Kapverden – Insel Santiago

Samstag 24.11. setzen wir Segel für den Rückweg zu den Kapverden. Ziel ist die Hauptstadt Praia auf der Insel Santiago.

Gegen die Tidenströmung geht es langsam raus, und da der Wind während der ersten paar Seemeilen von vorne kommt, unter Motor. Das ermöglicht es uns, den Wassermacher laufen zu lassen, um unsere ziemlich leeren Tanks wieder zu füllen.

Danach geht es unter Segel weiter, allerdings kommt der Wind aus Nordwest bis West, also von vorne. Glücklicherweise dreht er ein paar Stunden später nach Nordost, wo er für den Rest der rund 400 sm auch bleibt. Allerdings heißt das für etliche Stunden: wenn sich zwei Wellen treffen. Die „alte“ aus Nordwest und die „neue“ aus Nordost schütteln die Luna Mare etwas durcheinander.

Für den Großteil der Strecke haben wir aber Welle direkt von der Seite. Etwas wackelig bleibt es, aber bei im wesentlichen 15 bis 20 kn Wind (nur selten darüber, oder darunter) geht es dafür flott voran. Wir schaffen im Schnitt nach etwas langsameren Beginn jeweils etwas mehr als 6 Knoten. So erreichen wir bereits am 3. Tag um Mittag herum Praia.

Hier treffen wir zum ersten Mal auf einen „Dinghi-Aufpasser“. Er will 5 Euro Schutzgeld, damit unserem Dinghi nichts passiert. Hilft nichts, wir akzeptieren und gehen zur Policia Maritima, zum einklarieren.

Beim Transfer geht uns allerdings am Dinghi eine der Befestigungen für die Ruderblätter kaputt. Eine Schweißnaht ist gebrochen und so wird das paddeln etwas schwieriger. Zu zweit geht es aber, jeder ein Paddel und wir kommen entsprechend zurück zur Luna Mare.

Anschließend verlegen wir die Luna Mare etwas näher zum Fischerhafen. Dort kann man laut Seglerberichten am Fischersteg mit dem Dinghi anlegen.

Über Praia heißt es, dass hier Kriminalität häufiger anzutreffen ist. Vor einem Jahr wurden hier, wo wir momentan vor Anker liegen, 4 Segelyachten überfallen, teils mit Gewaltanwendung gegenüber der Besatzung. Diese Berichte machen schon ein wenig nervös. Meinem Gefühl nach habe ich an keiner Stelle hier in Praia, sei es rund um den Hafen, oder in der Innenstadt ein Gefühl von Gefahr. Ich habe vielmehr den Eindruck, dass es hier, wie auch in Senegal und Gambia, für Ausländer sicherer ist als in etlichen Teilen Deutschlands.

Am nächsten Morgen dann los an Land, noch der Immigration einen Besuch abstatten. Der Skipper einer französischen Yacht winkt uns ran, dort können wir das Dinghi festmachen. Der Bereich in dem wir sind, ist eigentlich nicht von außen zugänglich, er zeigt uns aber, wie wir um eine Mauer herum rauskommen und bringt uns gleich noch zur Immigration. Auch hier völlig problemlos. Und wollte der in Mindelo noch 5 Euro an Gebühren haben, ist es hier kostenlos.

Fischereihafen. Um die markierte Mauer müssen wir rum.

Wir erzählen dem Skipper der französischen Yacht von unserem Malheur mit dem Dinghi. Der macht uns gleich mit Pinto bekannt, welcher sagt, sein Sohn Quintino könne das wieder anschweißen. Gleich am nächsten Tag überlassen wir ihm das Dinghi, während wir unseren ersten Spaziergang durch Praia planen. Das Zentrum befindet sich auf einem Plateau und heißt auch so. Mit dem Taxi zum Plateau kostet es gerade mal zwei Euro.

Wir sind sehr angetan vom Zentrum Praias. Nach ein paar Einkäufen gönnen wir uns noch ein Bier an einer Freiluftbar am Rande eines kleinen Parks. Da sitzt man sehr angenehm und kann bei einem kühlen Getränk die Stadt genießen. Deshalb sieht man uns hier auch öfters, im Prinzip jedes mal nach dem Besuch des Supermarktes.

Die Skipperin vor unserer Lieblingsbar.

Zurück im Hafen ist Quintino mit der Schweißarbeit am Boot bereits fertig und wir haben wieder ein voll funktionsfähiges Dinghi. Er meint, es wäre etwas gefährlich wo wir lägen, so nah am Land. Da könnten Leute zum Boot schwimmen, um uns zu berauben. Am nächsten morgen würde aber eine von den zwei französischen Segelyachten die Marina verlassen und damit wäre ein Platz in „seiner“ Marina frei. Dann könnten wir längs an die verbleibende französische Yacht anlegen.

Das halten wir für eine gute Idee und verlegen die Luna Mare am nächsten Tag zu Quintino. Er und sein Vater sind ausgesprochen nette und hilfsbereite Zeitgenossen. Bei dem einen oder anderen gemeinsamen Bier erzählen sie uns ein wenig über ihr Leben hier. Quintino ist dabei ein Fischerboot seeklar zu machen. Mit dem will er dann Fische für die Hotelanlagen auf Sal, Santa Maria, fangen. Schade für uns Segler, da er dann wohl den „Marinaservice“ hier in Praia einstellen wird.

Mit der Segelyacht, an der wir längsseits liegen, ist ein junges Paar mit dem Vater der Frau und ihrem 3-jährigen Sohn Ewen unterwegs. Sie wollen von hier nach Tobago und anschließend Richtung Norden die karibischen Inseln entlang. Mai nächsten Jahres müssen sie dann zurück in Frankreich (Bretagne) sein.

Nachdem Ewen seine Scheu etwas abgelegt hat, haben wir mit ihm einen fast ständigen Besucher auf der Luna Mare. Mit ihm und seinen Eltern kann ich mein spärliches Französisch wieder etwas anwenden. Hat viel Spaß gemacht, die vier kennen zu lernen. Mittlerweile sind sie auf dem Weg nach Tobago.

Wir haben auch fast alle Vorbereitungen erledigt. Einkaufen kann man in Praia ganz ordentlich und quasi in Riechweite landen die Fischerboote an und wir können direkt vor Ort Fisch erwerben. Frischer geht kaum.

Übermorgen, am Freitag, wollen wir noch etwas Obst und Gemüse einkaufen und am Samstag den 8.12. kann es dann losgehen. 2.200 sm bis Antigua. Das wird wohl rund 3 Wochen dauern, Weihnachten verbringen wir auf hoher See und, falls alles gut geht, Silvester auf Antigua. Die Anspannung steigt.

Gambia River

Nach 3 Tagen vor der Lamin Lodge nehmen wir am 18.11. Abschied und wollen für ein paar Tage den Gambia River erkunden. Erkunden ist vielleicht zu viel gesagt, den dafür benötigt man wohl ein paar Wochen, also einfach mal reinschnuppern.

Vorsichtig geht es den Weg zurück nach Banjul. Damit wir mit Flut und damit Strömung zu unseren Gunsten den Gambia River hochfahren können, verlassen wir die Lamin Lodge bei Niedrigwasser. Und das ist hier in der Tat niedrig. Kurz nach der Lamin Lodge geht es bei nur noch 1,7 m Tiefe ins „Hauptfahrwasser“. Bei unserem Tiefgang von 1,6 m ist nur noch wenig Platz unterm Kiel.

Dann geht es aber problemlos zurück nach Banjul und die „erste Etappe“ bis „James Island“, auch als „Kunta Kinte Insel“ bekannt. Zahlreiche Ausflugsboote landen hier täglich an. Wir nicht, wir sehen uns das vom Ankerplatz aus an. Alles was sich auf der Insel befindet ist wohl ohnehin schon weitestgehend zerfallen.

Wir überprüfen die Gezeitentabelle, damit wir wieder mit ansteigendem Wasser weiterfahren (segeln geht mangels Wind und falls Wind, dann aus der falschen Richtung, nicht). Mit der Nachmittagsflut geht es dann weiter zum Muta Point, wo wir auch lediglich für eine Nacht ankern.

