Sommerpause

Wir sind jetzt auch schon wieder seit zwei Wochen im Pazifik. Die ersten vier Tage vor Anker vor der Insel Taboga. Danach in die Vista Mar Marina.

In der Vista Mar Marina lässt es sich gut aushalten. Das Wetter hier ist bei weitem nicht mehr so regnerisch, wie es zuletzt auf der Atlantikseite war. Die Marina ist gut ausgestattet, ähnlich der Shelter Bay Marina mit Minimarket, Swimmingpool, Restaurants, jedoch deutlich günstiger als diese.

Am 22. Juli geht es dann zum Flughafen und von dort via Madrid nach Frankfurt. Wir bleiben jetzt erst mal für 4 Wochen in Hessen, dann noch 4 Wochen in Bayern, bevor es gegen Ende September wieder zurück zur Luna Mare geht. Da gibt es dann hoffentlich keine bösen Überraschungen.

Und dann? Mal sehen. Es gibt ja etliche Ziele im Pazifik und rundherum, deren Besuch lohnenswert sein soll. Hat aber überall hin riesige Entfernungen, wie man an den beiden Bildern mit identischem Maßstab sehen kann.

Aktuell „träumen“ wir davon, über Hawaii nach Alaska und von dort dann entlang der kanadischen und US-Westküste wieder zur „Absprungbasis“ in die Südsee zu segeln. Allerdings sind es 4.500 sm von Panama nach Hawaii, da wären wir so 6 bis 7 Wochen auf See. Insgesamt wären das mehr als 10.000 sm (rund 19.000 km) für rund ein Jahr.

Bis zum ersten Anlaufpunkt in der Südsee, den Marquesas, sind es von Panama aus allerdings auch 3.800 sm, also wären wir „nur“ eine Woche länger unterwegs. Da wir wegen der Hurrikane Saison aber ohnehin nicht vor Dezember nach Hawaii ablegen können, haben wir ja noch etwas Bedenkzeit.

Dies Zeit wollen wir nutzen, um dem Unterwasserbereich der Luna Mare eine neue Antifouling-Farbschicht zu gönnen und vermutlich noch die Inselgruppe Las Perlas zu erkunden. Bisher war es auf der Pazifikseite relativ trocken, mal schauen, was der Höhepunkt der Regensaison im November dann so für uns auf Lager hat.

Vom Atlantik in den Pazifik

Mehr als 3 Wochen seit dem letzten Blog. Nichts besonderes passiert? Ja, in der Tat erst mal nicht. Dadurch, dass wir die neue Ankerwinde zur Shelter Bay Marina geliefert bekommen, sind wir direkt dorthin und haben so tolle Gegenden wie „Bocas del Toro“ und „San Blas Inseln“ rechts bzw. links liegen lassen.

Die Ankerwinde hatte eine Woche Verspätung, dadurch hat sich unser Aufenthalt in der Marina noch etwas verlängert. Die Marina selbst ist sehr positiv. Sehr freundliches und hilfsbereites Personal und etliche Annehmlichkeiten.

So gibt es einen kostenlosen Shuttle-Bus nach Colon, mit dem man zum gut sortierten Rey Supermarkt in einem Einkaufszentrum kommen kann (4 Altos), einen Minimarket in der Marina mit frisch aufgebackenem Baguette jeden Morgen, einem Schwimmbecken mit Liegen und Sonnenschirmen, ein nettes Restaurant, Duschen und Toiletten sind ausreichend vorhanden und in einfachem bis guten Zustand. Wasser und Strom sind am Steg vorhanden, das Wasser ist trinkbar. Zudem gibt es nette Stegnachbarn.

Insbesondere also Marina-Routine. Wobei Krokodile eine solche eher selten besuchen, hier kommt das aber schon mal vor.

Und die Ankerwinde hat dann noch für etwas Abwechslung gesorgt. Die hat mich zwei Tage im Schweiße meines Angesichts beschäftigt (siehe Tec-Eck).

Dann geht es los. Mit der Vorbereitung des Kanaltransits.

Formular ausfüllen, zwei Telefonate, Inspektionstermin, Bezahlung, nochmals zwei Telefonate und los kann es gehen. Linehandler konnte ich zeitig finden, nur mit den obligatorischen Leinen wäre es fast eng geworden, da ich bei vier verschiedenen Verleihern keinen am Telefon erreichen konnte. Hat dann aber auch geklappt, 18 Uhr am Abend vor dem geplanten Transittermin wurden diese geliefert. Das was einem am einfachsten und unproblematischsten erscheint, kann dann plötzlich zum Engpass werden.

4 lange Leinen und Fender und die Skipperin bereitet die Abfahrt vor.

Details zur Kanaltransitabwicklung habe ich auf einer eigenen Seite zusammengefasst.

Am Dienstag 9. Juli um 13:30 geht es dann richtig los. Die 3 Helfer (Linehandler) sind an Bord und wir legen ab.

Außerhalb der Shelter Bay Marina sollen wir um 14 Uhr den Piloten aufnehmen. Der ist bereits eine Viertel Stunde vorher da, Habier, ein Pilot in Ausbildung.

Habier, ein PUP – Pilot understudy program. Es dauert 11 Stufen und 14 Jahre um ein Schiff der höchsten Kategorie (Länge/Art der Fracht) durch den Kanal leiten zu dürfen.

Wir müssen noch etwas warten, da der Frachter, der vor uns in die Schleusenkammern fahren soll, noch auf seinen Piloten wartet. Dann beginnt es zu regnen. In wechselnder Stärke begleitet uns der Regen bis kurz vor die Boje, an der wir im Gatunsee die Nacht verbringen werden.

Auch der Regen kann unsere Stimmung nicht beeinträchtigen.

Gegen 16 Uhr geht es dann in die erste von drei Schleusenkammern der Gatun-Schleuse. Die Aufregung steigt. Zumindest bei mir. Von den Schleusenmauern fliegen uns die „Affenfäuste“ mit den Sorgleinen entgegen. Die Skipperin und unsere 3 Helfer befestigen an diese schnell und professionell unsere je 38 m langen Transitleinen. Von den Transitmitarbeitern werden diese an Pollern belegt und von den Linehandlern dicht geholt.

Dann wird die Schleuse mit Süßwasser aus dem 38m höher liegenden Ziel für heute, dem Gatun-See, gefüllt. Bringt einiges an Turbulenzen in die Schleusenkammer, insbesondere die Vermischung von Salz- mit Süßwasser scheint dafür verantwortlich zu sein. Aber die Linehandler halten die Luna Mare sicher in der Mitte der Kammer.

Schon ist die Kammer gefüllt, das Schleusentor vor uns zur zweiten von drei Schleusen öffnet sich, der Frachter setzt sich unter Erzeugung einiger Turbulenzen in Bewegung. Sobald diese etwas abklingen, werden die Transitleinen vom Poller gelöst und wieder zur Luna Mare gezogen. Die Transitmitarbeiter auf den Schleusenmauern ziehen es vor, mit ihren leichteren Sorgleinen zur nächsten Schleusenkammer zu marschieren, anstatt die schwereren Transitleinen zu schleppen.

So wiederholt sich das zweimal und schon erreichen wir den Gatunsee. Dort noch etliche Seemeilen bis zu einer Boje, an der wir uns für die Nacht festmachen. Hier wird auch unser Pilot abgeholt und wir verbringen einen wundervollen Abend unter den Eindrücken der Erlebnisse des Tages.

Nächsten Morgen zeitiges Aufstehen, wir fünf genießen starken Kaffee und ein Frühstück, bevor dann um 8 Uhr der Pilot, Roger, für den zweiten Tag an Bord kommt. Beim „runterschleusen“ werden wir vor dem Frachter Maersk Nijmegen in die Schleusenkammer gehen. Der steht auch schon in der Nähe bereit, muss aber noch auf einen anderen Frachter warten, der erst eine „Einbahnstraße“ verlassen muss, die sich kurz vor der Schleuse befindet.

Da wir ohnehin mit 5 bis 6 kn Geschwindigkeit langsamer sind als der Frachter, machen wir uns schon mal auf den Weg. Wir werden so 5 Stunden von der Boje bis zur Pedro Miguel Schleuse benötigen. Auf halber Strecke taucht schon unser Schleusenkumpan hinter uns auf. Etwas früher als erwartet, da die Schleusungen wohl schneller gingen als geplant und damit die „Einbahnstraße“ früher für die Gegenrichtung befahrbar ist.

Der Frachter verlangsamt aber so, dass er die restliche Strecke hinter uns bleibt. Erst kurz vor der Pedro Miguel Schleuse überholt er uns, da seine Vorbereitung für die Schleusung etwas länger dauert, als unsere.

Es ist mittlerweile 13:30 und wir können in die Schleusenkammer einfahren (die Pedro Miguel Schleuse hat nur eine Kammer). Hinter uns folgt der Frachter Maersk Nijmegen. Die Linehandler machen wieder einen ausgezeichneten Job und zügig geht es die ersten von insgesamt rund 40 m abwärts. Das ändert sich hier etwas stärker, da der Tidenhub des Pazifik bei 4 bis 9 m liegen kann.

Nach der Ausfahrt knapp 1 sm weiter zu den letzten beiden Schleusenkammern, der Mira Flores Schleuse.

Erste Kammer, runter geht’s, zweite Kammer und das Tor zum Pazifik öffnet sich. Ja, wir haben den Pazifik erreicht.

Aber bevor wir dies feiern können, erst mal die Schleusenkammer verlassen und am Rand der Verkehrsstraße zum Balboa Yacht Club. Dort soll ein Wassertaxi die 3 Linehandler abholen, damit diese zurück zur Shelter Bay Marina fahren können. Auch die geliehenen Fender und Leinen können wir diesem übergeben.

Nach der Verabschiedung von David, Sarah und Röwé geht es noch rund 10 sm weiter zur Insel Taboga, wo wir für ein paar Tage vor Anker liegen wollen. Hier kommen wir noch zeitig vor Sonnenuntergang an und setzen Anker auf rund 5 m Wassertiefe. Da wir Niedrigwasser haben, reicht das aus. Ich gebe genügend Kette, den bei Hochwasser beträgt die Wassertiefe 9 m, mit dem zunehmenden Mond ebenfalls zunehmend.

So sieht das hier aus:

Tec-Eck

Einen ganzen Tag und Unterstützung anderer Segler ist vonnöten, um die alte Ankerwinde ohne Motor (den ich bereits demontiert und entsorgt hatte) zu entfernen. Erst mit Unterstützung durch den 3. Helfer, Steeve aus Südafrika, seit Jahren in Panama, der sich durch Rigg- und sonstige Arbeiten seinen Lebensunterhalt weitestgehend bestreitet, kann dank seines reichlichen Werkzeugrepertoires die alte Ankerwinde entfernt werden. Ist aber dann so zerstört, dass ich die Teile nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, als Reserve nutzen kann.

Auf den Bildern im Ankerkasten noch die alten Winde, auf dem Deck die silberne Winde und der Motor inkl. Übersetzung. Es muss lediglich der silberne Stift der Winde in die Öffnung der Übersetzung. Dieser Stift der alten Winde hat sich wohl festgefressen, wodurch es nicht möglich ist, das silberne Teil einfach raus zuziehen. Wir haben dann die Befestigung der Winde im Ankerkasten entfernen und damit das gesamte Teil rausholen können. Am Steg hat dann Steeve mit Flex und Hammer die Teile voneinander trennen können.

