Technik-Ecke

Technik-Ecke

Das bei einem Segelboot laufend etwas den Geist aufgibt weiß ich ja mittlerweile. Die letzte Überfahrt hätte das nicht mal wieder unter Beweis stellen müssen. Deshalb heute mal einen eigenen Blogeintrag für die Technik-Ecke.

Neben Wellendichtung und Autopilot haben sich auch Nebensächlichkeiten wie das UKW-Autoradio und der DVB-T Stick einfach so verabschiedet.

Wellendichtung:

In A Coruña hatte ich noch etwas Fett ergänzt, um diese dicht zu bekommen. War sie dann auch weitestgehend. Auf dem Weg von Marokko nach Lanzarote kam aber immer mehr Wasser rein. Konnten wir noch problemlos abpumpen, aber wer weiß, wie sich das entwickeln kann. Da können sich zumindest vor dem geistigen Auge schon Schreckensszenarien entwickeln. Die SY-Columbia weiß davon zu berichten.

Wasser kommt nur rein, sofern wir in Fahrt sind. Da wir einen Festpropeller haben, dreht der immer, auch unter Segel. Und die Welle scheint etwas unrund zu laufen. Keine Ahnung warum und was man da tun kann. Ob eventuell die Taue, von denen wir uns zwei unterwegs „eingefangen“ haben, damit etwas zu tun haben?

Muss mal versuchen mit der Unterwasserkamera nach Schäden zu suchen. Habe es schon mal erfolglos versucht. Mein „Selfiestick“ (= Bootshaken) ist zu kurz und das Wasser hier zu trübe. Spätestens wenn wir wegen des Unterwasseranstrichs an Land gehen, kann das näher untersucht werden. Aktuell noch keine Ahnung, was man da im Detail dann tun kann. Muss ich mich noch schlau machen.

Autopilot:

Dieser hatte nach rund 1/3 der Strecke den Dienst quittiert. 3 Tage beschwerliches manuelles Rudern war die Folge. Haben wir alles überstanden, aber falls der Autopilot-Computer defekt sein sollte, ist das wieder mit einer ordentlichen Geldausgabe verbunden.

Eigentlich gibt es aber keine diesbezüglichen Hinweise. Jedenfalls meldet der Plotter als Steuereinheit keinen entsprechenden Fehler. Ein Blick auf die Pumpe zeigt mir eine Art Verschluss auf der Seite. Kann man die öffnen?

Kann man. Heraus kommt eine Feder an deren Ende ein Metallteil befestigt ist. Und reichlich Staub. Kohlestaub? Nennt man das Teil „Kohlebürste“. Habe gelesen, dass die sich abnutzt und gelegentlich ersetzt werden muss.

Staub weg gepustet, Teil wieder eingesetzt und man glaubt es kaum, der Autopilot funktioniert wieder. Einsatz draußen ist noch zu testen, aber das Ruder kann dieser wieder bewegen. Das ist schon mal eine gewisse Erleichterung.

Da sich an der Frontseite noch zwei Schrauben befinden sollte man den Motor vielleicht mal öffnen, mal schauen, was man da so sieht. Dabei bemerkt, dass auf der anderen Seite nochmal so ein Teil zum Vorschein kommt. Macht Sinn, da diese beiden Pole wohl den Elektromotor so steuern, dass er folglich die Hydraulikpumpe entsprechend steuert.

Nach entfernen der Schrauben und damit der Verschlussklappe kommt eine Menge Kohlestaub zum Vorschein. Ziemlich schmutzige Angelegenheit. Dauert nicht lange und die Hände und das Werkzeug und die nähere Umgebung sind von einem fettigen Schwarz überzogen. Die Verschlussklappe wieder mühsam angebracht und den Autopilot getestet. Geht immer noch.

Jetzt muss ich mal das mit den Kohlebürsten im Detail klären und herausfinden, welche Ersatzteile ich benötige und was ich da verschleißbedingt auswechseln muss.

Solarstrom:

War mir sicher, alle Kabel korrekt mit den Steckern verbunden zu haben. Aber es gibt immer eine Art Wackelkontakt. Plötzlich lädt Solarstrom nicht mehr und ein wackeln an den Steckkontakten hilft, den Stromfluss wieder herzustellen.

Über Googeln dann einige Youtube-Videos gefunden, die aufzeigen, dass die sog. MC4-Stecker doch anders mit den Kabeln zu verbinden sind. Glückerlicherweise haben wir noch ausreichend Stecker in Reserve. Also ausgetauscht, nunmehr fachgerecht verbunden und Solar lädt wie es soll.

Wieder eine Baustelle weniger.

Dachte der abisolierte Draht kommt in den Stecker und an der markierte Stelle wird ein isolierter Teil festgemacht. Denkste. Dort wird ein kurzes Stück Draht mit der Crimp-Zange befestigt. Der Steckerhohlraum bleibt leer (bzw. nimmt als Buchse den Gegenstecker auf).

Tagestank:

Schon länger auf der to-do-Liste, aber irgendwie haben wir uns bisher mit der „Rundform“ abgefunden. Bis jetzt wieder am Verbindungsschlauch zwischen Tagestank und Haupttank (der Leitung durch die Diesel beim Tanken in den Haupttank im Kiel fließt) austritt. Diesel in der Bilge ist ja immer eine riesige Sauerei.

Jetzt neuen Tank bestellt. Der Austausch wird ein schönes Stück Arbeit mit all den Anschlüssen. Hoffentlich bekommen wir das ordentlich hin.

Windsteuerung:

Unsere Aries-Windsteueranlage müssen wir jetzt endlich in Betrieb nehmen, da vor uns vorerst nur noch längere Etappen liegen. Hierzu müssen wir vermutlich die „Notpinne“ verwenden. Theoretisch könnten wir sie auch mit dem Steuerrad verbinden, da es sich aber um eine Hydrauliksteuerung handelt sind einige Umdrehungen erforderlich, um den Kurs deutlich zu ändern. Soviel „Weg“ hat die Windsteuerung aber nicht vorgesehen.

Knackpunkt mit der Notpinne ist das zu große „Spiel“. Die Windsteuerung gibt zwar eine Kursänderung vor, die Pinne bewegt sich, kann aber das Ruder nicht verändern. Da müssen wir uns was einfallen lassen, wie das „Ruderspiel“ eingeschränkt wird. Noch keine Ahnung wie.

UKW-Autoradio:

Das Zerlegen desselben zeigt, dass auf der Platine ein kleiner Bereich „verschmort“ ist. Vermutlich Feuchtigkeit reingekommen. Muss also ersetzt werden, damit wir weiterhin Musik für unsere lauen Sommerabende haben.

