Ruhe vor dem Sturm?

Ruhe vor der Sturm?

Ab morgen, Donnerstag Mittag, soll es hier bis zum Sonntag windig werden. Habe vor zwei Tagen den Wetterbericht auf wetter.com abgerufen und mit Schrecken erkannt: Sturm mit orkanartigen Böen bis über 60 kn (114 km/h) werden für Samstag vorhergesagt.

Muss zugeben, da kam etwas Panik auf. 60 kn übersteigen mein Vorstellungsvermögen schon ein wenig. Gleich mal bei erfahrenen Seglern Ratschläge eingeholt, wie man das Boot bei dem Wind sicher macht.

Laut Wetterbericht von Gestern waren es dann schon „nur noch“ 52 kn (100 km/h) und laut Wetterbericht von eben scheinen es nicht mehr als 40 kn (74 km/h) zu werden. Immer noch reichlich Wind, aber bei weitem nicht so zerstörerisch wie es > 60 kn sein könnten.

Anyway. Sicherungsmaßnahmen werden ergriffen. Zusätzliche Landleinen ausgebracht, Solarpaneele abgebaut, Dinghi etwas aus dem Wind nehmen und ansonsten alles was umherfliegen kann festzurren.

Aber heute ist noch „Ruhe vor dem Sturm“. Ein schöner Spätsommertag ist vorhergesagt. Hier ist immer Mittwochs der Wochenmarkt. Also läutet um 9 Uhr der Wecker :-), damit wir dahin kommen, bevor der um 14 Uhr wieder schließt. Haben wir dann auch geschafft und uns für das Abendessen eingedeckt.

Neben Gemüse für die Beilage (Butternut Kürbis, Romanesco, Brokkoli) haben wir noch einen „Pollack“ erworben. Die französische Bezeichnung für diesen Fisch lautet „Lieu jaune“, die wissenschaftliche „Pollachius pollachius“. Noch nie davon gehört, habe ich weder in Bayern noch in Hessen bisher gesehen. Aber sehr lecker.

Schon mal ein paar Sturmvorbereitungen am Boot erledigt und danach das schöne Wetter für eine kleine Wanderung genutzt. Ein schöner 12 km Rundweg, in den wir hier direkt am Hafen „einsteigen“ konnten.

Und jetzt schauen wir mal, was der Wind die nächsten Tage so machen wird. In einem Buch über Schlechtwettersegeln hat der Autor bei Sturm (ok, er meinte damit nicht die rund 40 kn, die Stand heute erwartet werden, sondern die über 60 kn) empfohlen, sich mit einem Buch in die Koje zu verkriechen und das Ende des Sturmes abzuwarten. Hört sich für mich nach einer guten Idee an ;-).

Weiter draußen scheint aber doch ordentlich was los zu sein. So, dass sogar Kurse für Schlechtwettersegeln wegen zu schlechtem Wetter abgesagt werden müssen. Aber bei Windstärke 10 wäre das ohnehin Verantwortungslos bzw. wie man „hier“ so sagt, keine gute Seemannschaft.

Natürlich dürfen an dieser Stelle die Gezeitenbilder nicht fehlen 😉

Endlich geht es weiter

Endlich geht es weiter

Endlich, am Dienstag war es so weit. Die Luna Mare wieder startklar. Zuletzt hatte der Auspuffkrümmer noch für Verzögerung gesorgt. Nun war aber die Halterung wieder angeschweißt und zwei Lecks an Schweißnähten wurden wieder dicht gemacht. Hoffentlich hält das jetzt.

Jetzt können wir wieder planen. Freitag scheint ein guter Tag zu sein für die Weiterfahrt. Nach so langem Warten wollen wir es bis Camaret-sur-mer versuchen. Das wäre dann ein guter „Warteplatz“ für das Biskaya-Wetterfenster. Auch wenn wir etliche Monate darauf warten müssten.