Die neue Winde ist von den wesentlichen Maßen her Baugleich mit der alten und passt damit wunderbar in die vorhandenen Bohrungen. Der Einbau ist damit theoretisch einfach. Halterung erst wieder festschrauben, dann das obere silbere Teil aufsetzen und das schwarze Teil mit Motor und Übersetzung darunter. Vier Schrauben gehen durch die Übersetzung und müssen nur festgeschraubt werden.

Aber wie (gefühlt) immer. Es ist eine Schraube dabei, die Probleme bereitet. Der Gewindestift ist so verwinkelt im Ankerkasten, dass es ewig dauert, bis ich in der Lage bin, in denkbar ungemütlicher Arbeitsposition diese 4. Schraube anzubringen. Dann ist sie endlich montiert.

Eine kleine Herausforderung stellt noch die Verkabelung dar. Die zwei Schalter auf dem Bild (roter und grauer Knopf) müssen zusammen mit den beiden, die im Cockpit angebracht sind, so verbunden werden, damit diese das Relais bedienen können. Und das Relais ist entsprechend mit der Ankerwinde zu verbinden. Und der Strom kommt von der roten Batterie.

Alle Kabel ordentlich verlegt, wie üblich tut sich erst mal nichts. Noch mal die Kontakte überprüft, hier und da gerüttelt und siehe da, die Winde bewegt sich. Und beim Ankern vor Taboga konnte sie sich zum ersten Mal im Echteinsatz bewähren. Hoffe, die hält die nächsten Jahre durch, bis wir „rund“ sind.

Panama, zweiter Versuch

Es ist Dienstag, der 12. Juni 2019, 8 Uhr Ortszeit (15 Uhr in D). Die Vorbereitungen fürs Ablegen beginnen. Bei der Hafenbehörde müssen wir noch ausklarieren und beim Verlassen von Grand Cayman wollen wir nochmal tanken. Seit Key West vor knapp 2 Monaten haben wir 200 l Diesel verbraucht. Und sofern man direkt bei der Abreise tankt, erhält man den Diesel steuerfrei (kostet dann rund € 0,90 pro Liter).

Also los mit dem Dinghi an Land, die paar Meter zur Hafenbehörde und kurz vor 9 Uhr Customs and Immigration aufgesucht. Gibt noch ein paar Formulare und eine Gebühr in Höhe von 3 Dollar. Das wars. Noch die Frage, wo die Tankstelle ist. Da würde mir der Securityman im Eingangsbereich weiterhelfen.

Was ich von dessen monotonem, undeutlichem Englisch verstehe ist, dass die fürs Tanken zuständige Dame aktuell nicht da sei, aber in bereits einer Stunde wieder erwartet wird. Also zurück mit dem Dinghi zur Luna Mare und erst mal gefrühstückt. Danach wieder zurück zur Hafenbehörde, wo ich um Punkt 10 Uhr ankomme. Die Dame ist leider noch nicht da, kommt aber gleich.

Eine Viertelstunde später ist sie dann auch schon da. Prüft und bearbeitet meine Unterlagen und drückt sie mir erledigt wieder in die Hand. Währenddessen ich noch etwas irritiert gucke, bemerkt der Securityman der Dame gegenüber, dass ich Tanken möchte. Ach ja? Wieviel? Ja, so 200 l. Äh Gallonen? Ja, so rund 50. Nicht mehr?

Nö, mehr benötigen wir nicht. Ok. Die Dame rechnet und ermittelt 53 Gallonen als äquivalent zu 200 Liter. Ich bezahle knapp USD 200 dafür und erhalte eine Quittung fürs Tanken. Soll mich nach dem Ablegen auf Kanal 16 melden, dort erhalte ich dann weitere Instruktionen.

So gegen 11:30 sind wir startklar, legen ab und melden uns via Sprechfunk. Sollen am Südkai vor einem „Tankboot“ festmachen. Aha, Tankboot. Mal schauen wie das funktioniert. Machen wir, die Skipperin legt ein gekonntes Anlegemanöver hin und ich versuche die relative hohe Hafenmauer hochzuklettern, um die Luna Mare festzumachen.

Nichts Tankboot. Kurz darauf kommt ein Tanklaster um die Ecke und liefert uns die 53 Gallonen Diesel vom Feinsten. Meine Abschätzung war genau richtig, denn es hätte keine weitere Gallone mehr Platz gehabt. Auch das erledigt, der Tanklasterfahrer reicht uns die Festmacherleinen, die Skipperin legt ab, und es kann los gehen mit dem erneuten Versuch, nach 600 sm Panama zu erreichen.

1. Tag (12.06. 12 Uhr bis 13.06. 12 Uhr)

Es ist dann tatsächlich ziemlich genau 12 Uhr beim Ablegen. Erst noch unter Motor, um Wassertank und Batterie zu füllen, dann werden die Segel gesetzt. Bei rund 20 kn Wind von ziemlich vorne wünscht sich die Skipperin das 2. Reff, um ihre Seekrankheit möglichst zu vermeiden.

Also los mit 2. Reff und vollem Vorsegel. Zur positiven Überraschung können wir den direkten Kurs nehmen und ziehen mit gut 3 Knoten von dannen. Allerdings nicht sehr lange, da der Wind mehr von vorne kommt und wir nun gen Westen abgedrängt werden.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich die Windfunktion im elektr. Autopiloten entdeckt hatte. Nach deren Entdeckung konnte ich sie aber nur kurz nutzen, da ich danach den Kompass absaufen lies. Jetzt mit dem neuen Kompass gleich wieder getestet und voller Erfolg. Der Autopilot hält die Luna Mare in einem einstellbaren Winkel (hier 45°) am Wind.

So segelt die Luna Mare immer maximal am Wind. Da dieser aber halt zu sehr aus der Richtung kommt, in die wir wollen, können wir nicht den direkten Kurs halten. Schade, aber laut Wettervorhersage soll der Wind Richtung Nord drehen, was uns sehr zu Gute käme. Da ist mal wieder Geduld gefragt.

Die Nacht verläuft sehr ruhig, abgesehen natürlich von den Bootsbewegungen, die man bei einem Amwind-Kurs hat. Aber halbwegs erträglich. Mit so 3 kn im Schnitt geht es durch die Nacht.

Um 6 Uhr übernehme ich die Frühschicht, die Skipperin legt sich schlafen und ich genieße mal wieder die Sonne am frühen morgen, bevor sie uns mit voller Kraft einheizt. Kaffee und belegtes Brot zur Stärkung und Begrüßung des Tages.

Der Wind hat es sich auch etwas gemütlicher gemacht und pendelt sich so bei 10 bis 15 kn ein. Nach Rücksprache mit der Skipperin nehme ich das 2. Reff raus und wir segeln mit 1. Reff im Großsegel und vollem Vorsegel weiter. Wie vorhergesagt dreht der Wind etwas nach Nord, so dass wir im Laufe des Vormittags beginnen, uns der „Originalkurslinie“ wieder zu nähern und das Ziel Colon wieder im Fadenkreuz haben.

Leider nimmt die Strömung gegen uns kontinuierlich zu und wir schaffen kaum noch die 3 kn. Hätten wir diese Strömung mit statt gegen uns, kämen wir wohl auf so 5 kn. Das heißt, statt 6 Tagen werden wir wohl mindestens 7 bis 8 benötigen. Was aber, sofern sonst alles klappt, ok wäre.

Der Wetterbericht sagt für die nächsten Tage zunehmenden Wind voraus, heute noch 4 bis 5 kn, morgen dann 5 bis 6, bis es dann in 4 Tagen 6, in Böen 6 bis 7 sein sollen. Und etwas weniger von direkt vorne, so dass wir weiterhin Kurs werden halten können.

Etmal: 78 sm. Das ist nicht sehr viel, aber in Anbetracht der Strömung ok. Und schon deutlich besser als die 25 sm, die wir zwischendurch, beim ersten Versuch Panama zu erreichen, hatten. Somit sind es noch 525 sm bis Panama.

2. Tag (13.06. 12 Uhr bis 14.06. 12 Uhr)

Im Laufe des Nachmittags nimmt der Wind schon etwas zu und dreht nördlicher, so dass er nun aus 60° statt 45° kommt. Das macht uns geringfügig schneller und reduziert die Schräglage ein wenig.

Ansonsten verbringen wir die Zeit mit Essen, Trinken und Schlafen. Die Skipperin liest fleißig und ich kümmere mich alle 3 Stunden um einen kurzen Logbucheintrag und einmal täglich um die Aktualisierung diesen Blogs. Das mache ich zum ersten Mal von unterwegs, was allerdings dazu führen kann, dass der Eintrag deutlich länger wird als bei einer rückwirkenden Beschreibung des Törns.

Wir machen weiterhin rund 3 sm zum Ziel pro Stunde gut. Abends gibt es aufgewärmte Nudeln mit Bolognesesauce und kurz nach 19 Uhr verabschiedet sich die Sonne und überlasst uns der 2. Nacht. Der Mond ist zunehmend (Vollmond in 3 Tagen) und der Himmel nur teils bedeckt, so bleibt es während der Nacht relativ hell. Das macht das Segeln stets angenehmer als wenn man von lauter dunkel umgeben ist.

So um 23:30 sind wir wieder auf Originalkurs, haben also die Abdrift nach Westen wieder ausgleichen können. So stellen wir den Autopiloten jetzt auf Direktkurs Colon ein, was uns, da auch der Wind weiter nach Nord gedreht hat, angenehmen Wind von der Seite (90°) beschert. Weit und breit kein anderes Schiff zu sehen, so kann ich meine Wache bis 3 Uhr weitestgehend im Cockpit schlafend verbringen.

Nach 3 Stunden weiteren Schlafes in der Koje übernehme ich um 6 Uhr wieder die Wache. Jetzt müssen wir leider wieder etwas härter am Wind segeln, um Kurs halten zu können. Das klappt und mit etwas mehr Wind erreichen wir drei Stunden lang einen Schnitt von 5 kn. Fahrt durchs Wasser entsprechend bei 5 bis 6 kn.

Nicht nur wir mühen uns mit der Strömung, auch eine Schildkröte hat sich diesen Kurs ausgesucht. Das arme Ding, welches wir zügig passieren, muss das aber mit eigener Muskelkraft schaffen, wo wir den Wind als Unterstützung haben.

Da dieser jetzt, was die Richtung betrifft, leicht flexibler wird, gesellt sich die Änderung der Segelstellung öfters mal auf die Tagesordnung. Trotz Schräglage, der damit verbundenen Schwierigkeit sich auf und im Boot zu bewegen und der Hitze im Boot ist die Stimmung ganz ok, denn wir kommen voran. So schön es ist zu segeln, wenn es Richtung Ziel geht ist es halt immer noch am schönsten.

Heutiges Etmal: 81 sm, also 3 sm mehr als gestern. So fern es so (gleich)mäßig weiter geht, könnten wir in 5 Tagen, also am 19.06. in Colon ankommen. Allerdings erst um Mitternacht. Insofern bleibt die Einschätzung bei 7 bis 8 Tagen (bzw. verbleibenden 5 bis 6 Tagen) bis Colon. Verbleibende Strecke 444 sm.