An der eingekreisten (und von mir schon „gereinigten“) Stelle hat sich das Teil wohl verabschiedet.

DVB-T-Stick:

Die Fußball-WM steht an und ich habe keinen TV-Empfang. Geht ja gar nicht. Keine Ahnung, warum dieser plötzlich seinen Geist aufgegeben hat, aber glücklicherweise gibt es für < 30 Euro Ersatz. Sicherlich eines der unwichtigsten Teile an Bord, habe ich bisher kaum öfter als einmal pro Monat genutzt. Aber irgendwie ist halt doch immer noch ein Verlangen danach vorhanden.

Und ansonsten Routinethemen wie Impellerwechsel, einige Taue spülen und so vom Salzwasser befreien und etliche kleinere Reparaturen bevor es dann vermutlich im August an Land geht um eine neue Schicht Antifouling aufzutragen.

Abwechslungsreich nach Lanzarote

Abwechslungsreich nach Lanzarote

Wie im letzten Blog erwähnt, hatten wir mit Aziz noch sehr netten Besuch. Habe mich sehr darüber gefreut. Er hat uns auch ein Geschenk mitgebracht:

Im Falle einer Havarie müssen wir jetzt nicht mehr in die schaukelige Rettungsinsel, sondern können uns mit dem fliegenden Teppich in Sicherheit bringen. Danke Aziz!

Jetzt soll es aber weitergehen, nächstes Ziel Kanaren, genauer Arrecife/Lanzarote. Der Wetterbericht nicht perfekt, teils Wind gegen an, teils schwachwindig, aber zumindest kein Starkwind in der Vorschau. Und da es die nächsten Tage nicht besser wird: klar zum Ablegen.

Kurs abgesteckt, 430 sm. Insgesamt waren es dann inklusive 60 Bonusmeilen fürs Kreuzen 490 sm, für die wir ziemlich genau 5 Tage benötigten.

Anfangs noch schönes Segeln, müssen wir nach einigen Stunden mangels Wind den Motor starten, 6 Stunden später Motor aus und Segel gesetzt, na immerhin so 3 bis 4 kn Fahrt um dann wiederum rund 6 Stunden später wieder den Motor anzuwerfen.

Skipperin: Wir werden angefunkt. Wer soll uns hier anfunken. Aber tatsächlich, wir werden über Funk gerufen. Wer auch immer teilt uns mit, wir sollen gefälligst 3 sm Abstand zur Marokkanischen Küste einhalten. Kein Problem, ohnehin unter Motor und knapp 3 sm von der Küste entfernt, wird gemacht.

Ein paar Stunden später wieder ein Funkruf an Luna Mare: „We are the war ship at your starboard side“. Tatsächlich, da ist ein Kriegsschiff in einiger Entfernung. Jetzt sollen wir einen Abstand von 4 sm zur Küste einhalten. Vielleicht hatte ich vorhin irrtümlich 3 statt 4 verstanden, aber egal. Machen wir halt. Obwohl ich es schon irgendwie als schade empfinde, so aus dem wundervollen Land hinauskomplementiert zu werden.

Nach der ersten Nacht frischt der Wind etwas auf, allerdings kommt er von Südwest, also aus der Richtung, in die wir wollen. Schon startet das Kreuz mit dem Kreuzen. Wie vorhergesagt dreht der Wind aber im Laufe des Tages auf Nordwest bis Nord, so dass wir gut 12 Stunden später wieder auf direkten Kurs gehen können.

Der Wind ist sehr variabel, mal kaum welcher vorhanden, dann geht es wieder hoch auf Windstärke 5 bis 6, was uns zum Reffen ermuntert.

Dann am Abend des zweiten Tages verabschiedet sich der Autopilot mit der lapidaren Meldung: Keine Ruderrückmeldung. Jetzt rächt es sich, dass wir unsere Aries Windsteuerung zwar vor 8 Monaten haben montieren lassen, diese aber nie in Betrieb nahmen. Versuche es jetzt zu tun scheitern, da die Notpinne, über die die Windfahne arbeiten soll, noch etwas angepasst werden muss, damit sie passgenauer sitzt.

Also die restlichen 270 sm bzw. 3 Tage von Hand steuern. Das ist insbesondere bei stark böigen Winden mit erheblichem Aufwand verbunden und jede Unachtsamkeit innerhalb der jeweiligen 3-Stundenschicht wird mit einer Patenthalse bestraft. Also höchste Konzentration. So gibt es fast ausschließlich 3 Stunden steuern, 3 Stunden schlafen, 3 Stunden steuern… und das, was das steuern betrifft, für 36 Stunden pro Person. Nicht ohne.

Es war dann während der 3. Nacht beim Wachwechsel. Mit müden Augen schaue ich auf den Plotter: 15 kn Wind, 1 kn Fahrt? Da passt was nicht. Skipperin sagt, das wäre seit ca. einer halben Stunde so, wollte mich aber nicht wecken. Schon lieb von ihr, aber jetzt mal schauen was da los ist.

Schleppen wir was mit uns? Haben wir uns hier draußen bei rund 2000 m Tiefe in einem Fischernetz verfangen? Was nun? Bei unserer Rumpfform kann sich eigentlich nichts so richtig verfangen, vorne schräg und Propeller und Ruder gut geschützt.

Mir fällt nichts besseres ein als Motor starten und Gas geben. Es macht „Pling“ und die Luna Mare nimmt wieder ungehindert Fahrt auf. Was war das denn? Keine Ahnung.

Ein paar Stunden später die selbe Situation. Die Geschwindigkeit unter Segel bei > 10 kn Wind geht auf 1 bis 2 kn runter. Blick nach hinten. Es scheint ein Tau oder so was ähnliches vom Boot weg zu gehen. Mit etwas Abstand folgt uns ein Plastikkanister und weiter hinten blinken zwei Lichter, eins schräg rechts, das andere schräg links hinten. Nicht nur das wir langsam sind, auch das Heck wird deutlich nach unten gezogen, so dass die Badeplattform immer wieder gewässert wird. Haben wir irgend eine Absperrung in der Dunkelheit mitgenommen?

Solche Absperrungen werden aber üblicherweise in sogenannten „Nautischen Warnungen“ kundgetan und meist ist noch ein Sicherungsboot in der Nähe, welches einen über Funk warnt, sofern man sich dem Sperrgebiet nähert. Laut NAVTEX-Nachrichten gibt es aber für das Gebiet, in dem wir unterwegs sind, explizit keine Warnungen, oder Sperrgebiete.