Heute morgen, wir schreiben Donnerstag den 12.10., um 10 Uhr den Wetterbericht aktualisiert. Sieht doch eigentlich für heute schon gut aus, etwas mehr Wind von vorne, aber moderat mit 15 bis 20 Knoten, nur gelegentlich darüber, aber nie mehr als 25 kn (so 45 km/h). Wegen der Gezeitenströme können wir nur um 14 Uhr raus, bleibt also noch Zeit für die Vorbereitung.

Die Nacht vor der Weiterfahrt, zumindest bei mehrtägigen, kann ich vor Aufregung eh nicht richtig schlafen. Das kann ich dann auch draußen erledigen. Skipperin freut sich auch auf den nächsten Anlegeplatz, also nichts wie los. Uns bei den in den letzten 6 Wochen lieb gewonnenen Helen und Hansueli von der Dada Tux verabschiedet und kurz vor 14 Uhr die Leinen gelöst.

Schönstes Segeln, was es für mich immer ist, falls der Wind in richtiger Stärke mit uns ist und wir einfach nur dem Ziel entgegen rauschen. Dann hat die Strömung noch für einen zügigen Anfang gesorgt. Spannend die Stellen, an denen dann Strömungen aus unterschiedlicher Richtung zusammen kommen, der Wind noch etwas beisteuert und die Luna Mare etwas herumwirbelt.

Nach Alderney und den Casquets müssen wir nun Richtung Südwest, ungefähr die Richtung, wo auch der Wind herkommt. Wir haben mit 52 Stunden für die 185 sm (340 km) gerechnet. Das müsste also reichen und notfalls unter Motor etwas Strecke gut machen. Zumal wir dank günstiger Windrichtung und Strömung nach 9 h schon 50 sm gesegelt sind.

Das folgende Bild (Dank an SY Columbia für die Zusendung) zeigt einen Teil unseres Weges nach Roscoff (am Bild unten links). Am Beginn der Strecke oben kann man schön sehen, wie sich der Wind gegen uns gedreht hat. Anfangs noch ungefähr Südwest Richtung Ziel, dann West und am Ende, bevor wir dann gewendet hatten nach Ostnordost.

Geht dann auch munter durch die Nacht. Gefühlt sind wir ganz gut vorangekommen, aber beim Kreuzen mit dem Zick-Zack-Kurs merkt man nicht direkt, dass man trotz 5 kn Fahrt vielleicht nur 2 kn Richtung Ziel gut macht.

Also machen wir jetzt, Freitag Nachmittag mal den Motor an. So um 16 Uhr denke ich mir, wir sind gut im Plan, aber lassen wir ihn noch eine Stunde laufen, dann haben wir wieder etwas „Vorsprung“ und können „gemütlich“ durch die nächste Nacht kreuzen.

Pustekuchen, Motor ging aus. Mit Symptomen, die wir ja schon kennen. Mir fiel bei einem Neustart auf, dass die Lichtmaschine die Batterien mit hoher Ampere-Zahl lädt, obwohl die voll sind und dann einfach ausgeht. Ein Problem mit dem Laderegler? Das vielleicht nur bei voller Batterie auftritt?

Ein neuer Startversuch, nachdem die Verbraucherbatterie noch bei 94% seiner Kapazität war, war erfolgreich. Muss also die Batterie nur nicht vollgeladen sein, damit der Motor läuft? Klingt etwas abstrus. Scheint aber so zu sein.

Trotzdem nehmen wir mit diesem unsicheren Motor die Fahrt nach Cameret-sur-mer nicht mehr auf uns. Die Strecke dahin ist ab der Île d’Ouessant wegen Gezeitenströmen und gezeitenabhängigen Untiefen und Felsen nicht ganz ohne. Da sollten wir sicher manövrierfähig bleiben. Also neues Ziel: Roscoff. Die Anfahrt ist überschaubarer und dort kann man uns eher in den Hafen schleppen. Haben wir ja schon in Wladyslawowo Erfahrung mit gemacht.