3. Tag (14.06. 12 Uhr bis 15.06. 12 Uhr)

Wir machen weiterhin so im Schnitt 3 kn, ansonsten nichts. Im Cockpit ist es bei einer angenehmen Luftbrise eigentlich gut auszuhalten, aber es besteht kaum Sonnenschutz. Den haben wir innen, das allerdings bei 35 bis 40 Grad Celsius. Also haben wir die Wahl zwischen Sonnenbad mit -brandgefahr und Schweißbad. Müssen wir uns gut einteilen.

Langsam aber stetig nimmt der Wind zu, so erreichen wir im Laufe des Nachmittags einen Schnitt von 4 kn. Das Nachladen der Batterie geht nun auch mit kürzerer Motorlaufzeit. In der Pantry wird es langsam akrobatisch. Komplett Schweiß-getränkt schaffe ich es, uns Nudeln mit Schinken-Käse-Sauce und Tomatensalat zum Abendessen im Cockpit zu servieren.

Mit Sonnenuntergang haben wir nun so 15 bis 20 kn Wind. Der Schnitt erhöht sich damit auf 5 kn. Hinsichtlich der Wacheinteilung haben wir uns jetzt so eingespielt, dass die Skipperin tagsüber ausgiebig schlafen kann (seit der Wachablösung um 6 Uhr seit nunmehr 5 Stunden) und ich mich dafür abends früher hinlegen kann.

Um Mitternacht übernehme ich dann wieder für 3 Stunden. Wind weiterhin konstant bei knapp 20 kn. Ich döse so vor mich hin, bis ich kurz vor 3 aus müden Auge erkennen kann, wie der Ozean rasant an unseren Fenstern vorbeirauscht. Vergleichbar am ehesten mit Geschwindigkeit > 200 km/h auf der Autobahn.

Dabei liegen wir so schräg, dass die Bootskante fast die Wasseroberfläche berührt und die Wellen damit leichten Zugang zum Deck finden. Blick auf den Windmesser zeigt: 25 kn und darüber. Die Skipperin quält sich aus der Koje und wir beschließen wieder ins 2. Reff zu gehen. Das lässt die Luna Mare wieder etwas aufrechter laufen und wir machen auch so nunmehr knapp 6 kn Fahrt.

Um die Windgeschwindigkeit festzustellen haben wir ein „Drehrad“ auf der Mastspitze, dass die Windgeschwindigkeit ermittelt und über ein Netzwerkkabel an den Plotter überträgt. Die Windgeschwindigkeit kann aber auch anders gemessen werden:

  • an der Anzahl der blauen Flecken, wenn man zunehmend wuchtiger gegen Hindernisse geschleudert wird
  • an der verkürzten Batterieladedauer, da der Windgenerator ordentlich arbeitet
  • an der Menge an verschüttetem Kaffee beim Versuch diesen in einer Tasse von der Pantry ins Cockpit zu bringen
  • an der Zahl der Augenringe, da bei den ruckartigen Bewegungen der Luna Mare der Schlaf immer weniger intensiv wird.

Dem einen oder anderen Seebären wird hierzu sicherlich noch das eine oder andere einfallen ;-).

Als ich um 6 Uhr wieder übernehme, hat sich der Wind auf 15 bis 20 kn beruhigt. Wir lassen das 2. Reff drinne und machen auch so weiterhin 5 bis 6 kn durchschnittliche Fahrt. Ein wenig hat sich da wohl auch die Strömungsrichtung zu unseren Gunsten verändert.

Der eben heruntergeladene Wetterbericht zeigt an, dass wir die nächsten 36 Stunden weiterhin Windstärke 5, Böen 6 haben werden. Es könnte also in dem Speed weitergehen. Für die Nacht zum 17. 06. sagt er Windstärke 6, Böen 6 bis 7 voraus. Da können die 30kn schon mal überschritten werden, was nicht sehr zuträglich ist. Der Wind soll aber ziemlich seitlich kommen und falls wir Glück haben und die See nicht mehr so konfus ist, wie es jetzt teilweise der Fall ist, sollten wir da passabel durchkommen.

Ach ja, auch daran kann man die Windgeschwindigkeit erkennen. Unsere heutiges Etmal 116 sm. Somit noch 328 sm bis Panama.

4. Tag (15.06. 12 Uhr bis 16.06. 12 Uhr)

Wind bleibt im Laufe das Nachmittags konstant, währenddessen der die Abendstunden etwas gemütlicher angehen lässt. Heute ist ja Samstag, also Badetag. Bei 40° im Boot ist die erfrischende Wirkung nur von kurzer Dauer, ich möchte aber vermeiden, dass sich die unerträgliche Hitze mit ebensolchem Geruch vermischen kann.

Aber erst mal Abendessen kochen, denn davor macht duschen ohnehin keinen Sinn. Es gibt Bratkartoffel-Pilze-Pfanne mit grünen Bohnen und roter Paprika. Dann noch spülen und es kann unter die Dusche gehen.

Die Idee, mich danach in der kühlen Abendbrise abzukühlen und auszuruhen kann ich schnell vergessen. Habe nicht auf den Wasserstand im Trinkwassertank geachtet. Nach der Dusche war der bei Null. Also erst mal Wasser machen.

Dann von 20 bis 21 Uhr noch die herrliche Abendluft genießen und dann für 3 Stunden ab in die Koje. Um Mitternacht frischt der Wind wieder etwas auf, so dass wir bei rund 20 kn Wind auch wieder rund 5 kn Fahrt hinbekommen. Da nichts los ist, verdöse ich die meiste Zeit und verlege diese Tätigkeit nach 3 Stunden zurück in die Koje.

Wie glaube ich schon mal erwähnt, beginnt mit der Frühwache um 6 Uhr der schönste Teil des Tages. Die Sonne ist eben aufgegangen, aber die 20 kn Wind sorgen für eine angenehme Brise im Cockpit. Die Zubereitung des Frühstücks benötigt etwas akrobatisches Geschick (clever wie der Skipper ist, stellt er jetzt die Kanne Kaffee nach draußen und diesen nicht mehr tassenweise), die Einnahme desselben ist aber ein toller Start in den Tag.

Etwas lesen und, nachdem die Skipperin ebenfalls den Tag begrüßt, den aktuellen Wetterbericht runterladen. Die 7 ist aus diesem wieder verschwunden und es gibt max. Windstärke 6 und der Wind kommt weiterhin seitlich so im Winkel von 60 bis 80°. Das passt. Und die Strömung soll auch zunehmend geringer werden. Sofern es so wie die letzten beiden Tage weitergeht, benötigen wir nicht 7 bis 8 Tage, sondern tatsächlich nur 6, würden also in 2 Tagen ankommen. Das wäre bei dieser schaukeligen Überfahrt schon eine positive Überraschung.

Insbesondere die Skipperin würde sich freuen, da sie doch etwas mit der Seekrankheit zu kämpfen hat. Dank Vomex A hat sie das Ganze im Griff. Aber jedes zu viel an Bewegung ist kontraproduktiv, also bleibt nur Liegen und Schwitzen in der Koje, oder im Cockpit, dort allerdings mit etwas kühlerer, bewegter Luft. Sie kämpft sich da tapfer durch.

Unser heutiges Etmal von 109 sm ist diesbezüglich vielversprechend. Es verbleiben noch 219 sm, wir benötigen also noch zwei Etmale à 110 sm, um in zwei Tagen um 12 Uhr anzukommen (18 Uhr würde uns auch reichen). Machbar?

5. Tag (16.06. 12 Uhr bis 17.06. 12 Uhr)

Während im Innensteuerstand das Thermometer wieder die 40° C erreicht, brennt die Sonne in das Cockpit. Mit weiterhin 5 kn Fahrt geht es dem Abend entgegen.

Fürs Abendessen habe ich Suppe mit Reis und Hühnchen aus der Dose auf dem Plan. Beim kochen bin ich mir nicht mehr sicher, ob Suppe optimal ist bei 20 kn Wind. Verschütte aber glücklicherweise kaum etwas.

Unglücklicher verlief der Versuch für den Nachtisch (Orangen- und Grapefruitspalten, ebenfalls aus der Dose) unnötigerweise Obstschälchen aus dem Schrank holen zu wollen. Da ich den Halt verliere, entleert sich ein ganzes Fach ins Boot. Verlust: 3 Tassen. Unsere Kaffeetassen sind aber noch heile. Die Reise kann also weitergehen.

Während ich das Spülen vorbereite, passiert uns ein Frachter. Der nimmt Funkkontakt mit uns auf, kurzes woher/wohin und gute Reise. Währenddessen kocht das Spülwasser auf dem Herd und ergänzt die rund 40° in der Pantry noch mit reichlich Wasserdampf. Schade, dass ich vergessen habe, einen Aufguss mit zu nehmen.

Während des Abends frischt der Wind noch etwas auf, der Windmesser zeigt um die 25 kn. Das trägt uns mit knapp 6 kn Fahrt durch die Nacht. Morgens kurz vor meinem Wachbeginn um 6 Uhr meldet sich wieder ein Frachter. Ein ganz vorsichtiger. Ist noch 6 sm hinter uns und vereinbart mit mir, dass er uns Backbord überholen wird. Soll er machen, so lange er ausreichend Abstand hält.

Gegen Ende des 5. Tages wieder den aktuellen Wetterbericht heruntergeladen. Es bleibt noch ein paar Stunden bei 5 bis 6, dann 5. Ab morgen früh soll es dann kontinuierlich runter auf 2, in Böen 4 bis 5 gehen. Die 2 reizen unseren fat boy nicht, sich wirklich in Bewegung zu versetzen, aber bis dahin sollten wir so nahe am Ziel sein, dass wir es morgen erreichen sollten. Da müsste schon etwas außergewöhnliches passieren und das wollen wir nicht hoffen.

Heutiges Etmal mit 119 sm das längste auf diesem Törn. Es verbleiben noch genau 100 sm. Damit könnten wir morgen bei Sonnenaufgang unter 30 sm vom Ziel entfernt sein, Damit sieht die Ankunft morgen im Laufe des Tages jetzt schon sehr machbar aus, auch wenn wir ggf. mangels Wind etwas Motorunterstützung zu Hilfe nehmen werden müssen.

6. Tag (17.06. 12 Uhr bis 18.06. 12 Uhr)

Kaum gesagt, lässt der Wind nach. Wir schaffen aber so eben noch die 4 kn im Schnitt, die wir für die Ankunft morgen benötigen. Darf aber nicht weniger werden.

Die Skipperin meint: Der Wind hat meistens Nachts zugenommen. Und sie hatte Recht. Bei 10 bis 15 kn Wind geht es unter Vollzeug Richtung Panama mit durchschnittlich 5 kn. Und um 6 Uhr bei Übernahme der Frühwache sind es tatsächlich nur noch 18 sm zur Shelter Bay Marina.

Wir durchqueren ein Verkehrstrennungsgebiet und versuchen mehrfach „Cristobal Signal Station“ zu erreichen, die müssen nämlich informiert werden, dass wir uns dem Kanalbereich nähern. Versuche das so alle 10 Minuten, lange meldet sich keiner und dann auf meine Info, dass wir in die Shelter Bay Marina wollen ein kurzes „proceed“. Also machen wir weiter.

Um die Ecke des Wellenbrechers ab in die Marina. Hilfreiche Marinaleute weisen uns ein und helfen beim Anlegen.

Jetzt sind wir da. Nach der Irrfahrt zuvor, dieses mal 600 sm in 6 Tagen. Klar, war ein wenig schaukelig, aber alles in allem eine gute Überfahrt. Und wir sind jetzt rund 10 km vor dem ersten Schleusentor, durch welches wir in rund 2 Wochen Richtung Pazifik wollen. „Zwickt’s mi, i man i tram“ hat mal Wolfgang Ambros gesungen. Sein Traum war aber kein so schöner.

