Herrliches Kanada

Da ich nicht absehen kann, wie lange die Reparatur dauern wird, habe ich die Unterkunft nur für 6 Tage gebucht. Das war Unfug, denn das endet dann am Montag, dem Tag, an dem die Werft den Schaden ja erst inspizieren will.

Da klar ist, dass der Triducer ersetzt werden muss, habe ich die Werft gebeten, diesen doch bereits zu bestellen. Die tolle Unterkunft können wir glücklicherweise um zwei Tage verlängern.

Wie sich herausstellt reicht das aber nicht. Also neue Unterkunft via airbnb reservieren. Am Mittwoch den 30.09. dann Umzug ins neue Quartier, welches etwas zentraler zur Innenstadt von Campbell River liegt. Die Zeit zwischen Auszug aus der einen Wohnung und Einzug in die Neue verbringen wir in einem kleinen Park bei glücklicherweise schönem sonnigen Wetter.

Quartierwechsel

Auch in der neuen Unterkunft fühlen wir uns gleich wohl. Gebe wegen unserer Quarantäne noch bei Customs Bescheid, dass wir umgezogen sind und frage nach, wann die Quarantäne exakt endet. Der freundliche Herr am Telefon akzeptiert jetzt den 16. 09. als unsere Einreise nach Kanada (und damit unsere Ankunft in Prince Rupert, statt in Campbell River) und meint, nach der nächsten Nacht ist sie zu Ende.

Tolles Timing, den von der neuen Unterkunft aus haben wir fußläufig einen Supermarkt und fast vor der Tür die Bushaltestelle für die Fahrt ins Zentrum. Das nutzen wir am nächsten Tag gleich ausgiebig aus.

Wir lernen auch unsere Gastgeberin Tracy kennen. Eine überaus sympathische Person die wir und die uns sofort ins Herz schließt. Sie bietet uns auch gleich an, mit Ihr einen Ausflug zu unternehmen. Das nehmen wir natürlich gerne an.

Davor machen wir uns aber schon mal eigenständig zu einem kleinen Ausflug auf. Mit dem Bus zuerst bis zu dessen Endstation und von dort ca. 20 Minuten Fußweg, bis ein Wanderpfad entlang des Campbell Rivers zu den Elk Falls Wasserfällen führt. Landschaftlich wundervoll und ein imposanter Wasserfall. Von dort wieder zurück zur Bushaltestelle. Alles in allem 3 Stunden Wanderung bei wundervollem Wetter.

Die Werft kann leider noch nicht absehen, bis wann sie mit der Reparatur fertig sein wird. Die aktuelle Unterkunft haben wir für eine Woche, danach kommen neue Gäste. Also noch eine weitere Unterkunft für ein paar Tage reservieren. Diesmal eine, die wir relativ günstig stornieren könnten, falls wir früher zurück auf die „Luna Mare“ können.

Gegen Ende der Woche steht dann der Ausflug mit Tracy an. In Ihrem Dodge Ram 1500 geht es raus aus der Stadt an Seen und Wasserfällen entlang. Eine wirklich atemberaubende Landschaft. Unterwegs nehmen wir den einen oder anderen kurzen Wanderweg, der uns in traumhafte, der Natur überlassene Wälder führt. Ein herrlicher Tag mit unserer wundervollen Gastgeberin.

Am Tag des Auszugs bietet uns Tracy an, unser Gepäck in ihrem Pick up zu verstauen, sie würde es uns dann später zur neuen Unterkunft bringen. Zwischen Aus- und Einzug liegen ja immer ein paar Stunden.

Vorher, es ist Dienstag der 6. Oktober, der Anruf von der Werft. Alles ist fertig und in ca. 30 Minuten (9:30 Uhr) geht „Luna Mare“ zurück ins Wasser. Schauen dann noch, ab der Einbau funktioniert hat und alles dicht ist und danach können wir ablegen.

Das hört sich doch schon mal gut an. Die Weiterfahrt wollen wir in Tagesetappen machen, da wir ja jetzt vermutlich einen anderen kanadischen Aufenthaltsstatus haben. Damit sollte das möglich sein. Zwischenzeitlich haben wir erfahren, dass eine direkte Reise nach Bellingham nicht möglich ist, da wir zu einem „port of entry“ müssen. Unsere Freunde von der Dada Tux wussten das genauso wenig wie wir und haben dadurch, dass sie vor dem Einklarieren in US-Gewässern geankert haben, mächtig Ärger bekommen.

Der Transit durch Kanada gilt entgegen dem was wir dachten und wussten als Ausreise aus den USA (obwohl eine Einreise nach Kanada nicht möglich ist, außer bei einem Notfall) und damit handelt es sich bei der Ankunft in Washington um eine erneute Einreise. Ein Bußgeld von $ 5.000 wurde angedroht. Nach einigem Hin und Her blieb es bei einer offiziellen Verwarnung und die Einreise mit einem Aufenthalt für 180 Tage wurde genehmigt. Die von den beiden (wie ja auch von uns) beantragte Visaverlängerung also unnütz und $ 910 umsonst ausgegeben. Wir sind aber jetzt vorgewarnt.

Koffer sind gepackt. Noch schnell ein Anruf bei Customs. Wir können vermutlich morgen weiter. Was müssen wir beachten? Dürfen wir ankern? Ja, dürfen wir. Wie lange haben wir Zeit, bis wir die kanadischen Gewässer verlassen müssen?

