Jakobsweg – 4. und letzter Tag – Der Bericht

Jakobsweg

Nach dieser luxuriösen Nacht geht es um 10 Uhr auf die letzte Etappe. Es ist ziemlich diesig, feucht und kühl. Aber Pilgern hat ja angeblich was von Entbehrung.

Die Kraft ist halbwegs wieder da und gegen die durch den schweren Rucksack doch noch leicht vorhandenen Rückenschmerzen hilft erstmal eine Voltaren. Doping zwar, aber tut gut.

Das diesige Wetter lässt den Weg etwas trist erscheinen, der Weg über Wiesen und Felder sowie durch Wälder ist aber insgesamt sehr angenehm. Ein paar Steigungen, schwieriger schon fast die Wege nach unten, da fangen die Knie doch etwas zu ziehen an.

Nach 3 Stunden durch die freie Natur erreichen wir das Industriegebiet von Santiago und kommen dann zügig in die Altstadt und zur Kathedrale.

Mein Resümee:

Schönes Erlebnis in der Tat, der Weg, die Herbergen für uns alleine. Der Camino Inglés ist wohl der kürzeste Jakobsweg überhaupt und außer uns sind hier zur Zeit nicht viele Pilger unterwegs. Wir sind auf der ganzen Strecke und auch in keiner Unterkunft und keinem Restaurant auch nur einem einzigen begegnet. Den Camino Inglés laufen wohl nur rund 100 Pilger pro Jahr (die meisten davon wegen der 100 km Grenze für die Pilgerurkunde ab El Ferrol) und außer uns wohl keiner im Januar. Aber schee wars.

Morgen soll es nach dem aktuellen Wetterbericht doch noch ein halbwegs sonniger Tag werden. Das nutzen wir um Santiago noch etwas zu erkunden, bevor es dann am Nachmittag mit dem Zug die rund 80 km zurück nach A Coruña geht. Fahrzeit 30 Minuten. Schon etwas frustrierend.

Jakobsweg – Tag 3 – Der Bericht

Jakobsweg

Bevor es auf dem Jakobsweg weiter geht noch ein Nachtrag zu gestern. Das Restaurant in dem wir uns gestärkt hatten, war sehr nah zur Herberge und sehr freundlich und günstig.

Zu  Suppe, Wein und Brot gab es für 9 Euro pro Person noch einen Hauptgang (Hühnchen- bzw. Schweinekotelett mit Kartoffeln), Dessert (Stück Torte bzw. Flan) und Espresso. Da kannste nicht meckern, zumal das Ganze noch lecker war.

So gestärkt geht es also heute früh weiter. Abgesehen von kurzzeitiger Sonne ist es durchgehend bewölkt, aber glücklicherweise weiterhin ohne Regen. Es geht bis 5 km vor dem Ziel durch wirklich abgelegene schöne Landschaften und immer mal wieder einem Dorf, aus ein paar Häuser bestehend.

Nach rund 27 km dann Ankunft in Sigüeiro. Der Herbergsvater hat der Skipperin die Gemeinschaftsunterkunft aber auch ein Doppelzimmer mit eigener Dusche gezeigt. Ratet mal, auf was die Wahl fiel!

Sofern man aber die kostenlose Minibar

und die Real Madrid Bettdecke (doch eigentlich unbezahlbar 😉

berücksichtigt sind 50 Euro schon ok.

So, jetzt haben wir rund 63 km geschafft, da sollten die restlichen 16 km zur Kathedrale von Santiago de Compostela ja kein Problem mehr sein. Unsere Beine und unseren Rücken dürfen wir dabei allerdings nicht befragen. War für uns schon eine Herausforderung. Aber an Herausforderungen…. Schluss mit Plattitüden.

 

 

Jakobsweg – Tag 2 – Der Bericht

Jakobsweg

Heute morgen ging es weiter auf dem Jakobsweg. Eigentlich müssten wir die Herberge um 8 Uhr räumen, da es aber dann noch dunkel ist (Sonnenaufgang aktuell 9 Uhr) war der Start um 10 Uhr ok.

Der Weg heute ging durch schöne einsame Landschaften und ziemlich kleine Ortschaften mit Zitronen- und Orangenbäumen. Allerdings ging es im Laufe dessen von 50 auf 450 m Höhe. Hört sich nicht nach viel an. Zieht sich aber über auf und ab über etliche Kilometer und hat uns insofern schon etwas gefordert.

