US Virgin Islands und Puerto Rico

Das Seglerleben ist unstet und schon geht es nach 10 Tagen St. Martin weiter zu den US Virgin Islands. Und das in guter Stimmung. Wir haben ein neues Dinghy!

Sieht nicht nur schick aus, sondern ist auch sehr stabil und die Fahrt damit ein Genuss. Outdoor World in Sint Maarten hat auch den Außenborder 1a repariert und obwohl noch Teile benötigt wurden keinen Cent von uns verlangt. Toller Service.

Jetzt macht das Anlanden richtig Freude. Der Motor mit 2.5 PS nicht die Rakete, spart uns aber Knöllchen ;-). Und es fährt und fährt, es sei den, der Skipper vergisst den Benzinhahn zu öffnen, oder gar nachzutanken. Aber das macht er nur hin und wieder.

Auch das Verstauen auf dem Vorschiff ist wesentlich einfacher, da es mit montiertem Motor problemlos mittels eines Falls an Bord gehievt werden kann, ohne Gefahr, dass es kippt.

Das Dinghy haben wir ebenfalls in Sint Maarten erworben, bei Island Water World. Beim Preis für ein 2,6 m langes Dinghy fiel ich fast in Ohnmacht. Knapp USD 3.000. Im Internet gegoogelt, die gibt es anderswo doch bereits für USD 2.000, was für mein Vorstellungsvermögen auch noch reichlich viel ist.

Auf Rückfrage, warum der Preisunterschied so hoch ist, habe ich gelernt, dass es PVC gibt und Hypalon. PVC löst sich in der Sonne auf und altert sehr schnell. Im Schatten bei WENIGER als 15°C hält es bis zu 10 Jahre, für die Gegend hier also ungeeignet. Hypalon hingegen ist ein hochwertiges, extrem widerstandsfähiges Elastomer. Es ist UV-, temperatur- und alterungsbeständig sowie reißfest (Wikipedia). Da es angeblich Jahrzehnte hält, werden auch unsere Erben noch was davon haben.

US Virgin Islands

Genug zum Thema Dinghy. Selbiges verstauen und Anker hoch. Los geht es nach St. Croix, eine der US Virgin Islands. Da es knapp 100 sm sind, planen wir eine Nachtfahrt ein. So kommen wir am Sonntag den 10.02.2019 vor St. Croix an.

Einreisen in die USA ist ja angeblich immer etwas kompliziert und die Regularien sind streng. Wir haben uns einen Monat vor Start unserer Reise glücklicherweise ein Touristenvisum (B2) für die USA in der US Botschaft in Frankfurt erteilen lassen, was problemlos funktioniert hat. Das ist 10 Jahre gültig und wir dürfen für jeweils 180 Tage in die USA einreisen. Das ist doch ganz ordentlich.

Also bei Customs und Immigration angerufen. Aber Wochenende, keiner da. Vom Band erfahren wir, dass auch die Mailbox „not initialised“, also im Wochenende ist. Aber am Montag klappt es. Eine freundliche Dame bittet uns, sie am Flughafen aufzusuchen.

Mit dem Taxi nichts wie hin und eine Stunde später sind wir einklariert. Laut Stempel im Reisepass dürfen wir jetzt bis August hier bzw. den USA bleiben. So lange wird es aber wohl nicht werden. Und wichtig: Auch die cruising permit eingeholt. Die ist einerseits wichtig und andererseits wohl nur hier kostenlos zu erhalten.

Da die zuständige Dame damit wohl nicht sehr erfahren ist, wollte sie uns schon auf andere Inseln verweisen. Aber etwas small-talk bei dem sich herausstellte, dass sie Militärdienst in Hanau geleistet hat, und schon ging die Permit problemlos von der Hand. Jetzt dürfen wir nicht nur hier sein, sondern auch beliebig jedwede US-Küste rauf und runter segeln.

St. Thomas

Nach ein paar Tagen vor Anker und ein paar Spaziergängen durch den kleinen Ort geht es 40 sm weiter zur Hauptinsel, St. Thomas. Ist etwas größer hier und wir können unseren Proviant wieder etwas auffüllen.

Und momentan ist nichts defekt. Ein sehr gutes Gefühl, dass wir auf keinen Segelmacher oder Mechaniker etc. warten müssen, sondern weiter können, sobald wir wollen und das Wetter passt.

Beides trifft nach drei Tagen bereits zu und weiter geht es nach Puerto Rico. Wir fangen mit Culebra erst mal klein an.

Culebra / Puerto Rico

Die Entfernungen hier sind glücklicherweise kurz und der Wind nahezu immer passend für unsere Richtung. So sind es heute nur gut 20sm die es zu bewältigen gilt.

Mit der Ensenada Honda finden wir eine ruhige und geschützte Ankerbucht. Das ist hier nicht selbstverständlich. Geschützt schon, aber entlang der Südküste drückt es immer ordentlich Welle und Strömung in die Bucht, was für ordentliches Schaukeln sorgen kann.

Ein paar Spaziergänge durch den Ort und zwei Tage später geht es weiter, zur etwas größeren Nachbarinsel Vieques.

Vieques / Puerto Rico

Nur 18 sm weiter erreichen wir die 2. der sogenannten Spanish Virgin Islands. Nach einer ruhigen Nacht in einer Mangrovenwaldbucht geht es weiter zu einer Bucht mit schönem Sandstrand. Mal wieder Strandleben genießen.

Schöne ruhige Tage gehen dahin und wir setzen Segel zur Hauptinsel von Puerto Rico, die wir am 24.02.2019 erreichen.

Puerto Rico

Jetzt sind wir „richtig“ in den USA angekommen. Riesen Supermärkte, SUVs, (fast) keine Fußgängerwege. Gefällt uns aber trotzdem. Und erinnert mich sehr an meine 6 Monate, die ich 2004 in den USA (New Bern, North Carolina) verbracht habe.

Schönes Ankern in fast einsamen Buchten und Stadtleben wechseln sich ab. Vor Ponce liegen wir wieder etwas zentraler mit den schon erwähnten Einkaufsmöglichkeiten.

Wir suchen als ersten Supermarkt „Sam’s Club“ auf. Wundern uns, dass es hier nur große Gebinde ähnlich Metro gibt. Aber passt ja zu unseren Vorurteilen zu XXL USA. Mit vollem Einkaufswagen zur Kasse, wo wir erfahren, dass hier nur Mitglieder einkaufen dürfen.

Oops sorry, wir sind Touristen ohne Ahnung. Aber, da vermutlich niemand den Inhalt unseres Einkaufswagens wieder einsortieren wollte, hat man uns dann doch an der Kasse abgefertigt.

Hier habe ich auch zum ersten Mal in meinem Leben Uber getestet, die App runter geladen und mich angemeldet. Und das klappt ausgezeichnet.

Kaum in er App die gewünschte Strecke eingegeben, schon kommt Kevin und bringt uns mit den Einkäufen zurück zur Luna Mare. Kostet für die paar Meilen ein paar Dollar und geht völlig problemlos

Für 3 Tage nehmen wir uns in Ponce einen Mietwagen um weitere Einkäufe zu erledigen und die Insel etwas zu erkunden. Auf zum Flughafen mit Uber (mittlerweile die 3. Fahrt mit Kevin und seinem Chrysler 200). Mietwagen übernommen und los geht die Erkundungsfahrt.

Wir wollen die Ruta Panoramica entlang, aber verfahren uns heillos. Google Maps führt uns dann auf einspurigen engen Straßen (jedoch keine Einbahnstraßen) durch tropischen Regenwald zurück nach Ponce. Noch mal gut gegangen.

Dann noch nach San Juan, Wäsche waschen und zum Marine Chandler. Ist der Anker zu stark, ist der Wirbel zu schwach. Den hat es leicht verborgen und um auf Nummer sicher zu gehen haben wir einen neuen erstanden.

San Juan noch etwas erkundet. Ist mit seinen Kreuzfahrtschiffen schon sehr touristisch und hat die typischen Läden in der Nähe des Kreuzfahrthafens. Aber trotzdem sehenswert.

3 Tage mit dem Mietwagen waren dann auch schnell vorbei und mittlerweile haben wir bereits Anfang März. So geht es am 08.03.2013 weiter in die nächste Ankerbucht. Dort nur für eine Nacht, bevor es nach Boqueron weiter geht. Boqueron ist wieder etwas touristischer, mit zahlreichen Restaurants und lauter Musik entlang des Ufers.

Kleines Reumée, bevor wir Puerto Rico in ein paar Tagen Richtung Key West / Florida verlassen wollen. Abgesehen von Antigua mit Falmouth und English Harbour ist hier an den Ankerplätzen wenig los. Teilweise für uns alleine, gelegentlich mal der eine oder andere Ankerlieger.

Scheint so, dass wir nicht den üblichen Pfad genommen haben, den im Vorfeld hatte ich eher von überfüllten Ankerbuchten gelesen. Insofern haben wir kaum Fahrtensegler getroffen, aber bisher eine wundervolle Zeit in der Karibik verbracht.

So, morgen oder übermorgen noch nach Mayagüez zum Einkaufen und dann soll es laut unserem aktuellen Plan die gut 900 sm (rund 1.700 km) nonstop nach Key West / Florida gehen. Bin schon leicht aufgeregt im Vorblick auf die nächsten 9 Tage nonstop auf hoher See, vorbei an den Bahamas, der Dom-Rep und Kuba (wohin wir ja Ende April dann wollen).

Von Antigua nach St. Martin/Sint Maarten

Nach genau vier Wochen wird es Zeit, unsere Reise fort zu setzen. Die Yamaha-Werkstatt meldet, dass der Außenborder nunmehr fertig repariert ist. Also hin und den reparierten Außenborder abgeholt. Kurzer Probelauf, hört sich gut an.

Montserrat

Also geht es am Folgetag, dem 23. 01. 2019 weiter. Nächstes Ziel Montserrat. Ein kleine Insel gut 20 sm südwestlich von Antigua, deren komplette südliche Hälfte einschließlich (der nun ehemaligen) Hauptstadt Plymouth von einer 5 m hohen Lavamasse bedeckt und weitestgehend unzugänglich ist.

Soll aber interessante Wanderungen dort Richtung des immer noch aktiven Vulkans geben. Also planen wir zwei Nächte ein. Laut Zoll sollen wir am nächsten Morgen einklarieren.

Der Ankerplatz stellt sich aber als ausgesprochen unruhig heraus. Eine Ketsch, die vor vermutlich noch nicht allzu langer Zeit auf der felsigen Uferküste gelandet ist, macht auf uns einen etwas beunruhigenden Eindruck. Durch die in die Bucht herein rollenden Wellen wackelt es so stark, dass die Gläser auf dem Tisch umfallen.

Gestrandete Yacht.

Das sind nicht die Besten Voraussetzungen um die Luna Mare während eines Landausfluges alleine zu lassen. Der neue Anker hält zwar felsenfest, aber wir wollen kein Risiko eingehen.