Hat man die einfach vergessen wieder weg zu machen? Wieder Motor an, Gas geben und „Pling“, Luna Mare nimmt wieder Fahrt auf. Banger Blick zu den Blinklichtern. Diese entfernen sich peu à peu. Und Glück bei der Sache, dass sich nichts im Propeller verfangen hat, oder gar das Ruder beschädigt wurde. Sobald die Luna Mare das nächste Mal an Land ist (ist noch für Lanzarote vorgesehen) wird auf Detailschäden geprüft.

Ohne weitere „Fangleinen“ geht es dann weiter, überwiegend unter Segel, immer mal wieder mit Motor. Am Morgen nach der 5. Nacht erreichen wir Lanzarote und ein paar Stunden später machen wir in der Marina Lanzarote fest. Einklarieren, Anleger (analog Kris Kristoffersons Liedtext aus „Sunday Mornin‘ Comin‘ Down“: the beer I had for breakfast wasn’t bad, so I had one more for dessert) und ab in die Koje. Gegen Abend dann duschen und einkaufen fürs Abendbrot.

Hurra, wir sind auf den Kanaren angekommen.

Mittlerweile sind wir bereits seit einer Woche hier. Das Wetter ist nahezu hervorragend, immer so um die 20° bis 25° Celsius, also angenehmes T-Shirt-Wetter, ohne dass es zu heiß wird. Nächte noch erträglich kühl. Zeit zum Arbeiten. Arbeiten?

Habe einen Fehler gemacht und eine neue to-do-liste angelegt. Plötzlich tönt es aus allen Ecken: ich will auch auf die to-do-liste. Und schon haben wir wieder über 20 Punkte, die erledigt werden wollen. Aber es bleibt genügend Zeit in der Sonne zu liegen, für Spaziergänge, Einkäufe und laue Abende bei einem Glas Wein im Cockpit.

Marrakesch

Marrakesch

Unter den marokkanischen Königsstädten soll Marrakesch die aufregendste sein. Und meines Wissens auch die bekannteste.

Also nichts wie hin, das Wochenende wollen wir in Marrakesch verbringen. Am Gare de Mohammedia die Fahrkarten am Automaten für die gewünschte Abfahrtszeit erstanden. 8:23 bedeutet zeitig aufstehen. Über airbnb ein Appartement in Marrakesch gebucht. Um viertel vor sieben läutet der Wecker. Kaffee, kleines Frühstück und auf gehts zum Bahnhof.

Dort angekommen stellt sich leider heraus, dass der 8:23 Zug gar nicht existiert, der nächste geht um 10:23. Die zwei Stunden hätten wir lieber länger geschlafen, aber was solls. Nach 4 Stunden haben wir die rund 250 km überwunden und sind in Marrakesch eingetroffen. Den Taxiangeboten haben wir widerstanden, wir wollen mit dem Bus quasi auf eigene Faust die Unterkunft finden.

Etwas umhergeirrt, aber die Bushaltestelle gefunden. Die ist nicht wirklich ausgeschildert, aber auf Grund der umherstehenden Leute haben wir eine Bushaltestelle vermutet und kurz darauf kam auch schon ein Bus. Und tatsächlich fast nach Fahrplan kommt dann auch unserer, die Linie 9, und fährt uns um die Medina rum Richtung Unterkunft. Beim Aussteigen zu spät bemerkbar gemacht, so müssen wir eine Busstation zurück laufen. Dann biegen wir in die Medina (Altstadt) ab. Dank goople maps, welches anscheinend auch ohne Internet funktioniert, nähern wir uns dem Ziel.

Hier muss es doch eigentlich sein. Eine Gruppe von Jungs spielt Fußball, einer fragt uns wohin wir wollen. Zu Rachid. Kein Problem, kurz ist er weg und kommt mit einem Kollegen/Mitarabeiter von Rachid zurück. Der bewirtet uns mit Wasser, Minztee und ein paar Keksen und zeigt uns das Appartement.

Dort gibt es auch SAT-TV, eben beginnt die Vorberichterstattung zum DFB-Pokal-Finale FCB-SGE (wir sind hier 2 h hinter D). Hilft alles nichts. Kann ja nicht nach Marrakesch fahren und dann die Skipperin vom Fußballschauen überzeugen. Also los zum bekannten Platz Djemma el-Fna.

Die Marktgassen sind ein riesiges Labyrinth. Ohne google maps wären wir hilflos verloren. Aber so laufen wir quasi beliebig durch die Gassen und kommen mit maps wieder zurück zum Platz. Dort sind mittlerweile Essensstände aufgebaut, wo man alle paar Meter von eifrigen Verkäufern davon überzeugt werden soll, dass bei Ihnen das Essen am besten und billigsten ist.

Etwas nervig, aber immerhin haben die Leute Humor. Ihr seid aus Deutschland? Willkommen. Alles Bio. Auf alles zwei Jahre Garantie. Und so ähnliches wird uns zugerufen. Egal, wir lassen uns dann an einem Stand nieder. Das Angebot scheint eh weitestgehend identisch, die Preise auch.

So gesättigt treten wir den Rückweg an. An einem Eck mach ich den Fehler, orientierungslos zu schauen. Schon ist ein etwas 14 jähriger Junge da. Wo wollt ihr hin. Ach ja, kenne ich. Ihr müsst da lang. Aber müssen wir nicht eher hier lang? Nein, da geht es zur Moschee, da dürfen nur Muslime entlang laufen.

Kommt mit. Nach ein paar Metern zeigt mir google maps, dass wir uns vom Ziel entfernen, anstatt diesem näher zu kommen. Also drehen wir um. Der Junge hinterher. Tipp. Wieso? Weil ich Euer Guide bin! Der Weg ist doch aber falsch, es geht doch in die andere Richtung. Nein, mein Weg ist der bessere. Hin und her. Habe ihm einen Dirham gegeben (10 cent). Fand er nicht so witzig, wollte mehr. Als wir an der ursprünglichen Abzweigung waren, habe ich ihm mit „go ahead“ noch einen zweiten Dirham gegeben, woraufhin er leise fluchend davon zog.

Kurz vor der Unterkunft nochmals orientierungslos geguckt und schon war der nächste Guide zur Stelle. Ihr wollt sicher zum Appartement von Rachid. Ja. Dann hier lang. Diesmal stimmte der vorgeschlagene Weg, ein paar Dirham zum Dankeschön (waren natürlich wieder zu wenige) und rauf ins Appartement.