Wir dürfen bleiben

Ah ja. Sie haben ja jetzt 14 Tage Quarantäne hinter sich gebracht? Ja. Als Deutsche benötigen Sie kein Visum. Na ja, sie können ab dem Einreisedatum 16. September für 6 Monate im Land bleiben. Ich traue meinen Ohren nicht. Tatsächlich? Ja. Müssen wir irgendwo vorstellig werden, wegen Reisepass, Stempel oder so? Nein, haben das alles bereits in unserem System.

Das ist ja eine völlig neue Situation. Spontan die Überlegung, da „Luna Mare“ an Land steht, vielleicht kann die Werft den Rumpf neu streichen. Schnell dort anrufen. Könnt ihr den Kranvorgang noch abbrechen? Ja, ist möglich.

Auf zur Werft um den neuen Plan zu besprechen. Dachte, so ein Sandstrahlen plus neuer Anstrich bei unserer 38 Fuß Yacht würde nicht mehr als € 5.000 kosten. Was ja für unsere Verhältnisse schon ein ordentlicher Betrag ist. Aber getäuscht. Ich erfahre, dass so ein Projekt bei knapp € 25.000 liegen wird. Nö, dass können wir uns auf keinen Fall leisten.

Doof. Krantermin abgesagt. Geht da heute noch was? Ja, so gegen 14 Uhr ist ein neuer Versuch machbar. Bis 15 Uhr kann ich die neue Unterkunft in die wir heute einziehen wollten noch relativ günstig stornieren. Also gleich mal gemacht. Tracy informiert, dass wir unsere Koffer nicht in der neuen Unterkunft, sondern an der Werft benötigen.

Krantermin findet statt, „Luna Mare“ ist wieder im Wasser. Die Überprüfung des Transducers im vorderen Bereich des Bootes ergibt: Leck vorhanden, Einbau nicht 100% geglückt. Während ich diese unangenehme Nachricht vernehme, vernehme ich auch den Start der Bilge Pumpe. Was ist da nun wieder los.

Ein Blick in den Motorraum zeigt an der Wellendichtung im Heckbereich des Bootes ein ordentliches Tröpfeln. Nein, nicht noch ein Leck.

Leider doch. Die Wellendichtung dichtet nicht mehr und muss ersetzt werden. „Luna Mare“ muss ja ohnehin raus, da ja der Transducer-Einbau noch nachgebessert werden muss. Es ist mittlerweile 16 Uhr, unsere Unterkunft storniert und an Land im Kran hängend an Bord zu sein missfällt mir.

Also für die Nacht ein Hotelzimmer gebucht und mit unseren Koffern, die uns Tracy mittlerweile gebracht hat, auf den Weg dahin gemacht. So geht ein frustrierender Tag zu Ende.

Wie machen wir jetzt weiter? Morgen sollte der Weiterfahrt dann ja eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Auf nach Washington? Boot im Wasser lassen und darauf leben geht dort leider nicht, also direkt an Land stellen, für den Transport im April 2021 vorbereiten und nach Hause fliegen? Nicht wissend, ob wir dann im April 2021 Coronabedingt zur „Luna Mare“ zurück können?

Jetzt, wo wir eine Alternative haben? In Kanada überwintern? Das wäre doch möglicherweise die bessere Option.

Am nächsten Tag klären wir mit der Discovery Marina ab, ob wir dort über den Winter bleiben können. Die junge Dame im Marinebüro meint, sie wisse das nicht, müsste geprüft werden, aber wir können schon mal am Besuchersteg anlegen. Preise haben wir im Vorfeld im Internet geprüft, sind ok.

Also zurück zur Werft. Leider stellt sich der Austausch der Wellendichtung als etwas schwieriger heraus als gedacht. Da der Motor wohl nicht mehr exakt saß, hat sich auch ein weiteres Teil der Anlage etwas unrund ausgeschliffen. Kann aber vorerst bleiben. Der Werftarbeiter richtet soweit möglich den Motor etwas aus, damit das Ganze wieder etwas runder läuft.

Die Nacht im Kran

So nähert sich der Abend und eine Rückkehr ins Wasser geht auch heute nicht mehr. Diesmal überwinde ich mich und wir verbringen die (hoffentlich) letzte Nacht an Land auf unserer „Luna Mare“. Wobei wir nicht wirklich an Land sind, sondern im Kran hängen. Läuft aber problemlos.

Wir haben vorausschauend den Wecker auf 7 Uhr gestellt, da die Werft um 8 Uhr die Arbeit aufnimmt.. Hat uns dann auch geweckt und wir diesen ausgestellt. Ach ja, nochmal umdrehen. Und prompt wieder eingeschlafen. Aber kurz vor 8 Uhr wach geworden und blitzschnell aufgestanden.

Paar Minuten später läuft der Motor des Krans auch schon an. Wir gehen an Land und „Luna Mare“ zurück ins Wasser. Diese Mal ist alles dicht.

Discovery Harbor Marina

Nochmal auf den Weg zur Discovery Harbor Marina gemacht. Heute ist der Hafenmeister anwesend und ja, er hat für den Winter einen Platz für uns. Die Marina macht insgesamt einen guten Eindruck und die Preise sind günstig. € 300 pro Monat inkl. unbegrenzt Wasser, Strom und Dusche. Waschmaschine und Trockner je € 2 pro Wasch-/Trockengang. Das tut unserem gestressten Budget gut.