Flussdelphine

Am dritten Tag dann weiter nach Tendaba, wo sich eine Art Ferien-Ressort befindet. Dort machen wir auch einen Landgang durch den kleinen Ort. Wie überall sehr freundliche Menschen. Einige Gäste, insbesondere Vogelkundler mit Safarianzug und Fotoausrüstung, sind da. Es gibt kleine Hütten zu mieten und ein Restaurant in dem wir uns ein kühles Bier gönnen.

Das soll es dann auch schon gewesen sein. Am nächsten Tag geht es wieder zurück nach Banjul. Da jetzt neben dem Gezeitenstrom auch die Flußströmung mit uns ist, geht es mit teils 7 bis 8 kn talwärts. So sind wir zwei Tage später wieder in Banjul.

Hier wollen wir auch Banjul eine zweite Chance geben und sind nach der Ankunft noch in die Stadt gelaufen. Haben bei der Gelegenheit auch gleich ausklariert, obwohl wir erst in zwei Tagen starten wollen. Donnerstag schien uns der geeignete Tag, da am Freitag oft schon Wochenendstimmung herrscht und am Samstag möglicherweise nicht gearbeitet wird.

Dann noch etwas Lebensmittel einkaufen. Laut Reiseführer gibt es einen „CFAO-Supermarkt“. Entlang staubiger Sandpisten geht es vorbei an zahlreichen Läden an den Seiten der Hauptstraße. Überwiegend Kleidung, Nippes, Chinawaren, aber auch hochwertige Rolex-Uhren können hier erstanden werden.

Aber keine Spur von einem Supermarkt. In einem Minimercado erfahren wir, dass es diesen schon seit einigen Jahren nicht mehr gibt. Der nächste Supermarkt befindet sich in Bakau, dem Touristenzentrum mit einem der schönsten Strände Gambias. Wir benötigen aber lediglich etwas Obst und Gemüse, welches wir auf einem Markt erstehen können.

Banjul selbst zeigt sich als verfallende Stadt. Da sind wir wohl einfach nur zu sehr verwöhnt. Die Menschen auch hier freundlich und nett, man kann sich zwanglos bewegen.

Haben sich die 1.000 sm von Kapverden nach Senegal und Gambia und zurück gelohnt. Die jeweils etwa 400 sm hin bzw. zurück waren durchaus etwas ruppig. JA. Es ist nicht der romantische Segelausflug gewesen, eher eine „Bildungsreise“. Aber der Yachtclub in Dakar, der eine schöne französische Atmosphäre hat, das hektische Dakar, die Ankerplätze auf dem Weg nach Banjul, die Lamin Lodge mit Besuch bei Buba Touray und auch der kurze Einblick in den Gambia River waren es wert.

Auch wenn mir Banjul als Stadt nicht sonderlich gefällt, war das Eintauchen in eine solche Stadt eine interessante Erfahrung. Mit Sicherheit. Ja, im Vorfeld haben wir uns Gedanken gemacht, ob wir es hier mit Kriminalität zu tun bekommen. Das beunruhigendste waren aber eher die Berichte darüber, als das Leben vor Ort selbst. Nirgends fühlten wir uns bedrängt, oder gar bedroht.

Helfende Hände, wie Buba Touray bei der Lamin Lodge sind ebenfalls unaufdringlich und freundlich und wir hatten nirgends das Gefühl, dass man für die Leistungen unangebrachte Entlohnung erhalten wollte. Lediglich der wohl selbst ernannte„Security Officer“, der ebenfalls Buba heißt und für seinen Sicherheitsdienst mit einem Schulheft und ein paar Stiften zufrieden war, schickte mir noch Liebeserklärungen per whatsapp.

Mit 4 Tagen Hinreise ab Palmeira/Sal und 3 Tagen Rückreise nach Praia/Santiago waren wir 28 Tage unterwegs. Das ist denke ich das Minimum an Zeit, die man einplanen sollte. Von einigen hörten wir, dass sie Wochen und sogar Monate speziell auf dem Gambia River verbracht hätten.

Ach ja: Mit diesem Ausflug hat die Luna Mare nunmehr 6.500 sm im Kielwasser und wir unsere ersten 10.000 sm. Das sind doch schon mal Hausmarken.

Leben in Gambia

Buba Touray ist ein sehr hilfsbereiter, unaufdringlicher junger Mann, der hier als „boat man“ arbeitet und die Segler mit allem Nötigen versorgt und darüber hinaus auch Ausflüge anbietet.

Seine Dienste kann ich sehr empfehlen:

Beim Bier nach der Ankunft in der Lodge hat er uns auf seinem Smartphone Bilder seiner Familie gezeigt. Seine Frau arbeitet als Lehrerin in einer Schule unweit deren Wohnung und sie haben zwei Kinder, einen 6 Monate alten Jungen und ein 6 Jahre altes Mädchen. Beide wohnen allerdings bei seiner Mutter, da sie hier wohl weder Platz noch, arbeitsbedingt, Zeit für die beiden haben.

Darüber scheint er nicht sehr glücklich zu sein. Aber es geht wohl nicht anders. Er würde uns aber gerne zeigen, wo er und seine Frau wohnen und uns zum Abendessen einladen. Wir könnten uns das überlegen und ihm dann einfach Bescheid geben. Wir sehen das als eine tolle Möglichkeit, wenigstens etwas vom Leben der Leute in dem Land, in dem wir sind, kennen zu lernen.

Also geben wir ihm Bescheid und am Tag nach unserer Ankunft geht es nachmittags los. Der Sohn der Lodge-Besitzerin fährt uns ein Stück in seinem schicken 3er BMW, dann geht es in einem Taxi weiter nach Serekunda. Dort wechseln wir das Taxi nochmal und es geht bis zur Wohnung von Buba und seiner Frau.

Sie haben dort zwei kleine Räume zur Miete innerhalb eines größeren Hauses. Der Besitzer arbeitet irgendwo in Deutschland und dessen Frau und etliche Kleinkinder bewohnen das Anwesen. Die Miete beträgt 1.200 Dalasi pro Monat (rund € 24), liegt damit aber schon über dem Durchschnittseinkommen inThe Gambia. Buba selbst ist froh, wenn er so 100 bis 200 Dalasi amTag verdienen kann um für Essen zu sorgen und etwas Geld für seine Mutter übrig zu haben, damit diese die Kinder versorgen kann.

In einem kleinen Raum Sessel mit Fernseher, dasWohnzimmer. Der andere Raum ist das Schlafzimmer, etwas größer als das dort befindliche Doppelbett. Kochstelle und Dusche sind hinten im Freien. Leider gibt es während der Regenzeit Probleme, da das Dach undicht ist und so Wasser durch die Zimmerdecke ins Innere kommt. Buba versucht das Ganze dicht zu bekommen.

Wir erhalten ein köstliches Essen mit Reis, Zwiebelsoße und etwas Hähnchenfleisch, ergänzt mit Pommes und Salat. Und erfahren etwas aus dem Leben der beiden. Sie lehrt Englisch und Mathematik an der nahe gelegenen Schule. Ihre Schüler sind 6 bis 7 Jahre alt. Sie findet die Kinder in diesem Alter wundervoll und ist glücklich in ihrem Beruf.

Danach noch ein kleiner Spaziergang „um den Block“. Es sind eine Menge Kleinkinder unterwegs, die uns zuwinken und „Toubab“ rufen. Toubab bedeutet wohl nur soviel wie „Weiße“, ohne weitere Botschaft, positiv, oder negativ. Und da es angeblich Glück bringen soll, die Hand eines Weißen zu berühren, kommen die Mutigsten auch näher zu einem „high five“ oder Händeschütteln, fröhlich und ungezwungen.

Weiter geht es dann auch zur Schule, in der seine Frau unterrichtet. Dort treffen wir auf den „Chairman“, der etwas deutsch spricht. Er ist ganz happy, dass er mit uns deutsch reden kann, denn die Gelegenheit dazu hat er selten. Und mit Bedauern fügt er hinzu, dass er auch noch nie in Deutschland war.