Aber auf dem Gipfel gibt es eine Jausenstation. Da kann sich der fleißige Wanderer ja stärken.

Dann war es nicht mehr weit bis zur Herberge des Tages. Etwas rustikaler als Gestern und der Duschbereich ohne Heizung. Das macht frisch.

Das zweite Bild zeigt den Weg zu einem Restaurant, welches laut dem Herbergsvater nur ein paar hundert Meter entfernt ist und für 9 Euro ein leckeres Menü bieten soll. Bei diesem und ein paar Glas Wein werden wir uns für die morgige Etappe stärken können.

 

 

Jakobsweg – Tag 1 – Der Bericht

Jakobsweg

Heute früh um halb 10 sind wir in A Coruña den Jakobsweg gestartet. Laut Monolith haben wir genau 73,204 km bis Santiago de Compostela vor uns.

Wir nahmen den sog. „Bobbys Weg“, der führt abseits vom Jakobsweg statt durch die Stadt an der Flußmündung entlang. Der ist nicht beschildert, aber der Wegführer hat diese Abzweigung gut beschrieben.

Nach ein paar km waren wir wieder auf dem „Original“. Dieser war sehr gut gekennzeichnet. Da hat sich die letzten Jahre wohl einiges getan, da die Markierungen relativ neu aussahen.

Später ging es durch einen kleinen Ort direkt am Flughafen vorbei, mit gutem Blick auf die Start-/Landebahn. Da wird ordentlich Lärm produziert.

Danach, so die zweite Hälfte der Strecke, wurde es etwas ländlicher bis wir dann nach knapp 5 Stunden und 22 km bei unserer Herberge angekommen sind.

Die liegt ziemlich abgelegen, ist aber neu und alles in einwandfreiem Zustand. Die Übernachtung kostet Euro 6 pro Person. Da wir zwei Personen sind, machen die im Januar vermutlich Euro 12 mehr Umsatz als im Dezember!

Weiß, da kommt der Buchhalter in mir durch. Aber bei nur rund 100 bis 200 Wanderern, die den Camino Inglés pro Jahr nehmen, wobei nur die rund 50%, die von A Coruña starten, hier überhaupt vorbeikommen, errechnet sich ein jährlicher Umsatz in Höhe von rund Euro 1.000! Den Business-Plan möchte ich sehen bzw. wer trägt die Verluste?

Egal, für uns ist es eine schöne und äußerst preiswerte Unterkunft. Hätten wir uns gestritten, hätten wir sogar separate Schlafzimmer haben können. Haben wir aber nicht. So haben wir uns dieses romantische Zimmer geteilt:

Ostseesegeln

Ostseesegeln

Stimmt, wir sind in Spanien. Bin aber vorhin über zwei je eine Minute lange Videos „gestolpert“. Meine ersten Versuche auf diesem Terrain. Am Ende des ersten Videos sieht man, warum ich das zweite vom Innensteuerstand aus aufgenommen habe.

 

 

Weihnachtszeit in A Coruña

Weihnachtszeit in A Coruña

Wie an vielen Orten ist die Weihnachtszeit hier an A Coruña etwas ganz besonderes. Die Straßen sind hell erleuchtet und obwohl es etwas kälter geworden ist, sind an den Wochenendabenden die Straßen voll. Macht Spaß mit unterwegs zu sein auf ein Glas Wein, oder ein paar Tapas in einer der Bodegas.

Auch nette Leute haben wir wieder hier in der Marina kennen gelernt. Court und Rafael mit Sohn Gabriel aus New York City. Die drei sind mit ihrem Katamaran, den sie vor ein paar Wochen in Frankreich übernommen haben, unterwegs zu den Kanaren, dann Mittelmeer und anschließend nach Brasilien, wo Rafael herkommt. Die 3 bieten Kojencharter an, guckst Du hier.

Larissa und Chris kommen aus Brasiien, haben in Skandinavien eine Yacht gekauft und sind jetzt auch auf dem Weg zurück nach Südamerika. Die beiden veröffentlichen schöne Videos auf derem YouTube-channel.

Technik-Ecke

Vielen Dank an Norbert, Hagen, Sascha und Yachtwerft Heiligenhafen für die Tipps zur Hydraulikanlage. Jetzt muss ich nur noch entscheiden, ob ich die Schrauben einklebe, oder Dichtringe verwende. Habe aber hier in A Coruña noch keine Kupferdichtringe finden können.