BTW: War zwar nicht unser längster Schlag, dies aber vermutlich mein längster Blogeintrag bisher ;-).

Grand Cayman Island

Wir liegen hier, was Segelboote angeht, ziemlich alleine. Aber nicht gänzlich alleine, den auch dies hier ist ein beliebter Stopp für Kreuzfahrtschiffe. Bis zu 4 Stück liegen hier schon mal gleichzeitig.

Links davon liegt noch ein viertes, hat aber nicht mehr aufs Bild gepasst.

Da es hier keine passenden Hafenanlangen gibt, liegen die vor Anker und der örtliche Shuttle-Dienst bringt die Kreuzfahrer an Land. So ist immer Bewegung hier am Mooring-Platz.

Apropos Bewegung. Kaum hatten wir an der Mooring-Boje nach unserer Ankunft festgemacht und mit Aufräumarbeiten nach den 7 Tagen auf hoher See begonnen, kam ein anderer Segler längsseits (Wie sich später zeigte ein Dauerlieger, der hier bei einem der Tauchanbieter arbeitet) und erzählte uns was vom Schwell.

Der soll hier vor allem Nachts sehr stark sein, deshalb empfiehlt er uns einen Swell Bridle auszubringen. Wusste nicht so recht, von was der redet, sagte also nur sowas wie „yes“, „ok“, „thank you“, „see you“ and „have a nice day“. Was man hier halt so sagt.

Und tatsächlich, später am Abend geht die Schaukelei los. Ganz ordentlich. Zu spät und zu dunkel, um jetzt noch etwas zu ändern. So schaukeln wir durch die erste Nacht.

Am nächsten Tag gleich mal googlen. Hatte ihn tatsächlich richtig verstanden und bin unter „swell bridle“ fündig geworden. Üblicherweise liegt man vor Anker, oder an einer Mooring-Boje mit der Nase (also Bug) in den Wind. Kommt die Dünung aber nicht aus der Windrichtung, beginnt die Schaukelei.

Mittels einer zweiten Festmacherleine zum Heck dreht man das Schiff nun so, dass die Nase Richtung Dünung zeigt, diese also nicht von der Seite, sondern von vorne kommt. Der Wind kommt dann von der Seite. Damit hat man zwar etwas weniger Luftzug innerhalb der Luna Mare, liegt aber deutlich ruhiger.

Swell Bridle bei Nacht.

So liegen wir hier relativ angenehm an der kostenlosen Mooring-Boje. Das kristallklare Wasser lädt zum Schnorcheln ein, aber leider auch zur Arbeit. Wie schon erwähnt, wollen wir unsere blinden Passagiere bitten, hier vom Boot zu gehen.

Mit dem Freediver kann ich jeweils rund eine Stunde auf Tauchgang gehen. So sind es dann 4 Tage, bis der Rumpf von seinem Bewuchs befreit ist. Waren es doch gefühlt 100e Muscheln und sonstiges Zeugs. Da geht bei der Weiterfahrt die Post ab.

Und so sieht es rundherum um die Luna Mare aus.

Wir haben zwei Dinghi-Stege zum Anlanden ausfindig gemacht, einen am Balboa Beach, relativ nahe zum Zentrum (was hier aus Duty-Free-Läden wegen der Kreuzfahrer besteht) und einen Steg ziemlich nahe am ziemlich teuren Supermarkt. Aber die Auswahl, insbesondere was junges Gemüse und Obst angeht, ist großartig.

Haben natürlich auch die Stadt besucht, auch wenn das bei den Temperaturen hier eine meist schweißtreibende Angelegenheit ist.

Und am gestrigen Pfingstmontag haben wir dann noch den „Queen Elizabeth II Botanic Park“ besucht.

Und wer jetzt denkt, so eine Weltumsegelung macht Spaß und sei eine rundherum tolle Sache, für den sei die Technik-Ecke empfohlen, auch Frust-Ecke genannt.

Tec-Eck

Ankerwinde

Fangen wir mal mit der Ankerwinde an. Hier gibt es drei gut sortierte Schiffsausstatter, aber alle winken ab. Auch bestellen nicht möglich. Liegt vermutlich am Gewicht von über 20 kg.

Aber es gibt einen in Florida, der nach Panama liefert. Entweder Colon, oder Bocas del Toro. Im ersten Angebot waren über € 400 an Transportkosten enthalten. Auf Nachfrage geht auch Ocean Freight, Transportkosten dann „nur“ noch rund € 100 inkl. Steuern, Zoll und Bearbeitungsgebühren. Geplante Ankunft in Panama: 26. Juni.

Da wir bis dahin noch maximal einmal Ankern wollen/müssen (Providencia), ist das ok. Allerdings macht es jetzt keinen Sinn mehr, nach Bocas del Toro zu segeln. Wird sonst zu knapp für die Kanalpassage, die so zeitig stattfinden muss, dass wir am 22. Juli von Panama City aus nach D fliegen können. Außerdem sind es von Bocas del Toro 140 sm direkt gegen den Wind bis nach Colon.

Das ist mächtig schade, den wir hatten gehofft dort Anne und Frank, die Crew der 2wishes zu treffen. Die beiden sind zwei Jahre vor uns gestartet und deren Blog verfolge ich schon, seitdem es ihn gibt.

Autopilot-Kompass

Der Frust ist hier natürlich groß, da dieser ja erst durch mein Öffnen und das anschließende anscheinend unsachgemäße Verschließen abgesoffen ist. Der erste Marinaladen hat nur Raymarine (dachte immer, die wären alle bauchgleich), Scotts Marine jedoch Simrad.

Also „gemütlich“ bei der Hitze hier rund eine Stunde hin gelaufen. Tatsächlich, können uns einen „SimradPrecision-9“ besorgen. Nach telefonischer Abklärung stellt sich heraus, ist, wo auch immer, vorrätig. Ist aber vielleicht bis zum Wochenende (Pfingstwochenende) hier. Also bestellt.

Auf dem Rückweg denke ich, warum sind wir eigentlich den ganzen Weg gelaufen? So einigermaßen sind wir doch mit Telefon und E-Mail vertraut. Aber Bewegung tut gut und was man sich im Schweiße seines Angesichts erarbeitet…. Eines weiß ich, den Frust minderts nicht.

Und mittlerweile ist er hier und eingebaut.

Der Außenbordmotor

Und wenn man denkt, man hat schon genug Baustellen: Auf dem Rückweg mit dem Dinghi vom morgendlichen Baguette-Einkauf scheint der Motor an Leistung zu verlieren. Er strahlt auch irgendwie Hitze ab, was aber auf den zweiten Blick erkennbar ist, der Wasserstrahl fehlt.

Gleich abgestellt und weil ja, wie man weiß, Bewegung gut tut, den Rest des Weges zur Luna Mare mit Hilfe der Paddel zurück gelegt. So ein Frühstück will ja auch verdient sein.

Tja, Kühlwasserkreislauf defekt. Mein Sachverstand 😉 sagt mir: entweder Kreislauf verstopft, oder Impeller (= Wasserpumpe) im Eimer. Die Bedienungsanleitung sagt, den Kühlwasserkreislauf soll man regelmäßig spülen. Hüllt sich aber hinsichtlich des „wie“ in Schweigen. Und der Impeller kann ohnehin nur von einer autorisierten Werkstatt (€€€) ausgetauscht werden.

Also Scotts Marine angerufen (auf der Visitenkarte der freundlichen Jane ist auch YAMAHA vermerkt) und ein paar Stunden später holt ein freundlicher Marine-Mitarbeiter am Dinghi-Steg den Außenborder ab.

Heute (Dienstag 11.06.2016) haben wir den Außenborder (zusammen mit dem Kompass, siehe oben) zurück erhalten. Und ja, es war der Impeller.

Haben die Teile wohl als Erinnerungsstücke zurück bekommen 🙁

Dieselpumpe

Wenn du denkst, jetzt reichts und einfach mal was routinemäßiges am Boot machen möchtest. Zur Routine gehört, immer mal Diesel vom Haupttank in den Tagestank zu pumpen, da an diesem die Verbraucher (Motor und Dieselherd) angeschlossen sind.

Pumpe an. Nichts bewegt sich. Außer der Sicherung. Die hüpft raus. Noch ein Versuch. Selbes Ergebnis. Skipperin bringt schon verbal unsere Handdieselpumpe ins Spiel. Horrorszenario, mit dieser immer mal so gut 50 l Diesel hochzupumpen.

Hier kann ich aber mein handwerkliches Geschick einbringen und das Teil zerlegen. Und siehe da, die metallernen Zahnräder sind blockiert. Rausgenommen, Schmutzpartikel entfernt, wieder eingesetzt und reibungsloser Lauf. Geht doch.

LED-Cockpitlampe(n)

Hier geht die Sonne ja zeitig (aktuell so kurz nach 19 Uhr Ortszeit) unter. Da ist zumindest zum Abendessen etwas Licht ganz angenehm. Dafür haben wir zwei LED-Lampen.

Eine davon haben wir leider so lange im Regen stehen lassen, bis sie so feucht war, dass sie sich weigerte zu leuchten. Die andere ist etwas filigran gebaut, so dass sich schon mal Drähte lösen können.

Die hat die Skipperin dann wieder angelötet. Aber der Schalter hat einen zunehmenden Wackler, so dass es irgendwann nicht mehr möglich war, die Lampe einzuschalten. Also Abendessen im dunkeln (wird ja gelegentlich sogar als Event angeboten).

Aber nach meiner Mutation vom Buchhalter zum Handwerker, hier kein Problem. Kaum dass sie einige Wochen nicht mehr funktioniert, mache ich mich ans Werk. In fachmännischer Feinarbeit wird der defekte Schalter durch eine ultramoderne Steckverbindung ersetzt.

Wie geht es weiter

Obwohl der Frust mit den immer wiederkehrenden defekten Teilen gepaart mit dem Gedanken an das schwindende Budget schon mal ein „ich mag nicht mehr“ hervorruft, geht es weiter. Schließlich erwartet uns eine Ankerwinde in Colon.

Morgen (12.06.), nach MESZ bereits heute, legen wir ab. Es sieht halbwegs gut aus, um bis nach Colon/Panama (600 sm = 6 Tage) zu kommen. Da der Wind laut Vorhersage im Laufe der nächsten Tage/Woche auf in Böen bis zu 8 zunimmt, wollen wir das „Wetterfenster“ mit Windstärke 5 bis 6 nutzen.

Quasi auf dem Weg, in rund 360 sm Entfernung von hier, liegt die Ecuadorische Kolumbianische Insel „Providencia“, die wir bei Bedarf als Zwischenstopp anlaufen können. Drückt uns die Daumen, dass uns diesmal eine Irrfahrt erspart bleiben möge.

Karibische Odyssee, oder Panama habe ich mir ganz anders vorgestellt.

Am Montag den 22. Mai reist unsere Enkelin mit ihren Eltern wieder ab. War eine tolle Zeit mit Euch. Dienstag dann noch mal einkaufen, was es so brauchbares für unsere nächsten rund 10 Tage auf hoher See gibt und die Marinarechnung bezahlen.