Rund um die Marina gibt es zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten. Campbell River, ein Ort mit rund 35.000 Einwohnern hat etliche große Super- und Baumärkte. Je einen gleich um die Ecke der Marina. So nah, dass ich ab jetzt wieder jeden Morgen ein frisches Baguette fürs Frühstück besorgen kann. Die Preise sind im Vergleich zu Hawai’i und Alaska wieder im normalen Bereich. So werden wir locker den notwendigen Winterspeck anfuttern können.

Das Wetter ist durchwachsen, oftmals nasskalt. Aber es gibt auch immer mal wieder sonnige Tage, die zu einem Bummel ins Stadtzentrum oder entlang des Campbell River einladen. Nach all dem, was wir erfahren hatten, nachdem wir in Ketchikan nicht überwintern konnten und der damit verbundenen Abfahrt Richtung Washington, fühlt sich das jetzt richtig gut an. Irgendwie wie ein Happy End für dieses Jahr.

Campbell River
… mit viel Landschaft dahinter
Supermarkt
Baumarkt
Für Alkohol gibt es separate Läden. Dieser hat an 365 Tagen im Jahr von 9 bis 23 Uhr geöffnet. Passt.
Und auch gegen Winterdepression gibt es hier die passenden Mittel.

Kanada, ein Albtraum

Wie im letzten Blogeintrag erwähnt, geht es aber zuerst noch nach Anchorage. Die Boing 737 hebt in Wrangel ab, um neun Minuten später in Petersburg zu landen. Eine Stunde später geht es weiter nach Juneau, Flugzeit jetzt schon 20 Minuten. Und nach einer weiteren Stunde dann zum Ziel Anchorage. Flugzeit diesmal dann 1 Stunde 40 Minuten.

Wir treffen dort Richard, unserem jungen Segelfreund den wir vor Hawaii kennen gelernt haben, der uns zum Abendessen nach Hause einlädt, wo wir auch seine tollen Eltern und seine Schwester kennenlernen dürfen. Am darauffolgenden Dienstag geht es dann im Dodge Ram 1500 zu einem Ausflug in die Wildnis, bevor wir dann am Mittwoch den kurzen Termin für unsere Visum haben. Fingerabdrücke, Foto und schon waren wir fertig.

Donnerstag dann zurück nach Wrangell, von wo aus es dann zwei Tage später weiter nach Ketchikan geht. Dort hatten wir schon mal angefragt, ob sie einen Platz für den Winter hätten. Es gibt zwar größere Umbauarbeiten, aber sie können uns aufnehmen. Der Hafen ist geschützt, die Temperaturen moderat, so könnten wir Luna Mare hier lassen, falls wir im Laufe des Septembers nach Hause fliegen sollten.

Auf dem Weg nach Ketchikan ein Stopp in Meyers Chuck. Eine sehr schöne Bucht mit einer kleinen Siedlung, das heißt, es sind ein paar Häuser am Ufer verteilt. Es gibt aber einen Steg, so ist es einfach, hier für die Nacht fest zu machen.

Dann weiter nach Ketchikan. Wetter ist trübe und regnerisch, aber wir freuen uns auf den Ort, von dem wir viel Gutes erwarten. Festgemacht in der Marina und erst mal für eine Woche unser Bleiben angekündigt. Mal sehen, ob die Tage Nachrichten zu unserem Visa eintreffen.

Der Ort gefällt uns auf Anhieb sehr gut. Ab dem Folgetag reiht sich ein sonniger Tag an den anderen. Einkaufsmöglichkeiten sind gut erreichbar. Etwas weiter weg ist die Downtown. Diese ist sehr touristisch geprägt, da dort die Kreuzfahrtschiffe anlegen. Momentan deshalb tote Hose. Die meisten Läden, Schmuck und Souvenirs, sind dauerhaft geschlossen. Aber für einen Spaziergang hin und wieder bietet sie sich an.

Das schöne Wetter und die Tatsache das es uns hier recht gut gefällt, führt dazu, dass wir uns nach einer Woche entschließen, hier zu bleiben. Also auch für den Fall der Visaverlängerung erst im Frühjahr 2021 nach Washington zu segeln.

Auf zum Hafenbüro. „Schock“. Wir können die Zusage leider nicht mehr einhalten, bekommen wir zu hören. Bis Oktober maximal, weiter wissen wir noch nicht. Oktober ist ja nicht wirklich der Beste Zeitpunkt, um die rund 700 sm nach Washington anzugehen. Das Wetter ist noch einige Tage gut, das wollen wir nutzen. Also Tschüß. Wobei die Enttäuschung natürlich groß ist. Immer mal wieder frustrierend, wenn man auf Leute trifft, deren Wort nichts Wert ist.

Im Internet lesen wir, dass wir für die Passage durch Kanada nach Prince Rupert müssen. Dort müssen wir unseren Transit bei Customs anmelden, dann dürfen wir durch Kanada durch. Bei Bedarf ist Ankern erlaubt, auch das Anlanden für „essentiel supplies“, wozu z.B. Diesel zählt. Dann natürlich unter Einhaltung der Hygienevorschriften (Maske, Abstand).

Unterwegs ein Stopp in der schönen Foggy Bay bevor wir nach einem langen Schlag am Abend des Folgetages in Prince Rupert ankommen. Direkt zum Zollsteg und wie beschrieben mittels des dort angebrachten Telefon den Zoll informieren.