Und dann noch eine Antwort auf die Frage: kann ich Hydrauliköl verschiedener Hersteller mischen und falls ja, auf was muss ich achten (Spezifikationen)?

Dann hat uns noch der Schlosser, der schon ein Stück bei der Ankerbefestigung rausgeschnitten hat die Notpinne stabiler gemacht. Sollte jetzt problemlos funktionieren. Mal schauen.

Alltag in A Coruña

Alltag in A Coruña

Neben der Abwechslung, die uns die rund 50 unterschiedlichen Punkte auf der to-do-Liste bescheren, haben sich auch gewisse Alltagsroutinen eingestellt. Baguette, oder barra de pan wie man hier sagt, holen, Spanisch lernen, die üblichen Verdächtigen wie waschen, kochen und putzen. Dann bleibt bei schönem Wetter manchmal noch etwas Zeit für einen Spaziergang und einen Drink vor einer der zahlreichen Bodegas.

Es ist mittlerweile auch kühler geworden, so um die 12 Grad werden es nur noch. Aber fast jeden Tag Sonne satt.

Dann gab es noch nette Besuche und Gegenbesuche an dem einen oder anderen Abend. Kahlid hatten wir in Cherbourg kennen gelernt. Er ist von dort einige Zeit vor uns Richtung Spanien aufgebrochen, hatte aber, da solo unterwegs, kleinere Etappen bis Camaret-sur mer gewählt. Und wie es der Zufall so will, kam er am Nachmittag des selben Tages wie wir hier an. Da gab es bei dem einen oder anderen Glas Wein viel zu erzählen und am nächsten Morgen einen leicht dicken Schädel. Aber schee wars.

Mit Ginger haben wir noch „adogonacat“ kennengelernt. Kommt mit seiner Crew aus Seattle und startet mit dieser ebenfalls in den Lebensabend auf den Weltmeeren.

Technik Ecke

Damit uns nicht langweilig wird, haben wir auch ein paar Punkte der to-do-Liste abgearbeitet. Vielen Dank an Rainer (Heidelberg) für die zahlreichen tollen Tipps.

Und jetzt noch ein paar „Vorher-Nachher-Bilder“. Die Skipperin meint, das wäre ALLES ganz toll geworden. Schon ein Schatz, die Skipperin.

 

Vivir y trabajar en A Coruña

Vivir y trabajar en A Coruña

Zuerst mal etwas angeben mit den ersten erlernten Worten Spanisch. Allerdings sind wir noch ziemlich weit davon entfernt, ein etwas ausführlicheres Gespräch führen zu können. Aber da muss man halt wie auch beim Thema Arbeiten (siehe weiter unten) Geduld haben.

Ansonsten haben wir uns die letzten zwei Wochen gut in A Coruña eingelebt. A Coruña ist der offizielle und galicische Name der Stadt. Inoffiziell und auf spanisch heißt sie La Coruña. A Coruña hat knapp 250.000 Einwohner und eine lange Geschichte. Wie in Spanien wohl üblich, spielt sich das Leben, insbesondere natürlich an Wochenenden, im Freien auf den zahlreichen Plätzen und in den engen Gassen mit zahlreichen Geschäften und (vor) Restaurants ab.

Das leben hier ist insgesamt deutlich günstiger als z.B. vorher in Frankreich. So gefühlt bei rund 50% der dortigen Preise, sowohl was den Supermarkt betrifft, als auch Restaurants. Fische ganz gibt es ab € 4/5 pro kg im Markt, oder Supermarkt. Ein Glas Bier oder Wein in (bzw. im allgemeinen vor) einer Bodega bei rund € 2. Im „Gasthof“ ein einfaches Menu inkl. Vor- und Nachspeise, Brot, Getränk und Café für € 10. Das schont die Bordkasse.

Allerdings statt zu sparen haben wir uns Tickets für das Konzert von Shakira im hiesigen Coliseum geholt. Die sind hier leider genauso teuer wie anderswo.

An die Ladenöffnungszeiten müssen wir uns allerdings noch gewöhnen. Bis wir nach dem Aufstehen mit dem Frühstück fertig und startklar für einen Einkaufsbummel sind, schließen zahlreiche Geschäfte bereits wieder für die Siesta. Diese dauert unterschiedlich lange, manche öffnen bereits um 15:30 wieder, andere erst um 17:30.