Nächstes Ziel Panama

Mittwoch legen wir dann ab. Noch bei Customs and Immigration „Hallo“ sagen, dann geht es los. Wir segeln erst mal die Nordküste Kubas entlang Richtung Westen, um die Westecke und Kap San Antonio herum und legen Kurs Richtung Bocas del Toro. Bocas del Toro wurde uns von Andrea von der SY AKKA empfohlen und eine erste Recherche ergibt, dass es dort die Vertretung eines Schiffsausstatters gibt, über den wir eine neue Ankerwinde beziehen können. Angebot ist in Arbeit.

Der Wetterbericht verspricht Windstärke 4 bis 5, also ausreichend. Um die Insel herum weht er von hinten bzw. schräg hinten und danach ziemlich von vorne, aber laut Vorhersage so, dass wir direkt Kurs auf Bocas del Toro nehmen können.

Mit einem Schnitt von rund 5 Knoten geht es los und nach drei Tagen haben wir bereits 350 sm im Kielwasser. Damit befinden wir uns bereits mehr als 150 sm südlich von Kuba. Vor uns liegen noch 600 sm bis Panama. Auch Angelglück haben wir: Salat für 4 Personen. Wenn das so weiter geht wird in 50 Jahren die ganze Karibik zugewachsen sein.

Über unser neues Satellitenterminal holen wir uns den aktuellen Wetterbericht. Er sagt für die nächsten 2 Tage weiterhin passenden und ausreichenden (5-6) Wind voraus. Danach wird es aber auf Tage hinaus ungünstig, wenig Wind und der aus der Richtung in die wir wollen. Sofern das so bleibt, werden wir noch ein bis zwei Wochen benötigen, bis wir unser Ziel erreichen.

Da wir aber nahe an Providencia (eine zu Kolumbien gehörende Insel) vorbeikommen, entschließen wir uns, diese Insel anzulaufen. Ankern ohne Ankerwinde ist zwar doof, aber dort könnten wir dann auf passenden Wind warten. Vor Cayo Blanco hatten wir den Anker ja auch per Hand eingeholt und die Skipperin meint, ich hätte ja aufgepasst, wie Tobi das gemacht hat.

Nächstes Ziel Providencia

Der neue Kurs ändert sich nur geringfügig und es geht weiter mit Wind von ziemlich vorne. 330 sm liegen nunmehr vor uns und bei zwei Tagen mit passendem Wind könnten wir gut 200 davon schaffen. Die restlichen kriegen wir dann schon irgendwie hin, notfalls unter Motor.

Denkste. Nach dem wir unseren Plan geändert haben, macht das Wetter das ebenfalls. Statt Windstärke 5 bis 6 nur noch 2 bis 3. Kaum ausreichend, damit sich unser fat boy in Bewegung setzt. Dazu gibt es hier auch einiges an Strömung. Um dagegen anzukommen benötigen wir Wind, haben wir aber nicht.

Die Nachtwachen sind etwas frustrierend und ermüdend, da wir ständig den Autopiloten verstellen müssen. Dauernd läuft die Luna Mare aus dem Kurs. Irgendetwas stimmt mit dem Autopiloten nicht. Wir steuern einen Kurs von 160°, laut Autopiloten sind es 40°. Da scheint der zum Autopiloten gehörende Kompass ein Problem zu haben.

Also schraube ich das Teil mal auf, um zu sehen, ob sich da irgend etwas auffälliges tut. Scheint optisch alles ok zu sein, so schraube ich das Teil wieder sorgfältig zu. Beim Studium der Betriebsanleitung finde ich weitere Möglichkeiten den Autopiloten einzustellen. Da er bisher bestens lief, hatte ich das Thema bisher nicht weiter vertieft. Wir können statt den AP-Kompass auch nach GPS steuern. Also machen wir das mal.

Dann sehe ich, es gibt auch eine Steuerung den Wind berücksichtigend. Bietet unser Autopilot aber nicht an. Bis ich herausfinde, dass der auf „Verdränger“ eingestellt ist. Und tatsächlich hatte ich verdrängt, dass ich ihn kürzlich wegen eines anderen Problems auf Werkseinstellungen zurück gesetzt hatte. Nach Änderung von „Verdränger“ auf „Segelboot“ kann ich den AP jetzt auch auf Wind einstellen.

Und was soll ich sagen, einfach großartig. Der AP segelt uns so nahe wie möglich am Wind, so dass wir auf bestem Wege dem Ziel entgegen segeln. Jedoch keine zwei Stunden später kommt die Fehlermeldung „Richtungsdaten fehlen“. Der Autopilot schaltet sich ab und wir steuern von Hand.

Hinzu kommen ab jetzt laufend irgendwelche Fehlermeldungen. Das nervt. Was könnte die Ursache sein. Wie immer ist es gerade dunkel geworden und damit schwer, etwas heraus zu finden. Diese Nacht verbringen wir also am Steuer.

Ursachenforschung am nächsten Tag. Anscheinend habe ich den Deckel des an Deck montierten AP-Kompasses nicht korrekt verschlossen und es ist Wasser eingedrungen. Damit hat sich die Platine mit den elektronischen Bauteilen verabschiedet. Nachdem ich den Kompass ganz abgeklemmt habe, hören auch die laufenden Fehlermeldungen auf. Allerdings ist ab jetzt Handsteuerung angesagt.

Wir machen durchschnittlich noch 1 bis 2 kn Richtung Ziel gut. 24 Stunden später haben wir uns diesem gerade mal 25 sm genähert. Da ist ja mein Opa schneller, wobei ich ja selbst jetzt der Opa bin. Für die nächsten 25 sm benötigen wir immer noch 15 Stunden, obwohl wir den Motor zu Hilfe nehmen. Die Strömung ist mit rund 2 kn gegen uns einfach zu stark, da bräuchten wir schon so 15 bis 20 kn Wind, um dagegen an zu kommen.

Neuen Wetterbericht geholt. Keine Besserung die nächsten 10 Tage in Sicht. Aber da waren doch noch die Kaimaninseln! Im Wetter-/Routenprogramm eingegeben und siehe da, 170 sm, Kurs 50° mit Wind 5 bis 6 und aus einer Richtung, bei der wir Kurs halten können.

Also nächste Planänderung. Kurs Cayman Islands.

Nächstes Ziel Cayman Islands

Wir haben jetzt noch rund 170 sm vor uns. Aber auch hier kommt der Wind nicht direkt so wie vorhergesagt. Deutlich weniger und etwas näher aus der Richtung in die wir wollen. Die Strömung trägt ihr übriges dazu bei. Wir schaffen anfänglich so 2 kn Fahrt. Wenn wir mit Unterstützung des Motors den Schnitt auf 3 kn anheben können, wären wir in 2 Tagen da, nachdem wir jetzt seit 5 Tagen auf See sind. Geduld ist also weiterhin gefragt.

Tatsächlich schaffen wir bisher die 3 kn. Zwischenzeitlich frischt es gehörig auf, mit 20 bis 25 kn Wind. Dann ist aber wieder Flaute. Wir haben die Nase voll. Wir drehen um 23 Uhr bei und legen uns schlafen. Der Wind kann uns mal.

Am nächsten Morgen geht es weiter und jetzt passt es auch etwas besser. Wir schaffen mit ein wenig Motorunterstützung die erhofften 3 kn im Schnitt. Gegen Abend frischt es auf und es geht mit etwas böigen 20 bis 25 kn Wind ganz ok voran. Zum Abendessen gibt es Spaghetti und Fleischklöschen mit Soße aus der Dose. Die Klöschen schmecken etwas fade, aber was solls.

Einiges. Denn die Skipperin hat diese wohl nicht vertragen und bekommt kurz nach dem Abendessen Bauchkrämpfe. Sie legt sich in die Koje und ich befürchte schon, wir müssen sie mit einem Rettungshubschrauber (sofern es einer hierher schaffen kann) ins Krankenhaus bringen lassen.

Hinzu kommt zunehmend schwerer Seegang, bei der die Luna Mare schwer in die Wellen schlägt, was der Skipperin in der Koje überhaupt nicht gut tut. Also gegen 23 Uhr wieder beidrehen und bei dem etwas schaukeligen Seegang schlafen.

Kurz vor Sonnenaufgang geht es dann weiter. Der Skipperin geht es wieder deutlich besser und der Wind, der über Nacht etwas nachgelassen hat, nimmt jetzt wieder zu. Bei nicht allzu hohen Wellen haben wir jetzt konstant so 20 bis 22 kn Wind, bei etwas ruhigerem Seegang. Kurs passt nicht ganz, aber fasst. So machen wir wieder 4 bis 5 kn Richtung Ziel.

So geht es nun Stunde um Stunde schnell und gut voran. Das Steuern ist bei diesem Kurs nicht so aufwändig, da die Luna Mare bei Wind von (schräg) vorne diesen selbst sehr stabil halten kann. Das erleichtert auch die Wache in der folgenden, 8. Nacht, etwas. Wir sind jetzt sogar so schnell, dass wir nicht wie ursprünglich berechnet am Nachmittag, sondern bereits am Morgen noch vor Sonnenaufgang ankommen werden.

Im Dunkeln ankommen wollen wir nicht, also nochmal für ein paar Stunden beidrehen. Nach Sonnenaufgang nutzen wir das noch für ein Frühstück, bevor wir uns auf die letzten 10 sm Richtung Grand Cayman bewegen.

Ankunft Cayman Islands

Port Security über unsere Annäherung informiert. Ein paar Daten übermittelt und vereinbart, dass wir uns kurz vor der Ankunft wieder melden. Machen wir dann auch und werden von einem Port Patrol Boot begrüßt. Die weisen uns eine Boje zu und statten uns mit etlichen Formularen aus. Die sollen wir ausfüllen, bevor es später zur Einklarierung geht.

Machen wir und räumen das Boot etwas auf und so 2 Stunden später werden wir vom Port Patrol Boot zum Einklarierungsdock geleitet. Dort erwartet uns ein Herr vom Zoll, später gesellt sich noch die Dame der Einreisebehörde dazu. Unterlagen werden geprüft, gestempelt und für gut befunden. Rund 15 Minuten später können wir wieder ablegen und an unsere Boje zurückkehren. Das war Einklarieren von der angenehmen Sorte.

Insgesamt waren das anstrengende, aber ins besonders nervige 8 Tage auf See. Und wir benötigen neben der Ankerwinde noch einen neuen Kompass für den Autopiloten, damit wir die nächsten Strecken (bis Panama sind es jetzt „nur“ noch 600 sm) nicht ständig am Ruder stehen müssen. Hoffentlich lässt sich hier so etwas auftreiben. Die Lieferung der Ankerwinde nach Panama scheint möglich zu sein. Die kann ich voraussichtlich am Montag bestellen, damit sie bis Ende Juni dann dort ist.

Nach einem obligatorischen kräftigen Anleger und den ersten beiden Nächten guten Schlafes sind die Strapazen vergessen und wir genießen es, hier zu sein. Das Wasser um uns herum ist kristall klar, das kristall klarste was wir bisher hatten. Man sieht den Grund noch bei 7 m Tiefe. Und das, obwohl hier ein kommerzieller Hafen für die Versorgung der Insel ist.

Georgetown, die Stadt vor der wir liegen, gefällt uns ebenfalls. Im Hafenbereich gibt es, wie bei den Kreuzfahrtspots üblich, eine große Dichte an Souvenir-, Schnaps- und Schmuckläden. Aber es gibt unweit von hier auch einen gut sortierten Supermarkt. Etwas teuer, aber endlich wieder alles verfügbar, was das Herz begehrt bzw. die Geldbörse erlaubt.

