die Aries) eine (von uns ungewünschte) Wende eingebaut hat.

Schönes Erlebnis an einigen Abend bei Sonnenuntergang der Besuch von Delfinen, einmal in einer stattlichen Anzahl. Ansonsten war ich überrascht, dass die Vorstellung, man hat tagelang Zeit und kann so richtig entspannen, sich vielleicht sogar langweilen, Bücher lesen und so alles, nicht wirklich stimmt. Es entstand zu keinem Zeitpunkt Langeweile und auch Zeitvertreib wie lesen war nur in begrenztem Maße vorhanden. Und trotzdem waren die Tage schnell rum und, trotz der Wachen, auch die Nächte.

Während der 7. Nacht hatte der Wind etwas aufgefrischt, so bei 30 bis 35 kn und die See wurde reichlich ungemütlich, teilweise heftiges Schlagen von allen Seiten und gefüllt im freien Fall in die Wellentäler. Die Skorpion steckt das aber gut weg und wir hatten zu keiner Zeit ein Gefühl der Unsicherheit. Wobei zwischendurch der Gedanke, 250 sm von jedem Land entfernt zu sein, eine leichte Gänsehaut brachte, aber das gute Gefühl auf der B.OLD hat das wettgemacht.

Der auffrischende Wind brachte die B.OLD auf 5 bis 6 Knoten Fahrt und die Ankunftszeit, ursprünglich auf 10 bis 14 Uhr hochgerechnet, kam immer näher und wäre dann so gegen 4 Uhr nachts erfolgt. Als dann kurz nach Mitternacht urplötzlich der Wind weg war, haben wir beigedreht und uns schlafen gelegt. Nach einigen Stunden Schlaf in fast bewusstlosem Zustand (da waren wir doch geschaffter als kurz vorher noch gefühlt) stellten wir nach dem Aufwachen fest, dass uns die Strömung rund 7 sm nach SW getrieben hat. Motor sprang mal wieder wegen zu leerer Batterie erst nicht an, aber kurze Zeit später hatten wir wieder Wind, so dass wir wieder Fahrt aufnehmen konnten.

Der Wind kam aber nicht ganz so günstig, so dass wir erstmal kreuzen musste. Drehte sich dann später aber wieder. Die letzten Seemeilen wollten wir dann unter Motor zurücklegen. Lief auch problemlos an, nach rund 1 Stunde ging jedoch plötzlich die Drehzahl runter, bis der Motor stehenblieb. Startversuche blieben erfolglos. Also wieder unter Segel, aber wir hatten Glück und wieder etwas Wind, sogar aus NW. Dadurch sind wir zügig Richtung Marina Sines unterwegs gewesen. Durch das Beidrehen und abdriften hatten wir jedoch Zeit verloren, so dass wir nun schon eher gegen 21 Uhr, also nach Sonnenuntergang ankommen würden. Aber der Wind nahm zu und die Ankunftszeit änderte sich auf kurz nach 19 Uhr, also noch vor Sonnenuntergang.

Hatte bereits auf den Unterlagen die wir hatten die Marina studiert. Hinter dem Hafenkai und vor der Einfahrt in den Teil mit den Anlegestegen war ein durchaus reichlich großes Becken mit ca 6 bis 8 m Wassertiefe zum Ankern. Auf den letzten Meilen fiel mir ein Blogeintrag von Pat Schulte ein, wo er darauf verwies, dass heutzutage alle Manöver unter Motor erfolgen, unter Segel kann das schon keiner mehr (http://www.bumfuzzle.com/blog/2013/08/28/sailing-wimps/). Hatte mich deshalb gedanklich schon mal darauf vorbereitet, unter Segel zu Ankern. Wie war das nochmal? Aufschießer, Anker los, zurücktreiben lassen. Das heißt, der Wind muss passen und natürlich das Manöver selbst. Waren aber erstmal nur Gedankenspiele.

Denn, eigentlich wollte ich mich in der Marina melden und bin implizit davon ausgegangen, dass die uns dann (quasi wie gehabt) einen schicken, der uns reinholt. Anruf über UKW hat nicht geklappt (vermeintlich defekt, hernach stelle sich heraus, dass ich das Teil irrtümlich auf Binnenfunk eingestellt hatte und bei dieser Einstellung funktioniert die Ruftaste nicht, man kann also mithören, aber mangels Binnenzulassung nicht aktiv werden, peinlich), also per Handy. Mein Hinweis, unser Motor würde nicht zu Laufen zu bringen sein wurde mit dem lapidaren Hinweis quittiert: “Ihr habt doch Segel”. Da ich mich wie erwähnt gedanklich schon darauf eingestellt hatte überkam mich eine Mischung aus Freude (ein solches Manöver ausführen zu können) und Schreck (ein solches Manöver vergeigen zu können).

Also Nase in den Wind, Kurs so, dass ich auf Halbwind in die Marina komme, dann den Aufschießer und…. Na ja, kommt meistens anders. Habe bei der Zielansteuerung zunehmend an Höhe verloren und war dabei die Einfahrt knapp zu verfehlen, also an die die Kaimaier bildenden Steine zu kommen. Also abgedreht und neuen Anlauf genommen. Diesmal mit ausreichend Höhe eingelaufen, Aufschießer gemacht, Anker los und zurücktreiben lassen. Ein Blick zurück zeigte aber mit Erstaunen, dass die Kaimauer mit der grünen Tonne tiefer im Hafenbecken war als die mit der roten und unser Heck sich zunehmend auf erstere zubewegt. Laute Rufe nach vorne: Anker hoch. Kamen dann glücklicherweise noch so rechtzeitig bei der Skipperin an, dass diese den Anker hoch und uns von der Mauer wegholen konnte.