Restaurants öffnen teilweise ab 20:30 und füllen sich gegen 22 Uhr erst so richtig. Das warten lohnt sich aber, den es gibt dort leckere Sachen zu, wie erwähnt, moderaten Preisen. Der Pulpo ist hier sehr beliebt, aber doch etwas gewöhnungsbedürftig. Mit einer Tapa „Mini bugero de pulpo“ haben wir den ersten Versuch unternommen und es hat geschmeckt.

Arbeiten?

Na gut. Haben wir mit begonnen. Vielen Dank an Dody von der SY Tonga für die tollen Tipps.

So richtig fertig wurden erst 6 von 50 Positionen. Aus den Top 10 haben wir mit 6 Punkten begonnen, bei dreien (Decksbelag, Tagestank und Tischfurnier erneuern) denken wir darüber nach, diese erst bei dringenderem Bedarf umzusetzen. Zu unseren Gunsten darf man aber erwähnen, dass etliche Sachen auch erst bestellt werden mussten. Aber wie oben schon erwähnt, Geduld muss man haben, oder wie man hier sagt: mañana.

 

Winterblues?

Winterblues?

Wir sind jetzt seit Samstag in A Coruña und haben die ersten Erkundigungen begonnen. Der erste Eindruck, als wir Samstag Nachmittag in der Marina A Coruña ankommen, ist nicht sehr positiv. Das Wetter ist zwar schön, was dann auch vieles andere schön erscheinen lässt.

Die Marina überzeugt uns aber irgendwie nicht. Kleinigkeiten, nichts besonderes. Und A Coruña macht aus der dortigen Perspektive auch keinen guten Eindruck auf uns. Laut Marina-Beschreibung liegt diese kurz vor der Altstadt. Deshalb sind wir ja dorthin. Es kommen schon die ersten Gedanken: Doch so schnell wie möglich weiter nach z.B. Vigo?

Es gibt aber noch eine zweite Marina hier, die des königlichen Yachtclubs. Also kurzer Spaziergang und ja, sehr schön. Die Marina selbst ist jetzt nicht der pure Luxus, aber alles da was man braucht, in ordentlichem Zustand und das beste: mitten drin und der Blick auf die Stadt sehr schön. Wir lieben auch die verträumten Häfen oder Ankerbuchten. Aber immer mal wieder eine Stadt und dann mittendrin, wo immer etwas mehr los ist, zählt halt auch zu unseren Lieblingsstationen.

Das Wetter hier bisher war astrein, mal ein paar Wolken, ansonsten Sonne pur bei T-shirt-Temparaturen ab Mittags. Nachts und Morgens etwas kühler, aber sehr erträglich. Befürchte aber, dass es sich auch hier mal zum schlechteren ändern könnte. Morgen ist hier erst mal Feiertag, Todos los Santos.

Winderblues? Der wird wohl abgesehen von dem schönen Wetter auch ansonsten nicht aufkommen. Warum? Wir haben jetzt 2800 sm im Kielwasser der Luna Mare, bis auf 230 sm haben wir alle seit dem wir aufs Boot gezogen sind, zurück gelegt. Jeder weiß: Gerade zu Beginn stellen sich etliche Themen ein. Sofern notwendig haben wir die jeweils direkt behandelt.

Trotzdem haben wir jetzt eine to-do-Liste mit fast 50 Positionen. Größere wie Tagestank austauschen, Ankerbeschlag erneuern, aber auch kleinere wie Seifenspender mit Wandbefestigung, zusätzliches Licht für die langen dunklen Abende, oder Getränkehalter (meine willkürlich gewählte Top-10-Liste siehe weiter unten)

Deshalb werden wir die nächsten Wochen/Monate hier bleiben. Ende Dezember mal nach Deutschland und im neuen Jahr dann die Weiterfahrt planen. Da wir die Karibik auf den Winter 2018/19 verschoben haben, bleibt uns jetzt ein Jahr, um die rund 2000 sm zu den Kap Verden zu segeln. Andrea würde sagen: das schafft ihr in 3 Wochen. Das würde aber von meinem bayerischen Gemütlichkeitsmaßstab erheblich abweichen ;-).