Die nächsten Tage werden wir uns um den AP-Kompass bemühen, Wäsche waschen, den Ort erkunden und das Schwimmen in kristallklaren Wasser genießen. Und wenn wir dann schon mal im Wasser sind, können wir auch gleich das Unterwasserschiff von Muscheln befreien, die sich in großer Menge unserer Reise angeschlossen haben

Kuba – Havanna

Nach rund 3 Wochen wollen wir weiter nach Havanna. Wir müssen eh dahin, und unser Besuch hat es dann näher zum Flughafen. Außerdem ist es immer einen Besuch wert und die SY AKKA, mit Andrea und Andreas, die wir schon seit Jahren virtuell verfolgen, liegt ebenfalls zur Zeit dort.

Vorher aber noch ein paar Besuche am Swimmingpool und am Strand.

Ein anderer Segler hat uns Cayo Blanco empfohlen. Man sollte die Insel aber nur nachmittags ansteuern und am Morgen zeitig wieder aufbrechen, da sie tagsüber von 100ten wenn nicht gar 1000 Touris, die mit 80 Fuß-Kats heran gekarrt werden, bevölkert ist.

Anglerglück

Los geht es knapp 10 sm gegen den Wind unter Motor. Unterwegs gelingt es uns tatsächlich, den allerersten Fisch an die Angel zu bekommen. Und dann gleich einen prächtigen Barracuda, ca. 70 cm lang. Gibt ein reichliches Abendessen für 4 Personen. Mal sehen, ob es bis zum nächsten auch wieder ein paar Jahre dauert.

Ankerwinde kaputt

Am Ankerplatz angekommen ruft die Skipperin vom Ruder aus: Anker runter. Geht aber nicht. Bewegt sich keinen Milimeter. Also Kettennuss gelöst und Anker per Hand setzen. Erste Überprüfung zeigt, der Motor zieht so stark Strom, dass die Klemmen heiß werden und die Sicherung herausspringt, sich aber nicht bewegt.

Mehr und mehr zeigt sich, dass sich der Motor festgefressen hat. Da ist wohl nichts mehr zu machen. Aber sieht eine Ankerwinde nach weniger als 3 Jahren Nutzung so aus? Kann das allein an mangelnder Pflege liegen? Das Schicksal von Ankerwinden ist, dass der Einbauort meistens ein ungeschützter ist. Aber etwas länger könnten die schon halten.

Segler unerwünscht

Anker sitzt, also ab an den Strand. Dort werden wir von einem Kubaner empfangen, der uns nicht versteht, den wir nicht verstehen, der uns aber endlos irgendwas erzählt. Ein Kumpel übersetzt dann Teile ins Englische, aber Schlau daraus werden wir nicht. Wir verstehen aber, dass wir dort wohl eher nicht sein dürfen, wir sollen es für uns behalten, dann wäre es ok.

Na gut, wir schauen uns ein bisschen um, dann zurück zur Luna Mare. Es gilt ja den Barracuda zu zu bereiten. Schmeckt wirklich köstlich.

Am nächsten Morgen noch zu einem „Fotoshooting“ an den Strand. Kommen die Leute gleich wieder und erzählen uns, dass wir verschwinden sollen. Am Horizont würde man schon die Touristenboote sehen und deren Chef wäre da dabei und der darf uns hier nicht erwischen. Was soll das den?

Anyway. Also zurück zur Luna Mare und per Hand den Anker einholen. Glücklicherweise habe ich kräftige Hilfe an Bord, so kriegen wir das hin. Für den Rückweg nach Varadero haben wir passenden Wind, so dass wir den größten Teil der Strecke segeln können. Schleppangel wird auch ausgebracht, Außer etwas Grünzeug fangen wir aber nichts.

Drohnenalarm

Sofern man in Kuba seinen Liegeplatz verändern möchte, muss man sich bei den Behörden an- und abmelden. So müssen wir also auch bei unserem kurzen Ausflug zur knapp 10 sm entfernten Insel bei der Abfahrt und auch wieder bei der Ankunft bei den Behörden vorbei schauen.

Bei der Rückkehr ist neben zwei freundlichen jungen Damen noch ein seriöser Herr in Uniform mit zeit Streifen aus seiner Schulterklappe dabei. Er erzählt irgendwas von einer Drohne, die jemand über unserem Boot gesehen hätte. Da wir keine bei der Einklarierung angegeben haben, aber wohl eine hätten, müsse er jetzt das Boot durchsuchen.

Also machen sich die drei ans Werk. Alle Schaps durchsucht, wobei sie wohl nicht wirklich wissen, wie so eine Drohne aussieht. Mal zeigt er ein Kabel mit der Frage was das sei, einen Nintendo-Kontroller gilt es zu erklären und wo weiter. Die Rettungsinsel hat es ihm auch angetan. Glücklicherweise war sie ihm zu schwer, um sie aus dem Stauraum rauszuheben, sonst hätten wir sie möglicherweise öffnen müssen. Konnte ihm aber mit einem Bild aus dem SVB-Katalog weiterhelfen.

So ging das einige Zeit, bis sie wohl einsahen, dass wir tatsächlich keine Drohne an Bord haben. War klar etwas nervig, die Leute waren aber immer neutral freundlich und hatten keine Unordnung hinterlassen. So durften wir wieder zurück in unsere Box.

Auf nach Havanna

Sonntags gibt es einen Bauernmarkt in Santa Marta. Dort nochmal Obst und Gemüse eingekauft, so viel, wie wir schleppen können.

Der Wetterbericht zeigt am Montag, dass es der beste Tag in dieser Woche für die Fahrt nach Havanna wäre. Nicht viel Wind, aber aus passenden Richtungen. Rest der Woche windstill. Also kurz entschlossen Boot reisefertig gemacht, Marinagebühren bezahlt und ab geht’s. Aber natürlich nicht, ohne auszuklarieren.

Also wieder am Behördensteg angelegt. Dummerweise ist kurz vorher eine Segelyacht aus den USA angekommen. Und zwei Boote gleichzeitig geht natürlich nicht. So dauert es 90 Minuten, bis wir tatsächlich los können. Aber Geduld zu haben gehört spätestens seit der Karibik zu unseren Tugenden ;-).

Leider ist es mit Segeln schlecht gestellt. Entweder kein Wind, oder aus der falschen Richtung. Nicht vorhergesagt war Westwind mit 15 Knoten. Da wir nach Westen wollen und auf alle Fälle nach einer Nacht die 90 sm erledigt haben wollen, bleibt nur die Fahrt unter Motor.

Der Motor befindet sich direkt unter unserem Bett. So war der Schlaf in der Freiwache nicht sehr intensiv. Aber für eine Nacht schon ok. Und da wir unter Motor rund 4 kn Fahrt machen, kommen wir bereits um 10 Uhr in Havanna an.

Auch dort wieder an den Behördensteg, Formulare, Fragen, Blick durchs Boot, dann geht es zum Anlegesteg.

Ankunft Havanna

Flucht der Akkanauten

Dort legen wir direkt hinter der SY AKKA an. Andrea und Andreas helfen uns mit den Leinen und begrüßen uns herzlich. Wir begegnen uns das erste Mal im richtigen Leben. Nach vielen Jahren des virtuellen Kontakts, fühlt es sich aber an, als träfe man alte Freunde.

Doch dann. Gleich nach der Begrüßung ergreifen die beiden ihre Rucksäcke und ziehen ins Hotel. So gut kennen die uns doch gar nicht?

Havanna/Kuba erleben

War wohl keine Flucht vor uns, sondern ein mehrtägiger Ausflug nach Havanna. Und nach ihrer Rückkehr hatten wir noch ausreichend Zeit zum klönen. Andrea und Andreas sind ein wundervolles Paar, das seit mehr als 10 Jahre die Weltmeere bereist und so gibt es reichlich zu erzählen. Und auch wir können ja schon ein paar Erlebnisse zur Unterhaltung beitragen. Die beiden haben einen sehr lesenswerten Blog. Guckst du hier: SY-AKKA

Auch wir wollen Havanna besuchen, machen da aber erst mal nur einen Tagesausflug hin. Mit einem ausreichend großen Taxi geht es zu viert plus Baby in die Altstadt. Ein ausgiebiger Spaziergang, eine kleine Rast in einem kleinen Restaurant. Es regnet anfänglich noch etwas, dann aber zeigt sich Havanna von seiner besten Seite.

Viele freundliche fröhliche Menschen, schöne gut erhaltene bzw. Instand gesetzte Gebäude und die US Oldtimer aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts prägen das Stadtbild. Unser Taxi für die Hinfahrt war sogar ein 49er Chevy.

Ja, der Teil von Havanna, den wir sehen, ist schön. Sehr schön. Gibt natürlich auch andere Gegenden wie wir mit Santa Marta sehen konnten. Da fragt man sich, ob man das so einfach und leicht genießen darf. Die Leute scheinen aber überwiegend gut drauf zu sein. Es herrscht Mangel, aber irgendwas gibt es wohl immer zu kaufen. Man muss halt mit dem zufrieden sein, was es aktuell gibt. Erinnert schon etwas an die frühere DDR.

Und wenn man hier, wie damals in der DDR, eine Regierung hat, die das Land so regiert, dass viele Leute gerne abhauen würden, dann muss man viele Ressourcen dafür verwenden, dies zu verhindern. So ist es z.B. streng verboten, Besuch von Kubanern an Bord zu haben. Die dürfen keine ausländische Segelyacht betreten (außer Behördenvertreter natürlich).

Das Embargo macht die Situation natürlich nicht besser. Wundert mich schon, warum man so ein kleines Land, von dem ich mir nicht vorstellen kann, dass eine ernsthafte Gefahr für andere Länder ausgeht, so durch ein Embargo strangulieren muss. Wahre Größe zeigt sich anders.

Andererseits verstehe aber nicht, dass es wohl aktuell Mangel an Mehl und Eiern gibt. Auch sonst muss viel importiert werden, was man doch eigentlich auch lokal anbauen oder herstellen können müsste.

Zuletzt gab es aber einige Erleichterungen. Vom Volk wurde eine neue Verfassung mit beschlossen, die zwar natürlich nicht das Primat der kommunistischen Partei in Frage stellt, aber in einem gewissen Umfang Privatinitiative erlaubt. Vielleicht hilft das, die wirtschaftlich Situation zu verbessern.

Ich denke es ist gut für das Land und die Leute, wenn Segler einen Besuch abstatten. Wegen der behördlichen Restriktionen ist es allerdings kein reines Seglerparadies. Einfach mal hierhin, oder dorthin zu segeln, um mal den einen oder anderen Tag vor Anker zu verbringen und den Strand zu besuchen, ist nicht immer ohne weiteres möglich. Das was wir hier unternehmen konnten und gesehen haben, hat uns aber alles in allem sehr gut gefallen und ja, eine Reise nach Kuba lohnt sich.

Vermischtes

Wir haben seit Varadero einen blinden Passagier an Bord. Mehlpackung und Brot findet sich morgens mit Knabberspuren. Wir hoffen, es ist ein Gecko und keine Maus oder Ratte. Und, dass die nur nachts zu Besuch kommt.

In Havanna mussten wir dann feststellen, dass der blinde Passagier mit uns gereist ist. Immer noch Spuren jeden Morgen vorhanden. Die Akkanauten führen eine Lebendfalle mit. Also ausgeliehen, etwas Speck reingemacht und kaum lagen wir 5 Minuten in der Koje hat es Klack gemacht.