Von ihm erfahren wir, dass rund 1.400 Kinder diese Schule besuchen. Ein Blick auf die Alterspyramide Gambias zeigt, dass diese noch wie eine Pyramide aussieht. Ein Großteil der Bevölkerung ist jünger als 20 Jahre. Kinder kommen ab einem Alter von 4 Jahren hierher. Zwei Jahre Kindergarten (Grade 1und 2) und ab Grade 3 wird es dann zur Schule. Bubas Frau hat anfangs Grade 1 und 2 betreut und unterrichtet jetzt Kinder Grade 3 und 4.

Mit vielen Eindrücken geht es dann zumSonnenuntergang im Taxi durch den dichten Feierabendverkehr zurückzur Lamin Lodge. Ein sehr schöner Tag neigt sich in der absolut ruhigen Bucht seinem Ende entgegen. Nur einige Vogelgeräusche und Affenlaute sorgen für eine romantische Stimmung.

Ergänzung zur Anfahrt/Abfahrt Lamin Lodge: Es gibt dort einige Sandbänke, die nicht in der (Navionics) Karte verzeichnet sind und wegen des trüben Wassers auch nicht erkennbar sind. So ging die Wassertiefe bei der Ausfahrt kurz vor Niedrigwasser auf 1,7 m zurück. Wir sind somit so eben noch ohne weitere Grundberührung rausgekommen. Es könnte aber in absehbarer Zeit schwierig werden die Lodge mit > 2m Tiefgang noch zu erreichen.

Gambias Sandbänke geküsst

Alle sagen, die Lamin Lodge müsse unbedingt besucht werden, also machen wir das auch. Zurück vom Einklarieren holen wir so kurz nach 14 Uhr den Anker ein und machen uns auf den Weg. Hier sind etliche flache Stellen, aber laut Plotter ist unser geplanter Weg tief genug. Rums, haben wir ein Hindernis erfasst. Rückwärtsgang rein, wir kommen glücklicherweise wieder frei. War wohl nicht der Grund auf dem wir aufgesessen sind, sondern ein versenktes Hindernis/Wrack.

Nach dem ersten Schreck geht es weiter. Immer konzentriert im vom Plotter vorgegebenen Fahrwasser entlang. So kommen wir gut und ohne weitere Probleme voran. Allerdings stellt sich dann die Anfahrt zur Lodge etwas schwieriger heraus.

Bei dem eingezeichneten Symbol mit dem Segelboot soll die Lodge sein. Wir sehen keine und es wird sehr schnell flacher. Rückwärtsgang rein und gerade noch rechtzeitig machen wir kehrt. Zweite Einfahrt. Wir sehen etliche Masten von Segelbooten, scheint ja einiges los zu sein.

Wir tasten uns langsam vor. Die Boote scheinen auf der anderen Seite der grün eingezeichneten Flachstelle zu sein. Wie sind die da hin gekommen? Jedenfalls wird es plötzlich wieder verdammt flach, also drehen wir um und, nächster Schreck, küssen eine Sandbank. Diesmal mit voller Kraft voraus rutschen wir über diese und kommen zurück auf den Weg, den wir herein genommen haben.

Hier geht es also wohl nicht weiter. Sollte es die Einfahrt auf der anderen Seite sein? Sieht alles sehr eng aus, aber wir schauen mal. Wie man sieht, müssen wir auch hier wieder kehrt machen, jedoch nicht ohne nochmals eine Sandbank zu„küssen“. Kommen auch hier problemlos frei.

Als ich schon am verzagen bin und meine, wir sollten wohl zurück nach Banjul, irgendwie schaffen wir das nicht mit der Lodge, meint die Skipperin, wir versuchen es nochmal und sobald es flacher wird, werfen wir den Anker. Dann können wir zur Lodge paddeln und uns erkunden, wie die Situation hier ist.

Gesagt, getan. Diesmal intuitiv etwas mehr am Rand gehalten und das Lot zeigt mehr als 4 m an, knapp neben der Stelle, wo wir vorhin aufgesessen sind. Unglaublich. Jetzt sehen wir auch Buba Touray in seinem kleinen Boot, der uns vorhin schon entgegenkommen wollte und verwundert war, warum wir wieder rausgefahren sind.

Er zeigt uns eine passende Stelle zum Ankern und ja, wir haben es dann doch geschafft, bei der Lamin Lodge anzukommen. Mit noch etwas zittrigen Händen bringen wir das Beiboot zu Wasser und paddeln zur Lodge. Bei einem kühlen Bier bzw. einem Glas Wein für die Skipperin beruhigen wir uns etwas und freuen uns darüber, hier angekommen zu sein.

Hierbei erfahren wir auch, dass Peter Loose, ein Deutscher, der die Lamin Lodge vor mehr als 30 Jahren gegründet hat, im Juli des Jahres verstorben sei. Seine Witwe und deren Sohn betreiben die Lamin Lodge nun weiter und Buba, der schonseit 4 Jahren hier als boat man tätig ist, arbeitet bei diesen nun weiter.

Allerdings erzählt er später, dass er seit zwei Monaten kein Gehalt mehr erhalten hat und ihn die Mutter auf den Sohn und dieser ihn auf die Mutter verweist. Jetzt spielt er mit dem Gedanken sich selbstständig zu machen, wenn es geht eine kleine Pirogge zu erwerben und mit dieser Ausflüge anzubieten.

Lamin Lodge
Kunst
am
Bau
Buba Korta, ein vermutlich selbst ernannter Security Officer
3 junge Damen zu
Besuch auf der Luna Mare
Für ca. 15 der 24 Segelboote
hier scheint es die Endstation
zu sein. Eine kleine Auswahl.

Vom Senegal nach The Gambia

Auf dem Weg von Dakar nach Banjul verbringen wir noch vor Djifer eine Ankernacht. Nach Sonnenaufgang dann weiter, da mit 40 sm eine relativ lange Etappe vor uns liegt. Anfangs noch mit ausreichend Wind, um mit etwas mehr als 4 kn voran zu kommen. Der reduziert sich dann aber so weit, dass wir nur noch etwas mehr als 2 kn Fahrt machen. Notgedrungen also Motor an. War aber ohnehin erforderlich, um Batterien zu laden und auch den drittenWassertank zu füllen.

Banjul

Mittels Plotter und Berichten anderer Segler haben wir herausgefunden, wo wir in Banjul hin sollen, zur neuen „public pier“. Dachte schon, da kann man anlegen, ist aber nicht für „kleine“ Segelboote geeignet. Dort liegen Boote der Gambian Navy und Fischtrawler. Also vor der Pier den Anker werfen. Am Ausgang in die Stadt ist eine Schranke mit einem von zwei Personen besetzten Häuschen. Dort haben wir uns registriert. Da schon 17 Uhr erklärte uns der eine, Modou, wir sollten am nächsten Tag einklarieren. Wir verabreden uns für 10 Uhr.

Am Abend und am nächsten Morgen bittet uns die dort ansässige Gambia Navy zweimal, unseren Ankerplatz zuändern, damit wir nicht zwischen zwei Navy-Booten liegen. Alles sehr freundlich. Gleich erledigt. Dann an Land und zum Schrankenwärterhäuschen. Statt Modou kam Pa Malick und hat uns auf den langen Weg der Immigration begleitet.

Erste Station Immigration Office. Pässe werden geprüft, Zettel ausgefüllt. Ihr müsst Visagebühr bezahlen, hieß es. Ich schaue etwas ungläubig, aber der eine meint einigermaßen vehement, es wäre so. Auf meine Frage wie viel, holt einer eine Liste heraus, aus der sich ergibt, dass Deutsche kein Visum benötigen. Nach einer gewissen Diskussion unter den 6 anwesenden Personen, ob die Liste auch aktuell sei, erhalten wir dann doch relativ zügig den Einreisestempel, ohne etwas zu bezahlen. Ein anderer Segler (glaube aus der Schweiz) schrieb auf seinen Block, dass er umgerechnet € 130 zu zahlen hatte.

Dann zum Hafenbüro. Dort wäre eine „geringe“ Gebühr zu entrichten, laut Berichten anderer Segler so € 4. Aber nicht gleich, den wir werden informiert, dass wir zuerst zur Guardia Civil müssen. Dank Pa Malick alles kein Problem. Auf demWeg dorthin lässt Pa Malick für uns noch Kopien von Reisepass undBootsurkunde erstellen und legt uns das Geld aus. Diese Kopien benötigen wir bei der Guardia Civil, wo auch wieder ein Zettel mit unseren und den Bootsdaten auszufüllen ist.