Hier die Top 10. Sofern jemand Ideen/Ratschläge hat, immer her damit. Vor allem bei den Punkten wo ich wenig Ahnung von habe. Sind leider die meisten:

Platz Nr.10:

Platz Nr. 9:

Platz Nr. 8:

Platz Nr. 7:

Platz Nr. 6:

Platz Nr. 5:

Platz Nr. 4:

Platz Nr. 3:

Platz Nr. 2:

Platz Nr. 1:

A Coruña

A Coruña

Klar, haben schon viele gemacht, für uns aber schon etwas ganz Besonderes: Beim dritten Versuch hat es geklappt und wir haben die Biskaya überquert und sind in A Coruña angekommen.

Nachdem ich zwei mal angekündigt hatte, dass wir nun für einige Tage unterwegs sein werden und dann wegen technischer Probleme aufgehalten wurden, diesmal ohne Vorankündigung.

Wegen des Motorproblems sind wir ja in Roscoff statt Camaret-sur-mer gelandet und warten auf ein passendes Wetterfenster, dass ja hoffentlich nach dem Durchzug von diversen Tiefdruckgebieten kommt. Und so ist es auch. Das Programm für die Routenplanung sagt, dass es am 24. Oktober passen wird. Durchgehend Windstärke mindestens zwei, aber nie mehr als 6, auch nicht in Böen. Und schönes Wetter ist angesagt.

Am 25. soll es sogar noch marginal besser sein. Aber jetzt wollen wir los, also geht es am 24. mit dem Morgenhochwasser um 9 Uhr raus. Die Routenplanung hat berechnet, dass wir knapp 5 Tage benötigen werden. Wie vorhergesagt geht es mit frischer Brise bis starkem Wind (also 5 bis 6 Bft) los. Wellenhöhe zwischen 3 und 4 Metern. Ist also etwas wackelig zum Beginn, aber das hilft vielleicht, dass unsere „Seebeine“ schneller wachsen.

Es ist noch bewölkt, aber für den nächsten Tage ist Sonne vorhergesagt. Eine sternenklare Nacht verheißt gutes. Aber direkt nach Sonnenaufgang hat sich eine Art Hochnebel gebildet, der bis zum Abend bleibt und uns einen grauen und kühlen Tag beschert. Erst kurz vor ihrem Untergang zeigt sich die Sonne dann doch noch kurz mal. So schaukeln wir weiter durch die relativ hohen und, da kurz und steil, unangenehmen Wellen. Die Höhe soll sich aber im Laufe der Überfahrt von den jetzt immer noch 3m auf unter 1m reduzieren und sie sollen länger, und damit angenehmer werden.

Die erste Nacht ist wie immer noch nicht Routine, das heißt, die Schlafphasen sind noch nicht so intensiv. Bringt etwas Müdigkeit, die aber in der zweiten Nacht in den 3 Stunden Freiwache schon einen besseren Schlaf beschert. Auch am 3. Tag bleibt uns das diesige Wetter erhalten. Nicht schön, aber wir haben mittlerweile weniger Wind, aber noch ausreichend, um so 4 bis 5 kn Fahrt zu machen und die mittlerweile niedrigere Welle macht die Fahrt zudem bequemer.

Allerdings kommen wir nur langsam voran, da der Wind mal wieder von vorne kommt und wir entsprechend kreuzen müssen. Nach 24 Stunden haben wir uns dem 390 sm entfernten Ziel nur um 70 sm angenähert. Die Hälfte des Weges haben wir nach rund 65 Stunden erreicht. Da die Ankunftszeit für 1:40 Uhr in der Nacht von Samstag auf Sonntag berechnet wurde, macht das nichts, wir kommen eh lieber bei Tageslicht an.

Mittlerweile ist Donnerstag und die Sonne zeigt sich schon immer mal wieder. Das macht die Überfahrt noch schöner, als sie bisher eigentlich eh schon ist. Abgesehen halt das wir langsam vorankommen.

In der Nacht auf Freitag verzieht sich der Wind allerdings. Laut anfänglicher Vorhersage war das so nicht vorgesehen, aber ein aktueller Wetterbericht hat das angekündigt. Aber auch, dass der Wind von Südost über Süd, West, Nord bis Ost dreht und wieder an Stärke zunimmt, so 5 bis 6 Bft. sollen es werden. Also für alle etwas dabei. Da unser Kurs Südwest ist, können wir also mit dem Wind mitdrehen, um dann bei passendem Winkel die Richtung zu ändern.