Die freundliche Dame am Telefon nimmt die Daten auf und eine gute halbe Stunde später erscheinen zwei Zollbeamte. Ob wir nach Kanada einreisen wollten? Das würden wir gerne, geht ja aber nicht, stattdessen wollen wir die Transitmöglichkeit nach Washington nutzen.

Nö, das geht auch nicht. Jetzt bin ich sprachlos. Alle Segler die wir kennen, und die diesen Weg genommen haben, wurde der Transit problemlos eingeräumt. Uns aber nicht? Verstehe ich nicht.

Nein, kein Transit möglich. Der „freundliche“ Zollbeamte bietet uns zwei wahrhaft tolle Möglichkeiten an. Zurück nach Alaska (wo wir aktuell keinen Liegeplatz für den Winter haben), oder weiter nach Washington, jedoch ohne Ankern, oder gar irgendwo für essentiel supplies anlegen zu dürfen.

Jetzt bin ich nicht nur sprachlos, auch mein Herz bleibt beinahe stehen. Nonstop durch die engen Passagen, egal ob Tag, Nacht, Nebel? Es gibt teilweise bis zu 10 kn Strömung und jede Menge teils riesige Baumstämme sind auf dem Wasser unterwegs. Würden wir jemanden sagen, dass das unser freiwilliger Plan ist, man würde zu Recht fragen, ob wir Selbstmord begehen wollen.

Hilft aber nichts. Wir müssen nach Washington. Die Sache bleibt surreal. Wir werden gefragt, ob wir eher auf offener See, oder die „Inside Passage“ nutzend reisen wollen. Ich sage „Inside Passage, weil sicherer“. Was Quatsch ist, siehe oben. Andererseits kann es weiter draußen stürmisch und äußerst ungemütlich werden. Wahl zwischen Pest und Cholera.

Und er sagt ja. Der weiß doch, dass das ohne Ankern eigentlich unmöglich ist? Was haben wir Kanada zu Leide getan, von dem wir nichts wissen. Mehrfach weißt er darauf hin, dass wir unterwegs keinesfalls anhalten oder Ankern dürfen. Vermutet er, der COVID-19 Virus von uns Deutschen ist besonders stark und kann übers Wasser laufen?

Zum Abschied erhält jeder von uns ein Stück Papier, auf dem steht, dass wir schleunigst in die USA ausreisen sollen und eine Gesichtsmaske! Müssen wir wohl nutzen, falls wir im Nebel eine Havarie erleiden und abgeborgen werden. Unglaublich.

Beim Ablegen zittere ich am ganzen Körper. Das war doch jetzt nicht wahr, oder? Das war bestimmt ein Albtraum.

Leider nicht. Da ich keine Ankermöglichkeit im Bereich Prince Rupert gefunden hatte, war unser ursprünglicher Plan, bis Lawson Harbor zu segeln und dort die Nacht zu verbringen. Wir entscheiden uns entgegen des Verbotes uns dorthin auf den Weg zu machen. Ankunft voraussichtlich Mitternacht.

Auf dem Weg raus aus Prince Rupert kommt uns die SY Soteria entgegen. Jess und James mit ihren beiden Töchtern kennen wir seit Hawaii. Wir tauschen uns über Funk aus und sie meinen, wir sollten auf alle Fälle umdrehen und mit Ihnen in der Pillsbury Cove vor Anker gehen. Auf Basis der übermittelten Koordinaten finde ich die Cove auf der Karte und ja, sieht passabel aus.

Wir schleichen uns in der Dämmerung in die Ankerbucht und fühlen uns dabei wie Kriminelle. SY Soteria kommt nach einer guten Stunde auch hier an und wir beratschlagen wie es weiter gehen soll. Sie schlagen vor, dass wir beisammen bleiben sollten. Das ist aber eher ein nett gemeinter Vorschlag, den die sind mit ihrer 60 Fuß Amel nahezu doppelt so schnell als wir.

James hat den letzen Wetterbericht ausgewertet. Außen wird ein Sturm mit 50 kn Wind erwartet. Also bleibt nur die „Inside Passge“. Mal schauen, ob das gut geht.

Die erste Herausforderung sind die Narrows im Grenville Channel. Strömungen mit bis über 8 kn. Das heißt, der richtige Zeitpunkt muss abgepasst werden.

Wir erreichen rechtzeitig mit der Tide Kumealon Inlet. Dort wollen wir die Nacht verbringen und am nächsten Morgen so aufbrechen, wie es uns Tidenkalender und Strömungstabelle nahe legen.

Wir erleben eine für unseren illegalen Lebenswandel ruhige Nacht. Alle Boote die vorbeifahren sind nicht von der Coast Guard, oder sonst wie offiziell, sondern Freizeit-, oder Fischerboote. Allerdings hat man im Vorfeld bereits berichtet, dass einen die gerne anzeigen um sicher zu gehen, dass keiner sich hier unerlaubt aufhält.

SY Soteria hält nicht an, sondern geht noch am selben Abend durch die Narrows. Mit ihrer größeren Geschwindgkeit erreichen sie diese noch bei passender Gezeit. Wir brechen am Folgetag auf und wollen bis Coghlan kommen. Wir haben dichten Nebel, aber wollen/müssen weiter. Mittels Radar funktioniert das aber gut und ich denke auch ausreichend sicher.