Den Stempel hier gibt es aber erst nach Freigabe durch den Zoll. Aber jetzt sind wir bereit für dieHafenbehörde. Also zurück zu dieser. Dort erklärt man uns erwartungsgemäß, dass eine Gebühr zu entrichten ist, für die wir auch eine Quittung erhalten würden. Er zeigt uns einen Ordner und meint, die Belgier, die gestern ankamen, hätten € 25 bezahlt, so sollen wir das auch tun. Der Preis scheint uns also flexibel zu sein, allerdings nicht verhandelbar.

Auf zur Kasse. Da wir keine Dalasi haben, hat auch hier Pa Malick den Betrag vorgestreckt. Mit der Quittung zurück ins Büro im 3. Stock und die Formalitäten erledigt. Dann weiter zum Zoll. Der Zollbeamte fragt nach Explosivstoffen und Waffen. Haben wir nicht. Ok, muss ich überprüfen. So machen wir vier uns auf den Weg Richtung Public Pier. Sieht so aus, als wolle der Zollbeamte mit uns in unserem Dinghi zur Luna Mare. Denke mal, sobald er unser kleines wacklige Dinghi sieht, wird er ohnehin davon Abstand nehmen.

Tut er aber dann schon früher. Ein Stück vor dem Eingang zur Public Pier meinte er, dass der Weg lang und anstrengend ist, wir können jetzt eine Abkürzung zurück zur Guardia Civil nehmen. Auf dem Formular hatte er schon in seinem Büro bestätigt, dass er das Boot besichtigt hätte und alles ok wäre. So bekommen wir dann auch bei der Guardia Civil den notwendigen Stempel und dürfen uns nun frei in ganz Gambia bewegen.

Mit Pa Malick klappern wir dann noch 5 Geldautomaten ab, bis einer bereit ist, uns auch tatsächlich Dalasi zu geben (GTBank). Dort kann man wohl zumindest bis 4.000 Dalasi bekommen (habe gelesen, dass es teils „nur“ 2.000 Dalasi = € 40 gibt). Am Markt kaufen wir noch etwas Gemüse ein und auf dem Weg zurück noch etwas Weißbrot und eine ganze riesige Melone.

Am Ende der Pier ist wohl kurz vorher ein Fischtrawler angekommen. Dort wird direkt Fisch verkauft. Also erstehen wir für € 2 gut 1 kg fangfrischen Fisch für das Abendessen. Der Trawler scheint in Asiatischer Hand zu sein. Bei Pa Malick bezahlen wir noch unsere Schulden plus € 10 Trinkgeld für die 4 Stunden, die er insgesamt mit uns unterwegs ist.

Beim Einklarieren hatte ich nichts zum Photographieren mitgenommen und da Banjul nicht wirklich sehenswert ist, haben wir bis zum ausklarieren auch nicht vor, nochmal dorthin zu gehen. So gibt es zu Banjul zumindest vorerst nur die Bilder der ausrangierten und hier wohl „endgelagerten“ alten Fähren, die wohl erst kürzlich durch neue ersetzt wurden.

Ile Gorée und Saly

Ile Gorée und „romantischer“ Grillabend

Eine der Sehenswürdigkeiten in Dakar ist die Ile Gorée. Abgesehen vom „wahren Leben“ in Dakar, was ja schon sehr spannend ist, gibt es nicht allzu viele touristische High-Lights. Vom Hafen aus geht eine Fähre so rund alles 2 Stunden zur Ile Gorée. Überfahrt dauert rund eine halbe Stunde, geht also ganz flott.

Die Insel selbst ist auf alle Fälle einen Besuch wert. Früher war es ein „Umschlagsplatz“ im Sklavenhandel. Einige Bauwerke erinnern noch daran. Heute gibt es dazu schöne Wege, um die Insel zu erkunden und zahlreiche Verkaufsstände für lokale Kunst und Bekleidung. Da man auf die Einkäufe von Touristen angewiesen ist, wird man hier schon mal energischer in ein Verkaufsgespräch verwickelt. Aber alles noch ok.

Zurück von der Insel noch ein paar Einkäufe und mit 2 10l Flaschen Trinkwasser und zwei vollen Taschen in ein Taxi. Der Taxifahrer bekommt dann gleich noch Schwierigkeiten mit einem Verkehrspolizisten, da er an der Stelle im Kreisverkehr wohl nicht hätte halten dürfen. Da wir zu langsam im Einsteigen sind, ist dieser auch gleich zur Stelle, um ein Knöllchen auszustellen. Ärgerlich.

Der Taxifahrer wusste dann nicht so recht wo das ist, wo wir hinwollen. Hat umstehende gefragt, die zahlreiche Ratschläge gaben. Konnte dann aber mit meinem bisschen Französisch kundtun, dass ich den Weg (mittlerweile) kenne. So ging es zurück zum Segelclub in der Baie de Hann.

Der stets präsente und umtriebige Momo sprach noch von einem Barbeque, welches er veranstalten wolle. Mit Trommler, Gitarre und gegrilltem Fisch. Hätten schon einige zugesagt. Eigentlich wollten wir an diesem Samstag ablegen, aber wegen längerer Arbeiten an der Ankerwinsch (siehe Technik-Ecke) mussten wir uns eh bis Sonntag gedulden. Also passt es.

Das BBQ, wir die einzigen Teilnehmer, war dann ohne Musik und bestand aus zwei Fischmahlzeiten, die er uns (nach zwei Stunden warten) auf der Terrasse vor der Clubbar vorbeibrachte. War lecker und soweit auch ok, entspricht aber nicht unseren romantischen Vorstellungen, die sich bei seiner Erzählung entwickelt hatten. Aber Momo ist ein klasse Typ und wer irgendwelche Hilfe benötigt ist bei ihm in guten Händen.

Anfahrt zur Ile Gorée
War bestimmt mal ein tolles Gebäude mit Blick nach Dakar.
Blick nach Dakar
Mutiger junger Mann.

Saly

Den Weg nach Banjul/Gambia wollen wir mit zwei Ankerstopps zurücklegen. Einer davon rund 60 km südlich von Dakar, Saly. Nach einem wundervollen Segeltag mit ausreichend Wind aus der richtigen Richtung kommen wir zeitig vor Sonnenuntergang an.

Ungewohnt ist es, dass es bereits weit draußen nur noch weniger als 3 m tief ist. Mit der Befürchtung, dass uns jederzeit ein Hindernis stoppen könnte, „tasten“ wir uns langsam näher ans Ufer ran. Als der Tiefenmesser nur noch kleiner 2 m anzeigt setzen wir den Anker.

Immer noch reichlich Abstand zum Ufer, aber der Anker hält. Leider noch etwas windig (so bis 20 kn) und schaukelig. Aber für zwei Nächte sollte das passen.

Nach der ersten Nacht noch an Land, etwas Gemüse und Getränke einkaufen. Mit dem Dinghi kämpfen wir uns gegen Wind und Welle an einen Anleger, der von der Ferne ganz gut aussieht. Dort angekommen stellen wir fest: marode und unbrauchbar. Dann zum Strand eines Ferienressorts verholt.

Dort angelandet und durch die Anlage zum Ausgang spaziert. An der Schranke haben wir uns vorsichtshalber erkundigt, ob es ok ist, dass wir dort am Strand angelegt haben. Der Pförtner meinte ja und so sind wir zum Supermarkt und wieder zurück. Saly ist sehr touristisch und so hatten wir auch keinen größeren Spaziergang eingeplant.

Beim Palm Beach Ressort zurück meinte dann der Pförtner, wir sollten nicht durchs Hauptgebäude an den Strand zu unserem Dinghi, sondern „Schleichwege“ benutzen. Auch ok, denn einen besseren Platz zum Anlegen hätten wir in der näheren Umgebung ohnehin nicht gefunden.

Das schien uns dann doch nicht der richtige Landzugang zu sein. 
Unterwegs in Saly.
Unsere Luna Mare auf 2 m Ankergrund.