Also weiter gesegelt, was trotz kreuzen aber durchaus positiv war. Kurz vor Mitternacht waren wir 15 sm vor Roscoff. In der Abenddämmerung waren wir uns noch sicher, das wird das erste Einlaufen in einen Hafen in der Dunkelheit.

Es ist dann aber so was von Stockdunkel. Außerdem wissen wir nicht, ob unsere Annahme hinsichtlich Ladezustand Batterie stimmt und der Motor hält. Also entscheiden wir uns für die sichere Variante und verbringen die restliche Nacht mit gebührendem Landabstand draußen.

Um 5 Uhr morgens dann Kurs auf Roscoff aufgenommen. Da wir noch 15 sm entfernt waren, weiter aufgekreuzt. Will ja den Motor gutmütig halten. Dann 6 sm vor der Marina diesen angemacht. Die Batterie lädt allerdings sehr schnell. Schön im allgemeinen. Aber nach unserer Theorie nicht gut. Also einfach Wassermacher einschalten, der verbraucht mit 80 A ungefähr so viel wie die Lichtmaschine erzeugt. So können wir den Level bei 80% halten.

Und ja, der Motor hält durch bis ans Ziel. Jetzt ist ja diese Theorie, hinsichtlich Motorenproblem bei voller Batterie und dass uns quasi der Wassermacher nach Roscoff gebracht hat, schon sehr speziell und stimmt möglicherweise ja auch nicht, weil etwas anderes die Ursache für die Aussetzer ist.

Aber was in keinem Segelkurs erwähnt wird und man bei Langfahrtbüchern mit einem Schmunzeln liest: Es gibt immer noch einen drauf:

Alles läuft gut, wir motoren in die Marina und ja, gleich da ist eine freie Box. Diese direkt angesteuert und kurz davor zieht die Luna Mare nach Steuerbord (rechts) an den Steg. Mist, Rückwärtsgang eingelegt, noch ein Versuch. Gleiches Ergebnis. Shit, das anlegen hatte doch eigentlich schon ganz gut geklappt. Dritter Versuch, vielleicht Strömung, aber so viel. Schlage das Steuer voll auf Backbord (links), laut Ruderlageanzeige steht das Ruder aber weiterhin auf Steuerbord (rechts)?!?

Der mögliche Super-Gau ist eingetreten: Das Ruder ist fest, wir sind mitten in der Marina, 5 cm vor der sichern Box, manövrierunfähig. Durch abwechselnde Vorwärts- und Rückwärtsfahrt versucht, uns von anderen Booten und der Hafenmole fern zu halten. So kommen wir einem Katamaran beträchtlich näher. Eine Frau seilt jemanden eben den Mast hoch.

Ich rufe „Hilfe, unser Ruder funktioniert nicht mehr“, vor uns der Katamaran, hinter uns die Hafenmole. Um uns zu retten, oder deren Katamaran?, ist der Skipper in null komma nix wieder an Deck und nimmt unsere Leinen an, so dass wir längsseits gehen können.

Die freundlichen Leute von der Marina schleppen uns dann in eine Box und trotz der Entfernung steht dort auch schon wieder der Skipper des Katamarans, um unsere Leinen anzunehmen. Unglaublich, wie man sich hier gegenseitig hilft.

Das schlimmste befürchtend mache ich mich gleich auf die Ursachenforschung und stelle fest, der Hydraulikzylinder fiel im wahrsten Sinne des Wortes auseinander. Und zwar so, dass dieser dann das Ruder so blockiert hat, dass auch die Notpinne keine Chance mehr gehabt hätte.

Die Chancen, dass etwas auf einem Segelboot kaputt gehen kann, sind wohl unzählig und endlos. Aber jetzt ist das Teil wieder festgeschraubt (mir ist unklar, wie es technisch überhaupt möglich ist, dass sich dass so lange rund dreht, bis die Schraube draußen ist).

Der Motortest verläuft insofern positiv, weil er einfach läuft, negativ aber insofern, als dass unsere Batterietheorie nicht bestätigt wurde. Ob da so eine Art Zufallsgenerator eingebaut ist.