Nach einer Nacht mit unruhigem Schlaf zeigt der Blick morgens um 7 eine Welle in die Bucht reinkommen, die noch größer erscheint als am Vorabend und mit Getöse am Ufer bricht. Das Schiffswrack wird gespenstisch auf den Felsen hin und her geworfen.

Anruf um 8 Uhr beim Zoll: Wir wollen nach dieser Nacht ohne Landgang direkt weiter. Müssen wir trotzdem ein- und ausklarieren? Die erleichternde Nachricht: Nein, nicht nötig.

St. Kitts and Nevis

Also Anker auf und weiter Richtung Nevis, welches wir als nächstes Ziel geplant haben. Da wir reichlich Wind und diesen aus der richtigen Richtung haben, entscheiden wir uns, gleich zur Hauptinsel St. Kitts durch zu segeln. Nachdem die Marina unseren Anruf nicht beantwortet und die von außen zu klein erscheint, um dort mit unserer unbeweglichen Luna Mare Manöver zu fahren, gehen wir draußen vor Anker.

Auch hier versetzt der Schwell die Luna Mare ordentlich in Bewegung. Weniger als vor Montserrat, aber doch etwas ungemütlich. Da unser Dinghi speziell mit Motor dran ausgesprochen instabil ist, entschließen wir uns am nächsten Tag die paar Meter zum Ufer zu paddeln, um uns bei Zoll etc. anzumelden.

Und so setzt sich die leidvolle Geschichte mit unserem vermeintlich so genialen Dinghy fort. Die Ruderaufhängung bricht nun am zweiten Ruder. Beim ersten hatten wir noch Glück, dass wir in Praia direkt bei Quintino anlandeten, der das Teil, während wir im Ort unterwegs waren, wieder angeschweißt hat.

Jetzt erst mal kein Schweißer weit und breit. Ein Ruderblatt in der verbleibenden Aufhängung, mit dem anderen „freischwebend“ paddeln. Mühsame Angelegenheit um an Land zu kommen. Aber wir schaffen das und suchen Zoll, Immigration und Hafenbehörde auf, bevor es zum ersten Spaziergang durch Basseterre geht.

Da uns der Ankerplatz zu unruhig erscheint, kaufen wir etwas Vorräte ein und verziehen uns in eine vor dem Schwell etwas besser geschützte Ankerbucht. Abgesehen von Fallböen, die alle paar Minuten mit > 20 kn in die Bucht wehen, ist der Aufenthalt sehr angenehm. Ein schöner Strand mit einem Restaurant lädt uns zum Landausflug ein. Gibt auch gleich Gelegenheit den Luxus eines Außenborders zu genießen.

Ab geht die Post. Der Motor läuft rund und es geht zielstrebig Richtung Ufer. Am Restaurant gibt man uns zu erkennen, dass ein Anlanden an derem Dingi-Dock nicht erwünscht ist. Also ein Stück abseits am Sandstrand, kein Problem. Doch plötzlich lässt die Leistung des Außenborders nach und ein paar Meter vor dem Ziel verabschiedet er sich komplett. Neustart unmöglich.

Also Paddel raus und den Rest gepaddelt. Ein paar Startversuche, nichts geht. Also erst mal den Strand erkunden. Ein Strandaufseher informiert uns, dass der Strand zwar öffentlich ist, aber alles was herum steht, einschließlich der Liegen, zum nebenan liegenden Yachtclub gehört. Dürften uns aber schon mal drauflegen, sofern kein Clubmitglied in der Nähe ist. Sehr nett.

Kleiner Spaziergang zur Superyacht Marina mit dem erwähnten Club. Mondäne Anlage mit in der Tat Superyachten an den Stegen. Wir könnten mit der Luna Mare wahrscheinlich wochenlang hier liegen, ohne dass uns jemand an den riesigen Stegen bemerken würde :-).

Zurück zum Dinghy, Motor springt weiterhin nicht an. Also ist wieder paddeln angesagt, welches auf Grund der einen gebrochenen Ruderaufhängung ja nicht sehr komfortabel ist.

Zurück bei der Luna Mare stellen wir fest, dass der Motor am Vergaser, also genau an der Stelle, weshalb er in Antigua in die Werkstatt ging, wieder Benzin verliert. Wir finden heraus, dass Outdoorwelt (der Yamaha-Reparateur) auch in St. Maarten vertreten ist und man uns dort helfen würde (Details zu Dinghy-Außenborder-Leidensgeschichte in der Technik-Ecke).

Dahin wollen wir ohnehin weiter. Also zurück nach Basseterre. Die Marina ist aber laut Hafenmeister voll, also noch eine bewegte Nacht vor Anker. War aber ganz erträglich.

Am Montag, den 28.01.2018, den wir mittlerweile haben, nochmal an Land gepaddelt zum Ausklarieren. Letzte Eastern Caribbean Dollars ausgegeben, den die können wir auf keiner weiteren Insel mehr verwenden und ab geht es nach St. Eustatius.

St. Eustatius

St. Eustatius ist eine nette kleine niederländische Überseegebiet Insel. Laut Reiseführer wird dort mit dem Antillengulden bezahlt, tatsächlich aber mit USD. So kann man am Geldautomaten auch nur solche erhalten. Nachdem der Ankerplatz sehr angenehm ist, wollen wir zwei Nächte bleiben.

Gleich mal zum Zoll, einklarieren, ist ja noch nicht so spät (15 Uhr). Geht problemlos, allerdings wäre niemand mehr von der Immigration da. Sollen am nächsten Tag nochmal kommen. Ein paar Einkäufe mit unseren neuen USD und dann verbringen wir eine ruhige Nacht vor der Küste.

Am Folgetag ein Spaziergang durch den Ort Oranjestadt und dann zum ausklarieren. Zoll sagt, Immigration ist auch heute nicht da, sind vermutlich nur am Flughafen anwesend (die haben ein kleines Flugfeld für Flugzeuge so der Cessna-Klasse). Ohne Immigration können wir bei ihm nicht ausklarieren.

Außerdem müssen wir noch die Ankergebühr bezahlen. USD 35 für zwei Nächte. Ganz ordentlich fürs Ankern, allerdings mit WLAN in der Bucht. Laut der Dame dort benötigt sie ein Dokument, welches wir vom Zoll hätten erhalten müssen. Also zurück zum Zoll. Nö, das kann er uns eigentlich erst nach unserem Besuch bei der Immigration geben. Aber dann doch. Also Ankergebühr bezahlt.

Weiter geht es per Taxi zum nahegelegenen Flugfeld um bei der Immigration sowohl ein- und gleichzeitig auszuklarieren. Dann zurück zum Zoll, ebenfalls ausklarieren. So besteht unser kurzer Aufenthalt auf St. Eustatius überwiegend aus diesen „Behördengängen“. Aber wir haben ja Zeit, das Wetter ist schön, die Insel ist schön und die Leute sind alle sehr nett. Machen halt auch nur ihren Job.

Am nächsten Morgen verabschieden wir uns zeitig von St. Eustatius, da > 40 sm bis St. Martin vor uns liegen. Anfangs geht es noch etwas langsam voran, dann frischt der Wind auf und wir kommen vor 17 Uhr, also zeitig vor Sonnenuntergang, in St. Marten an und ankern in der Marigot Bay.

St. Martin/Sint Maarten

Hier das gleiche Spiel, an Land paddeln um einzuklarieren. Geht hier aber sehr einfach. Das machen hier nicht Zoll/Immigration/Hafenbehörde, sondern der lokale Schiffszubehörladen. Wir geben die Daten dort an einem Computerterminal ein, es erfolgt ein Ausdruck der vom Ladenmitarbeiter kurz geprüft, gestempelt und unterschrieben wird. Gegen eine Spende von € 2 für die Seenotrettung.

Ja, hier gibt es wieder Euro und, da wir ja im Prinzip in Frankreich sind, einen gut sortierten Supermarkt mit europäischen Preisen. Nicht billig, aber gerade auch ob des reichhaltigen Angebotes sehr angemessen. Wären wir im Süden der Insel vor Anker gegangen, wären wir in den Niederladen gewesen.

Die beiden Länder teilen sich diese kleine Insel auf. Marigot, die Hauptstadt des nördlichen französischen Teils wird allgemein als schöner beschrieben als Philipsburg, die „holländische“ Hauptstadt. Werden wir aber noch herausfinden, da wir uns am Montag mal in Philipsburg nach einem neuen Dinghy umsehen wollen.

Den bis dahin bleibt das anlanden ein Akt. Als wir ein zweites Mal an Land wollen haben wir Glück. Die Besatzung eines richtigen Dinghies mit richtigem Motor bietet uns Schlepphilfe an, die wir gerne annehmen. Wegen unseres wackligen Gefährts bitte ich darum „lentement“, also langsam zu fahren. Und so geht es gemütlich zum Dinghy-Steg. Wie man hier sehen kann, ist der ja auch nicht gleich um die Ecke.

So, mittlerweile haben wir Freitag, den 1. Februar 2019. Die Yamaha-Werkstatt hat den Motor gestern freundlicherweise direkt hier abgeholt und ist zuversichtlich, diesen bis Montag repariert zu haben und zwar dieses Mal richtig. Schaun mer mal.

Technik-Ecke:

Wir haben als Dinghy ja ein sogenanntes Banana-Boot. Das hat den großen Vorteil, dass es platzsparend an der Reling verstaut werden kann. Dort macht es sich auch ganz gut. Nicht so gut macht es sich allerdings bei seinem eigentlichen Zweck, uns von der Luna Mare ans Ufer zu befördern.

Es ist alles in allem sehr instabil und wacklig. Mit am Heck montierten Außenborder droht es gar zu kippen, was ja vor La Graciosa im September letzten Jahres ja auch passiert ist. Seitdem haben wir keinen einsatzfähigen Außenborder mehr.

Paddeln wäre ja kein Problem, etwas Bewegung würde mir ausgesprochen gut tun. Aber vor Praia ist dann die erste Ruderaufhängung gebrochen (wurde dort repariert) und nun die zweite (noch nicht repariert). Das macht das an Land kommen zu einer sehr frustrierenden Aktion.

Mit Neid sehe ich die Highfield-Dinghys durchs Ankerfeld rasen. Die haben Außenborder von > 10 PS, ohne dass es zu Gewichtsproblemen am Heck kommt, wo unser Dinghy mit dem leichten 2,5 PS Außenborder ja schon erhebliche Probleme hat.

Insofern reift der Entschluss, das Bananaboat durch ein richtiges Dinghy zu ersetzen. Es sollte allerdings einen festen Boden haben und keinen aufblasbaren, der bei Grundberührung undicht wird. Bei SVB gibt es eins mit Aluboden für € 1.300, wobei die momentan klären wie teuer eine Lieferung nach Florida wäre. Hier bekommt man welche ab USD 2.000. Also ein ordentliches Investment.