Technik-Ecke

Ankerwinsch

Die Ankerwinsch habe ich wieder zum Laufen gebracht. Schönes Erfolgserlebnis. Hoffe das hält jetzt wieder einige Zeit. Einen Schutzschalter konnte ich bzw. Momo nicht auftreiben, aber Momo war mit Streifensicherungen erfolgreich. Habe ihn gebeten gleich mal drei mit zu bringen. Hoffe die reichen, bis wir irgendwo wieder einen passenden Schutzschalter finden.

Hier nochmal ein Loblied auf Momo. Der hat unermüdlich versucht, einen Schutzschalter aufzutreiben. Am Freitag haben wir dann noch gemeinsam einige Läden abgeklappert, aber erfolglos. Er hatte allerdings wie erwähnt die Streifensicherungen ausfindig gemacht, die passen dann ja auch.

Und wie es halt immer so ist, ein schneller Einbau klappt nicht. Die Sicherung war ja noch einigermaßen ruck zuck eingebaut. Die Ankerwinsch machte aber keinen zuck. Doch das Relais defekt?

Es zeigt sich aber, dass einige andere Kabelanschlüsse so morsch sind, dass sie abgebrochen sind. Nach einigem Werkeln geht die Kette schon mal runter, nur rauf (was ja eigentlich wichtiger ist) klappt nicht. Weiter nach maroden Kabelanschlüssen gesucht und fündig geworden.

Da sind vier Stück, die miteinander verbunden werden müssen. Mal zusammengehalten und ja, jetzt geht auch der Anker wieder hoch. Wird aber schön langsam dunkel, so dass sich die Fertigstellung auf Samstag verschiebt und wir wie oben erwähnt statt abzulegen am BBQ „teilnehmen“.

Aussenbordmotor

Laufen tut er ja, aber noch nicht ganz rund. Nach kurzer Fahrt fängt er stark zu rauchen an, dann geht er schon mal aus. Überdies verliert er etwas Benzin. Muss also nochmal genauer unter die Lupe genommen werden. Hier schaffen wir es gegen Wind und Welle zum Strand, zurück habe ich mich dann fürs Paddeln entschieden,

Dakar/Senegal – Afrika für Fortgeschrittene

Anreise

Vier Tage haben wir für die rund 360 sm von Sal nach Dakar benötigt. Ich muss vermutlich nicht erwähnen, dass wir im Dunkeln angekommen wären. Also um 21 Uhr beigedreht und dann so gegen 2 Uhr morgens wieder weiter Richtung Dakar. Dort sind wir dann so gegen 10 Uhr angekommen.

Die Überfahrt war anstrengender alsdie letzten. Wir hatten Wind ziemlich von vorne, allerdings ohnekreuzen zu müssen. Das bedeutet entsprechend Schräglage bei 20 bis25 kn Wind, auch mit gerefftem Großsegel. Anfangs hatten wir nochrelativ wenig Wind, so dass wir schon befürchteten 5 Tage zubenötigen. Dann so 20 bis 25 kn, so dass wir im Schnitt auf fast 6kn Fahrt kamen. Sah also kurzfristig so aus, als dass wir am 3. Tag kurz vor Sonnenuntergang ankommen könnten.

Bereits bei dem Gedanken hat der Wind nachgelassen und wie erwähnt wäre es Nachts geworden. Wollten wir auch diesmal nicht und war sicherlich auch gut so. Die Anfahrt ist nicht sehr schwierig, aber zum Ankerplatz hin wird es ziemlich flach. Wir meinen einen Wellenbrecher mit Einfahrt zu sehen (siehe Markierung in dem einen Bild), der Plotter rät uns aber mit Verweis auf eine Wassertiefe kleiner 1 m davon ab.

Also um die Mauer herum hin zu der Stelle wo schon einige Boote liegen. Laut Plotter liegen die alle im Bereich einer Wassertiefe von kleiner 2 m bei Niedrigwasser. Wir haben uns an den Rand verlegt, wo wir je nach Tidenstand so 2 bis 3 m Tiefe haben.

Ansonsten war die Überfahrt nicht ganz ereignislos. Die Vorschot (die Leine, mit der das Vorsegel bedient wird) ist plötzlich gerissen, dass Vorsegel schlägt im reichlichen Wind. Vorsegel schnell eingeholt und im Tanz der Wellen die Vorschot neu angebracht.

Dann gab es noch ein merkwürdiges Geräusch, hörte sich so an als hätte sich die Ankerwinsch in Betrieb gesetzt, war aber nicht direkt lokalisierbar. Als der Wind etwas nachgelassen hat, habe ich einen Blick in den Ankerkasten geworfen und die Ankerwinsch überprüft. Funktioniert nicht mehr.

Also Ankern ohne Unterstützung der Ankerwinsch. Da ich von Andrea (SY Akka) gelernt habe, dass man an der Ankerwinsch die Nuss lösen und feststellen kann, geht das dann aber ohne nennenswerte Probleme von statten. Eine Weiterfahrt ohne Ankerwinsch ist allerdings nicht denkbar. Mittlerweile weiß ich, dass der Schalter mit Sicherung durchgebrannt ist und ersetzt werden muss.

Lohnt sich die Fahrt hierher?

Hinsichtlich Marokko und Kapverden hatte ich die Frage zu 100% mit Ja beantwortet (übrigens, die Marina Tanger ist mittlerweile geöffnet und wird allseits sehr gelobt). Hier ist es schon etwas diffiziler. Für uns ja, es hat sich gelohnt, schon wegen des Motors für unser Beiboot (mehr dazu in der Technik-Ecke). Abgesehen davon muss man das dann schon mögen.

Club de Voile de Dakar / Ankerplatz

Im Segelclub ist die Zeit seit wohl so30 bis 40 Jahre stehen geblieben. Der Verfall jedoch nicht. Hat einen gewissen Museumscharakter. Es wird wohl nichts erneuert. Toilette wie man sie aus Frankreich der 70er Jahre kennt, also in der Hocke ähnlich dem Abfahrtstraining für den Skiwinter. Die Clubbar und alle sonstigen Gebäude nicht schön, positiverweise muss man aber sagen, das hat eine gewisse französische Atmosphäre aus vergangenen Tagen. Der Anteil der Franzosen unter den Ausländern hier dürfte bei > 90% liegen.

Der Strand ist verdreckt, über der Ankerbucht liegt ständig ein Hauch von Schweinestallaroma und man liegt in einer richtigen Kloake.

Sofern man das ertragen kann (und es ist nicht so unerträglich wie sich das vielleicht so aufs erste anhört) befindet man sich hier natürlich an einem spannenden Ort. Die Leute in der Marina und eigentlich überall sehr freundlich. Hier gibt es einen Shuttle-Service. Sadio fährt nach Fahrplan die Boote ab und nimmt einen mit an Land bzw. wieder zurück zum Boot. Kostenlos, wobei er sich über ein „petit cadeau“ freut. Habe ihm immer so 1.500 Franc (€ 1,50) gegeben.

Über meine rudimentäres Französisch sind wir sehr froh, hilft einem bei vielen Gelegenheiten weiter. Nicht nur beim Bier in der Clubbar. Man ist auch hilfsbereit, sofern es Bedarf für das Boot gibt (Diesel, Wasser, Gas etc.). Direkt vor dem Clubgelände befindet sich ein mittelgroßer Marineausrüster.

Dakar

Laut, schmutzig, stressig. So die kurze Zusammenfassung. Andererseits ist es aber spannend, in dieser für uns Europäer schon sehr speziellen Stadt unterwegs zu sein. Als Fortbewegungsmittel dient das Taxi. Je nach Entfernung kostet die Fahrt so zwischen 3 und 7 Euro. Die Fahrt von hier in die Stadt 3.000 Franc (€ 4,50), sofern einer mehr wollte, haben wir schon mal verhandelt, bzw. das nächste Taxi genommen. Aber nur selten, meistens waren die Angebote direkt fair und ok.