Anyway, jetzt sind wir in Roscoff

und schauen mal, wann wir das nächste Ziel ansteuern. Von den ursprünglich geplanten wenigen Tagen, sind wir jetzt schon seit 7 Wochen in Frankreich. Für die Biskaya sind die nächsten 10 Tage laufend Winde mit gelegentlich 40 bis über 50 kn (75 bis über 90 km/h) angesagt. Nichts für uns.

So bleiben wir erst mal hier. Eventuell noch nach L’Aber-Wra’c, und/oder Cameret-sur-mer, um statt hier dort auf das passende Wetterfenster zu warten. Würde die Strecke über die Biskaya von 400 sm (740 km), die es von hier sind, auf 370 (685) bzw. 340 (630) verringern. Und wie wir wissen, beim Warten muss man geduldig sein, speziell als Schönwettersegler, wie wir es sind.

Wenn das so gemütlich weiter geht, muss ich noch unser Motto „7 Jahre 7 Meere“ in „7 Jahre 7 Länder“ ändern ;-).

Man, start the engine

Man, start the engine.

Ja, er läuft wieder. Nachdem Vincent vorhin den Anlasser getauscht hat, sprang der Motor direkt wieder an. Das lange Zeit als nervig empfundene Motorengeräusch entwickelt sich, auf diese hinterlistige Art und Weise, zu einem wohltuenden Klang.

Und bereits für morgen Nachmittag hat Vincent angekündigt, die übrigen Arbeiten (Kühlwasserleitung tauschen, Halterung für Auspuffkrümmer an demselben anschweißen) zu erledigen.

Sieht so aus, dass uns in Kürze nur noch das Wetter, oder unsere Trägheit hier im Hafen halten können. Mal schauen, wer gewinnt. Jetzt macht es jedenfalls wieder etwas mehr Sinn, die Wetterdaten für die alternativen Routen runterzuladen und auf Segelbarkeit zu prüfen.

Fast so schön wie ein Sonnenuntergang:

 

Hafenrundfahrt

Hafenrundfahrt.

Da der große Motor weiterhin defekt ist, haben wir den kleinen mal getestet. Ich hatte diesem schon vor einigen Wochen einen Ölwechsel gegönnt und die Zündkerze erneuert. Jetzt wollen wir diesen auch mal in Aktion erleben.

Im März 2016 haben wir das Beiboot in eBay ersteigert und dann bei einem ausgesprochen sympathischen Berliner abgeholt. Seitdem hing es an der Reling fest.

Also aufgeklappt, Motor dran und es funktioniert. Tut gut. Im Leerlauf verabschiedet sich der Motor zwar immer wieder, lässt sich aber ziemlich problemlos wieder starten. Muss da vermutlich die Leerlaufdrehzahl anpassen. Gleich mal das Handbuch zu Rate ziehen.

Das Wetter ist seit Gestern auch ganz angenehm, aber wohl nicht dauerhaft. Die Vorhersage sieht da schon etwas anders aus als die kürzlich für Vigo gepostete. Egal, schön ist es hier trotzdem.

Übermorgen kommt der Motormann und dann schauen wir mal, ob er den Lombardini zum Laufen bekommt. Danach noch eine Schlauchleitung im Kühlwasserkreislauf erneuern und eine Halterung für den Auspuffkrümmer anschweißen lassen und schon könnten wir wieder schauen, ob es doch noch weitergeht in diesem Jahr.

Hernach geht es noch aufs Fest der Normandie, Musik hören und ein Bier genießen (oder vielleicht passender Apfel-Cidre?) und dann müsste ich die Tage nochmal mit meinem schicken Neoprenanzug 😉 ins Wasser. Anoden auf Verschleiß prüfen. Ist irgendwie bei Sonnenschein angenehmer als bei Regen, obwohl es unter Wasser eigentlich egal ist.