Gegen Mittag nehmen wir die Kurve, die zur langen Passage führt, in der sich auch die strömungsintensiven Narrows befinden. Kurz darauf geht es glücklicherweise raus aus dem Nebel, so dass wir die Engstelle wohl mit Sicht passieren werden können.

Von hinten ein deutlich zu vernehmendes Nebelhorn. Sehr vernünftig so vorsichtig unterwegs zu sein. Aus dem Nebel schält sich dann das dazugehörige Boot. Küstenwache. Wir sind aber ordnungsgemäß unterwegs, denke ich. Und sie passieren uns auch ohne uns sichtbar zur Kenntnis zu nehmen,

Es gibt die bei solchen Gegenheiten üblichen Verwirblungen im Wasser, ähnlich denen die man im Bereich der Englischen Kanalinseln antrifft. Aber wir kommen gut voran und durch die Engstelle. Erste Hürde geschafft, ich freue mich schon auf den Ankerplatz und das „Feierabendbier“.

Wir sind nicht sehr schnell, aber mit Sonnenuntergang so kurz vor 20 Uhr biegen wir ums Eck in die Coghlan Anchorage. Und du glaubst es nicht, wer ist da bereits? Die Küstenwache. Hat da festgemacht, wo wir hinwollen. Kann das möglich sein? Setzen die wirklich die Küstenwache dafür ein darauf zu achten, dass keiner Schutz in einer Ankerbucht sucht, dem das nicht erlaubt ist?

Erst später erfahre ich, nein, das tun sie nicht. Wir hätten wohl problemlos dort vor Anker gehen können. Abgesehen davon sitzt aber der Prince-Rupert-Schock noch tief, so drehen wir ab und nehmen Kurs zum nächsten Ankerplatz auf, der sich auf meiner sorgsam erstellten Wegpunktliste befindet.

Das würde uns aber in die nächste Passage führen. Nicht so eng und strömungsreich wie die letzte, aber meines Erachtens halt kritisch bei Dunkelheit. Ich schaue mir nochmal die Seekarte auf dem Plotter an und denke, wir könnten auch rausgehen. Wir sind bereits im Bereich des südlichen Endes der Hecate Strait, die als eher herausfordernd angesehen wird.

Neue Wegpunkte erstellt um zu sehen, wie die Strecke dahin aussieht. Sollte machbar sein. Kanada hat wie die USA einen laufenden Wetterbericht, den man mit seinem Bordfunkgerät hören kann; das dafür notwendige Handfunkgerät mit den USA und Kanadakanälen habe ich mir glücklicherweise in Hawaii angeschafft, den das europäische Modell, welches wir fest installiert haben, hat diese Kanäle nicht.

Das Wetter sollte passen, erst für in einigen Tagen ist der Wind mit Sturmstärke von 40 bis 50 kn vorhergesagt. Bis dahin sind wir auf alle Fälle hinter Vancouver Island, wo es auch wieder Ankerplätze gibt, sofern wir einen finden, den ich mich traue anzulaufen. Marion ist wie immer etwas pragmatischer und diesbezüglich deutlich weniger ängstlich als ich.

Nach zwei Nächten erreichen wir Morgens die Nordspitze von Vancouver Island. Laut Wetterbericht wird der zu erwartende Wind geringer, je weiter wir nach Süden kommen. Ich nutze die Zeit überwiegend um die Strömungen für die nächsten engen Passagen zu studieren, die uns auf dem Weg entlang Vancouver Island begleiten.

Es geht bereits wieder gegen Mitternacht, als Luna Mare beim Einbiegen in die Johnstone Strait plötzlich stehen bleibt, obwohl wir bis dato mit leichter Strömung mit uns unterwegs waren. Wir machen Fahrt durchs Wasser, aber nicht über Grund.

Habe ich doch tatsächlich eine Strömungstabelle übersehen. Aus der geht hervor, dass wir aktuell 5 kn Strom gegen uns haben. Da wir im Mittel 5 kn Fahrt machen, ergibt das halt in Summe Null. Also ein kurzes Stück zurück, Schreck verarbeiten und abwarten bis die Strömung kippt und weiter geht’s Richtung Seymour Narrows, das sind die mit den 10 kn Strömung. Wir müssen diese bis 15 Uhr, zum Stillwasser, erreichen.

Tun wir aber nicht, da wir vorher wieder eine Zeit lang Strömung gegen uns haben. Vor der Abbiegung in die Passage ist eine größere Wasserfläche. Wir stellen den Motor ab und lassen uns treiben. Schön am Plotter zu erkennen, wie wir uns erst vom Ziel entfernen und nach dem Kippen der Strömung diesem wieder näher kommen.

Die Ströungsgeschwindigkeit bei den Seymour Narrows geht innerhalb von 3 Stunden von 0 auf kanpp 10. Da muss man zum richtigen Zeitpunkt sein. Gegen 17 Uhr geht es weiter um nach meinen Berechnungen die Narrows bei einer Strömung von 5 bis 6 kn zu erreichen und die restliche Strecke raus auf die Strait of Georgia geschafft zu haben, bevor die Gegenströmung wieder einsetzt.