Dakar ist eine sehr geschäftige Stadt mit einem immensen Straßenverkehr. Mich hat Dakar ein bisschen an Marokko vor rund 20 Jahren erinnert. Autos, die durch Klebestreifen zusammengehalten werden (gibt aber auch reichlich Autos neuerer Bauart), sehr intuitive Fahrweise, geschäftiges Treiben an all den Verkaufsständen, die es reichlich gibt. Man fühlt sich aber stets sicher, nur wenige aufdringliche Verkäufer und nur vereinzelt Bettler, die aber fast nur im Zentrum um den „Place de l’Indépendance“.

Die Fahrt mit dem Taxi ist ein Erlebnis für sich. Diese sind meist älterer Bauart und mehr oder weniger stark verbeult. Es gibt glaube ich kein Auto älter als 6 Monate, welches noch keine Schrammen hat. Mit einer Ausnahme sind wir aber immer unfallfrei überall hin gekommen. Nur einmal ist ein SUV beim Parkversuch am hohen Randstein hängen geblieben. Rückwärtsgang rein, Blick nach hinten ist was für Anfänger und prompt unser Taxi gerammt.

Dachte schon, dass wird jetzt dauern. Beide haben einen Blick auf den Schaden geworfen, beide fühlten sich keiner Schuld bewusst. Ein paar herumstehende Experten prüften den Schaden ebenfalls. Ein paar Diskussionen, nie hitzig und nach ein paar Minuten fuhr der „Unfallgegner“ seinen SUV etwas vor und der Taxifahrer stieg ein und setzte die Fahrt fort. Hier kommt wohl jeder selbst für den erlittenen Schaden auf. Und eine Beule mehr oder weniger….

Ich könnte über das was wir hier in 3 Tagen insbesondere an Eindrücken erlebt haben wohl noch ein paar Seiten mehr schreiben. Aber zusammenfassend kann man sagen, dass eine Fahrt hierher für denjenigen, der mal Afrika hautnah erleben möchte, Sinn macht. Wir sind einiges zu Fuß gelaufen, haben einheimische Märkte besucht und auch abgelegenere Gegenden. Nirgends hatten wir ein ungutes Gefühl was unsere Sicherheit betrifft. Und so ein wenig Schweinestallaroma kann man für ein paar Tage schon mal ab.

Technik-Ecke

Außenbordmotor

Trotz richtig guter Tipps meines Cousins (Danke nochmal Hartl) habe ich es nicht geschafft, den Außenborder wieder zum Laufen zu bekommen. Im Gegenteil, meine Reparaturversuche haben zu einer Undichtigkeit geführt, die den Benzin auslaufen lässt.

Die SY “Margna” lag hier in 2012 für drei Monate. Die haben in ihrem Törnbericht Moussa Coulibali erwähnt, der „repariert und vor allem reaktiviert .. äußerst geschickt und erfolgreich alle Außenbordmotoren“, sofern er nicht Sadio beim Shuttle-Serive ablöst.

Mit toller Hilfe von Sadio den Motor in die Werkstatt von Moussa gebracht. Am nächsten Tag hat er mit der Arbeit begonnen. Zwischendurch konnten wir unseren weitestgehend in Einzelteile zerlegten Motor besichtigen. Er hat alle Teile gereinigt und wieder zusammengebaut, Ölwechsel gemacht und den Benzintank gefüllt.

Am Abend hat Sadio den Motor zur Luna Mare zurück gebracht, Test wäre erfolgreich gewesen. Bezahlen kann ich morgen. Ich konnte ihn nicht zum Laufen bekommen. Noch nicht wissend, dass Moussa den Bezintank wieder gefüllt hat dachte ich, der wäre leer.

Am nächsten Morgen dann Benzin an der naheliegenden Tankstelle besorgt und beim Nachfüllversuch gemerkt, da ist ja schon welcher drin. Nachdem ich dann die Entlüftungsschraube und Benzinzufuhr ordentlich geöffnet habe und noch den Sicherheitsring ordentlich befestigt hatte ist der Motor tatsächlich gestartet.

Die erste Testfahrt zum Feierabendbier in der Clubbar hat er hin und zurück ordentlich zurück gelegt. Sieht wohl tatsächlich so aus, als hätten wir wieder einen funktionierenden Außenbordmotor. Moussa wollte für seinen ganzen Aufwand von etlichen Stunden Arbeit, plus Öl und Benzin, am Ende 30.000 Franc (€ 45). Da wäre ich andernorts wohl nicht weit mit gekommen.

Ankerwinsch

Zu guter Letzt der Schalter für die Ankerwinsch. Hier hat Momo seine Hilfe angeboten. Der spricht auch etwas Englisch, was es dann doch etwas leichter macht. Leider bisher noch erfolglos. Werden morgen gemeinsam losfahren, er hat ein paar Leute aufgetrieben, die zumindest so was ähnliches haben.

Was ich benötige ist ja ein Schalter mit einer 80A Sicherung. Mal sehen, ob wir sowas finden. Ansonsten habe ich mir überlegt, ich lasse den Schalter weg (die Winsch hat ja noch separat die Knöpfe für auf und ab) und baue nur eine Sicherung ein. Einen Sicherungshalter mit gewisser Wasserdichtigkeit hätte ich sogar an Bord, da ist aber eine 100A Sicherung drin. Mit der traue ich mich nicht ran. So werden ich morgen, falls wir keinen Schalter finden, schauen, ob ich eine passende 80 A Sicherung auftreiben kann.

Wäre toll, da wir am Samstag dann Richtung Gambia starten wollen und das Einholen von 25 kg Anker mit reichlich Kette von Hand mich vermutlich etwas überfordern würde. Schaun mer mal.

Sal – Kapverden

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Nach wundervollen Tagen auf São Vicente und Santo Antão haben wir uns auf den Weg nach Osten gemacht, zur Insel Sal. Direkter Weg 120 sm, durch kreuzen sind es 160 sm. Mit Wind und Welle gegen an sind wir auch relativ langsam. So sind wir nicht nur eine, sondern zwei Nächte draußen. Und da wir wieder mitten in der Nacht ankommen, parken (beidrehen) wir drei Stunden, um gemütlich im Laufe des Vormittags in Palmeira/Sal anzukommen.

Begrüßt werden wir von Jay, der mit seinem Boot Denis im Ankerfeld unterwegs ist, teils als Hafenmeister, überwiegend um seine Dienste anzubieten. Wasservorräte ergänzen, Diesel, Wäsche waschen, alles was ein Fahrtensegler benötigt. Und Taxi. Ein „Rückfahrticket“ kostet drei Euro. Das erspart mir das Paddeln und gibt das gute Gefühl, die wirklich sympathischen und engagierten Leute hier, wenn auch nur geringfügig, zu unterstützen.

Nachdem wir uns ja noch innerhalb der Kapverden befinden müssen wir heute nur zur Policia Maritima. Ein paar Formulare, Bootspapier hinterlegen, fertig. Jay machte mit uns noch einen kurzen Stadtrundgang und erzählte uns einiges über Palmeira und seine große Familie, die hier lebt. Anscheinend gehört fast jedes zweite Haus in der Hafenumgebung irgendwie zu seiner Familie. Er hat vier Kinder (mehr möchte er auch nicht, wie er sagt) und 12 Geschwister/Halbgeschwister. Sein Vater hat wohl 13 Kinder mit 4 Frauen. Da kommt schon was an Familie zusammen.

Auf dem Rückweg Jay noch zu einem Bier als Danke für die Stadtführung in einem der zahlreichen Bars eingeladen, am Hafen noch einen Fisch (Garoupa/Rotbarsch) fürs Abendessen. Nach den zwei Nächten auf See kommt sehr schnell Müdigkeit auf und um 21 Uhr ist der Tag zu Ende.

Dienstag gegen Mittag kommt glücklicherweise nochmal Jay vorbei, ich hatte glatt vergessen, dass wir bis 13 Uhr ausklarieren müssen, da wir morgen weiter nach Dakar wollen. Da die Skipperin für die Fahrt dahin am Brot backen ist, mache ich mich allein auf den Weg. Jay setzt mich wieder am Hafen ab, so dass ich bei der Policia Maritima und der Immagration „Auf Wiedersehen“ sagen kann. Immigration will wieder 500 Escudos, ansonsten keine weiteren Kosten.