Ah ja: Da Fitness ja auch wichtig ist, sind wir nach vielen Jahren mal wieder zusammen gejoggt! Mal schauen, ob wir das zu einer regelmäßigen Angelegenheit machen können.

Bonjour France

Bonjour France

Um 7 Uhr geht der Wecker. Wir wollen passend mit statt gegen der Strömung, die hier mit um die 5 bis 6 kn stellenweise ganz ordentlich sein kann, rausgehen. Nach Duschen und Frühstück Leinen klargemacht, Ablegeprozedere besprochen etc. Alles vorbereitet, fertig zum Ablegen.

Motor starten und vorsichtig die Box verlassen. Nur: der Motor startet nicht. Keinen Mucks macht er. Schnell wird klar, wir kommen heute nicht los.

Nach Kontaktaufnahme mit Motorenlieferant und Werft scheint es wohl der Anlasser zu sein, der Anlass zur Sorge macht. Die Vermutung ist, dass da irgendwie Wasser reingekommen ist.

Mit Unterstützung von Lieferant und Werft müssen wir jetzt schauen, wie es weitergeht. Möglicherweise Glück im Unglück ist, dass hier in der Marina ein Lombardini-Vertragshändler mit Werkstatt ist.

Also schon mal die Liegeplatzgebühren für eine weitere Woche bezahlt. Dann kann ich wohl schon mal die Französisch-Kenntnisse aufbauen, damit wir zumindest sprachlich gut durch den Winter kommen. Aber wir wollen die Hoffnung auf eine Weiterfahrt noch nicht aufgeben.

Das hier ist der vermeintliche Übeltäter, sieht doch eigentlich ganz ok aus:

Au revoir France

Au revoir France!

Das Boot ist soweit wieder startklar, der Wetterbericht sagt weiterhin, dass Wind in richtiger Richtung und gemäßigt zu erwarten ist. Auch Napoleon Bonaparte zeigt uns schon mal den Weg raus aus Frankreich:

Dann heißt es jetzt wohl los. Plan ist, direkt nach Vigo/Baiano zu gehen (660 sm). Aber sofern irgendwas dazwischen kommt, haben wir hier in Frankreich die nächsten rund 200 sm noch z.B. Roscoff, oder Brest als Anlaufpunkt, oder dann halt nach der Biskaya A Coruna.

Der „gute“ Wind reicht laut Vorhersage für die ersten 330 sm, also die Hälfte des Weges. Dann soll er etwas zu stark abschwächen und von Süden, also von dann vorne kommen. Morgen früh nochmal ein Wetterupdate und dann werden wir das schon irgendwie schaffen, ohne dass wir wegen zu viel Wind nervös werden, oder mit zu wenig Wind tagelang in der Baskaya rumtreiben müssen.

Die Aufregung und Vorfreude steigt minütlich. Nur noch einmal schlafen. Sofern es uns die Aufregung erlaubt. Zur Motivation habe ich schon mal die Wettervorhersage für Vigo aufgerufen.

Sieht doch gut aus. Tja, wenn man schnell genug ist, kann einem der Sommer halt nicht entkommen ;-).

 

Cherbourg

Cherbourg

Wir sind jetzt seit 12 Tagen in Cherbourg. Wind steht bisher gegen uns und teilweise auch etwas stärker, als wir so im Alltag benötigen.

Hat aber auch sein Gutes. Die rauchende EM-Box wurde gegen eine hoffentlich nicht rauchende ausgetauscht. Mittlerweile ist auch noch der Laderegler für Windrad/Solarpanelle unterwegs. Der vorhandene hat immer mal wieder Funktionsstörungen. Einkäufe bei Amazon.fr, die sind hier genau so schnell wie die in D.

Ansonsten > 50% gefaulenzt (tut richtig gut), kleinere Sachen am Boot (eben EM-Box-Austausch, Rauchmelder anbringen), einkaufen, kochen, essen und es uns einfach gut gehen lassen.