Also dritter Versuch, dann doch schon etwas nervös werdend. Versucht Kurs so zu nehmen, um wieder etwas Fahrt aufzunehmen. Einem vor Anker liegenden so weit genähert, dass der dortige Skipper schon etwas Blässe im Gesicht zeigte und sich wahrscheinlich wunderte, was wir hier unter Segel in der Marina treiben. Mit dann doch genügend Sicherheitsabstand dieses Boot passiert und wieder Anker rein. Anker hielt und das Manöver war nach dem dritten Versuch erfolgreich. Ich glaube, so ein selbst gefahrenes Manöver bringt mehr Erfahrung als bei 100 dabei gewesen zu sein.

Eine gewisse Erleichterung war da und die Freude groß, unsere längste Etappe, was Zeit und Entfernung nonstop betrifft, geschafft zu haben. Blöd nur, dass der Motor nicht mehr funktioniert und wir nicht so wirklich wissen, was los ist. Hatte rund 4 Liter Diesel entnommen der, wie sich im Kanister zeigte, zu 50% aus Wasser bestand. Das könnte zweierlei bedeuten:

Motor sprang wegen zu vielen Wassers nicht an. Würde er aber wieder, sofern wir die Filter reinigen und ihm guten Diesel zukommen lassen. So zumindest die Hoffnung.

Das Wasser hat dem Motor weitergehenden Schaden zugefügt (Einspritzdüsen, evtl. sogar Ventile). Dann hätten wir ein richtiges Problem, das wir dort vor Ort vermutlich nur sehr aufwändig (insb. wohl auch finanziell) bereinigen könnten.

Um Variante eins zu testen haben wir in Lisabonn alles besorgt, um den Motor aus einem Tagestank versorgen zu können. Diesen dann eingebaut, Filter im Wasserabscheider und Treibstofffilter ersetzt. War aber nicht von Erfolg gekrönt. Martin, ein Segler aus Wales, der schon seit sieben Jahren in Sines ist, hatte auch die schlimmsten Befürchtungen, wollte uns schon gleich vor Ort einen neuen Motor besorgen. Möchte mich aber nicht von unserem BUKH trennen. Sonntag kurz vor der Rückreise fiel mir noch ein, dass laut Motorhandbuch auch in der Dieselpumpe noch Filter wären, die man reinigen sollte. Da reichte die Zeit aber nicht für, und jetzt sitze ich hier in Deutschland und grüble nach, ob es daran liegen könnte, oder ob der Motor doch größeren Schaden erlitten hat. Aktuell zugegebenermaßen noch keine Idee, wie wir weiter damit umgehen sollen.

Ansonsten haben wir die verbleibende Woche in Sines genossen. Insbesondere ein Restaurant hatte es uns angetan, dass wir mehrfach aufsuchten. Lag aber auch daran, dass die anderen uns empfohlenen meistens zu hatten. War aber toll, insbesondere die “Organisation”:

Hauptgerichte Fleisch, oder Fisch, Auswahl aus der Vitrine

Am Tisch Käse und kleiner Packungen Pate mit Brot als Vorspeise

Vor jedweder Bestellung kam schon mal ein gemischter Salat

Wein gab es für rund € 10 je Flasche, wobei es anscheinend von keiner Sorte mehr als eine Flasche gab, war aber immer lecker.

Beilagen grundsätzlich Pommes und Reis zu Fleisch, etwas Gemüse zum Fisch

abschließend einige leckere Nachspeisen aus der Vitrine zur Auswahl.

Insbesondere das Filetsteak war hervorragend. Lag möglicherweise auch an der doch eingeschränkten Ernährungsmöglichkeiten die Tage vorher auf See. Aber wie gesagt, tolles Restaurant, tolles (einfaches) Ambiente und freundliche Leute bei angemessenen Preisen.

So, jetzt zurück in Wiesbaden genießen wir unsere neue Wohnung und wollen in den nächsten Wochen unsere neue Umgebung etwas erkunden. Und natürlich überlegen, was wir mit unserer vor Sines liegenden B.OLD machen wollen, sobald wir irgendwie rausgefunden haben, was tatsächlich defekt ist (versenken, per Transport nach D bringen, oder vor Ort reparieren). Neben dem Motor hat ein Bild von der Mastspitze gezeigt, dass bei der Vorstag mindestens zwei Stahldrähte abstehen. Muss also auch geprüft und vermutlich erneuert werden.

Würde ich nicht laufend in anderen Blogs lesen, dass es völlig normal ist, dass bei einem Segelboot (und nicht nur bei einem 30 Jahre alten) immer etwas im Argen liegt, wäre ich vermutlich schon längst verzweifelt. Aber Segeln erfordert halt nicht nur Ausdauer bei langen Überfahrten, sondern auch bezüglich der immerwährenden Reparaturen. Wäre ja noch etwas weniger schlimm, wenn man vor Ort sein könnte. Aber rund 2.500 km davon entfernt ist man etwas hilflos.

Aber: werd scho wern.

1 Gedanke zu “Von Madeira nach Sines/Portugal”

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