Zurück am Boot noch die Streckenplanung für die nächsten Etappen am Plotter eingeben, ein paar Kleinigkeiten hier und da und nachmittags geht es wieder an Land. Wir wollen noch in die Inselhauptstadt Espargos, frische Lebensmittel für die 3 bis 4 Tage, die wir bis Dakar benötigen werden. Mit dem Aluguer geht es flott in die Stadt, die nur rund 10 Autominuten entfernt ist. Einkäufe sind schnell erledigt, dann geht es wieder zurück.

Noch ein Bier in der Bar, in der der hießige TO-Stützpunktleiter Carlos häufiger anzutreffen wäre, ist aber heute nicht da. Danach bringt uns Jay wieder zurück zur Luna Mare.

Morgen bringt uns Jay noch frisch gewaschene Wäsche vorbei und nach dem Frühstück wollen wir Richtung Dakar ablegen. Nachdem wir rund 1 ½ Jahre, mit Ausnahme von Marokko, in Europa „rumgetrödelt“ sind, steuern wir nun doch Ziele an, die für uns, wie soll ich sagen, neu/fremd/exotisch?, auf alle Fälle interessant sind.

Und sofern es aus meinem Bericht nicht schon hervorging, Kapverden sind ein ganz tolles Ziel und wer von den Kanaren in die Karibik will, sollte auf alle Fälle den Weg über São Vicente planen und natürlich auf Santo Antão die für Leute ohne Kondition, wie wir, etwas beschwerliche, aber für alle großartige Wanderung vom Vulkankrater ins Ribeira do Paul machen. Und wer etwas mehr Zeit hat, eben noch mehr Inseln erkunden. Und ob ein Abstecher nach Senegal etc. Sinnmacht werden wir versuchen herauszufinden.

Schiffsbegegnung
Wir sind nicht alleine
Aluguer nach Espargos
Jay auf Geschäftsreise
Abendstimmung am Ankerplatz

Herrliches Kapverden

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São Vicente

Im Vorfeld hatten wir schon immer mal Warnungen gehört. Ist es nicht gefährlich dort. Vielleicht sogar Piraten. Aber überwiegend von Leuten, die noch nicht dort waren. Auch der Marco Polo verweist auf Kriminalität im Bereich Mindelo.

Bisher haben wir von den negativen Seiten (noch?) nicht viel mitbekommen. Es gibt einige Erwachsene und Kinder die betteln, aber sehr zurückhaltend und wenig aufdringlich. Anscheinend verfluchen die einen nur innerlich, sofern man ohne etwas zu geben an ihnen vorbeigeht.

Im Bereich des Hafenzugangs sind einige unterwegs, die ihre Dienste anbieten. So wie Biquda, dem wir unsere Wäsche anvertraut hatten, welche wir am selben Abend gewaschen, getrocknet und gebügelt zurück erhalten haben. Erstklassiger Service. Aber auch hier alle sehr unaufdringlich.

Wie eigentlich die Menschen hier überall sind. Zurückhaltend, aber nicht distanziert. Freundlich, aber ohne Überschwang. Alles in allem so, dass man sich stets wohl fühlt. Zudem gibt es in nahezu jedem Supermarkt, jeder Bank etc. mindestens einen von einem Sicherheitsdienst.

Mindelo selbst ist ein, wie ich finde, nettes kleines Städtchen. Gibt viele schöne Häuser, alles sehr sauber, Autoverkehr ohne Hektik, Zebrastreifen kann man gefahrlos benutzen. Gibt auch ein paar unfertige Häuser, einige die eher ungepflegt aussehen. Die prägen aber nicht das Stadtbild.

Die „Sehenswürdigkeiten“ sind überschaubar. Der Reiz liegt aber eher im „eintauchen“ in die Stadt und deren Atmosphäre. Supermärkte gibt es reichlich, einen schönen Gemüsemarkt und auch einen Fischmarkt. Fleisch haben wir bisher nicht gekauft, da wird hinsichtlich der nicht immer durchgängigen Kühlkette auch öfter mal vor gewarnt.

Der Fisch ist jedoch ganz ok, obwohl Kühlung auf dem Fischmarkt nicht vorhanden ist. Die liegen da offen rum, teilweise nur von einem Schwarm Fliegen, der sich darauf niederlässt, „geschützt“. Es gibt allerdings ein reichhaltiges Angebot und das zu guten Preisen.

Dazu gibt es viele kleine Restaurants, aber auch eher europäisch geprägte. Pizza sowieso, ansonsten natürlich Fischgerichte, Fleischgerichte und natürlich das Nationalgericht: Cachupa. Verhungern muss man nicht.

Santo Antão

Etliche Empfehlungen haben wir über den Besuch der Nachbarinsel Santo Antão erhalten. Die werden sich alle als richtig herausstellen.

Um 6 Uhr geht der Wecker, um 7 Uhr die Fähre von Mindelo nach Porto Novo. Zwischen den beiden Inseln weht eine heftige Düse, die die Müdigkeit schnell vertreibt. Bei Ankunft um kurz nach 8 erwartet uns eine Menge Leute freudig in Porto Novo, Taxifahrer und Fahrer der Sammeltaxis, Aluguer.

Ein „eigenes“ Taxi kostet so € 40 bis € 50. Das erste Angebot für ein Aluguer lautet auf € 20. Der nächste fordert € 15 und ist am Ende mit € 10 einverstanden. Mit den Aluguers muss man allerdings Geduld mitbringen. Die fahren erst wirklich los, sobald noch einige Passagiere hinzukommen. Und wir sind bisher die einzigen.

So geht es erst mal gemütlich durch den Ort, bevor wir pünktlich zur 9 Uhr Fähre wieder am Hafen sind. Mit dem Hinweis „Mais Passageiros“, also mehr Passagiere, verabschiedet sich der Fahrer um nochmal am Hafenausgang Touristen abzufangen. Kommt allerdings nach 10 Minuten erfolglos zurück. Dann nochmal eine Spazierfahrt durch den Ort, da steigen tatsächlich noch 3 Leute zu. Dann geht es los.

Eine tolle, wenn auch dank des Kopfsteinpflasters holprige Strecke führt hoch zum Krater. Dort steigen wir so kurz nach 10 Uhr aus, nehmen zuerst den falschen Weg, merken das glücklicherweise schnell und finden den richtigen ins Ribeira do Paul. Im Bereich des Kraters soll es etwas kühler sein, also waren wir darauf vorbereitet.

Allerdings geht es die erste Stunde hoch zum Kraterrand, was schon mal erwärmend bis schweißtreibend ist. Laut Marco Polo ist die Wanderung eine leichte, die uns über knapp 13 km in 4 h ins Tal direkt ans Meer führen soll. Leicht ist relativ. Nach dem Anstieg dachten wir, jetzt gemütlich nach unten. Der Eselspfad war aber steinig und relativ steil. So versuchten wir vorsichtigen Schrittes voranzukommen. Sagenhaft die Aussicht, sofern diese nicht durch Nebel beeinträchtigt ist.

Sehr schön zu sehen, wie hier die Passatwolken von den Bergen abgefangen werden und für reichlich Feuchtigkeit in der Gegend sorgen. Dadurch ist alles in einem satten Grün und sorgt für einen dichten Pflanzenwuchs. Zahlreiche Brotfruchtbäume, Bananenstauden, gewaltige Mangobäume und Kokospalmen gedeihen hier. Der Süden von Santo Antão ist übrigens genau das Gegenteil, sehr trocken und damit sehr bizarr.

Man glaubt gar nicht, wie anstrengend es den Berg hinab sein kann, sofern steil genug und der steinige Untergrund einen unsicheren Halt gibt. Jedenfalls anstrengend genug, so dass wir keine Jacke oder lange Hose benötigen. Nach knapp 5 km erreichen wir „Chez Sandro“, ein kleines nettes Restaurant mit Kunsthandwerk im Verkauf. Zwei Stunden haben wir bis hierher benötigt.

Hier ruhen wir uns kurz aus, aber trinken nur etwas, da laut Marco Polo einen Kilometer weiter ein empfehlenswertes Restaurant wäre. Das erreichen wir auch kurz später. Ein Ehepaar aus Österreich, unterstützt von zwei einheimischen Familien betreibt hier ein sehr uriges Restaurant mit eigenem Gemüseanbau, selbst gebackenem Brot und einer Destillerie für den hiesigen Zuckerrohrschnaps, Grogue genannt.