Die Berechnungen stimmen und je näher wir der Engstelle kommen, um so mehr Fahrt nehmen wir auf. Der Plotter zeigt zwischendurch mehr als 12 kn Fahrt über Grund an. Schon etwas unheimlich. Die Fahrt durch die Engstelle läuft trotz der starken Strömung äußerst problemlos. Hätten wir also auch eher starten und bei stärkerer Strömung durchgehen können?

Kurz nach der Engstelle eine Links-, gefolgt von einer Rechtskurve. Und hier geht die Post ab. Kurz vor der zur Engstelle hat uns ein Katamaran überholt, der jetzt vor uns ist und eine irgendwie komische Route wählt. Auch wir können unseren Kurs nicht ganz halten.

Die Luna Mare wird von den Strömungen und Strudeln beliebig hin und her geschoben, wir kommen aber gut durch. Der Katamaran, der eigentlich deutlich schneller ist als wir es sind, bleibt in etwa unveränderter Entfernung vor uns, wir achten aber mit zunehmender Dunkelheit nicht weiter darauf.

Wir nähern uns Cape Mudge, dem Ende der Discovery Passage und Eingang zur Strait of Georgia. Dann haben wir die engen Passagen hinter uns. Sofern der heranziehende Sturm nicht zu früh kommt, können wir übermorgen früh Bellingham erreichen.

Dann kommt der Katamaran doch wieder ins Spiel. Dieser wird von einer Fähre per Funk höflich gefragt, was deren Absicht ist und bis wann sie denken, der Fähre den Weg wieder frei zu geben. Der Katamaran meldet sich und berichtet über Motorprobleme und dass sie versuchen dort anzulegen. Ein Motorproblem in dem Gebiet kann leicht zur Katastrophe führen.

Mit einer unglaublichen Freundlichkeit meldet die Fähre: Ok, Sicherheit geht vor. Wir warten hier. Gebt uns bitte Bescheid, sobald ihr Sicher seid und wir damit unsere Fahrt fortsetzen können.

Allerdings steht die Fähre jetzt uns im Weg. Aber wir können ja ausweichen. Auf dem Plotter prüfe ich, ob die Tiefe für uns passt. Ja, mit 20 m kein Problem. Aber warum zeigt unser Tiefenmesser nichts an? Normalerweise schafft er bis zu 200 m Wassertiefe, bevor er keine Tiefe mehr anzeigen kann.

Dass er keine Fahrt durchs Wasser anzeigt hatte mich nicht sonderlich irritiert, da das Rädchen, welches diese misst, öfters mal blockiert ist. Aber ohne Tiefenangabe ist das schon blöd. Was könnte die Ursache sein?

Instinktiv ein Blick in die Bilge. Wieder Wasser drinnen. Kennen wir ja bereits. Nur waren wir zuletzt nicht in schwerer See unterwegs, es konnte also kein Wasser über den Ankerkasten, oder über Decksundichtigkeiten ins Boot gelangen.

Blick in das Bodenfach, in dem sich der Transducer (Kombigerät mit Geschwindigkeits- und Tiefenmesser) befindet. Abgesehen von einer kleinen Pfütze sieht der Bereich ok aus. Mehr Wasser staut sich dort aber nicht, da es weiter nach hinten in die zuvor erwähnte Bilge fließt.

Ich trockne den Bereich und sehe, wie am Übergang der Transducerbefestigung zum Boot Wasser reinkommt. Der nächste Albtraum? Es ist nicht sonderlich viel Wasser und die Bilgepumpe reicht aus, um es wieder nach draußen zu bringen. Aber was ist, falls sich das Leck vergrößert, oder der Transducer ganz rausbricht?

Anfangs noch unschlüssig, ob wir das Risiko in Kauf nehmen, kommen wir dann doch zu der Überzeugung, dass das äußerst fahrlässig wäre. Die Chance, dass es gut geht ist meiner Einschätzung nach nicht gering. Aber es stehen uns noch zwei Nächte etwas weiter weg vom Land bevor und der Wind soll deutlich zunehmen.

Was nun. Anlanden dürfen wir eigentlich nicht und wir wissen eh nicht, wohin. Also rufe ich die Küstenwache an. Ohne „Pan Pan“, weil alles noch ok ist. Nur ein „Canadian Coast Guard for Luna Mare“. Leider ist die Verbindung ziemlich mies. Erst verstehe ich, wir sollen die Discovery Marina anlaufen, dann hört es sich eher so an, als sollten wir die Ankunft der Coast Guard abwarten.

Hier kommt die Fähre wieder ins Spiel. Die hat wohl die bessere Funke und hört Victoria Coast Guard deutlich besser als wir. So schaltet die sich in den Funkverkehr dazwischen und vermittelt zwischen Victoria Coast Guard und uns.

Wir übermitteln, dass wir geringen Wassereinbruch haben. Wir können das eindringende Wasser problemlos nach draußen befördern, halten es aber für zu riskant die verbleibenden 140 sm anzugehen. Was sie uns raten würden.

Nachdem geklärt ist, dass wir in keiner unmittelbaren Gefahr sind sagt man uns, man schickt jemand vorbei. Ok, wir warten.

Als wir bereits in einiger Entfernung ein Boot näher kommen sehen, plötzlich ein Hubschrauber über uns. Dieser erhellt die Luna Mare mit seinen Suchscheinwerfern und macht einen Höllenlärm so knapp über uns. Haben die mich missverstanden und meinen wir sinken bereits?