Tja und dann ist da noch der Außenborder. Mal sehen, ob wir am Montag einen tatsächlich funktionierenden zurück bekommen. Gibt noch einiges hin und her wegen der Kosten. Die wollen tatsächlich nochmal > € 200 um den Vergaser dicht zu bekommen. Das war aber exakt die Arbeit, die ich in Antigua beauftragt habe und für die ich zusammen mit ein paar anderen Dingen schon > € 600 bezahlt haben.

Der Mitarbeiter von Outdoorworld in Sint Maarten gibt sich aber zuversichtlich, dass er eine Kostenübernahme durch Antigua hinbekommt und wir am Montag wie erwähnt einen 100% funktionierenden Motor zurück bekommen werden.

Das Problem ist aber auch, dass ich mich schwer tue, den Motor ins Dinghy zu bekommen und dort fest zu machen. Ist halt etwas unhandlich und mit zunehmenden Alter meinerseits wird das vermutlich auch nicht leichter von der Hand gehen. Da hege ich die Hoffnung, dass dies dann mit einem stabileren Dinghy besser geht.

Antigua

Angekommen in der Karibik

Nun sind wir bereits seit mehr als drei Wochen vor Antigua, unserer ersten Station in der Karibik. Und es fühlt sich gut an.

Angekommen am 2. Weihnachtsfeiertag nehmen wir erst mal einen Platz in der Jolly Harbour Marina ein. Fürs Akklimatisieren, Verproviantieren und Umgebung kennen lernen ist das doch komfortabler.

Im nahe gelegenen Supermarkt werden wir schon mal mit dem deutlich höheren Preisniveau vertraut gemacht. Und wo ich gerade am Lästern bin: Es regnet hier nahezu jeden Tag.

Das waren aber dann auch schon die negativen Punkte. Und beide sind erträglich, beim Einkaufen muss man halt ein bisschen wählerischer sein und bei > 25° C ist so ein kurzer Regenschauer ohnehin eher eine Erfrischung.

Nach einigen erholsamen Tagen haben wir angefangen uns um die To-Do-Liste zu kümmern:

Einige Punkte davon sind aber ohne hohe Priorität (Abreißkalender 2019, schließlich wollen wir eh zeitlos unterwegs sein), oder möglicherweise nicht unbedingt notwendig (Ersatzrelais für die Ankerwinsch, die vorhandene funktioniert, der „Runter-Schalter“ im Ankerkasten ist lediglich defekt, aber runter geht auch ohne Winsch). Und einige in der Tat schon erledigt.

Mit einem Leihwagen für 2 Tage konnten wir das angenehme (Sightseeing) mit dem nützlichen (Segel zum Segelmacher und Außenborder in die Werkstatt) verbinden.

Das Vorsegel ist mit sauber neu genähtem UV-Schutz mittlerweile wieder zurück. Wir haben es zu A&F Sails gebracht. Die sind in Nelsons Dockyard, ein Ort der laut Reiseführer unbedingt besucht werden sollte. Ist auch sehr schön dort:

Um dorthin zu kommen haben wir uns für eine Nacht nach Falmouth Harbour verholt. Dort gibt es auch Marinas, aber Boxen wohl erst so für Boote ab 100 Fuß aufwärts. Da wäre Luna Mare trotz der Farbe nicht mehr auffindbar.

Der Motor ist Stand heute (18.01.2019) noch in der Werkstatt. Moussa hat ihn in Dakar ja wieder zum Laufen gebracht, nachdem ich dem Motor ein Salzwasserbad gegönnt hatte, aber Dichtungen sind im Eimer, so läuft Benzin, aber auch Öl aus. Laut Werkstatt soll er eigentlich spätestens heute fertig werden. Hoffen wir mal, dass wir ihn Anfang nächster Woche bekommen, dann geht es weiter, weitere karibische Inseln erkunden.

Das Warten ist hier aber kein Problem. Liegen in einer schönen Bucht seit Tagen vor Anker. Keine einsame Bucht, auch andere, überwiegend Chartersegler, zieht es hierher. Und die Passagiere der Kreuzfahrtschiffe. Durchschnittlich 3 legen pro Tag um die Ecke in St. Johns an und 3 größere Katamarane bieten Ausflüge in unsere Deep Bay an. Die sind aber meist nur kurz hier, denn es muss ja weiter gehen.

Ach ja. Graeme Hart war auch hier. Und wie es sich für den reichsten Mann Neuseelands gehört, natürlich standesgemäß:

Die Ulysses ist 117 m lang. Der Hubschrauber war öfters in Bewegung, vermutlich für Geschäftstermine von Herrn Hart. Beeindruckend auch das Dinghi, ein Motorboot welches wohl so um die 20 m hat, und damit fast doppelt so groß wie unsere Luna Mare ist. Gibt es komplett für so rund 250 Millionen USD. Sei es ihm gegönnt. Wir sind mit unserer Luna Mare sehr zufrieden und glücklich unterwegs.

Und hier noch ein paar Antigua-Impressionen:

Skeptischer Blick zu mir, im Mast „hängend“ das Rigg zu prüfen.

Von den Kapverden in die Karibik

Wir schreiben Samstag, den 08. Dezember 2018 und es ist so weit. Alle Vorbereitungen sind erledigt und wir wollen los in die Karibik. Ziel: Antigua, von wo aus wir den nördlichen Antillenbogen (u.a. Virgin Islands, Puerto Rico, Jamaica und Kuba) erkunden wollen. Nach meinen groben Berechnungen sollten wir für die 2.215 sm (4.100 km) rund 3 Wochen plus/minus einiger Tage benötigen.

Bevor es losgeht verabschieden wir uns noch von Pinto und seinem Sohn Quintino. Hier deren Visitenkarte:

Praia ist auf alle Fälle einen Besuch wert und wer hier ist, sollte auf alle Fälle die Dienste der beiden in Anspruch nehmen. Wir fühlten uns am Ankerplatz sicher, aber auf Grund der gemeldeten Überfälle dann längsseits der Boote von Pinto doch besser. Quintino hat am Dinghi eine Schweißarbeit übernommen und ohne seine Dienste hätte ich wahrscheinlich nicht herausgefunden, wie man steuerfreien Diesel (€ 0,70 pro Liter) im Fischerhafen quasi direkt ans Boot geliefert bekommen kann. Und es hat auch immer wieder Freude bereitet, sich bei einem kühlen Bier mit den beiden zu unterhalten.

Und noch etwas möchte ich vorm ablegen erwähnen. Wie schon berichtet, liegen wir längsseits der Segelyacht des französischen Paares Ellyn und Francois, die mit Sohn Ewen und Filou, dem Vater von Ellyn, unterwegs sind. Eine Gitarre hatte ich an Bord bemerkt, als wir dort zum Essen eingeladen waren. Also sie vor 5 Tagen Richtung Tobago ablegten, hat uns Ellyn noch eine CD mit Widmung vorbei gebracht. Sie ist Sängerin des Folk-Duos „Blue Highway“ und das Album heißt „Swallows in the rain“. Folk-Fans können sich das hier anhören: https://soundcloud.com/swallowsintherain

So, aber jetzt geht es los. Für die, die es interessiert, hier der (etwas zu lang geratene) Bericht über unsere Atlantiküberquerung. Kurzzusammenfassung für Eilige: Wir sind nach 18 Tagen 7 Stunden und 2.300 Seemeilen wohlbehalten angekommen. Weniger spektakulär als ich dachte, tat sich eine Insel am Horizont auf und der Unterschied zu z.B. Kapverden ist eigentlich bisher nur, dass es mehr regnet. Aber wir wollen nicht vorschnell urteilen.

1. Tag (So, 08.12.2018): Es ist 10 Uhr und Pinto und Quintino helfen uns beim ablegen. Raus aus dem Hafenbecken und unter Motor erst mal 200 l Wasser für unsere fast leeren Wassertanks produzieren und noch die Batterien laden.

Der Wind schwächelt deutlich und nicht nur das, er dreht auf Südwest, kommt also aus der Richtung, in die wir wollen, da wir noch zwei leicht südlicher liegenden Inseln, Fogo und Brava ausweichen müssen. Nachdem wir zwei Stunden mit geringer Geschwindigkeit quasi an Ort und Stelle kreuzen, Motor an und geplanten Kurs wieder aufnehmen.

Urplötzlich schießt der Wind auf 25 kn und darüber hoch. Also Segel hoch und Motor aus. Jetzt kommt er auch aus einer passenderen Richtung. Zwar von schräg vorne, was die Fahrt etwas ruppig macht, es geht aber mit 6 bis 7 Knoten rasch voran. Da wird uns schnell klar, wir sind in der Düse. Zwischen zwei Inseln wird der Wind komprimiert und damit deutlich beschleunigt. Kennen wir von den Kanaren.

Von daher wissen wir auch, sobald wir die Windzone verlassen, wird auch der Wind weg sein. Und so ist es auch. Von jetzt auf gleich 5 kn Wind statt 25 und das gleiche Schauspiel, der Wind dreht auf Grund von Verwirbelungen nach Südwest.

Nicht lange rumgemacht, Segel eingeholt, Motor an und auf zur nächsten Düse. Wie gesagt etwas ruppig, aber wir kommen gut voran. Gegen Ende der ersten Nacht sind wir an den beiden Inseln vorbei und es geht hinaus in die hohe See. Etmal 120 sm.

2. Tag (So, 09.12.2018): Mit Wind von schräg hinten machen wir mit 5 bis 6 Knoten gute Fahrt. Die Wellen sind etwas ungleichmäßig, was die Luna Mare mal wieder zum schaukeln bewegt. Da müssen wir uns erst noch daran gewöhnen. So bleibt die Küche kalt. Die Skipperin hat in Vorbereitung der Fahrt aus Brotbackmischungen zwei leckere Brote gezaubert. So lässt sich der Anfangs „fahrtbedingt“ noch geringe Appetit leicht stillen. Der Schlaf während der ersten Freiwachen nicht sehr intensiv, aber alles ok. Etmal 128 sm.

3. Tag (Mo, 10.12.2018): Ziemlich unverändert geht es am dritten Tag weiter. Wir haben weiterhin schönes, sonniges Wetter und ausreichend Wind von schräg hinten. Etwas müde geht es durch den Tag. Es stellt sich aber schon etwas Appetit ein. So wird am Abend eine Dose Gulasch geöffnet, der Inhalt erwärmt und mit ein paar Nudeln dazu zum Abendessen. Dosen werden uns noch ein Stück des Weges begleiten.

Als wir vor knapp zwei Jahren mit der Luna Mare aufgebrochen sind, wollten wir ja bereits Ende letzten Jahres die Karibik erreichen. Entsprechend haben wir uns mit Dosenfutter versorgt. Dazu hatten wir ja immer mal Wasser im Boot und auch in der Bilge, in der wir die Dosen aufbewahren. So haben wir jetzt einige schwer von Rost gezeichnete. Die müssen/wollen wir jetzt peu à peu aufbrauchen. Die Einkäufe erfolgten im Winter, so haben wir Gulasch in allen Variationen dabei. Lecker. Etmal 130 sm.