Das ist toll, aber was nützt Wind aus der richtigen Richtung, sofern er zu schwach ist um uns voran zu bringen. Also Motor an um so lange zu motoren, bis der Wind wieder ausreichend Stärke gewonnen hat. Ich hatte ja von unseren Motorproblemen berichtet. In den letzten 3 Tagen lief er einmal 3 Stunden und ging dann wieder von selbst aus, dann zwei Stunden zum Laden der Batterie ohne das er von selbst ausging.

Jetzt hat es aber nur ein paar Minuten gedauert, bis er sich wieder abgestellt hat. Das auf ungefähr halbem Weg, mitten auf der Biskaya, kurz vor Mitternacht. Mist. Nachdem alle sagten, dass es vermutlich nicht die Elektronik ist, sondern der Motor einfach nichts zum saufen bekommt, nochmal den Weg des Diesels vom Tank zum Motor verfolgt. Und es zeigt sich kurioserweise, dass sich der „Dieselentnahmeschlauch“ am Tankboden fest-gesogen hat und dadurch kein Diesel fließen konnten (Details weiter unten in der „Technik-Ecke“).

Dadurch hatten wir jetzt „freie Fahrt“ und der Motor läuft für fast 12 Stunden am Stück. Für 12 Uhr hat der letzte Wetterbericht zunehmend Wind (3 bis 4 Bft) aus Ost-Nordost angekündigt, also perfekt von hinten bzw. später auf Ost drehend, also von schräg hinten. Perfekter Segelwind also. Kein Witz: ich schaue um kurz vor 12 nach hinten und sehe, wie sich die See langsam kräuselt und tatsächlich, Wind frischt auf und wir können Segel setzen!

Wind von hinten bedeutet allerdings, dass die normale Segelstellung nicht funktioniert, da das Vorsegel durch das Großsegel vom Wind abgedeckt wird und es entsprechend zu Schlagen anfängt. Und die Gefahr einer Patenthalse (Baum wandert vehement von einer Seite auf die andere und bringt damit Risiken für die Besatzung und das Schiff) zu vermeiden haben wir den Baum mit einem sogenannten Bullenstander festgezurrt. Und das Vorsegel mit einem sogenannten Spi-Baum stabilisiert.

Dann gibt es noch die Möglichkeit, Großsegel auf der einen und Vorsegel auf der anderen Seite zu führen (Schmetterling). Und bei den vielen Möglichkeiten haben wir tatsächlich eine Stunde benötigt, bis wir nach ewigem hin und her die passende Segelstellung gefunden haben.

Durch die Motorfahrt hatten wir etwas Zeit gewonnen und jetzt scheint es plötzlich möglich, bereits Samstag evtl. sogar noch vor Sonnenuntergang anzukommen. Aber dafür muss sich der Wind halt wie angekündigt entwickeln, dass also aus 3 bis 4 später 5 bis 6 werden. Tut er dann auch und wir rauschten mit 6 bis teilweise mehr als 7 Konten durch den Tag und die Nacht auf Samstag.

So haben wir plötzlich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 6 kn. Da wir fast ausschließlich im Innensteuerstand sind und daher der Wind nicht als so stark gefühlt wird wie er ist, rauscht die ja eigentlich immer mal wieder von Seekrankeit geplagte Skipperin wagemutig bei ständig stärker werdendem Wind durch die zunehmend unruhigere See und sagt freudestrahlend morgens um 6 Uhr beim Wachwechsel: Guck mal wie schnell wir sind.

Und es ist das erste mal das ich sage: „Lass uns reffen“ und die Skipperin „wieso?“. Aber trotz zweitem Reff im Großsegel und etwas verkleinertem Vorsegel geht die Rauschefahrt weiter und bereits um 9 Uhr, also mit Sonnenaufgang, können wir Land sehen. Aber wir müssen uns erst mal auf das Boot konzentrieren. Als eine Art „Abschiedsgeschenk“ aus der Biskaya nimmt der Wind noch für kurze Zeit auf 7 Bft. (laut Windstärkentabelle „steifer Wind mit 28 bis 33 kn“) zu, aber nur kurz, um uns dann bei mäßigem Wind die Anfahrt auf A Coruña zu einem Genuss werden zu lassen. Und das ist es auch. Die Sonne scheint, es ist angenehm warm und die Luna Mare segelt gemütlich Richtung Marina.