Kurz darauf das Boot der Coast Guard. Sehr freundlich und hilfsbereit schlägt man uns vor, uns den Weg in die Discovery Marina zu zeigen. Wir also hinterher. Ich frage nach, warum der Hubschrauber im Einsatz ist. Sie meinten, der war vermutlich eh in der Luft und hat sicherheitshalber mal vorbei geschaut.

Man weist uns einen Platz am Dock der Tankstelle zu, wo wir die Nacht verbringen können um uns am nächsten Morgen mit der Werft zur Schadensbehebung in Verbindung zu setzen.

Machen wir dann auch gleich morgens um 8 Uhr. Sehr freundliches Gespräch mit der Werft. Aber natürlich in den COVID-19 Zeiten alles nicht so einfach. Der Sicherheitsbeauftragte der Werft informiert uns, dass Luna Mare zuerst 72 Stunden in Quarantäne muss, bevor sie von einem Werftmitarbeiter betreten werden kann.

Aber bevor irgendetwas überhaupt starten kann, müssen wir erst die Zustimmung von Customs erhalten. Sonst geht gar nichts. Nach der schlechten Erfahrung von Prince Ruppert war ich schon auf das schlimmste gefasst. Aber eine sehr freundliche und hilfsbereite Dame half uns auf unglaublich tolle Art und Weise.

Nach einigen Fragen und Belehrungen hinsichtlich COVID-19 klärte sie das weitere Vorgehen intern und mit der Werft ab. Gegen 10 Uhr dann der Rückruf.

Wir haben zwei Möglichkeiten (nein, wie vor ein paar Tagen in Prince Ruppert die Wahl zwischen Pest und Cholera?):

1. Sofern ihr meint ihr könnt es risikieren, Weiterfahrt nach Washington (oh je).

2. „Und die zweite Möglichkeit, und ich hoffe sehr, Sie nehmen diese wahr, den Schaden hier beheben zu lassen“.

Da fällt mir ein Stein vom Herzen und mein Kanadabild entspricht wieder mehr dem, welches ich vorher hatte: ein tolles Land mit tollen Leuten.

Sie hat auch bereits einen detaillierten Plan entwickelt.

– das Boot geht heute noch an Land, wo es in einem Bereich der Werft zuerst für 72 Stunden abgestellt wird.

– Da danach Wochenende ist, wird der Schaden Montag früh nach der Außen Ansicht im Innenbereich begutachtet.

– Wir müssen für 14 Tage bzw. bis zur Weiterfahrt in Quarantäne. Dafür sollen wir uns eine Unterkunft suchen, wobei sie uns zwei Empfehlungen mit auf den Weg gibt.

– Wir haben bis 15 Uhr Zeit uns ein Hotel zu suchen und die für die Quarantäne notwendigen Sachen zu packen. Danach müssen wir von Bord gehen.

Noch ein paar Telefonate mit der Werft für weitere Details über die weitere Vorgehensweise. Zwischendurch kommen zwei Beamte von Customs vorbei und klären uns nochmal über die Regeln hinsichtlich COVID-19 auf.

So gegen 10 Uhr finde ich eine tolle Bleibe für uns. Über airbnb eine kleine Wohnung in einem Haus, dessen oberes Stockwerk von den Besitzern bewohnt wird. Mit Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Bad. Das erscheint uns deutlich angenehmer als ein Hotelzimmer. Zumal wir noch reichlich Proviant im Kühlschrank haben, den wir dort dann nutzen könnten.

Nach etwas Aufregung und hin und her erhalten wir kurz vor 15 Uhr die Zusage. Nun schleunigst mit unseren gepackten Koffern an Land. Bootsschlüssel an die Werft übergeben und im Taxi los zur Unterkunft. Stellte sich dann heraus, dass diese nicht wie irgendwie fälschlicherweise von mir mit Google Maps berechnet 5 Minuten von der Werft entfernt ist, sondern eine halbe Stunde.

So sieht Luna Mare jetzt aus. Deutlich zu sehen, wie der Transducer beschädigt wurde.

So sah sie übrigens vor gut 3 Jahren vor unserer Abfahrt aus.

Anyway. Jetzt sind wir hier. Die Unterkunft ist in der Tat sehr toll. Mit Blick aufs Meer, damit sich keine Entzugserscheinungen einstellen. Wer mag, kann sie sich hier anschauen: Salish Seaside Guest Suite.

Die letzte Nacht haben wir wie zu Erwarten sehr gut geschlafen. Die Aufregung der letzten Tage legte sich etwas und wir waren ohnehin hundemüde.

Heute Vormittag ein kurzes Gespräch mit dem Hausherren, der uns zeigt, wie man den Gasofen einschaltet. Dabei erzählt er uns, dass hier gestern einiges los war. Die Coast Guard war unterwegs und ein Rettungshubschrauber hat den Himmel erleuchtet. Vermutlich eine größere Havarie, wahrscheinlich jemand auf Grund gelaufen.

Nö, das waren wir. Mit einem kleinen Leck an Bord, die Küstenwache fragend, wo wir hin sollen.

Und wir sind von dem ganzen Schrecken abgesehen begeistert von dem Ort hier. Unglaublich freundlich und hilfsbereit. Küstenwache, Customs, Werft und unsere Vermieter der Unterkunft. Ausnahmslos unheimlich tolle Menschen.