Leute mit Ahnung (auch Akkanauten genannt) haben uns schon davon überzeugt, dass es kein Gecko sein kann, die fressen weder Brot, Mehl, noch Wasserschläuche. So war es in der Tat ein auf Grund des langen Schwanzes eher rattenähnliches Tier. Haben wir einen Ausflug vor das Marinagelände gegönnt und dort ausgesetzt und hoffen nun, das es den Weg zurück zur Luna Mare nicht mehr finden möge.

Rattenmahlzeit

Und da ich schon lange nicht mehr mit dem ekligen Diesel hantieren musste, hatte die Dieselpumpe ein einsehen mit mir und wurde wieder undicht. So hatte ich nach langer Zeit mal wieder die Gelegenheit, Diesel aus der Bilge aufzusammeln. War glücklicherweise weniger, als das Bild vermuten lässt.

Next stop Panama

In drei Tagen, also am Mittwoch den 22. Mai, soll es weiter gehen. Mit dem steten Ein- und Ausklarieren hier wuchs die Idee, gleich bis Panama zu segeln (knapp 1000 sm, also 10 bis 14 Tage), statt uns hier die kubanische Küste entlang zu hangeln. Die fehlende Ankerwinde unterstützt diesen Plan. Leider können wir dadurch aber nicht direkt die San Blas Inseln ansteuern, sondern gehen erst mal nahe Colon in die Shelter Bay Marina. Wir hoffen, dass wir uns eine neue Ankerwinde dahin liefern lassen können.

Havanna-Impressionen

Kuba – Varadero

Erstmal ein Update: Jetzt weiß ich, warum wir bei der Einreise keine Gebühren zu zahlen hatten. Die werden auf die Marina-Rechnung gesetzt. In Summe knapp € 200 für Visas, Entry fee und Stempelgebühr. Also alles wie erwartet.

Die Marina selbst ist mit € 20 pro Tag (€ 0,54 pro Fuß) für unsere 38 Fuß Luna Mare kein Schnäppchen, allerdings handelt es sich hier um eine Marina der schöneren Sorte. Wir konnten schon ein paar mal den schönen Strand genießen, der ca. 15 Minuten Fußweg vom Liegeplatz entfernt ist.

Neben dem großen Schwimmbecken haben wir erst gestern eines direkt an den Liegeplätzen entdeckt, auf dem Dach eines kleinen Gebäudes vor dem Hotel. Sehr wenig los, einige Liegen mit Sonnenschutz und eine Bar mit alkoholfreien Longdrinks für € 1,50, Longdrinks für € 2 und Cerveza für € 1,50.

Trotz dass die Auslastung in der Marina sehr bescheiden ist (laut Dockmaster die Größte in Lateinamerika mit 1500 Liegeplätzen, keine 10 Boote hier), wird fleißig repariert und Instand gesetzt. Da gilt mein erster Eindruck, verursacht durch den Bewuchs der Parkplätze, nicht für die gesamte Anlage.

Alles in allem ein schöner, erholsamer Platz, um sich von den Strapazen einer Weltreise zu erholen ;-).

Öfffentliche Smartphone-Ladestation?

Kuba

Unser lieber Besuch ist am Montag nach einer Woche bei uns wieder abgereist, aber der nächste steht schon bevor. Habe glaube ich schon erwähnt, dass Naila Sarah, unsere mittlerweile fast 5 Monate alte Enkelin, mit ihren Eltern nach Kuba kommt, wo wir sie das erste mal sehen werden.

Bereits für Dienstag 23.04., also den nächsten Tag, ist gutes Wetter vorhergesagt. Der Wind kommt aus Nordost, wir wollen nach Südost. Damit werden wir ihn von der Seite, oder schräg vorne haben. Danach dreht er weiter nach Süden, was uns unangenehmes Segeln bereiten würde.

Also auf dem Rückweg vom Flughafen noch letzte Einkäufe erledigt und den Mietwagen abgegeben. Mit der untergehenden Sonne geht es dann mit den Einkäufen im Dinghy zurück zur Luna Mare.

Dienstag zeitig aufstehen und die Luna Mare reisefertig machen. Wir rechnen damit, dass wir rund rund 24 Stunden benötigen werden. Wollen so ca. 12 Uhr los. Vorher geht es aber noch zur Tankstelle. 300 Liter Diesel tanken. Dann auf Richtung Kuba. Kurz nachdem wir das Ufer hinter uns gelassen haben können wir Segel setzen.

Mit seitlichem Wind, der mit 10 bis 15 Knoten die optimale Geschwindigkeit hat, geht es Richtung Varadero, ca. 140 km östlich von Havanna gelegen. Laut Wikipedia: „Varadero ist ein beliebtes kubanisches Strandurlaubsziel auf der schmalen Halbinsel Hicacos. An der 20 km langen Atlantikküste liegen verschiedene Hotel- und Spa-Anlagen für All-inclusive-Urlauber sowie ein Golfplatz“.

Wir erleben Segeln vom Feinsten und kommen deutlich schneller voran, als geplant. So nähern wir uns am Folgetag um 5 Uhr morgens bereits der kubanischen Küste. Marion weckt mich, wir drehen bei und ich lege mich wieder hin, bis zum Sonnenaufgang. Genau hier hat nun der Wind Richtung Südost gedreht, so dass wir den direkten Weg nicht mehr segeln können, sondern kreuzen müssen.

Also optimal gelaufen, da wir ja bereits kurz vor Kuba sind. Da sich die Skipperin kurz schlafen legt, genieße ich 2 Stunden Segeln bei wenig Wind und ruhiger See. Bringt uns durch das Kreuzen und die langsame Fahrt nicht wirklich voran, aber es ist ein Hochgenuss bei einer Tasse Kaffee und wundervollem Segeln den Tag zu begrüßen.

Gemeinsam mit der Skipperin holen wir dann die Segel ein und legen die letzten Meilen bis zur Marina unter Motor zurück. Marina Gaviota hat ein separates, neues Einklarierungsgebäude, vor dem man direkt anlegen kann.

Einreiseformalitäten

Dann beginnt das Prozedere der Einreise. Eine junge Dame kommt mit einem Formular an Bord, das wir gemeinsam ausfüllen und inspiziert die Luna Mare. Ich zeige ihr unsere frischen Lebensmittel, wobei sie nur darauf hinweist, dass wir diese nicht an Land bringen dürfen, sondern an Bord verzehren müssten. Kein Problem.

Dann zwei weitere junge Damen. Eine mit Photoapparat, die andere mit Formularen. Werden wieder ausgefüllt, wobei ich gar nicht mehr weiß, was wir dort alles ausfüllen mussten. Anyway, anschließend wird das Boot inspiziert. Beide bei bester Laune öffen etliche Schubläden und Stauräume, wobei eine der beiden fleißig Fotos macht. Unser Master Bedroom hat ihnen wohl am Besten gefallen, den darin verschwinden sie kichernd.

Dann noch eine ältere Dame, die sich als Veterinärin vorstellt in Begleitung eines ebenfalls älteren Herren. Auch noch mal das Boot inspizieren. Frage nach Frischfleisch und Eiern. Ja, haben wir im Kühlschrank. Wollen sie es sehen? Nein, schon ok.

Dem Herren fallen kleine Blumentöpfe auf. Da hatten wir erfolglos versucht ein paar Kräuter an Bord zu ziehen. Das sagte ich ihm auch und dass die entsorgt werden könnten. Er fragt nach einem Müllsack, ich tue die Töpfe hinein und will ihm diese übergeben. Er meint nur: Nicht notwendig, die könnten wir entsorgen, sobald wir am Steg liegen.

Dann geht es einzeln zusammen mit dem Reisepass zum Einreisegebäude. Ein Foto wird gemacht, Formulare ausgefüllt und die Touristenkarte, die es uns erlaubt für 30 Tage zu bleiben (kann um weitere 30 Tage verlängert werden), ausgestellt. Und ein Despacho, welches es uns erlaubt, hier in der Marina zu liegen. Muss bei Weiterreise zu einer neuen Marina dort wieder abgegeben werden und wird dann durch ein neues ersetzt.

An verschiedenen Stellen im Internet hatte ich gelesen, dass man bei der Einreise diverse Gebühren zu entrichten hat, insbesondere USD 75 pro Person für die Einreise an sich. Zu unserer positiven Überraschung, null. Keine Cent wurde von uns verlangt. Keine Ahnung warum, vielleicht eine Eigenart diesen Einklarierungsortes? Vielleicht kriegen wir aber die Rechnung noch bei der Abfahrt präsentiert. Mal schauen.

Angekommen in Kuba

Damit sind wir in Kuba angekommen. Allerdings noch nicht im richtigen, den hier sind wir auf einer Halbinsel, die 100% dem Tourismus gewidmet ist. An der Nordseite liegt der Ort Varadero, danach ein Hotel bzw. Ferienressort nach dem anderen, bis zur Südspitze der langgezogenen, aber nicht sehr breiten Insel.

Wir liegen hier ebenfalls in einem Ressort, in das die Marina quasi integriert ist. Es gibt hier einige Restaurants, Souvenir-Läden, aber auch eine Art Supermarkt. Das nötigste kann man da durchaus erstehen. Nur Brot haben wir bisher noch nirgends gesehen. Aber dank knapp 20 kg Mehl, die wir in Key West gekauft hatten, können wir es selber backen.

Marina Varadero

Eine 1a Hotel-/Ressortanlage. Alles ziemlich neu und in bestem Zustand. Vor den Hotelgebäuden und den Restaurants liegen mehr als 10 Katamarane, alle gleich aussehend und alle 50 Fuß lang. Mit denen fahren täglich 100erte Leute insbesondere zur Caya Blanca. Die Ausflügler werden per Bus von allen Ressorts auf Varadero hierher gebracht.

Dann gibt es noch eine Flotte von Motorbooten für Angelausflüge und vor dem Tauchzentrum einige für Tauchausflüge. Ein paar hundert Meter sind es dann zur Marina, in der die Gäste, wie wir, liegen. Riesengroß mit kaum Booten. Abgesehen davon, dass die Katamarane gut besucht sind, macht die Anlage hier, ebenso wie die anderen, den Eindruck, die Auslastung wäre nicht sehr hoch.

Deutlich sieht man das an der Gästemarina. Momentan liegen hier alles in allem rund 10 Boote. Platz wäre wohl für einige hundert. Obwohl alles eigentlich vom Feinsten ist, gibt es doch auch ein paar Stellen, die wohl nicht (mehr) ausreichend gepflegt werden. Vor den Stegen gibt es zig Parkplätze, die verweisen und bei denen schön langsam das Unkraut die Oberhand gewinnt.

Die Duschen sind schön und sauber, aber sowohl bei den Damen als auch bei den Herren zwei von dreien nicht benutzbar und abgeschlossen. Aber bei der geringen Belegung reicht es aus, das es jeweils eine gibt. Und diese ist ausgesprochen ok. Auf der Etage über den Duschen gibt es eine Art Dachgartenbar, wo man ein kaltes Bier für USD 1,50 erhalten kann. Bei einem schönen Blick über die Anlage durchaus immer mal einen Besuch wert.

Wäsche selber waschen kann man nicht, aber für günstige USD 6 pro Maschinenladung kann man diese zum Waschen weggeben. WLAN gibt es, kostet 1 USD pro Stunde und ist ausreichend schnell. Nur so eine Stunde ist halt immer schnell rum.