Kann ja noch den Schluss vom Fußballspiel schauen, das läuft doch noch? Ach toll, 80. Min., Spielstand 1:1. Da kann ich mir den Bayernsieg ja noch live mit anschauen. Denkste, SGE hat gewonnen. Als Wahlhesse gönne ich denen das aber von ganzem Herzen.

Sonntag dann wieder zum Platz Djemma el-Fna. Kleines Frühstück im Cafe France (gibt wegen Ramadan ja nicht all zu viele offene Restaurants) und dann ausgiebig die Gegend um den Platz, der Moschee Koutoubia und einigen Parks etc. erkundigt. Auf dem Weg zum Bahnhof mangels Auswahl halal bei McDonalds gegessen (Reisende dürfen das, so weit ich weiß, auch während des Ramadans) und Rückreise angetreten.

Gestern nochmal mit Gordon unterwegs gewesen. Die riesige Moschee von Casablanca besucht (die größte der Welt, die von Nicht-Muslimen besucht werden darf, leider aber nicht gestern). Abends durften wir wieder beim Fastenbrechen teilnehmen. Mbttisme (habe ich hoffentlich einigermaßen richtige geschrieben) hat uns wieder mit einem wundervollen Mahl verwöhnt.

Heute Abend kommt uns noch kurz ein Freund besuchen. Abdelaziz habe ich vor rund 18 Jahren in München als Arbeitskollegen kennen gelernt. Er ist vor rund 8 Jahren wieder in seine Heimat zurück gekehrt. Freue mich auf seinen Besuch.

Und morgen dann? Sofern nicht noch was dazwischen kommt: Leinen los mit Kurs Lanzarote. Windvorhersage ist nicht optimal. Zwar nicht zu viel Wind, aber nicht immer aus der richtigen Richtung. Mal schauen, wann wir dort ankommen werden.

Marrakesch Impressionen:

Und noch etwas Casablanca:

Marokko

Marokko

Mittlerweile sind die fehlenden Teile vom Großbaum dank der großartigen Unterstützung von Gotthardt Yacht eingetroffen und wir können den neuen Baum anbringen. Nicht ganz ohne, all die Taue wieder unter zu bringen. Auch kann ich die Nietzange zum zweiten Mal zum Einsatz bringen. War doch eine sinnvolle Investition. Der erste „Trockentest“ klappt, Segel lässt sich setzen und die Reffs sich ordentlich einbringen.

Bevor es nach nunmehr knapp 3 Wochen weitergeht, haben wir noch tollen Besuch aus Deutschland. Anne, eine Ex-Kollegin der Skipperin mit Ihrem Mann Markus und Tochter Paula machen zufällig zu dieser Zeit Urlaub in Lagos. Da die drei neugierig aufs Segeln sind, setzen wir diese zu einem Ausflug ins 6 sm entfernte Portimao. Dort ein paar Stunden vor Anker, bevor es wieder zurück geht. Das dann bei Wind mit 25 bis 30 kn gegen diesen. Da haben die drei beim ersten Segeln gleich mal einen ordentlichen Eindruck bekommen, wobei Paula die Rückfahrt vorzugsweise schlafend verbringt. Wir können dabei aber feststellen, dass die beiden Reffs auch unter Segelbedingungen ordentlich eingebracht werden können. Also alles ok mit dem neuen Großbaum und alle haben es gut überstanden, so dass einem Grillabend nichts im Wege steht.

Am Tag darauf, Montag den 14. Mai sollte passender Wind sein. Da dieser danach schwächer wird und auch die Richtung ändert, entschließen wir uns, am Montag die Luna Mare seeklar zu machen und legen dann am Nachmittag nach einem Tankstopp an der Ausfahrt der Marina ab.

Der Wind ist moderat und aus der richtigen Richtung, der Himmel wolkenlos. Bei knapp 20° C also bestes Segelwetter. Da wir relativ weit von der Straße von Gibraltar entfernt sind, gibt es keine Hektik hinsichtlich zu vieler Schiffsbewegungen. An einer Stelle waren es mal ein halbes Dutzend, aber dank AIS konnten wir leicht erkennen, dass keines näher als 1 sm an uns heran kommt.

Also alles vollkommen relaxt. Das fehlende Adrenalin sorgte allerdings für etwas Müdigkeit. Die erste Nacht schlafen wir zudem wie immer etwas schlecht, die zweite ging dann schon besser, aber auch die Freiwachen tagsüber haben wir dann überwiegend schlafend verbracht. Und das tolle, bis auf die letzen 12 sm hatten wir ausreichend Wind um die Strecke unter Segel zurück zu legen. Immerhin rund 200 sm.

Schäden? Auch. 2 Tassen und 4 Salatschüsselchen, die im Freiflug durch die Kombüse fliegen und unsanft landen. Ist zwischendurch mit Welle und Wind von hinten immer mal etwas schauklig. Die Salatschüsselchen sind angeblich aus „unverwüstlichen Kunststoff“. Die kennen mich halt nicht. Aber der Schaden ist wesentlich preiswerter als beim Törn nach Lagos.

Gegen Mittag des zweiten Tages, also Mittwoch, kommen wir hier an. Es ist noch nicht Ramadan, der beginnt erst morgen. Kleiner Schreck bei der Ankunft. Der Tagespreis in der Marina Mohammedia beträgt 50 Euro. Unseres Erachtens etwas viel für eine mittelmäßige Marina, „idyllisch“ eingerahmt vom Ölhafen mit nicht eben orientalischen Gerüchen und ständigem Lärm der dort liegenden Tanker. Abgesehen von uns liegen gerade mal noch so 5 Segelschiffe ähnlicher Größe hier, aber verwaist. Allerdings sehr freundliches Personal hier.

Anyway. Marokko ist unserer Meinung nach ein must auf dem Weg nach Süden. Ich war ja schon ein paar Mal um die Jahrtausendwende berufsbedingt in Casablanca und die ersten Eindrücke bestätigen es: Solle man nicht daran vorbei segeln. Und demnächst werden möglicherweise die neuen Super-Marinas in Tanger und Casablanca fertig. Sollen es wohl schon seit 2010 sein, aber wird schon werden.

Nach dem problemlosen einklarieren kurz nach Mittag (Hafenmeister, Immigration, Zoll, beide letzteren kamen gar nicht an Bord, sondern wollten nur wissen ob wir Waffen/Munition dabei hätten) haben wir den restlichen ersten Tag leider weitestgehend verpennt. Zum Sonnenuntergang noch ein kurzer Spaziergang, dann Abendessen und happy, dass wir nun den neuen Kontinent erreicht haben.
Schon ein komisches Gefühl, nun Kontinentaleuropa verlassen zu haben. Wer weiß, wann die Luna Mare dahin wieder zurück kehren wird.