Nette Leute kennengelernt bzw., wie die Crew der Dada Tux, die wir nach Warnemünde im Juni hier zufällig wieder getroffen haben und so den einen oder anderen netten Abend verbracht. Und ich kann mein mühsam erlerntes rudimentäres Französisch immer mal wieder zum Einsatz bringen.

Wie geht es weiter? Für Freitag sieht es so aus, als würde sich der Wind, was die Richtung und Stärke betrifft, auf unser Ziel und unser Segelvermögen einstellen. Natürlich schwer zu sagen, wie lange er das so durchhält. Danach entscheidet es sich dann, ob wir uns weiter in Frankreich vorarbeiten, oder gleich über die Biskaya gehen.

Und sollten wir es tatsächlich mal über die Biskaya schaffen, liebäugeln wir momentan mit dem Gedanken, statt in die Karibik zu hetzen, uns diese für ein Jahr später aufzuheben und einfach mal ein Jahr vor den Kanaren zu verbringen (plus dann nächstes Jahr Kapverden und vielleicht noch Westafrika, Gambia soll wohl ganz toll sein). Spanisch wollen wir eh lernen, das Klima dort ist angenehm und Reisen zu uns, oder für uns in die alte Heimat, leichter und preiswerter möglich.

Ich will da aber mal nicht voreilig sein. Zunächst liegt noch die Biskaya vor uns. Habe mich also auch schon mal nach den Winterliegegebühren hier erkundigt ;-). Aber Kanaren wären schon toll.

 

Rauchend nach Cherbourg

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Rauchend nach Cherbourg!

Von Dunkerque geht es los Richtung der Engstelle im Channel, der Straße von Dover. Da haben wir schon einiges drüber gehört, insofern nähern wir uns dieser mit großem Respekt. Mit dem Wind hatten wir das so vereinbart, dass er bis dahin noch gegen uns sein kann, danach aber so dreht, dass er uns zügig raus aufs offene Meer bringt, wo wir dann nach Süden Richtung Iberischer Halbinsel abbiegen können.

Unter Motor dann die Straße überquert und, nichts los. Zwei Fähren kommen uns etwas näher, aber nicht dramatisch. Kurze Zeit später können wir tatsächlich Segel setzen, also Motor aus. Als ich kurz darauf den Niedergang ins Boot runtergehe, riecht es irgendwie, wie beim Bohren zu heiß gewordenes Holz. Nase hierhin und dahin gesteckt, alles ok. Geruch scheint aus dem Batterie-/Elektroschrank zu kommen. Dort zeigt aber keines der Geräte Überhitzungserscheinungen.

Das mit dem Wind war dann doch nicht so wie vereinbart. Zum einen wechselt er laufend die Richtung und dann auch noch die Geschwindigkeit, zwischendurch mal von knapp über Null Knoten auf geschmeidige 30 kn. Was natürlich schnelles Reffen zur Folge hat.

Als der Wind dann schon wieder eine Pause einlegt, Motor an. Beim Gang ins Boot wieder dieser Geruch. Nase hierhin und dorthin gesteckt, der Geruch kommt wieder aus Richtung Batterie-/Elektroschrank. Geöffnet und leichte Panik. Die EM-Box raucht! Schnell Motor aus, Verbraucher abgeschaltet und schon mal nachgedacht wo der Feuerlöscher ist. Aber der Rauch stellt sich direkt ein. (EM-Box: Energiemanagement, diese Box verbindet Ladegeräte und Batterien und bietet Informationen über den Zustand der Batterien und woher der Strom kommt bzw. wo er verbraucht wird). Mehr Info hier. Hört sich theoretisch doch toll an.

Irgendwie scheint die Rauchentwicklung mit dem Motor bzw. der Lichtmaschine zusammen zu hängen. Um uns zu vergewissern, nochmal Motor an und in der Tat, die EM-Box raucht wieder. Also Motor aus, Lieferant angerufen, glücklicherweise erreicht. Es ist wohl der Stromverteiler, der den Ladestrom der Lichtmaschine gerecht auf unserer drei Batterien verteilt. Sein Vorschlag, den Lichtmaschinenanschluss direkt auf einen Batterieanschluss zu legen hilft. Die EM-Box raucht nicht mehr.