Am Samstag, 28.Oktober um 15 Uhr legen wir dann in der Marina Coruña an. Für den direkten Weg von 392 sm hatten wir wegen Kreuzen 441 sm (rund 800 km) zurück gelegt und rund 100 Stunden benötigt. Wir sind überglücklich. Es war insgesamt eine tolle Überfahrt und eben noch besser, das Motorproblem konnten wir lösen.

Jetzt sind es fast auf den Tag genau 6 Monate, seit dem wir am 29. April 2017 auf das Boot gezogen sind. Seitdem haben wir mit der Spanischen die 8. Gastlandflagge gesetzt und rund 2.600 sm (rund 4.800 km) zurück gelegt. In den 7 Jahren davor, seit wir in 2009 mit dem Hochseesegeln angefangen haben, waren es in Summe 3.800 Meilen, also nicht mal doppelt so viel wie in den letzten 6 Monaten. Und doch ist das nichts, bedenkend welche Strecken noch vor uns liegen werden.

Technik-Ecke:

Hier, falls es interessiert, die Details zum Motorproblem und deren Behebung.

Auf ungefähr halber Strecke um kurz vor Mitternacht von Roscoff nach A Coruna, also mitten auf der Biskaya, haben wir den Fehler gefunden und beseitigt! Unglaublich aber wohl war: blockiertes Steigrohr. Jetzt denkt ihr vermutlich: Das muss man doch als erstes prüfen! Haben wir gemacht, aber kein Problem gefunden, da es nicht verstopft war. Dann hatten wir in der Nacht von Donnerstag auf Freitag Flaute. Der Motor lief bereits zweimal, einmal 3 Stunden mit ausgehen, einmal 2 Stunden ohne. Also Motor an, aber nach ein paar Minuten ging er bereits wieder aus.

Shit. Was tun. Wir nutzen die Windsteuerung noch nicht, da unsere (Not-)Pinne Mist ist. Restliche Strecke von Hand steuern, da wir keinen Strom produzieren können (bis dahin hatten wir wenig Sonne und der Windgenerator produziert anscheinend nur bei Sturm richtig Strom).

Also nochmal die Dieselzufuhr geprüft. Dieselfeinfilter am Motor hatte ich vor drei Tagen ausgetauscht, das Schauglas des Vorfilters zeigte weder Wasser noch sonst irgendwelche Verunreinigungen und die Leitungen sind alle ok. Also wieder Tagestank geöffnet, reinster Diesel ist zu sehen. Dann denke ich mir: Der Gummischlauch für die Dieselentnahme steht präzise senkrecht im Tank. Hat der sich am Tankboden festgesogen?

In der Tat, so war es. Deshalb war der Fehler nur sporadisch. Den es bedurfte zweier Voraussetzungen, damit das passieren konnte:

1. Der Tank hat sich auf Grund des warmen Rücklaufdiesels am Anschlussbereich noch oben gewölbt. Das muss wohl bereits im Juni passiert sein, da wir Anfang Juli in Wladislawowo zum ersten Mal das Problem hatten (damals hatten wir uns in die Marina schleppen lassen). Dann war mehrere Monate Ruhe, bis es seit Cherbourg immer häufiger auftrat. Das Material des Tanks ist wohl zu dünn.

2. Dadurch lag der Schlauch nicht mehr am Boden auf, sondern “schwebte” wohl darüber. Der Schlauch hat sich dann im durch den Dieselrücklauf erwärmten Tank so gedehnt, dass er bis zum Boden reichte und sich dort festsaugen konnte. Es hat wohl ein paar Stunden gedauert hat, bis der Tank bzw. Tankinhalt die richtige Temperatur zur für den Bodenkontakt präzisen Ausdehnung des Schlauches hatte. Deshalb war die Batterie immer voll geladen als der Motor ausging. Fehlende Ahnung wird halt durch Phantasie ersetzt, weshalb ich höchst komplexe elektronische Probleme vermutet hatte.

Damit war die Reparatur allerdings einfach. Einfach ein Stück Schlauch abgeschnitten, damit es dieser auch bei reichlich Ausdehnung nicht mehr bis zum Tankboden schafft. Also doch: Size matters.

Die Wahrscheinlichkeit im Lotto zu gewinnen ist vermutlich höher, als das so etwas passiert.

Es ist mittlerweile Mitternacht und wir können endlich sorglos motoren.