Am Donnerstag Mittag dann Besuch von Gordon, einem Ex-Kollegen und tollen Kumpel von mir, der mit seiner wundervollen Frau mitten in Casablanca wohnt. Bischen über die alten Zeiten geklönt und dann auf nach Casablanca. Da wir aber an Bord etwas länger geplaudert haben, ist es bereits 15 Uhr. Es ist der erste Tag im Ramadan und eine Besonderheit ist, dass dann die Arbeit in den meisten Firmen um 15 Uhr beendet wird, damit jeder reichlich Zeit hat bis zum Sonnenuntergang das Fastenbrechen vorzubereiten. So stauten wir uns die rund 20km von Mohammedia nach Casablanca.

Hektischer Straßenverkehr in Casablanca, ständiges Gehupe und jeder fährt kreuz und quer. Das hat aber wohl eine höhere Ordnung, den es geht doch immer irgendwie unfallfrei weiter. Ein zwei Abbiegungen und es kehrt Ruhe ein. Die beiden wohnen im Viertel „Oasis“, und das ist es auch, eine Oase im Stadttrubel. Schöne Villen entlang der Straße und so können wir uns im schönen Garten von Gordon’s Haus schnell von den „Strapazen“ der Anreise erholen.

Obwohl die Sonne noch nicht untergegangen ist werden wir mit lokalen Süßigkeiten und Kaffee verwöhnt. Mit Sonnenuntergang meldet sich der Muezzin und gibt lautstark Signal zum Fastenbrechen. Wir sind dazu eingeladen und dürfen an einem üppigen und sehr leckeren Mahl teilnehmen.

Während des Ramadans darf man als gläubiger Moslem ja tagsüber (also von Sonnenauf- bis untergang) nichts Essen und Trinken, und auch andere Dinge (Rauchen, Schminken) sind untersagt. Da es eine der 5 Säulen des Islam ist, wird sich wohl auch stark daran gehalten. Aber nach Sonnenuntergang geht es dann los. Angeblich sind die Ausgaben für Lebensmittel in der Fastenzeit höher als im übrigen Jahr. Die Geschäfte erhöhen wohl wegen der größeren Nachfrage die Preise etwas. Die Nacht wird überweigend mit Essen verbracht, wobei von der nahen Moschee der Muezzin Suren aus dem Koran vorliest. Die ganze Nacht lang.

Es ist dann schon fast Mitternacht bis wir wieder auf der Luna Mare sind.

Freitag nun ein etwas längerer Spaziergang durch Mohammedia. Am Bahnhof Fahrkarten für die morgige Fahrt nach Marrakesch gekauft. Dort wollen wir das Wochenende verbringen. Auf dem Rückweg noch die Medina besucht. Etwas kleiner, da vermutlich wegen des Ramadans etliche Essstände mangels Geschäftsmöglichkeiten nicht aufmachen. Da wir einen hohen Pfefferverbrauch haben, dort Pfefferkörner gekauft. 200 g für umgerechnet 80 Cent. Da können wir wieder richtigt gepeffert essen.

Und morgen dann nach Marrakesch. Sind schon sehr neugierig darauf.

Ausflug nach Faro

Ausflug nach Faro

Plan war ein Ausflug nach Faro. Ohne Baum segelt die Luna Mare jedoch nicht. Aber die Portugiesische Eisenbahn nimmt Rücksicht auf die Seglern gewohnte Fortbewegungsgeschwindigkeit. So dauert die Fahrt für die 36 sm (66 km) nach Faro knapp 2 Stunden. Immer noch schnell, den Luna Mare bräuchte dafür eher 6 bis 7 Stunden, und das auch nur bei ausreichend Wind.

Es hat sich gelohnt. Schöne Stadt zum spazieren gehen. Da wir nur ein paar Stunden dort waren, war der Aktionsradius eingeschränkt, aber einige schöne An- und Aussichten konnten wir genießen.

Nach diesem Spaziergang und einem kleinen Imbiss ging es wieder zurück nach Lagos. Aber hier lässt es sich auch weiterhin gut aushalten. Hin und wieder mal ein paar Wolken, kühlerer Wind aus Norden. Aber das kühlere/weniger sonnige Wetter hier ist jetzt so selten, wie das schöne Wetter die ersten drei Monate des Jahres weiter nördlich war. Und dort war es tatsächlich sehr selten schön.

Also alles gut und demnächst wird dann auch der neue Baum montiert. Die fehlenden Teile sind auf dem Weg.

Faro Impressionen:

 

Down under

Down under

Na ja, nicht das wirkliche down under, aber unseren voraussichtlich südlichsten Punkt Europas haben wir erreicht. Die letzte Etappe hierher etwas holprig, teuer (siehe Bericht), aber schön.

Es ist Wochenende, 21./22. April. Der Wetterbericht zeigt nördliche Windrichtungen ab morgen/übermorgen und das anhaltend für einige Tage. Die ideale Voraussetzung um die rund 5 bis 7 Etappen an die Algarve in Angriff zu nehmen. Geplanter Start nach Figueira da Foz (67 nm) am Dienstag früh um 5 Uhr.

Montag 23. April neues Wetterupdate geholt. Passt noch und weiter geht es auch? Nicht wirklich. Es ist eine Wetterveränderung vorhergesagt die eine Weiterfahrt eher unwahrscheinlich erscheinen lässt, so dass wir vermutlich spätestens in Lissabon wieder festhängen.

Was nun. Wir haben zwei Monate bis Porto benötigt und damit noch nicht mal die halbe Strecke bis zur Algarve zurück gelegt. Um in zwei Monaten vor den Kanaren zu sein würde die Zeit (noch) locker reichen. Aber Marokko müssten wir dann wohl knicken.

Direkt nach Nazaré, Lissabon, oder Sines? Oder gar Lagos? Zu weit weg? Aber mal schauen. Koordinaten ins Wetterprogramm eingegeben. Draußen weht schon ein merklicher Nordwind, der deutlich hörbar ruft: Macht los. Der Törnplaner gibt als voraussichtliche Ankunftszeit 26. April ungefähr mit Sonnenaufgang an, sofern wir noch im Laufe des Nachmittags ablegen.