4. Tag (Di, 11.12.2018): Wetter weiterhin aus Nordost mit 5 bis 6 Bft. Er dreht etwas achterlicher, so dass das Großsegel das Vorsegel abdeckt. Wir nehmen es noch nicht weg, sondern setzen es im 2. Reff in die Mitte, in der Hoffnung, dass es die Bootsbewegungen etwas abmildert, was es m.E. auch tut. Es kehrt an Bord etwas Routine ein. Der Appetit wird größer und auch Aktivitäten wie lesen und Planung der weiteren Reise, nehmen zu.

Bewegungen an Bord benötigen weiterhin einiges akrobatische Geschick. Fehlt das dann immer mal wieder, wird es durch blaue Flecken ersetzt. Ansonsten ziemlich ereignislos. Keine Delphine, oder Wale die uns begleiten und keine Fische, die den Weg zum so liebevoll vorbereiteten Angelhaken finden. Etmal 127 sm.

5. Tag (Mi, 12.12.2018): Mittlerweile dreht der Wind bei gleichbleibender Stärke von Nordost nach Ostnordost, kommt jetzt also noch mehr achterlich. Dadurch ist das Großsegel jetzt doch wieder im Wege, da es das Vorsegel verdeckt. Also ganz einholen und nur mit ganzer Genua (die hat bei uns gut 40 m²) geht es weiter. Nach den Problemen, die wir auf der Fahrt von Porto nach Lagos hatten, wollen wir (noch) nicht wieder Schmetterlingsbesegelung mit Bullenstander und Spi-Baum ausbringen. Etmal 124 sm.

6. Tag (Do, 13.12.2018): Schön langsam frischt der Wind auf, das Boot wird etwas unruhiger, aber ansonsten passt alles. Ein Segelyacht ist mit Wind von der Seite am schnellsten, kommt er vor-, oder achterlicher, wird es etwas langsamer. Bin zugegebener Maßen kein Meister des Setzens der richtigen Besegelung, aber die Variante nur mit Vorsegel wird wohl häufiger genutzt.

So haben wir zwar mehr Wind, die Geschwindigkeit bleibt aber nahezu unverändert bzw. sogar ein klein wenig niedriger, als wir mit Wind von der Seite hatten. Aber mit Etmalen von 120 sm sind wir beide sehr zufrieden. Etmal dann 124 sm.

7. Tag (Fr. 14.12.2018): Auch für heute sind wieder in den Böen bis zu 7 Bft. angekündigt, bevor es dann wieder etwas flauschiger werden soll. Es gibt also nichts zu verändern und wir genießen einen weiter zwar wackeligen, aber überwiegend sonnigen Tag. Etmal 119 sm.

8. Tag (Sa. 15.12.2018): Samstag geht es zum Tanzen denkt sich der Skipper. Der Wind lässt nach, die Etmale scheinen sich auf unter 120 sm zu zu bewegen. Laut Vorhersage sollen es die nächsten Tage „nur noch“ 4 bis 5 Bft., bzw. in Böen 5 bis 6 Bft. werden. Doch wieder mit Schmetterling (Großsegel auf die eine, Vorsegel auf die andere Seite). Langsamer werden ist doof, also dann.

Bullenstander an der Baumnock des Großbaumes befestigt, aufgefiert und den Bullenstander fixiert. Sieht doch gut aus und eigentlich auch ganz sicher. Irgendwie ja doch noch immer die Angst dabei, der Großbaum könnte sich wieder verbiegen.

Nachdem beim oben erwähnten Ereignis damals der Spi-Baum mit hohem Bogen über Bord flog, hatte ich mir geschworen, diesen nur zu setzen, falls das Vorsegel mangels Windes zu sehr zu schlagen beginnt, also bei max. 10 Knoten Wind.

Wie das so ist mit Vorsätzen. Schon wieder vergessen und bei 15 Knoten Wind und knapp 3 m einigermaßen ruppiger Welle versucht, das Vorsegel aus zu baumen. Leider kommt die Luna Mare immer wieder zu sehr in den Wind, was dessen Geschwindigkeit hochtreibt und den kleinen Fetzen Vorsegel, der rausragt, kräftig in Schwingungen versetzt.

Und damit mich, der versucht, trotz der ruppigen Bewegungen des Spi-Baumes diesen nicht aus der Hand zu geben. Wer weiß was der demoliert, oder wohin er verschwindet. Nach einer kurzen Tanzeinlage, während der wir das Vorsegel raus lassen um es in Position zu bringen, hat der Spi-Baum Mitleid mit mir und löst sich vom Vorsegel.

Das Vorsegel flattert nun in seiner ganzen Pracht und wickelt sich verkehrt herum um das Vorstag, wo es einigermaßen um sich schlägt. Irgendwie habe ich das Gefühl, dabei hämisches Lachen zu vernehmen.

Die Skipperin manövriert die Luna Mare geschickt vorm Wind hin und her, so dass sich das Vorsegel wieder ausrollen kann. Ich versuche das mit allen Kräften vorne am Vorstag zu unterstützen, indem ich an den Vorschoten ziehe, sobald sich das Vorsegel in die richtige Richtung bewegt.

Nach einer gefühlten Ewigkeit ist das Vorsegel wieder in der richtigen Position. Ich merke meine fehlende Fitness, fühle ich mich doch so schlapp, wie früher nur nach einem Marathonlauf. Mit letzter Kraft verstaue ich den Spi-Baum wieder in seiner Halterung und kehre kraftlos ins Cockpit zurück.

Ich erinnere mich an meinen Vorsatz (kein Ausbaumen bei mehr als 10 kn Wind) und es zeigt sich, dass es auch so geht. Wir segeln jetzt also Schmetterling und können so trotz des etwas nachlassenden Windes die Etmale halten. Heutiges 121 sm.

9. Tag (So, 16.12.2018): Weiter geht es als Schmetterling bei rund 10 bis 15 kn Wind. Die Wellen weiterhin ruppig, machen noch kein gemütliches Segeln aus dem Ganzen. Immer wider schlägt eine mit lautem Donner gegen den Rumpf bzw. verschiebt diesen und wirft die Luna Mare aus der Bahn. Das führt dazu, dass Groß- und Vorsegel gelegentlich flattern, bzw. ebenfalls einen lauten Knall verursachen.

Es sieht aber so aus, als würden diese zwar beansprucht, aber nicht über Gebühr strapaziert. Wollen wir mal hoffen, dass ich die Lage richtig beurteile. Allerdings lösen sich die Nähte für den UV-Schutz. Mal sehen, ob wir die selbst wieder erneuern können, oder ob wir einen Segelmacher benötigen.

Abgesehen davon, dass der Schlaf ob der ruppigen Bootsbewegungen nicht 100% toll ist, verlaufen die Nächte sehr angenehm. Hier auf hoher See (mittlerweile rund 1.000 sm von den Kapverden entfernt und noch 1.200 sm bis nach Antigua), ist absolut nichts los. Zwei Tanker/Frachter in großem Abstand, das war es in 9 Tagen.

Das erlaubt es uns während der Wache auf unserem „Wachposten“

zu liegen und mittels Unterstützung des Weckers alle spätestens 30 min. mittels Rundblick die Lage sondieren und den Kurs des Autopiloten zu prüfen. Meist öfter, da der Seegang eh kaum Schlaf auf dieser „Pritsche“ zulässt. Da absolut nichts los ist hat man aber den Eindruck, man könne eigentlich die ganze Nacht durch schlafen, sofern es der Seegang zulassen würde.

Wir wollen aber nicht leichtsinnig werden. Zumal der Kurs immer mal überprüft und der Autopilot ggf. nachgestellt werden muss. Und vor allem, die sogenannten Squalls. Dunkle schwarze Wolken, die bis zur Meeresoberfläche reichen und bis 40 kn Wind und jede Menge Wasser mit sich bringen können. Von denen sollte man sich nicht im Schlaf überraschen lassen. Etmal 115 sm.

10. Tag (Mo, 17.12.2018): Heute morgen regnet es etwas. Eigentlich nichts besonderes, es handelt sich aber um den ersten Regen seit Galizien, also seit rund 8 Monaten, den wir erleben. Tut der Luna Mare gut, ist aber nur von kurzer Dauer.

Frischen Fisch wird es auf dieser Überfahrt definitiv nicht geben. Wir hatten die Angelleine über Nacht draußen und beim Blick darauf heute morgen erscheint diese verwickelt. Das bestätigt sich nach dem Einholen. Sie ist so verwickelt, dass sie nicht mehr entzwirbelt und eingesetzt werden kann. Jetzt kann ich ja sagen: Hätten wir eine funktionsfähige Angel gehabt, hätten wir bestimmt etwas gefangen ;-). Nachtrag: ein sogenannter Wirbelschäkel hätte das wohl verhindert. Ständiges dazu lernen.

Dann fällt mal wieder der Autopilot aus. Skipperin schnell ans Ruder und ich prüfe, was los sein könnte. Die Meldung „AP erhält keine Richtungsdaten“ könnte mit dem Kompass zu tun haben, der speziell für den Autopiloten vorhanden ist, ein sogenannter „Flux-Kompass“. Nachdem ich kürzlich den ausgefallenen Windmesser durch Ab- und Anschrauben des Netzwerkkabels „reparieren“ konnte, der gleiche Versuch hier. Und er funktioniert wieder.

Dann mussten wir noch die Vorschot an der Backbordseite, die aktuell die Genua hält, austauschen, da sie an einer Stelle kurz vor der Befestigung am Schothorn der Genua zu brechen droht. Aktuell hat es etwas abgeflaut, aber sicher ist sicher.

Tja, und dann haben wir Bergfest. Mit rund 1.100 sm (gut 2.000 km) haben wir die erste Hälfte der Strecke in gut 9 Tagen hinter uns gebracht. Lief bis auf ein paar Kleinigkeiten einwandfrei. Mal schauen, wie die zweite Hälfte wird. Etmal 119 sm.

11. Tag (Di.18.12.2018): Der Autopilot hat mal wieder keine Lust und schaltet sich aus. Er bekäme keine Ruderrückmeldung. Das deutet darauf hin, dass die Kohlebürsten wieder so viel Kohlestaub erzeugt haben, dass die Kontakte unterbrochen sind. Also in das enge Karbüff klettern, die Bürsten herausfingern und mit einem kleinen Staubsauger versuchen, den Kohlestaub aufzusaugen. Danach bin ich schweißgebadet, aber der AP tut es wieder. Mal sehen, was ihm morgen einfällt.

Das gibt uns aber die Gelegenheit, etwas selbst zu steuern und die Windfahne mal zu testen. Tut es auch immer wieder für ein paar Minuten, aber dann verliert sie den Kurs, oder das Großsegel (mit Bullenstander) steht back und wir müssen wieder eingreifen. Noch nicht das gelbe vom Ei. Etmal 122 sm.