Varadero und Santa Marta

Es gibt reichlich Taxis hier, die einen für USD 10 nach Varadero (ca. 20 km) bringen. Alternativ kann man einen Touristenbus (Hopp on, hopp off) verwenden. Kostet auch USD 10, dafür kann man diesen aber den ganzen Tag benutzen, also auch für den Rückweg.

Varadero ist, da für Touristen gut erreichbar, auch entsprechend touristisch angehaucht. Es gibt zahlreiche Märkte und Marktstände mit lokalen Kunstwerken und Souvenirs. Etliche Restaurants säumen die Hauptstraße und bieten für USD 5 bis 10 ihre Hauptgerichte an.

Von Varadero aus führt am nördlichen Ende eine Brücke nach Santa Marta, welches man nach rund 1,5 km erreicht. Hinweg haben wir mit dem Taxi (USD 5) genommen, den Rückweg zu Fuß erkundet. Hierher kommen die Touristen schon deutlich weniger. Wir sind hier, da es Samstag und Sonntag den Bauernmarkt gibt. Haben den auch gefunden und uns mit Obst, Gemüse und etwas Fleisch eingedeckt.

Abzocke

Gibt es wohl auch, und zwar an einem Ort, an dem ich das nicht erwartet hätte. Ich hatte kurz vorher gelesen, dass es auf Kuba seit Dezember 2018, also bereits seit 4 Monaten! allgemeines Internet gibt. Also so mit SIM-Karte im Smartphone und mit Datenvolumen.

In Varadero den ETECSA-Laden aufgesucht. Ja, haben wir, kein Problem. Für USD 67 können wir einen Monat unbegrenzt Internet haben. Bisschen teuer, aber wir wollen ja ziemlich genau einen Monat bleiben und auch unser Besuch freut sich bestimmt, wenn wir via Smartphone-Hotspot Internet anbieten können. Außerdem hat es in Key West ziemlich genau so viel gekostet und wir konnten in der Tat unbegrenzt surfen und sogar Videos und Champions League schauen.

Die Dame richtet hinterm Tresen fleißig mein Smartphone ein und gibt mir einen Zettel mit PIN, PUK und Telefonnummer. Sonst nichts, insbesondere keine Quittung. Sie weist noch darauf hin, dass man den Datenempfang immer abstellen sollte, sofern man das Smartphone nicht im Internet nutzt. Aber das ist doch unbegrenztes Internet? Ja, klar.

Auch mein Hinweis auf eine eben erhaltene SMS vom Anbieter, wonach wir eben 600 MB für USD 7 erworben hätten, bringt nur den Verweis: schon ok, das ist normal, Internet ist unbegrenzt. Bei dem freundlichen Lächeln denke ich nichts böses und wir ziehen weiter.

Schon am nächsten Tag kommt der Hinweis „sie haben 80% des Datenvolumens verbraucht“ und kurz später ist Schluss mit unbegrenztem Internet. Haben die tatsächlich USD 60 von USD 67 in die eigene Tasche gesteckt?

Tags darauf nochmal im Laden vorbeigeschaut. Kollegin war da. Ich sage mit meinem spärlichen Spanisch, dass wir für USD 67 Internet gekauft haben, aber anscheinend nur für USD 7 schlappe 600 MB erhalten hätten.

Nein nein, kein Problem, Internet ist unbegrenzt. Spielt am Smartphone herum und zeigt mir anhand von Facebook, dass es sich tatsächlich aktualisiert. Mit gewisser Erleichterung ziehen wir von dannen. Um dann später fest zu stellen, dass FB und whatsapp als Service mit dabei sind und nicht aufs Volumen angerechnet werden.

Alles in allem bin ich mir nun zu 99% sicher, dass wir hier übers Ohr gehauen wurden. Ich vermute aber, Diskussionen im Laden bringen nichts, zumal mein Spanisch dafür nicht ausreicht. Also unter „mal wieder was gelernt“ abbuchen.

Diese Episode vermiest uns den Aufenthalt hier allerdings nicht, sondern wir sind äußerst glücklich und zufrieden hier. Der Strand ist schön, am Swimmingpool kann man entspannt liegen, oder eine Runde schwimmen. Und die Luna Mare liegt sicher und ziemlich ruhig am Steg. Was will man mehr.

Abgesehen davon war das der bisher einzige negative Vorfall hier. Ansonsten alles sehr nett, hilfsbereit und ehrlich. Wobei man aber schon gerade in den Touristengebieten aufpassen muss, dass man nicht abgezockt wird.

Mittlerweile sind wir bereits seit 6 Tagen hier und in ein paar Stunden geht es los, Enkelin mit ihren Eltern am Flughafen Havanna in Empfang nehmen. Wir freuen uns riesig, die drei zu sehen und natürlich darauf, unser 4. Enkelkind herzhaft knuddeln zu können.

Key West, Miami und Everglades

Pünktlich am Montag 15.04. Nachmittag kommt unser Besuch aus Deutschland an. Uwe und Regina (Schwager und Schwägerin) wollen mal eine Woche lang sehen, was wir Langfahrtsegler hier so treiben.

Das gibt uns Gelegenheit, nochmal etwas Miami, Miami Beach und die Everglades zu erkunden. Und wenn man Besuch hat, motiviert das auch vor Ort nochmal durch Key West zu laufen.

Die Woche mit den beiden ist bereits die vierte, die wir in Key West verbringen. Also nochmal alles genießen, bevor es weitergeht nach Kuba. Ich genieße es sehr, wieder in den USA zu sein. Manchmal wundere ich mich, warum mir das alles so wundervoll und vertraut vorkommt. Meine Vermutung ist, dass es mit den Serien, Filmen etc., die ich in den 70er und 80er Jahren in Fernsehen und Kino gesehen habe, zusammenhängt.

Anyway. Ist toll hier, aber neue Ziele stehen vor uns. Let’s go.

Key West und Roadtrip USA

Für mich ist es wundervoll wieder hier zu sein. Unabhängig von der jeweiligen Regierung ist und bleibt die USA ein wundervolles Land mit wundervollen Menschen und herrlichen Landschaften und Städten.

Klar ist die USA anders als Europa, viel weitläufiger, fast alles nur mit dem Auto erreichbar. Zu Fuß zum Einkauf wird hier zu einer Herausforderung. Eine Stunde in der Hitze laufen um mit vollem Rücksack zurück. Aber es gibt ja Uber (zumindest) für den Rückweg.

Vom Ankerplatz zum Dinghi-Dock benötigen wir mit unserem etwas schmächtigen Außenborder rund 25 Minuten. Nach einer Hin- und Rückfahrt ist der kleine Tank leer. Am Dinghi-Dock gibt es Duschen und Waschmaschinen.

Von dort in den Ort benötigen wir zu Fuß rund eine halbe Stunde. Mittlerweile haben wir auch den „Duval Loop“ entdeckt, ein kostenloser Busservice, der eine Runde durch die Stadt dreht.

Die Duvalstreet, quasi das Herzstück von Key West, ist eine sehr touristische Flaniermeile. Restaurants und Souvenirläden reihen sich aneinander und in fast jedem der Restaurants oder Bars wird Live-Musik angeboten.

Auf nach New Orleans

Nach einer Woche haben wir uns ausreichend mit Proviant versorgt und Key West etwas erkundet. Mit einem Leihwagen (auch der reichlich groß, ein SUV bei dem man statt Kofferraum die Anzahl der Sitzplätze von 5 auf 7 erweitern kann) geht es los über die zahlreichen Brücken, welche die Keys verbinden, Richtung Miami.

Kurz vor Miami biegen wir links ab und es geht Meile für Meile Westwärts durch die Everglades. Auf gut ausgebauten, überwiegend 4-spurigen Straßen geht es gemütlich aber stetig an die Golfküste. Unsere erste Übernachtung haben wir für Fort Myers reserviert.

Die Motels, mit USD 60 bis 80 pro Nacht nicht mehr so günstig wie ich sie in Erinnerung hatte, sehen alles ziemlich gleich aus. Direkt quasi vorm Bett kann man parken. Gut ist, dass die alle einen Kühlschrank haben. Da können wir unseren Proviant für die Verpflegung unterwegs schön kühl und frisch halten.

Üblich ist ein sogenanntes kontinentales Frühstück. Da gibt es keine Wurst und keinen Käse, sondern zum Toast „nur“ Marmelade. Aber wir haben Wurst und Käse dabei und können so das Frühstück etwas aufpeppen und uns für die nächsten Meilen stärken.

Nach einer weiteren Nacht diesmal in Tallahassee geht es am dritten Tag nach New Orleans. Bei schönem Wetter kommen wir am späteren Nachmittag dort an. Es reicht noch für eine kleine Stadtrundfahrt, die ausgiebigere Besichtigung ist für den Folgetag geplant.

Da haben wir die Rechnung aber ohne das Wetter gemacht. Das beschert uns wolkenbruchartigen Regen, der die Straßen teilweise unter Wasser setzt. So beschränkt sich die Stadttour auf einen kurzen Spaziergang unter Regencapes, die es aber auch nicht verhindern können, dass der Großteil der Bekleidung nass wird.

Miami und Miami Beach

Laut Vorhersage soll es regnerisch bleiben. Also geht es wie geplant wieder auf den Rückweg. Nach einer weiteren Übernachtung in Tallahassee erreichen wir Jacksonville/FL. Da hat es Strand und Sonne und alles ist wieder gut. Wobei der kurze Abstecher nach New Orleans trotz des bescheidenen Wetters schön war.

Nach Jacksonville geht es am Sonntag weiter nach Miami. Dorthin konnten wir dank der Unterstützung des ehemaligen TO-Stützpunktleiters (der ist jetzt nach New Hampshire, also in den kalten Norden, umgezogen) ein Paket senden lassen. Das kommt am Montag an, so dass wir es am Dienstag, vor der Rückfahrt nach Key West, abholen können.

Miami ist eine alles in allem sehr interessante Stadt. Es gibt eine kostenlose Bahn, die im Rundkurs durch die Schluchten der Hochhäuser unterwegs ist. Man kann einige Spaziergänge machen, oder mit Bus bzw. Uber nach Miami Beach an den Strand fahren. Mit dem Leihwagen eher nicht, da dort das Parken schon mal USD 30 kosten kann.

Zwei Tage sind schnell rum, also geht es zurück über die Keys nach Key West. Vorbereiten für den Besuch aus Deutschland, den wir erwarten und auf den wir uns schon sehr freuen. Da wir diesen vom Flughafen Miami abholen werden, haben wir nochmal Gelegenheit Miami und die Everglades zu besuchen.

Technik-Ecke

Sorge macht mir mal wieder die Hydraulikanlage. Wobei das mal wieder ein Thema ist, das ich nicht richtig einschätzen kann. Es schaut so aus, als würde an dem Teil, dem Lager der Hydraulikstange, etwas Hydrauliköl auslaufen.

Ein altes Bild zeigt, dass sich da eigentlich nicht viel verändert hat, die „Risse“ sind da auch schon vorhanden. Vielleicht ganz normal, dass bei der Ruderstellung, bei der die Hydraulikstange ganz auf der einen Seite ist, etwas Hydraulikflüssigkeit sichtbar wird?

Es deutet momentan nichts darauf hin, dass Hydraulikflüssigkeit in nennenswerten Umfang aus der Anlage entweicht. Also abwarten und beobachten?