Schatz, was meinst Du dazu? Wir müssen noch einkaufen. Ok, machen wir, dann das Boot seeklar und es kann losgehen. Die ganze Küste in einem Stück? Lissabon und Sines waren wir schon mit der B.OLD. Allerdings Nazaré würden wir missen, nicht weil uns der Ort am Herzen liegt (der bestimmt Besuchens wert ist), sondern weil dort unsere wundervolle Ratgeberin Dody mit ihrer Tonga liegt.

Grübel, grübel aber am Ende Ok, beide sind wir dafür Richtung Lagos abzulegen. Sollten sich das Wetter ändern, haben wir ja noch zahlreiche Möglichkeiten die Küste entlang Marinas anzulaufen.

Auf geht’s gegen 15 Uhr. Sonnenschein, angenehmer Wind aus der richtigen Richtung und milde Temperaturen bescheren uns einen schönen Abschied von Leixões. Es geht gut voran, herrliches Segeln. Da der Wind von hinten kommt mit „Schmetterling“, also Großsegel auf der einen Seite (gesichert mit Bullenstander) und das Vorsegel auf der anderen Seite ausgebaumt. So geht es mit 5 bis 6 Knoten und teilweise darüber bilderbuchmäßig los.

In der Abenddämmerung nehmen wir den Spi-Baum vom Vorsegel weg. Wird wohl allgemein so empfohlen, damit man nicht Nachts bei veränderten (meist erschwerten) Bedingungen auf dem Vorschiff rumtanzen muss. Habe den Spi-Baum schon einige Male gesetzt und geborgen, aber es ist immer eine sperrige Angelegenheit.

Dadurch werden wir die Nacht durch allerdings deutlich langsamer, da auch der Wind sich an die Vorhersage hält und selten über 5 Bft weht. Sollte eine ruhige Nacht bescheren, tut es aber nicht, da die reichlich vorhandenen Wellen die Luna Mare ordentlich tanzen lassen. Hinzu kommt, dass wir in der ersten Nacht, auch wegen der Aufregung an neue Ziele zu gelangen, ohnehin schon wenig Schlaf finden.

Die Freude auf einen ebenfalls sonnigen zweiten Tag, so wie vorhergesagt, wird nicht erfüllt. Eine blasse Scheibe nach Sonnenaufgang am Horizont verschwindet kurz darauf hinter Dunst und Wolken und bleibt dort bis zum Sonnenuntergang. Erst hernach klart es auf, so dass Mond und Sterne die Nacht etwas erhellen.

Und die Nacht hat es in sich. Wir sind am Nachmittag Höhe Peniche und haben noch 35 sm bis Höhe Cascais, wo wir den Kurs dann Richtung SSO ans Kap Sao Vicente ändern werden, wo wir dann in die Algarve abbiegen. Kurz vor Höhe Cascais und kurz vor Sonnenuntergang nimmt der Wind wie aus dem nichts zu und geht auf über 30 kn, von hinten. Laut Forecast waren im allgemeinen 5 bis 6 vorhergesagt, aber in Böen durchaus 7 bis 8. Und die habe ich quasi verschlafen, lief ja so schön. Und der Spi-Baum noch gesetzt.

Hier sieht man wie flott wir unterwegs sind, vermute in dem Moment hat uns gerade eine Welle mitgenommen, so schnell sind wir ansonsten nicht (Dank an SY Columbia für den screenshot):

Kurz vor Höhe Cascais und kurz vor Sonnenuntergang (also kurz nach obigem Screenshot) ein Knall, das Vorsegel flattert plötzlich ungestüm hin und her und beim Blick auf die Seite sehe ich unseren Spi-Baum, in der Mitte geteilt, im Meer schwimmen. Hinterherhüpfen macht keinen Sinn, aber das Vorsegel muss erst mal gebändigt werden, damit es im Wind nicht schweren Schaden nimmt. Schnell aufgerollt war es mächtig verquer auf dem Vorstag. Also vorsichtig nochmal rausgeholt und ordentlich aufgerollt.

Weiter mit Großbaum, gesichert vom Bullenstander, und ja, merde, der Spi-Baum war nicht gerade ein preisliches Schnäppchen. Aber shit happens. Es ist zwar mehr Wind als erwartet, aber es geht trotzdem gut voran. So weit ich das bei anderen gesehen habe, segeln viele bei achterlichen Winden nur mit Vorsegel. Habe aber auch schon einige nur mit Großsegel gesehen. Also passt schon.

Nach dem Kap müssen wir den Kurs geringfügig ändern, das bedeutet aber, dass der Wind nun von der anderen Seite kommt. Immer noch fast von hinten, aber nur fast. Da wir mittlerweile 40 kn Wind haben und der beständig zu bleiben scheint, es also nicht nur eine Böe ist, machen wir eine sogenannte Q-Wende. Ist sicherer als Halsen.

Die Q-Wende hat auch gut funktioniert. Mit der Nase im Wind zeigt der Windmesser 45 kn an. Beim Lösen des Bullenstander (ist an der Mittelklampe befestig) erst mal eine Salzwasserdusche. Die Schwerwetterjacke kann das problemlos ab, aber Hose und Socken sind nass. Nicht schlimm, kann man ja wechseln.

Allerdings versuche ich zu direkt auf Kurs zu gehen, so dass der Wind bei durch die Wellen verursachten gröberen Bootsbewegungen mal von hier, mal von dort kommt. Ergebnis: eine Patenthalse. Dabei kommt das Segel mit Rumms von einer Seite zur anderen und war einen Augenblick später auch schon wieder mit einem weitern Rumms zurück gekehrt.

Der Baum ist hoch genug, so dass er uns nicht treffen kann. Das würde verherrende Folgen haben. Die kann es allerdings auch für das Boot haben, da die Kräfte, die da wirken, immens sind. Also etwas Kurs angepasst, so dass ich den Bullenstander wieder zur Sicherung anbringen konnte. Bei dem Wind und den Wellen eine spannende Angelegenheit.

Alles wieder dran und der erste prüfende Blick erkennt keine Beschädigungen am Material, insbesondere an der Befestigung des Baumes am Mast, oder an einer Want, mit der er kollidiert ist. Das Großsegel hatte sich noch etwas verknotet, konnten wir aber schnell lösen und weiter geht die Rauschefahrt mit Wind von ziemlich direkt hinten.

Habe noch die Worte von Matthias im Ohr (der von der Algarve kommend in Leixões vorbei kam), wonach er in diesem Fall vor dem Wind kreuzt. Aber anstatt das auch zu tun, gehe ich auf direkten Kurs, der Bullenstander sichert ja den Großbaum. Dann plötzlich, nachdem uns eine Welle ordentlich verschoben hat, kommt der Großbaum wieder in Bewegung. Wird dann aber abrupt vom Bullenstander gebremst.