12. Tag (19.12.2018): Morgens mit Sonnenaufgang meine üblichen Rituale. Frühstück während die Skipperin sich noch schlafend von der Nacht erholt. Herrlich mit einer Tasse Kaffee und belegtem Brot im Cockpit den beginnenden Tag zu genießen. Wetterbericht für die nächsten zwei Tage einholen. Etwas Spanisch lernen. Positionsmeldung für unsere Homepage absetzen.

Mit dem Wetterbericht kam noch eine weitere Nachricht. Naila Sarah, unser dann viertes Enkelkind, ist etwas lustlos, was den Eintritt in den kalten Winter in Deutschland betrifft. Aber morgen soll es soweit sein.

Wir sind schon ganz aufgeregt und drücken den Eltern und natürlich Naila Sarah die Daumen, dass alles einwandfrei läuft. Sie wird sich sicherlich vom ersten Moment an bei ihren tollen Eltern ausgezeichnet fühlen. Mir müssen uns noch etwas gedulden, bis wir die drei dann im Mai auf Kuba sehen werden. Etmal 132 sm

13. Tag (20.12.2018): Nach dem Frühstück Wetterbericht anfordern und da ist die Nachricht aus Deutschland. Noch am selben Abend, also dem 19.12., um 23:00 Uhr hat Naila Sarah das Licht der Welt erblickt. Das macht uns beide sehr glücklich.

Schön auch, dass wir weiterhin gut vorankommen. Etmal 123 sm

14. Tag (21.12.2018): So macht das Spaß. Schönes Wetter, guter Segelwind, so dass Luna Mare, unser fat boy, für seine Verhältnisse ganz gut vorankommt. Etmal 128 sm

15. Tag (22.12.2018): Zu früh gefreut. Der Wind wird schwächer und dreht häufiger seine Richtung. Kommt dann teilweise wieder etwas nördlicher, so dass wir die Schmetterlingsbesegelung aufgeben müssen und beide Segel nach Backbord nehmen. Sobald der Wind wieder nach Ost dreht, zurück in die Schmetterlingsbesegelung. Etmal 117 sm

16. Tag (23.12.2018): Schön langsam wird es etwas nervig. Oder waren wir von den ersten zwei Wochen nur zu sehr verwöhnt. Der Wind weiterhin unbeständig, was die Windstärke (wechselt schnell mal von < 10 kn auf > 20 kn) und Windrichtung betrifft. Die häufigeren Segelmanöver und die auf Grund der Böen verkleinerte Segelfläche machen uns etwas langsamer. Etmal 113 sm

17. Tag (24.12.2018): Der bisher besinnlichste und geruhsamste heilige Abend unseres Lebens, zumindest ab dem vermutlich 3. Lebensjahr. Die Essgewohnheiten sind da ja unterschiedlich, in manchen Gegenden Würstchen mit Kartoffelsalat. Haben aber keine Würstchen. So gibt es Rinderroulade aus der Dose. Keine Geschenke, nicht mal passenden Wind. Deshalb Etmal „nur“ 113 sm.

18. Tag (25.12.2018): Zu Beginn es 18. Tages sieht es noch ganz gut aus, allerdings ziehen immer noch laufend Regenwolken durch, die etwas stärkeren Wind mit sich führen. Das bringt weiterhin etwas Arbeit mit der Segelführung.

Es beginnt spannend zu werden. Bei Sonnenuntergang haben wir noch 110 sm bis Jolly Harbour vor uns. Bei einem Schnitt von rund 5 kn würden wir am 19. Tag noch vor Sonnenuntergang ankommen.

Für’s erste macht uns aber das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Es bleibt nämlich regnerisch und böig. Bei teils mehr als 20 kn Wind reffen wir wieder. Da der Wind zudem noch etwas schwankt und auch der Autopilot nicht den direkten Kurs halten kann, schlägt das Vorsegel. Also nehmen wir es weg und segeln mit dem Großsegel im ersten Reff durch die 18. Nacht.

Es ist der erste Abend seit langem, an dem ich nicht in T-Shirt und kurzer Hose im Cockpit Nacht und Sternenhimmel genießen kann, da zu kalt und regnerisch. Und das kurz vor der Karibik.

Nach Sonnenaufgang haben wir noch 52 sm vor uns (hatte befürchtet, nur mit Großsegel im ersten Reff könnten es deutlich mehr sein) und rund 12 h bis Sonnenuntergang. Das könnte also weiterhin reichen. Der Wind ist jetzt schwächer und konstanter. Also die Besegelung, mit der es bei Wind von hinten am schnellsten gehen müsste: Schmetterling.

Großsegel nach Steuerbord, mit Bullenstander gesichert. Vorsegel in voller Größe ausgebaumt (ja, haben uns wieder getraut den Spi-Baum einzusetzen) an Backbord. Wir machen tatsächlich rund 5 kn Fahrt bei knapp 10 bis knapp 15 kn Wind. Das würde passen. Letztes Etmal mit 109 sm trotzdem allerdings unser schlechtestes bisher.

19. Tag (26.12.2018): Um 10 Uhr beginnt der 19. Tag im Sinne diesen Berichtes. Es liegen noch 33 sm vor uns. Sieht weiterhin so aus, als könnten wir zwischen 17 und 18 Uhr ankommen. Es ist auch wieder sonnig, warm und trocken. Am Horizont können wir bereits seit heute morgen Antigua erkennen.

Stündlich kontrolliere ich nun unseren Fortschritt, also die verbleibende Strecke in Relation zu unsere Fahrtgeschwindigkeit. Geht leicht unter 5 kn, aber es zeichnet sich ab, dass wir es bis 17 Uhr schaffen könnten (Sonnenuntergang 17:40). Würde passen und wir können vielleicht sogar einklarieren.

Die letzten 6 sm müssen wir den Kurs von West auf Nord ändern, Richtung Jolly Harbour. Keine Experimente. Wir holen die Segel ein um den Rest der Strecke unter Motor zurück zu legen. Der Wind zieht noch mal kräftig an, segeln wir ja jetzt nicht mir mit Wind von hinten, sondern seitlich bis vorne.

Wir erreichen die Tonnen, die uns den Weg zeigen. Hier sind die im Gegensatz zu Europa „ausgetauscht“, die rote nunmehr rechts, die grüne links. Sie zeigen uns den Weg zur Jolly Harbour Marina. Über Funk versucht uns anzumelden, keine Reaktion. Also auf eigene Faust einen Platz gesucht.

Vom ersten wurden wir wieder vertrieben (längsseits am Steg für die Charterboote). Die Person war aber genau so schnell wieder verschwunden wie sie aufgetaucht war. Also in eine Box in der Nähe verhohlt. Von Stegnachbarn erfahren wir, dass die Marina seit 14 Uhr geschlossen ist, Boxing Day, also 2. Weihnachtsfeiertag.

Und Zoll/Immigration ist nicht direkt hier, sondern ein paar Meter weiter entfernt. Da es aber mittlerweile gegen 18 Uhr geht verschieben wir das einklarieren auf den nächsten Tag.

20. Tag (27.12.2018): In der Marina Hallo gesagt. Anmelden. Frage nach den Papieren von Zoll/Immigration. Haben wir noch nicht. Das geht gar nicht, erst einreisen, dann in die Marina. Es ist nicht erlaubt, am Dock festzumachen, bevor man Zoll und Immigration erledigt hat.

Also die rund 15 Minuten zu dem gelben Gebäude mit der gelben Flagge. Eigentlich hätten wir auch dort an einem Steg festmachen können. Wussten wir aber nicht. Der Zollbeamte will dann wissen, wo die Luna Mare liege. Ehrlich wie ich bin: in der Marina. Er wies dann auch nochmal darauf hin, dass dies verboten wäre. Hatte aber keine Konsequenzen. Fragen nach: Waffen-nein, Drogen-nein…. hat er sich dann fast selbst beantwortet.

Dann noch zur Immigration, also Einreisebehörde oder wie man das auf deutsch nennt, Stempel in den Reisepass und nebenan noch eine Cruising Permit abgeholt. Jetzt sind wir hier. Dürfen 3 Monate bleiben und momentan in erster Linie den Regen genießen. Uns wurde aber schon versichert, dass es sich nur um ein durchziehendes Tiefdruckgebiet handelt und anschließend wieder schönes Karibik Wetter zu erwarten wäre.

Obwohl es keine großen Schäden gab, haben wir bereits wieder eine ordentliche to-do-Liste, die es abzuarbeiten gilt. Wichtiger aber ist es, zu realisieren, dass wir es in die Karibik geschafft haben und vor allem die Tage hier zu genießen.

Thema: Gefahren beim Segeln. Heute: Der Skipper in der Pantry.

Wenn man beim kochen keine Hand frei hat und eine ruckartige Bewegung des Bootes mit dem Kopf abfangen möchte, gibt es eine unschöne, stark blutende Kopfverletzung. Aber die Skipperin hat die Wunde hervorragend behandelt.

Schwach am Horizont zu erkennen: Antigua

Kapverden – Insel Santiago

Samstag 24.11. setzen wir Segel für den Rückweg zu den Kapverden. Ziel ist die Hauptstadt Praia auf der Insel Santiago.

Gegen die Tidenströmung geht es langsam raus, und da der Wind während der ersten paar Seemeilen von vorne kommt, unter Motor. Das ermöglicht es uns, den Wassermacher laufen zu lassen, um unsere ziemlich leeren Tanks wieder zu füllen.

Danach geht es unter Segel weiter, allerdings kommt der Wind aus Nordwest bis West, also von vorne. Glücklicherweise dreht er ein paar Stunden später nach Nordost, wo er für den Rest der rund 400 sm auch bleibt. Allerdings heißt das für etliche Stunden: wenn sich zwei Wellen treffen. Die „alte“ aus Nordwest und die „neue“ aus Nordost schütteln die Luna Mare etwas durcheinander.

Für den Großteil der Strecke haben wir aber Welle direkt von der Seite. Etwas wackelig bleibt es, aber bei im wesentlichen 15 bis 20 kn Wind (nur selten darüber, oder darunter) geht es dafür flott voran. Wir schaffen im Schnitt nach etwas langsameren Beginn jeweils etwas mehr als 6 Knoten. So erreichen wir bereits am 3. Tag um Mittag herum Praia.

Hier treffen wir zum ersten Mal auf einen „Dinghi-Aufpasser“. Er will 5 Euro Schutzgeld, damit unserem Dinghi nichts passiert. Hilft nichts, wir akzeptieren und gehen zur Policia Maritima, zum einklarieren.

Beim Transfer geht uns allerdings am Dinghi eine der Befestigungen für die Ruderblätter kaputt. Eine Schweißnaht ist gebrochen und so wird das paddeln etwas schwieriger. Zu zweit geht es aber, jeder ein Paddel und wir kommen entsprechend zurück zur Luna Mare.