Hier gönnen wir uns eine Jause und nehmen so gut gestärkt (der Zuckerrohrschnaps ist übrigens sehr lecker) die 7 km bis zum Ziel in Angriff. Statt der im Marco Polo angegebenen 4 h haben wir inkl. Pause 6 h benötigt. Im Tal erwartet uns die über booking.com gebuchte Pension „Misurino“. Michele, ein Italiener, der seit 7 Jahren hier lebt, betreibt diese. Kleines Zimmer mit zwei Betten, Dusche, die sich zwei Zimmer teilen (das andere war aber unbewohnt) und ein gutes italienisches Frühstück. Das Ganze für € 22. Da kann man nicht meckern.

Abends noch in die Atelier-Bar, das Tagesgericht, gegrillter Thunfisch, ist sehr lecker. Und bei dem einen oder anderen Bier kann man den Tag nochmal Revue passieren lassen.

Und wie gesagt, leichte Wanderung ist relativ. Auch zwei Tage danach erinnert uns ein ordentlicher Muskelkater in den Beinen an den aber wirklich wunderschönen Ausflug. Die Bilder hier können die Schönheit der Natur leider nur eingeschränkt wieder geben.

Nach dem Frühstück im Misurino nehmen wir für € 2 einen Aluguer nach Ribeira Grande. Ein bisschen flanieren, aber wegen des Muskelkaters wirklich nur ein bisschen. Nach einem erfrischenden Getränk in einem kleinen Restaurant geht es mit dem Aluguer für € 8 wieder zurück zum Hafen (bei diesen, wie wir finden fairen Preisen, haben wir gar nicht versucht diese mittels Verhandeln weiter zu drücken), wo wir mit der Fähre um 16 Uhr wieder nach Mindelo übersetzen. Die Fähre kostet pro Person und Strecke € 8.

Afrika für Anfänger

Angekommen in Mindelo/CV

Am 11.10.2018 legen wir in Gran Tarajal ab, um nach rund 1000 sm und 10 Tagen/Nächten Mindelo zu erreichen. Luftlinie sind es eigentlich „nur“ 920 sm, da der Wind aber überwiegend direkt von hinten kommt, haben wir etwas vor dem Wind gekreuzt. Wollen ja nicht wieder Probleme mit dem Großbaum oder anderem bekommen.

Die 10 Tage sind im wesentlichen ereignislos und das ist gut so. Herrliche sternenklare Nächte mit einem Sternenhimmel, den man sich am Festland gar nicht vorstellen kann. Nur selten ist das Schaukeln des Bootes zu intensiv, klar, nie ganz ruhig, aber erträglich. Die Tage verlaufen gemütlich. Zum ersten Mal stellt sich bei einer mehrtägigen Fahrt eine Bordroutine ein, wie man es von Fahrtenseglern immer mal liest.

Die ersten zwei Tage kommen wir nur langsam voran, mit Wind unter 10 kn lässt es Luna Mare halt mal langsam angehen. Es steigert sich langsam. Etmal (= Strecke, die wir in 24h zurücklegen) 63 sm, dann 84 sm und am dritten Tag schon 94 sm. Dann 4 Tage mit etwas mehr als 100 sm, danach wieder knapp 100 sm. Das Etmal bezieht sich nicht auf die tatsächlich gesegelte Strecke, sondern auf den direkten Weg zum Ziel. Tatsächliches Etmal ist geringfügig höher, da wir vor dem Wind kreuzen.

Wir wechseln uns bezüglich der Wache alle 3 Stunden ab. Ich habe die Abendwache von 18 bis 21 Uhr, die von Mitternacht bis 3 Uhr und dann wieder von 6 bis 9 Uhr. Bei letzterer dann Frühstück im Cockpit, vorzugsweise bei Sonnenaufgang, der sich, je weiter wir nach Westen kommen, von ca. 7 Uhr auf nach 8 Uhr verschiebt.

Die Skipperin wird zum ersten Mal nicht Seekrank, die ganzen 10 Tage über!! Das sorgt natürlich dafür, dass der Appetit vorhanden ist. Also ist kochen angesagt. Etwas Akrobatik ist erforderlich, aber es geht ohne nennenswerte Probleme von statten. Selten, dass Essen oder Besteck durchs Boot fliegt, wobei so ein herumfliegendes scharfes Messer schon etwas Besorgnis erregend ist.

Die vor 1 1/2 Jahren noch in D gebunkerten Dosen werden langsam rostig, so gibt es nicht ganz so typisch lokale Gerichte: Hirschgulasch mit Nudeln, Rehgulasch mit Reis, Hirschgulasch mit Salzkartoffeln und andere Leckereien aus unserem Dosenvorrat. Verfeinert z.B. mit Sahne, Kreuzkümmel, Chilipfeffer, Paprikawürfel, Pepperoni, was halt noch so da ist. Salat und Gemüse halten sich ganz gut, einen Gurken/Lauchsalat können wir noch am 9. Tag zubereiten.

Auch Schlafen in den Freiwachen ist mittlerweile besser, also intensiver und erholsamer geworden. Liegt sicherlich auch daran, dass wir kein schweres Wetter haben und nicht hart am Wind segeln müssen. So genießen wir die Tage und Nächte . Gelegentlich begleiten uns Delfine, oder fliegende Fische unterhalten uns mit ihrer Flugshow.

Wir fangen auch rund ein Dutzend Fische! Einen an der Angel, alle anderen sind freiwillig an Deck gekommen. Alle tot. Die an Deck sind fliegende Fische mit falscher Flugbahn, der am Haken schwamm wohl schön länger Bauch oben. Jedenfalls ist der Haken nicht im Maul, sondern hat sich außen verhakt. Gut, ist schon mal eine Steigerung gegen unsere bisherigen Fangergebnisse, aber Lebendfang würden wir schon vorziehen.

Gefühlt kommt man in 110 von 100 Fällen während der Nacht am Ziel an. So auch hier. Um 23 Uhr sind wir 15 sm vor Mindelo. Also beidrehen, sind noch nicht so weit, nachts in unbekannte Marinas einzulaufen. Nach 4 Stunden sind es 19 sm, wir wurden also 4 sm zurück versetzt. Dann um 3 Uhr wieder Kurs Mindelo aufnehmen, wo wir Sonntag früh um kurz nach Sonnenaufgang ankommen. Unsere Uhr, die spanische 10 Uhr anzeigt, können wir um zwei Stunden zurückstellen (sind also jetzt bis Sommerzeitumstellung 3 h hinter D, ab dann 2 h).

Am Sonntag noch im Hafenbüro bezahlen. Immigration und Policia Maritima können erst am Montag aufgesucht werden. Stadt schon etwas erkundet. Gut das es Sonntag ist, da ist es hier noch sehr ruhig zum eingewöhnen.

Montag dann Einklarieren, geht völlig problemlos. 10 Minuten Fußweg von der Marina entfernt das Immigration Office (wollen nur Reisepass, Crewliste und 500 Escudos, also knapp € 5) und Policia Maritima (Reisepass und Schiffsdokument).

Vor der Marina freundliche Helfer. Biquda haben wir unsere Wäsche anvertraut. Seine Mutter übernimmt den Job. Biquda betreibt auch einen kleinen Straßenladen, wo man gefüllte Dieselkanister oder Angelsachen erwerben kann.

Heute am Montag ist es schon deutlich lebhafter in Mindelo. Haben schon mal auf den Märkten Fisch und reichlich Gemüse für das Abendessen besorgt. Man liest öfter mal, dass die Kapverden „Afrika für Anfänger“ sind. Gefühlsmäßig passt das wohl ganz gut.

Wir wollen bis Samstag bleiben, zwischendurch die Nachbarinsel Sao Antao mit der Fähre besuchen. Dort gibt es einen wohl herrlichen Wanderweg, vom Vulkankrater „Cova do Paul“ entlang dem ebenfalls nach mir benannten Weg „Ribeira do Paul“ runter zum Meer. Mehr dazu und über Mindelo die nächsten Tage.

Schiffsschaukel und Delfine.