Mist, da habe ich den Bullenstander nicht ordentlich festzgezurrt. Also wieder zur Mittelklampe und nachziehen. Dabei sehe ich, dass ich den nicht korrekt angebracht habe. Also komplett lösen, neu „verlegen“ und festzurren. Passt, es sieht alles ok aus. Wir sind mittlerweile im zweiten Reff und damit das nicht nochmal passiert ändere ich den Kurs so, dass der Wind leicht seitlich reinkommt (Danke Matthias für den Tipp).

Und so geht es im zweiten Reff bei reichlich Wind mit ordentlicher Geschwindigkeit voran. Da wir recht flott unterwegs sind, ist die neue Ankunftszeit nicht am Donnerstag in der Früh, sondern bereits am Mittwoch Abends. Sofern wir vor 18 Uhr da sind, können wir noch an einen Liegeplatz, ansonsten am Anmeldesteg übernachten. Grund ist eine Fußgängerbrücke, die ab 18 Uhr mangels Personal nicht mehr geöffnet wird.

Nach dem Kap Sao Vicente lässt der Wind etwas nach. Zwischenzeitlich sind wir im ersten Reff und, da der Wind etwas seitlicher einfällt mit Vorsegel. Jetzt könnten wir das erste Reff auch rausnehmen. Brauchst du mich dazu fragt die Skipperin. Nö, kann ich alleine.

Denkste. Das zweite Reff geht nicht mehr raus. Es blockiert einfach. Was ist das jetzt. Egal, wir bergen das Großsegel und fahren halt nur mit Vorsegel weiter. Beim Bergen habe ich schon den Eindruck, der Baum ist irgendwie krumm. Trotz dass wir nun nur mit Vorsegel unterwegs sind, schaffen wir es aber zeitig nach Lagos und kommen noch so reichtzeitig in der Marina an, dass die Brücke für uns geöffnet wird.

Insgesamt war die Überfahrt ganz ok, ohne oder mit zu wenig Wind macht ja auch keinen Spaß. Man kommt nicht an bzw. benötigt den Motor fürs vorankommen. Aber leider stellt sich heraus, dass nicht nur der Spi-Baum verloren ging, es fehlt auch eine Segellatte und vor allem, der Großbaum hat uns die Nachlässigkeit beim Bullenstander krumm genommen und ist jetzt im wahrsten Sinne des Wortes geknickt.

Da haben wir wieder etwas gelernt, was die Notwendigkeit der sorgfältigen Arbeit insbesondere bei schwererem Wetter angeht. Hier, dass der Bullenstander festgezurrt werden muss. Lehrgeld bezahlt, aber etwas viel in Relation zum Erkenntnisgewinn. Das ist nicht gut für die Bordkasse. Aber mittlerweile weiß ich, dass nahezu niemand vor solchen Dingen verschont ist.

Schön wenn man ankommt:

Und das schöne ist: Endlich Sommer. Wir wurden mit 20° Celsius und Sonne empfangen, am zweiten Tag ebenso und auch heute am Freitag. Aus dem Norden werden wir noch mit etwas kühlerem Wind versorgt, aber tagsüber absolutes T-shirt-Wetter und Abends ein Jäckchen, alles bestens.

Für den Abend werden wir von Bernhard und Rosita von der SY Columbia gleich zum Abendessen eingeladen. Lecker Gulasch und ein Bier dazu bringt die Kräfte wieder zurück. War toll die beiden, nach Travemünde vor einem Jahr, hier nochmal zu treffen, bevor sich unsere Wege wohl endgültig trennen, da die beiden ins Mittelmeer abbiegen und wir ja eher Richtung Karibik wollen. Fair winds und tolle Erlebnisse im Mittelmeer wünschen wir Euch.

Und während ich das hier schreibe und die Steaks auf dem Grill bruzzeln, ist auch das Großbaumprofil und der Spi-Baum auf dem Weg nach Portugal. Dank Urs Weisel von der Yachtwerft Heiligenhafen und insbesondere auch Sören Matthiessen und Christoph Niediek von Gotthardt Yacht ging das ruck zuck. Vielen Dank an dieser Stelle. Einziger Vermutstropen: Auch die Rechnung ist vermutlich schon unterwegs ;-).

Nein, ohne Scherz, so schnelle Hilfe ist ganz ausgezeichnet und wir können dann doch voraussichtlich relativ bald weiter. Entweder noch die Algarve erkunden, oder direkt nach Marokko, bevor es dort zu heiß wird.

Hier schon mal ein paar Lagos Impressionen.

 

 

Porto erleben

Porto erleben

Es gefällt uns so gut hier, dass wir gleich für einen Monat gebucht haben. Ein ganzer Monat!?! Jein. Aber nach 5 Tagen war auf Basis der Wettervorhersage klar, dass wir mindestens 10 hier sein werden. 10 Tage kosten € 240, 30 Tage € 219. Da hatte ich Buchhalter keine Probleme, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen ;-).

Aber es ist in der Tat sehr schön hier. Leixões mit gewissen Einschränkungen durch den relativ großen Umschlaghafen. Hat aber auch eine schöne Uferpromenade mit zahlreichen Restaurants. Und Porto selbst ist ganz große Klasse.

Das Wetter ist mittlerweile auch auf unserer Seite. Neid auf Deutschland ist nicht länger erforderlich, auch Portugal nähert sich jetzt der 20 Grad-Grenze. Auch die Vorschau ist vielversprechend:

Zudem soll ab Montag wohl endlich der Portugieser Norder einsetzen und uns bei 5 bis 6 Knoten Wind von achtern bzw. achterlich herrlich nach Süden tragen. Und sollte es ein paar Tage länger dauern, auch nicht schlimm, gibt hier bestimmt noch zahlreiche Ecken zu entdecken.

Adios España, Olá Portugal!

Adios España, Olá Portugal

Nach 3 Wochen in Baiona wuchs der Wunsch weiter zu segeln. Die nächste Marina ist 36 sm entfernt (Vaiana do Castelo), dann wären es via Póvoa do Varzim (weitere 24 sm) nochmal 14 sm in Porto. Dumm nur, dass diese beiden Häfen auf Grund der Wetterbedingungen geschlossen sind bzw. der eine nur von Booten über 30 m Länge angelaufen werden darf.