Anschließend verlegen wir die Luna Mare etwas näher zum Fischerhafen. Dort kann man laut Seglerberichten am Fischersteg mit dem Dinghi anlegen.

Über Praia heißt es, dass hier Kriminalität häufiger anzutreffen ist. Vor einem Jahr wurden hier, wo wir momentan vor Anker liegen, 4 Segelyachten überfallen, teils mit Gewaltanwendung gegenüber der Besatzung. Diese Berichte machen schon ein wenig nervös. Meinem Gefühl nach habe ich an keiner Stelle hier in Praia, sei es rund um den Hafen, oder in der Innenstadt ein Gefühl von Gefahr. Ich habe vielmehr den Eindruck, dass es hier, wie auch in Senegal und Gambia, für Ausländer sicherer ist als in etlichen Teilen Deutschlands.

Am nächsten Morgen dann los an Land, noch der Immigration einen Besuch abstatten. Der Skipper einer französischen Yacht winkt uns ran, dort können wir das Dinghi festmachen. Der Bereich in dem wir sind, ist eigentlich nicht von außen zugänglich, er zeigt uns aber, wie wir um eine Mauer herum rauskommen und bringt uns gleich noch zur Immigration. Auch hier völlig problemlos. Und wollte der in Mindelo noch 5 Euro an Gebühren haben, ist es hier kostenlos.

Fischereihafen. Um die markierte Mauer müssen wir rum.

Wir erzählen dem Skipper der französischen Yacht von unserem Malheur mit dem Dinghi. Der macht uns gleich mit Pinto bekannt, welcher sagt, sein Sohn Quintino könne das wieder anschweißen. Gleich am nächsten Tag überlassen wir ihm das Dinghi, während wir unseren ersten Spaziergang durch Praia planen. Das Zentrum befindet sich auf einem Plateau und heißt auch so. Mit dem Taxi zum Plateau kostet es gerade mal zwei Euro.

Wir sind sehr angetan vom Zentrum Praias. Nach ein paar Einkäufen gönnen wir uns noch ein Bier an einer Freiluftbar am Rande eines kleinen Parks. Da sitzt man sehr angenehm und kann bei einem kühlen Getränk die Stadt genießen. Deshalb sieht man uns hier auch öfters, im Prinzip jedes mal nach dem Besuch des Supermarktes.

Die Skipperin vor unserer Lieblingsbar.

Zurück im Hafen ist Quintino mit der Schweißarbeit am Boot bereits fertig und wir haben wieder ein voll funktionsfähiges Dinghi. Er meint, es wäre etwas gefährlich wo wir lägen, so nah am Land. Da könnten Leute zum Boot schwimmen, um uns zu berauben. Am nächsten morgen würde aber eine von den zwei französischen Segelyachten die Marina verlassen und damit wäre ein Platz in „seiner“ Marina frei. Dann könnten wir längs an die verbleibende französische Yacht anlegen.

Das halten wir für eine gute Idee und verlegen die Luna Mare am nächsten Tag zu Quintino. Er und sein Vater sind ausgesprochen nette und hilfsbereite Zeitgenossen. Bei dem einen oder anderen gemeinsamen Bier erzählen sie uns ein wenig über ihr Leben hier. Quintino ist dabei ein Fischerboot seeklar zu machen. Mit dem will er dann Fische für die Hotelanlagen auf Sal, Santa Maria, fangen. Schade für uns Segler, da er dann wohl den „Marinaservice“ hier in Praia einstellen wird.

Mit der Segelyacht, an der wir längsseits liegen, ist ein junges Paar mit dem Vater der Frau und ihrem 3-jährigen Sohn Ewen unterwegs. Sie wollen von hier nach Tobago und anschließend Richtung Norden die karibischen Inseln entlang. Mai nächsten Jahres müssen sie dann zurück in Frankreich (Bretagne) sein.

Nachdem Ewen seine Scheu etwas abgelegt hat, haben wir mit ihm einen fast ständigen Besucher auf der Luna Mare. Mit ihm und seinen Eltern kann ich mein spärliches Französisch wieder etwas anwenden. Hat viel Spaß gemacht, die vier kennen zu lernen. Mittlerweile sind sie auf dem Weg nach Tobago.

Wir haben auch fast alle Vorbereitungen erledigt. Einkaufen kann man in Praia ganz ordentlich und quasi in Riechweite landen die Fischerboote an und wir können direkt vor Ort Fisch erwerben. Frischer geht kaum.

Übermorgen, am Freitag, wollen wir noch etwas Obst und Gemüse einkaufen und am Samstag den 8.12. kann es dann losgehen. 2.200 sm bis Antigua. Das wird wohl rund 3 Wochen dauern, Weihnachten verbringen wir auf hoher See und, falls alles gut geht, Silvester auf Antigua. Die Anspannung steigt.

Gambia River

Nach 3 Tagen vor der Lamin Lodge nehmen wir am 18.11. Abschied und wollen für ein paar Tage den Gambia River erkunden. Erkunden ist vielleicht zu viel gesagt, den dafür benötigt man wohl ein paar Wochen, also einfach mal reinschnuppern.

Vorsichtig geht es den Weg zurück nach Banjul. Damit wir mit Flut und damit Strömung zu unseren Gunsten den Gambia River hochfahren können, verlassen wir die Lamin Lodge bei Niedrigwasser. Und das ist hier in der Tat niedrig. Kurz nach der Lamin Lodge geht es bei nur noch 1,7 m Tiefe ins „Hauptfahrwasser“. Bei unserem Tiefgang von 1,6 m ist nur noch wenig Platz unterm Kiel.

Dann geht es aber problemlos zurück nach Banjul und die „erste Etappe“ bis „James Island“, auch als „Kunta Kinte Insel“ bekannt. Zahlreiche Ausflugsboote landen hier täglich an. Wir nicht, wir sehen uns das vom Ankerplatz aus an. Alles was sich auf der Insel befindet ist wohl ohnehin schon weitestgehend zerfallen.

Wir überprüfen die Gezeitentabelle, damit wir wieder mit ansteigendem Wasser weiterfahren (segeln geht mangels Wind und falls Wind, dann aus der falschen Richtung, nicht). Mit der Nachmittagsflut geht es dann weiter zum Muta Point, wo wir auch lediglich für eine Nacht ankern.

Flussdelphine

Am dritten Tag dann weiter nach Tendaba, wo sich eine Art Ferien-Ressort befindet. Dort machen wir auch einen Landgang durch den kleinen Ort. Wie überall sehr freundliche Menschen. Einige Gäste, insbesondere Vogelkundler mit Safarianzug und Fotoausrüstung, sind da. Es gibt kleine Hütten zu mieten und ein Restaurant in dem wir uns ein kühles Bier gönnen.

Das soll es dann auch schon gewesen sein. Am nächsten Tag geht es wieder zurück nach Banjul. Da jetzt neben dem Gezeitenstrom auch die Flußströmung mit uns ist, geht es mit teils 7 bis 8 kn talwärts. So sind wir zwei Tage später wieder in Banjul.

Hier wollen wir auch Banjul eine zweite Chance geben und sind nach der Ankunft noch in die Stadt gelaufen. Haben bei der Gelegenheit auch gleich ausklariert, obwohl wir erst in zwei Tagen starten wollen. Donnerstag schien uns der geeignete Tag, da am Freitag oft schon Wochenendstimmung herrscht und am Samstag möglicherweise nicht gearbeitet wird.

Dann noch etwas Lebensmittel einkaufen. Laut Reiseführer gibt es einen „CFAO-Supermarkt“. Entlang staubiger Sandpisten geht es vorbei an zahlreichen Läden an den Seiten der Hauptstraße. Überwiegend Kleidung, Nippes, Chinawaren, aber auch hochwertige Rolex-Uhren können hier erstanden werden.

Aber keine Spur von einem Supermarkt. In einem Minimercado erfahren wir, dass es diesen schon seit einigen Jahren nicht mehr gibt. Der nächste Supermarkt befindet sich in Bakau, dem Touristenzentrum mit einem der schönsten Strände Gambias. Wir benötigen aber lediglich etwas Obst und Gemüse, welches wir auf einem Markt erstehen können.

Banjul selbst zeigt sich als verfallende Stadt. Da sind wir wohl einfach nur zu sehr verwöhnt. Die Menschen auch hier freundlich und nett, man kann sich zwanglos bewegen.

Haben sich die 1.000 sm von Kapverden nach Senegal und Gambia und zurück gelohnt. Die jeweils etwa 400 sm hin bzw. zurück waren durchaus etwas ruppig. JA. Es ist nicht der romantische Segelausflug gewesen, eher eine „Bildungsreise“. Aber der Yachtclub in Dakar, der eine schöne französische Atmosphäre hat, das hektische Dakar, die Ankerplätze auf dem Weg nach Banjul, die Lamin Lodge mit Besuch bei Buba Touray und auch der kurze Einblick in den Gambia River waren es wert.

Auch wenn mir Banjul als Stadt nicht sonderlich gefällt, war das Eintauchen in eine solche Stadt eine interessante Erfahrung. Mit Sicherheit. Ja, im Vorfeld haben wir uns Gedanken gemacht, ob wir es hier mit Kriminalität zu tun bekommen. Das beunruhigendste waren aber eher die Berichte darüber, als das Leben vor Ort selbst. Nirgends fühlten wir uns bedrängt, oder gar bedroht.

Helfende Hände, wie Buba Touray bei der Lamin Lodge sind ebenfalls unaufdringlich und freundlich und wir hatten nirgends das Gefühl, dass man für die Leistungen unangebrachte Entlohnung erhalten wollte. Lediglich der wohl selbst ernannte„Security Officer“, der ebenfalls Buba heißt und für seinen Sicherheitsdienst mit einem Schulheft und ein paar Stiften zufrieden war, schickte mir noch Liebeserklärungen per whatsapp.

Mit 4 Tagen Hinreise ab Palmeira/Sal und 3 Tagen Rückreise nach Praia/Santiago waren wir 28 Tage unterwegs. Das ist denke ich das Minimum an Zeit, die man einplanen sollte. Von einigen hörten wir, dass sie Wochen und sogar Monate speziell auf dem Gambia River verbracht hätten.

Ach ja: Mit diesem Ausflug hat die Luna Mare nunmehr 6.500 sm im Kielwasser und wir unsere ersten 10.000 sm. Das sind doch schon mal Hausmarken.

Leben in Gambia

Buba Touray ist ein sehr hilfsbereiter, unaufdringlicher junger Mann, der hier als „boat man“ arbeitet und die Segler mit allem Nötigen versorgt und darüber hinaus auch Ausflüge anbietet.

Seine Dienste kann ich sehr empfehlen:

Beim Bier nach der Ankunft in der Lodge hat er uns auf seinem Smartphone Bilder seiner Familie gezeigt. Seine Frau arbeitet als Lehrerin in einer Schule unweit deren Wohnung und sie haben zwei Kinder, einen 6 Monate alten Jungen und ein 6 Jahre altes Mädchen. Beide wohnen allerdings bei seiner Mutter, da sie hier wohl weder Platz noch, arbeitsbedingt, Zeit für die beiden haben.