Der Lieferant bietet direkt an, ein Austauschgerät an eine Adresse unserer Wahl zu liefern. So soll Service sein.

Allerdings geht der Motor laufend aus. Symptome so wie damals vor Wladyslawowo, wo wir uns haben hineinschleppen lassen. Jetzt zeigt sich aber, dass er immer mal wieder anspringt, mal läuft er länger, mal nur kurz. Schöner Mist. Wir vermuten schnell, dass da möglicherweise ein Zusammenhang mit der EM-Box besteht, diese regelt nämlich die Lichtmaschine. Möglicherweise schaltet die Motorelektronik ab, sobald sie Info hinsichtlich Problemen bei der Lichtmaschine bekommt.

Motor benötigen wir eigentlich nur um in den Hafen zu kommen, normalerweise. Aber da wir die Anschlüsse an der EM-Box ändern mussten, jetzt auch zum Strom erzeugen. Egal, weiter geht es.

Cherbourg

Wir haben weiterhin wechselnden Wind, aber überwiegend so, dass er uns relativ zügig Richtung Cherbourg bringt. Aber kurz davor dreht der Wind von Nord auf West und später sogar auf Südwest. Also kreuzen. Zunächst auf rund 230 Grad Richtung Cherbourg. Irgendwie habe ich den Verdacht, die Luna Mare möchte nicht mehr weiter, sondern in Cherbourg anlegen. Quatsch, wer hat den hier das Sagen!

Es ist Mittwoch 21 Uhr, als wir kurz vor Cherbourg eine Funknetzanbindung haben. Schnell Wetterdaten herunterladen und danach eine Wende fahren. Hoffe dass wir beim neuen Kurs < 360 Grad bleiben und tatsächlich, mit 350 Grad geht es in die andere Richtung. So kreuzen wir durch die Nacht, was anstrengender als sonst ist, da wir den Kurs sehr genau halten müssen. Sind wir zu sehr am Wind, kommen wir zwar besser Richtung Ziel, werden aber langsam bis zum Stillstand. Sind wir zu wenig am Wind, sind wir zwar schneller, kommen aber halt nicht wirklich Richtung Ziel.

Nach meiner Freiwache einen Blick auf den Plotter, während der letzten drei Stunden hat sich die Richtung doch deutlich geändert. Eine Wende ist ohnehin nötig, aber die neue Richtung macht nicht wirklich Spaß, aber seht selber.

Die Linien zeigen wie wir es erhofft hatten, wie es dann zumindest hätte sein sollen (grüne Linie), und wie es tatsächlich war (blaue Linie. Den rot markierten Bereich waren wir mit Motor unterwegs, bis er wieder ausging, um Strom zu laden und etwas Strecke gut zu machen).

Nach dem ersten Kaffee erst mal die gestern heruntergeladenen Wetterdaten geprüft. Absolut nichts mehr zu sehen vom beständigen Nordwind. Heute noch aus West bis Südwest, Freitag dann tatsächlich Nordwind (allerdings relativ schwach) und ab Samstag direkt aus Süden, dann zunehmend auf 30 kn und in Böen darüber. So fällt 12 Stunden nachdem wir bereits kurz vor Cherbourg waren die Entscheidung, eben dahin zu gehen.

Luna Mare ist halt doch klüger und hatte absolut recht. Uns gefällt es sehr gut hier. Stadt etwas erkundigen, einkaufen und am Abend eine Pizza auf dem Cobb-Grill gebacken (hat dieses Mal mit dem speziellen Backblech auch gut funktioniert), danach zu einem Gratis-Konzert an einem der Plätze Cherbourgs.