Direkt nach Porto bzw. der dort auch bei dem aktuellen Wetter offenen Marina Leixões? Knapp 70 sm, da benötigen wir nach meiner Kalkulation 15 Stunden. Der Wetterbericht sagt für Dienstag den 10. April Wind aus Nordwest voraus, zwischendurch mal ein Dreher nach West und dann wieder zurück nach Nordwest. Windstärke 5, in Böen bis 7. Das würde gerade so passen, zumal der Wind ja überwiegend von der Seite oder schräg hinten kommen soll. Dazu war Dauerregen bei rund 10 Grad vorhergesagt.

Noch nachgefragt was erfahrenere Segler da machen würden und als Resumée der Antworten den Schluss gezogen: Kein Schönwettersegeln, aber müsste passen. 4 Uhr geht der Wecker, ablegen um 5. Saukalt und stockfinster da draußen. Aber bei 3 Lagen Kleidung im Beinbereich und 5 am Oberkörper sollten wir nicht gleich erfrieren.
Kurz vorm Ablegen mit 4 kn fast Windstille, dann aber in der Bucht von Baiona geht es zügig hoch auf über 30 kn und die direkt von vorne. Ohne Sicht bei ruppiger Welle dagegen angebolzt. Hat ordentlich geschaukelt.

Aber nach einer Stunde geht es kontinuierlich südlicher bis auf direkten Südkurs. Entsprechend wird der scheinbare Wind geringer, die Wellen bleiben noch unangenehm. Wir könnten jetzt eigentlich Segel setzen, aber bei der Welle warten wir noch eine Stunde, bis die Sonne aufgeht.

Wie vorhergesagt ist es bewölkt und regnerisch, Sonne ist nicht zu sehen, aber es isthell genug um die Segel zu setzen. Groß erstmal im zweiten Reff und etwas Vorsegel. Und ab geht die Post. Wir haben dann 10 Stunden herrliches Segeln bei Geschwindigkeit von oftmals über 6 kn (bei den Böen mit Windstärke 7 geht es auch immer mal auf über 7 kn) und entgegen der Vorhersage bekommen wir dann auch immer mal ein paar Sonnenstrahlen ab und der Regen hält sich vermehrt zurück.

Am Ende waren es dann „nur“ 13 und nicht 15 Stunden, da habe ich unseren „fat boy“ doch etwas unterschätzt. Die Anfahrt ist dann nochmal spannend, da die Wellen auf 4 m Höhe angewachsen sind. Beim Blick nach hinten, von wo die Welle kommt, bin ich schon immer mal wieder erschrocken. So der Blick auf einen heranrollenden Wellenberg macht schon ehrfürchtig. Eine nach der anderen geht unter der Luna Mare durch und beschleunigt uns immer wieder kurz auf über 8 kn. Letztendlich geht es aber problemlos in den Hafenbereich (hier ist der größte Seetransportumschlagsplatz Portos und der Region) und in die Marina.

Nachdem wir vor gut 2 Wochen die Uhr um eine Stunde vorgestellt hatten, drehen wir sie jetzt wieder um 1 Stunde zurück, also Winterzeit. Und wie man sieht, ist das ohnehin viel passender.

Und rein zufällig ist es hier die Lokalzeit 😉

Wir sind froh, dass wir jetzt in Leixões sind, einem Vorort von Porto. Das Wetter bei der Ankunft und am Folgetag ist wechselnd, aber mild und immer mal wieder mit Sonne. Also ok. So können wir die Gegend erkunden und auch schon mal den Markt aufsuchen. Heute ist es kühl und regnerisch, aber ab morgen soll es kontinuierlich besser werden. Dann nehmen wir den Bus rein nach Porto.

Witzig finde ich, dass die hier die Erstzulassung des Autos auf dem Nummernschild stehen haben. Im gelben Bereich die obere Ziffer gibt das Jahr an, darunter der Monat.

 

Portugal muss warten

Portugal muss warten

Mittlerweile sind wir schon seit zwei Wochen in Baiona. Das es nicht schneller weiter geht liegt nicht am Wetter, oder unserer Faulheit. Nein.

Wir hatten wundervollen Besuch. Unsere Enkelin (meine Prinzessin) mit Entourage waren für ein paar Tage hier. Das Wetter war etwas durchwachsen, aber wir konnten zumindest einen Ausflug zur Isla Cies unternehmen. Die ist rund 8 sm von hier entfernt und auf alle Fälle einen Besuch wert (Die Luna Mare hat jetzt übrigens 3.000 sm im Kielwasser :-).

Ansonsten viel Zeit miteinander verbracht, gespielt, Ausflüge gemacht, z.B. zum Aquarium in A Coruna, als es stärker regnete. Die Zeit verging viel zu schnell, aber es gibt bestimmt ein nächstes Mal. Und das wir unseren Kindern und Enkeln hier so etwas bieten können, gibt einem ein gutes Gefühl. Es hat uns allen sehr viel Spaß gemacht.

So, jetzt benötigen wir wieder passendes Wetter, dann geht es weiter Richtung Süden. Die aktuelle 14-Tage Vorhersage erwartet mal wieder viel Geduld von uns, da der Wind fast ständig aus Süd, also der Richtung in die wir wollen, kommt. Vielleicht passt das Wetter aber noch für die eine oder andere Ankernacht vor der Isla Cies. Mal schauen.

Baiona

Baiona

Baiona, der (planmäßig) letzte Hafen, bevor wir die Küste Portugals erreichen. So geht es langsam, aber doch kontinuierlich voran.

Die 25 sm von Combarro nach Baiona waren unspektakulär, allerdings mangels passendem Wind mussten wir diese unter Motor zurück legen.

Baiona selbst ist ein angenehmer Ort mit einer schönen Altstadt und guten Einkaufsmöglichkeiten. Auch gibt es einige Plätze die es zu erkunden gibt. Baiona ist der Ort, an dem die ersten von der Entdeckung der „neuen Welt“ 1492 nach deren Ankunft hier berichteten. So kann man den Nachbau eines Bootes aus der damaligen Zeit besuchen.

Eine alte Burgmauer ermöglicht eine sehr schöne Rundwanderung mit Ausblick auf das offene Meer. Und wie erwähnt die Gassen der Altstadt.

Nächste Woche erhalten wir wundervollen Besuch aus D. Unsere Enkelin kommt zusammen mit ihrem Papa und unserer Schwiegertochter. Hoffentlich spielt das Wetter etwas mit, damit wir hier ein paar schöne Tage gemeinsam verbringen können.
Danach mal wieder auf ein passendes Wetterfenster warten, damit es Anfang April weiter gehen kann.