Darüber scheint er nicht sehr glücklich zu sein. Aber es geht wohl nicht anders. Er würde uns aber gerne zeigen, wo er und seine Frau wohnen und uns zum Abendessen einladen. Wir könnten uns das überlegen und ihm dann einfach Bescheid geben. Wir sehen das als eine tolle Möglichkeit, wenigstens etwas vom Leben der Leute in dem Land, in dem wir sind, kennen zu lernen.

Also geben wir ihm Bescheid und am Tag nach unserer Ankunft geht es nachmittags los. Der Sohn der Lodge-Besitzerin fährt uns ein Stück in seinem schicken 3er BMW, dann geht es in einem Taxi weiter nach Serekunda. Dort wechseln wir das Taxi nochmal und es geht bis zur Wohnung von Buba und seiner Frau.

Sie haben dort zwei kleine Räume zur Miete innerhalb eines größeren Hauses. Der Besitzer arbeitet irgendwo in Deutschland und dessen Frau und etliche Kleinkinder bewohnen das Anwesen. Die Miete beträgt 1.200 Dalasi pro Monat (rund € 24), liegt damit aber schon über dem Durchschnittseinkommen inThe Gambia. Buba selbst ist froh, wenn er so 100 bis 200 Dalasi amTag verdienen kann um für Essen zu sorgen und etwas Geld für seine Mutter übrig zu haben, damit diese die Kinder versorgen kann.

In einem kleinen Raum Sessel mit Fernseher, dasWohnzimmer. Der andere Raum ist das Schlafzimmer, etwas größer als das dort befindliche Doppelbett. Kochstelle und Dusche sind hinten im Freien. Leider gibt es während der Regenzeit Probleme, da das Dach undicht ist und so Wasser durch die Zimmerdecke ins Innere kommt. Buba versucht das Ganze dicht zu bekommen.

Wir erhalten ein köstliches Essen mit Reis, Zwiebelsoße und etwas Hähnchenfleisch, ergänzt mit Pommes und Salat. Und erfahren etwas aus dem Leben der beiden. Sie lehrt Englisch und Mathematik an der nahe gelegenen Schule. Ihre Schüler sind 6 bis 7 Jahre alt. Sie findet die Kinder in diesem Alter wundervoll und ist glücklich in ihrem Beruf.

Danach noch ein kleiner Spaziergang „um den Block“. Es sind eine Menge Kleinkinder unterwegs, die uns zuwinken und „Toubab“ rufen. Toubab bedeutet wohl nur soviel wie „Weiße“, ohne weitere Botschaft, positiv, oder negativ. Und da es angeblich Glück bringen soll, die Hand eines Weißen zu berühren, kommen die Mutigsten auch näher zu einem „high five“ oder Händeschütteln, fröhlich und ungezwungen.

Weiter geht es dann auch zur Schule, in der seine Frau unterrichtet. Dort treffen wir auf den „Chairman“, der etwas deutsch spricht. Er ist ganz happy, dass er mit uns deutsch reden kann, denn die Gelegenheit dazu hat er selten. Und mit Bedauern fügt er hinzu, dass er auch noch nie in Deutschland war.

Von ihm erfahren wir, dass rund 1.400 Kinder diese Schule besuchen. Ein Blick auf die Alterspyramide Gambias zeigt, dass diese noch wie eine Pyramide aussieht. Ein Großteil der Bevölkerung ist jünger als 20 Jahre. Kinder kommen ab einem Alter von 4 Jahren hierher. Zwei Jahre Kindergarten (Grade 1und 2) und ab Grade 3 wird es dann zur Schule. Bubas Frau hat anfangs Grade 1 und 2 betreut und unterrichtet jetzt Kinder Grade 3 und 4.

Mit vielen Eindrücken geht es dann zumSonnenuntergang im Taxi durch den dichten Feierabendverkehr zurückzur Lamin Lodge. Ein sehr schöner Tag neigt sich in der absolut ruhigen Bucht seinem Ende entgegen. Nur einige Vogelgeräusche und Affenlaute sorgen für eine romantische Stimmung.

Ergänzung zur Anfahrt/Abfahrt Lamin Lodge: Es gibt dort einige Sandbänke, die nicht in der (Navionics) Karte verzeichnet sind und wegen des trüben Wassers auch nicht erkennbar sind. So ging die Wassertiefe bei der Ausfahrt kurz vor Niedrigwasser auf 1,7 m zurück. Wir sind somit so eben noch ohne weitere Grundberührung rausgekommen. Es könnte aber in absehbarer Zeit schwierig werden die Lodge mit > 2m Tiefgang noch zu erreichen.

Gambias Sandbänke geküsst

Alle sagen, die Lamin Lodge müsse unbedingt besucht werden, also machen wir das auch. Zurück vom Einklarieren holen wir so kurz nach 14 Uhr den Anker ein und machen uns auf den Weg. Hier sind etliche flache Stellen, aber laut Plotter ist unser geplanter Weg tief genug. Rums, haben wir ein Hindernis erfasst. Rückwärtsgang rein, wir kommen glücklicherweise wieder frei. War wohl nicht der Grund auf dem wir aufgesessen sind, sondern ein versenktes Hindernis/Wrack.

Nach dem ersten Schreck geht es weiter. Immer konzentriert im vom Plotter vorgegebenen Fahrwasser entlang. So kommen wir gut und ohne weitere Probleme voran. Allerdings stellt sich dann die Anfahrt zur Lodge etwas schwieriger heraus.

Bei dem eingezeichneten Symbol mit dem Segelboot soll die Lodge sein. Wir sehen keine und es wird sehr schnell flacher. Rückwärtsgang rein und gerade noch rechtzeitig machen wir kehrt. Zweite Einfahrt. Wir sehen etliche Masten von Segelbooten, scheint ja einiges los zu sein.

Wir tasten uns langsam vor. Die Boote scheinen auf der anderen Seite der grün eingezeichneten Flachstelle zu sein. Wie sind die da hin gekommen? Jedenfalls wird es plötzlich wieder verdammt flach, also drehen wir um und, nächster Schreck, küssen eine Sandbank. Diesmal mit voller Kraft voraus rutschen wir über diese und kommen zurück auf den Weg, den wir herein genommen haben.

Hier geht es also wohl nicht weiter. Sollte es die Einfahrt auf der anderen Seite sein? Sieht alles sehr eng aus, aber wir schauen mal. Wie man sieht, müssen wir auch hier wieder kehrt machen, jedoch nicht ohne nochmals eine Sandbank zu„küssen“. Kommen auch hier problemlos frei.

Als ich schon am verzagen bin und meine, wir sollten wohl zurück nach Banjul, irgendwie schaffen wir das nicht mit der Lodge, meint die Skipperin, wir versuchen es nochmal und sobald es flacher wird, werfen wir den Anker. Dann können wir zur Lodge paddeln und uns erkunden, wie die Situation hier ist.

Gesagt, getan. Diesmal intuitiv etwas mehr am Rand gehalten und das Lot zeigt mehr als 4 m an, knapp neben der Stelle, wo wir vorhin aufgesessen sind. Unglaublich. Jetzt sehen wir auch Buba Touray in seinem kleinen Boot, der uns vorhin schon entgegenkommen wollte und verwundert war, warum wir wieder rausgefahren sind.

Er zeigt uns eine passende Stelle zum Ankern und ja, wir haben es dann doch geschafft, bei der Lamin Lodge anzukommen. Mit noch etwas zittrigen Händen bringen wir das Beiboot zu Wasser und paddeln zur Lodge. Bei einem kühlen Bier bzw. einem Glas Wein für die Skipperin beruhigen wir uns etwas und freuen uns darüber, hier angekommen zu sein.

Hierbei erfahren wir auch, dass Peter Loose, ein Deutscher, der die Lamin Lodge vor mehr als 30 Jahren gegründet hat, im Juli des Jahres verstorben sei. Seine Witwe und deren Sohn betreiben die Lamin Lodge nun weiter und Buba, der schonseit 4 Jahren hier als boat man tätig ist, arbeitet bei diesen nun weiter.

Allerdings erzählt er später, dass er seit zwei Monaten kein Gehalt mehr erhalten hat und ihn die Mutter auf den Sohn und dieser ihn auf die Mutter verweist. Jetzt spielt er mit dem Gedanken sich selbstständig zu machen, wenn es geht eine kleine Pirogge zu erwerben und mit dieser Ausflüge anzubieten.

Lamin Lodge
Kunst
am
Bau
Buba Korta, ein vermutlich selbst ernannter Security Officer
3 junge Damen zu
Besuch auf der Luna Mare
Für ca. 15 der 24 Segelboote
hier scheint es die Endstation
zu sein. Eine kleine Auswahl.

Vom Senegal nach The Gambia

Auf dem Weg von Dakar nach Banjul verbringen wir noch vor Djifer eine Ankernacht. Nach Sonnenaufgang dann weiter, da mit 40 sm eine relativ lange Etappe vor uns liegt. Anfangs noch mit ausreichend Wind, um mit etwas mehr als 4 kn voran zu kommen. Der reduziert sich dann aber so weit, dass wir nur noch etwas mehr als 2 kn Fahrt machen. Notgedrungen also Motor an. War aber ohnehin erforderlich, um Batterien zu laden und auch den drittenWassertank zu füllen.

Banjul

Mittels Plotter und Berichten anderer Segler haben wir herausgefunden, wo wir in Banjul hin sollen, zur neuen „public pier“. Dachte schon, da kann man anlegen, ist aber nicht für „kleine“ Segelboote geeignet. Dort liegen Boote der Gambian Navy und Fischtrawler. Also vor der Pier den Anker werfen. Am Ausgang in die Stadt ist eine Schranke mit einem von zwei Personen besetzten Häuschen. Dort haben wir uns registriert. Da schon 17 Uhr erklärte uns der eine, Modou, wir sollten am nächsten Tag einklarieren. Wir verabreden uns für 10 Uhr.

Am Abend und am nächsten Morgen bittet uns die dort ansässige Gambia Navy zweimal, unseren Ankerplatz zuändern, damit wir nicht zwischen zwei Navy-Booten liegen. Alles sehr freundlich. Gleich erledigt. Dann an Land und zum Schrankenwärterhäuschen. Statt Modou kam Pa Malick und hat uns auf den langen Weg der Immigration begleitet.

Erste Station Immigration Office. Pässe werden geprüft, Zettel ausgefüllt. Ihr müsst Visagebühr bezahlen, hieß es. Ich schaue etwas ungläubig, aber der eine meint einigermaßen vehement, es wäre so. Auf meine Frage wie viel, holt einer eine Liste heraus, aus der sich ergibt, dass Deutsche kein Visum benötigen. Nach einer gewissen Diskussion unter den 6 anwesenden Personen, ob die Liste auch aktuell sei, erhalten wir dann doch relativ zügig den Einreisestempel, ohne etwas zu bezahlen. Ein anderer Segler (glaube aus der Schweiz) schrieb auf seinen Block, dass er umgerechnet € 130 zu zahlen hatte.