Die EM-Austausch-Box lassen wir nun hierher liefern und warten entsprechend bis diese hier ist (hoffe, die ist wie versprochen bereits auf dem Weg, allerdings haben wir rund zwei Tage später noch keine Nummer zur Sendungsverfolgung erhalten) und danach auf ein passendes Wetterfenster für die Weiterfahrt (welches für den Wettervorhersagezeitraum von 5 Tagen ohnehin noch nicht in Sicht ist).

 

Vor der ersten längeren Überfahrt?

Vor der ersten längeren Überfahrt?

Momentan sieht es so aus, als bekämen wir für ein paar Tage Nordwind. Das würde gut passen, um aus dem Channel rauszukommen und unsere erste lange Überfahrt mit der Luna Mare zu starten (unsere bisher längste non-stop-Strecke waren mit der B.OLD rund 700 sm).

Insofern starten wir morgen Mittag von hier und schauen dann, ob wir direkt in die Biskaya gehen, oder doch noch einen Zwischenstopp in Cherbourg, oder Brest, oder sonst wo einlegen werden.

Solltet Ihr die nächsten vielleicht 10 Tage nichts mehr von uns hören, dann sind wir tatsächlich Richtung Iberischer Halbinsel unterwegs. Drückt uns die Daumen, dass wir Wind, insbesondere aus der richtigen Richtung haben, aber möglichst natürlich nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel ;-).

Hafenmeistertaube

Hafenmeistertaube

Es ist Freitag und wir wollen langsam weiter. Wissend, dass man aus dem engen Sixhaven kaum vor 11 Uhr eine freie Ausfahrt hat, lassen wir es geruhsam angehen.

Dann kurz nach 10 sieht es so aus, als könnten wir raus. Ist noch etwas eng in der Boxengasse, aber durch Mithilfe der Bootsnachbarn könnte es reichen und tat es dann auch.

Mehr als eine Woche Sixhaven ist nun vorbei. Hatten insgesamt eine schöne Zeit hier und etliche tolle Leute kennengelernt. Hier insbesondere ein Gruß an die beiden Heidelberger Doris und Rainer. Wir hätten noch stundenlang mit Euch weiter plaudern können.

Dann geht es den Nordzeekanal raus in eben diese.

Dort Segel gesetzt und es ging langsam, aber stetig Richtung Süden. Bei Gegenströmung kamen wir schon mal auf unter zwei Meilen. Muss man halt Geduld haben, oder falls nicht, den Motor anmachen (gell Skipperin).

So gehen wir durch eine insgesamt ruhige Nacht. Passend zum Wachwechsel um 3 Uhr nachts, als ich in die Koje könnte, kommen wir vor Rotterdam vorbei. Das dortige Fahrwasser soll man nur innerhalb eines definierten Bereiches und nach Anmeldung bei der Hafenkontrolle kreuzen. Da wir vorab hörten, dies würde so sein als wolle man zu Fuß eine gut befahrene Autobahn überqueren, bleiben wir zu zweit auf Wache.

Also über Funk angemeldet, Freigabe erhalten mit „stay tuned on channel 03“ geht es los. Und, nichts ist los. Mit gutem Abstand ging hinter uns ein Frachter aus Rotterdam raus, ansonsten tote Hose. Soll uns Recht sein.

Das schöne an einer küstennahen Fahrt ist, dass man Internet hat, also Wetterupdate eingeholt. Der Wind soll deutlich nachlassen, also gehen wir nicht bis Dunkerque, was noch eine weitere Nacht dauern würde, sondern legen gegen 18 Uhr in Zeebrugge an.

Nach einer ruhigen Nacht dann am heutigen Sonntag weiter nach Nieuwpoort und morgen dann nach Dunkerque. Da sind wir dann kurz vor der Straße von Dover, also der Engstelle im Channel. Mangels Wind haben wir uns zu diesen beiden Motoretappen entschlossen.

Ein besonderer Service hier in Nieuwpoort ist die Hafenmeistertaube. Die hat der Skipperin den Weg in die Box gezeigt.