Dann zum Hafenbüro. Dort wäre eine „geringe“ Gebühr zu entrichten, laut Berichten anderer Segler so € 4. Aber nicht gleich, den wir werden informiert, dass wir zuerst zur Guardia Civil müssen. Dank Pa Malick alles kein Problem. Auf demWeg dorthin lässt Pa Malick für uns noch Kopien von Reisepass undBootsurkunde erstellen und legt uns das Geld aus. Diese Kopien benötigen wir bei der Guardia Civil, wo auch wieder ein Zettel mit unseren und den Bootsdaten auszufüllen ist.

Den Stempel hier gibt es aber erst nach Freigabe durch den Zoll. Aber jetzt sind wir bereit für dieHafenbehörde. Also zurück zu dieser. Dort erklärt man uns erwartungsgemäß, dass eine Gebühr zu entrichten ist, für die wir auch eine Quittung erhalten würden. Er zeigt uns einen Ordner und meint, die Belgier, die gestern ankamen, hätten € 25 bezahlt, so sollen wir das auch tun. Der Preis scheint uns also flexibel zu sein, allerdings nicht verhandelbar.

Auf zur Kasse. Da wir keine Dalasi haben, hat auch hier Pa Malick den Betrag vorgestreckt. Mit der Quittung zurück ins Büro im 3. Stock und die Formalitäten erledigt. Dann weiter zum Zoll. Der Zollbeamte fragt nach Explosivstoffen und Waffen. Haben wir nicht. Ok, muss ich überprüfen. So machen wir vier uns auf den Weg Richtung Public Pier. Sieht so aus, als wolle der Zollbeamte mit uns in unserem Dinghi zur Luna Mare. Denke mal, sobald er unser kleines wacklige Dinghi sieht, wird er ohnehin davon Abstand nehmen.

Tut er aber dann schon früher. Ein Stück vor dem Eingang zur Public Pier meinte er, dass der Weg lang und anstrengend ist, wir können jetzt eine Abkürzung zurück zur Guardia Civil nehmen. Auf dem Formular hatte er schon in seinem Büro bestätigt, dass er das Boot besichtigt hätte und alles ok wäre. So bekommen wir dann auch bei der Guardia Civil den notwendigen Stempel und dürfen uns nun frei in ganz Gambia bewegen.

Mit Pa Malick klappern wir dann noch 5 Geldautomaten ab, bis einer bereit ist, uns auch tatsächlich Dalasi zu geben (GTBank). Dort kann man wohl zumindest bis 4.000 Dalasi bekommen (habe gelesen, dass es teils „nur“ 2.000 Dalasi = € 40 gibt). Am Markt kaufen wir noch etwas Gemüse ein und auf dem Weg zurück noch etwas Weißbrot und eine ganze riesige Melone.

Am Ende der Pier ist wohl kurz vorher ein Fischtrawler angekommen. Dort wird direkt Fisch verkauft. Also erstehen wir für € 2 gut 1 kg fangfrischen Fisch für das Abendessen. Der Trawler scheint in Asiatischer Hand zu sein. Bei Pa Malick bezahlen wir noch unsere Schulden plus € 10 Trinkgeld für die 4 Stunden, die er insgesamt mit uns unterwegs ist.

Beim Einklarieren hatte ich nichts zum Photographieren mitgenommen und da Banjul nicht wirklich sehenswert ist, haben wir bis zum ausklarieren auch nicht vor, nochmal dorthin zu gehen. So gibt es zu Banjul zumindest vorerst nur die Bilder der ausrangierten und hier wohl „endgelagerten“ alten Fähren, die wohl erst kürzlich durch neue ersetzt wurden.

Ile Gorée und Saly

Ile Gorée und „romantischer“ Grillabend

Eine der Sehenswürdigkeiten in Dakar ist die Ile Gorée. Abgesehen vom „wahren Leben“ in Dakar, was ja schon sehr spannend ist, gibt es nicht allzu viele touristische High-Lights. Vom Hafen aus geht eine Fähre so rund alles 2 Stunden zur Ile Gorée. Überfahrt dauert rund eine halbe Stunde, geht also ganz flott.

Die Insel selbst ist auf alle Fälle einen Besuch wert. Früher war es ein „Umschlagsplatz“ im Sklavenhandel. Einige Bauwerke erinnern noch daran. Heute gibt es dazu schöne Wege, um die Insel zu erkunden und zahlreiche Verkaufsstände für lokale Kunst und Bekleidung. Da man auf die Einkäufe von Touristen angewiesen ist, wird man hier schon mal energischer in ein Verkaufsgespräch verwickelt. Aber alles noch ok.

Zurück von der Insel noch ein paar Einkäufe und mit 2 10l Flaschen Trinkwasser und zwei vollen Taschen in ein Taxi. Der Taxifahrer bekommt dann gleich noch Schwierigkeiten mit einem Verkehrspolizisten, da er an der Stelle im Kreisverkehr wohl nicht hätte halten dürfen. Da wir zu langsam im Einsteigen sind, ist dieser auch gleich zur Stelle, um ein Knöllchen auszustellen. Ärgerlich.

Der Taxifahrer wusste dann nicht so recht wo das ist, wo wir hinwollen. Hat umstehende gefragt, die zahlreiche Ratschläge gaben. Konnte dann aber mit meinem bisschen Französisch kundtun, dass ich den Weg (mittlerweile) kenne. So ging es zurück zum Segelclub in der Baie de Hann.

Der stets präsente und umtriebige Momo sprach noch von einem Barbeque, welches er veranstalten wolle. Mit Trommler, Gitarre und gegrilltem Fisch. Hätten schon einige zugesagt. Eigentlich wollten wir an diesem Samstag ablegen, aber wegen längerer Arbeiten an der Ankerwinsch (siehe Technik-Ecke) mussten wir uns eh bis Sonntag gedulden. Also passt es.

Das BBQ, wir die einzigen Teilnehmer, war dann ohne Musik und bestand aus zwei Fischmahlzeiten, die er uns (nach zwei Stunden warten) auf der Terrasse vor der Clubbar vorbeibrachte. War lecker und soweit auch ok, entspricht aber nicht unseren romantischen Vorstellungen, die sich bei seiner Erzählung entwickelt hatten. Aber Momo ist ein klasse Typ und wer irgendwelche Hilfe benötigt ist bei ihm in guten Händen.

Anfahrt zur Ile Gorée
War bestimmt mal ein tolles Gebäude mit Blick nach Dakar.
Blick nach Dakar
Mutiger junger Mann.

Saly

Den Weg nach Banjul/Gambia wollen wir mit zwei Ankerstopps zurücklegen. Einer davon rund 60 km südlich von Dakar, Saly. Nach einem wundervollen Segeltag mit ausreichend Wind aus der richtigen Richtung kommen wir zeitig vor Sonnenuntergang an.

Ungewohnt ist es, dass es bereits weit draußen nur noch weniger als 3 m tief ist. Mit der Befürchtung, dass uns jederzeit ein Hindernis stoppen könnte, „tasten“ wir uns langsam näher ans Ufer ran. Als der Tiefenmesser nur noch kleiner 2 m anzeigt setzen wir den Anker.

Immer noch reichlich Abstand zum Ufer, aber der Anker hält. Leider noch etwas windig (so bis 20 kn) und schaukelig. Aber für zwei Nächte sollte das passen.

Nach der ersten Nacht noch an Land, etwas Gemüse und Getränke einkaufen. Mit dem Dinghi kämpfen wir uns gegen Wind und Welle an einen Anleger, der von der Ferne ganz gut aussieht. Dort angekommen stellen wir fest: marode und unbrauchbar. Dann zum Strand eines Ferienressorts verholt.

Dort angelandet und durch die Anlage zum Ausgang spaziert. An der Schranke haben wir uns vorsichtshalber erkundigt, ob es ok ist, dass wir dort am Strand angelegt haben. Der Pförtner meinte ja und so sind wir zum Supermarkt und wieder zurück. Saly ist sehr touristisch und so hatten wir auch keinen größeren Spaziergang eingeplant.

Beim Palm Beach Ressort zurück meinte dann der Pförtner, wir sollten nicht durchs Hauptgebäude an den Strand zu unserem Dinghi, sondern „Schleichwege“ benutzen. Auch ok, denn einen besseren Platz zum Anlegen hätten wir in der näheren Umgebung ohnehin nicht gefunden.

Das schien uns dann doch nicht der richtige Landzugang zu sein. 
Unterwegs in Saly.
Unsere Luna Mare auf 2 m Ankergrund.

Technik-Ecke

Ankerwinsch

Die Ankerwinsch habe ich wieder zum Laufen gebracht. Schönes Erfolgserlebnis. Hoffe das hält jetzt wieder einige Zeit. Einen Schutzschalter konnte ich bzw. Momo nicht auftreiben, aber Momo war mit Streifensicherungen erfolgreich. Habe ihn gebeten gleich mal drei mit zu bringen. Hoffe die reichen, bis wir irgendwo wieder einen passenden Schutzschalter finden.

Hier nochmal ein Loblied auf Momo. Der hat unermüdlich versucht, einen Schutzschalter aufzutreiben. Am Freitag haben wir dann noch gemeinsam einige Läden abgeklappert, aber erfolglos. Er hatte allerdings wie erwähnt die Streifensicherungen ausfindig gemacht, die passen dann ja auch.

Und wie es halt immer so ist, ein schneller Einbau klappt nicht. Die Sicherung war ja noch einigermaßen ruck zuck eingebaut. Die Ankerwinsch machte aber keinen zuck. Doch das Relais defekt?

Es zeigt sich aber, dass einige andere Kabelanschlüsse so morsch sind, dass sie abgebrochen sind. Nach einigem Werkeln geht die Kette schon mal runter, nur rauf (was ja eigentlich wichtiger ist) klappt nicht. Weiter nach maroden Kabelanschlüssen gesucht und fündig geworden.

Da sind vier Stück, die miteinander verbunden werden müssen. Mal zusammengehalten und ja, jetzt geht auch der Anker wieder hoch. Wird aber schön langsam dunkel, so dass sich die Fertigstellung auf Samstag verschiebt und wir wie oben erwähnt statt abzulegen am BBQ „teilnehmen“.

Aussenbordmotor

Laufen tut er ja, aber noch nicht ganz rund. Nach kurzer Fahrt fängt er stark zu rauchen an, dann geht er schon mal aus. Überdies verliert er etwas Benzin. Muss also nochmal genauer unter die Lupe genommen werden. Hier schaffen wir es gegen Wind und Welle zum Strand, zurück habe ich mich dann fürs Paddeln entschieden,