Südostalaska

Auch wenn nicht alles toll ist auf unserer Reise, Alaska ist es bisher. Elfin Cove, ein ganz besonderer Ort. Keine Straßen, nur Holzstege die entlang der paar Häuser und der Urlaubsressorts führen. Neben Touristen finden sich auch zahlreiche Fischer während der Sommermonate hier ein. Während der Wintermonate sind noch rund ein Dutzend Leute hier. Angeblich mit Alkoholkonsum von morgens bis abends beschäftigt. Ein Wahlspruch von Elfin Cove lautet angeblich: „A drinking town with a fishing problem“.

Momentan dürfen die Fischer nicht ihrem Beruf nachgehen. Die Behörden wollen den Fischbestand in Ruhe zählen, wofür sie eine Woche die Berufsfischerei eingestellt haben. Die Fischer nehmen das gelassen, den im Grunde sind sie froh, dass auf Nachhaltigkeit geachtet wird. Schließlich wollen insbesondere die jüngeren unter ihnen auch in 10 Jahren noch von ihrem Beruf leben können.

Ab jetzt geht es in der „Inside Passage“ weiter. Das schöne daran, die Strecken sind im allgemeinen durch Berge vom Wind geschützt und der Seegang ist deutlich geringer als draußen auf der offenen See. Nachteil, man muss mangels Wind fast ausschließlich motoren und man sollte die teils starke Strömung beachten, da das Vorwärtskommen bei 5 kn Gegenströmung bei Null liegt.

Es gibt ausreichend Buchten mit Ankerplätzen, oder kleinere Ort mit Stegen, so dass wir in Tagesetappen reisen können. Orte hier in Südostalaska haben im allgemeinen keine Straßenanbindung, sind also nur per Flugzeug, oder Schiff erreichbar. Darunter auch die Hauptstadt Juneau. Die Ecke ist eine ebenfalls bei Kreuzfahrtschiffen sehr beliebte, durch COVID-19 sind aber aktuell keine unterwegs. Und auch ansonsten ist es ausgesprochen ruhig hier. Kaum mal ein anderes Boot in einer Ankerbucht, höchstens mal das eine oder andere Fischerboot, nachdem die Fischerei wieder freigegeben ist.

Und Walen begegnen wir immer mal wieder.

Nach 4 Tagesetappen erreichen wir die „Baranof Warm Springs“, bekannt wie der Name schon sagt, für seine heißen Quellen. Ein kurzer Weg den Berg zum Wasserfall hoch und schon ist man an einem der natürlichen Becken. Müsste eigentlich „Hot Springs“ heißen, so heiß ist das Wasser. Es wird empfohlen, mit einem langen Holzstock „umzurühren“, das würde zu angenehmeren Temperaturen führen.

Wir entschließen uns aber, das örtliche „Badehaus“ zu nutzen. Drei kleine Räume mit jeweils einer Badewanne, mit großem Fenster zur Vorderseite, so dass man einen tollen Ausblick hat. Hier gibt es auch kaltes Wasser zum dazu mischen, so dass man seine Wohlfühlwassertemperatur einstellen kann. Herrlich.

4 Tage später erreichen wir dann Petersburg. Petersburg liegt am Eingang der „Wrangell Narrows“. Eine relativ enge Durchfahrt zwischen Mikof Island und Kupreanof Island. Der eher direkte Weg via Dry Strait ist wegen seiner Untiefen nicht für uns nutzbar. Das besondere an den Narrows ist, dass die Gezeit von beiden Seiten rein, bzw. rausläuft. Deshalb muss man das so planen, dass man mit der Flut reingeht, bei Hochwasser den „Green Point“ erreicht, wo sich die Gezeit trifft, um dann mit ablaufendem Wasser auf der anderen Seite rauszugehen.

Hat hervorragend geklappt, weshalb wir uns jetzt in Wrangell befinden. Wrangell liegt auf der gleichnamigen Wrangell Island und ist wie eben viele Orte hier nur per Flugzeug und Schiff zu erreichen. Angeflogen wird der Ort täglich von einer 737, die ab Seattle bis Anchorage die Orte „abklappert“. Starten, nach kurzem Flug am nächsten Ort landen, aus- und einsteigen, weiter geht’s.

Anchorage, die größte und wohl auch bekannteste Stadt Alaskas, haben wir bisher nicht in der Reiseplanung. Jetzt aber doch. Um eine Visumsverlängerung zu erhalten, muss man für die biometrischen Daten eben dorthin. So können wir morgen (Montag 31.08.) mal sehen, wie das mit dem Starten und Landen der 737 so geht. Wir bleiben für 3 Tage dort. Etwas den Ort und die Umgebung ansehen und unseren Segelfreund Richard wieder treffen. Der ist gebürtiger Alaskaner, wohnt dort und hat uns freundlicherweise gleich für Montag zum Abendessen eingeladen.

Und danach wissen wir hoffentlich, ob unser Visum wie gewünscht verlängert wird.

Bei Verlängerung geht es weiter durch Kanada (Transit ist unter Beachtung einiger Dinge erlaubt, Einreise ja leider nicht) nach Washington. Momentan schauen wir uns nach einer passenden Marina für die Überwinterung um. Nähe von Seattle wäre aktuell mein Favorit, aber mal sehen. Und sofern wir unseren Plan nicht mal wieder ändern, geht Luna Mare dann Ende April/Anfang Mai 2021 auf dem Landweg an die Ostküste und wir segeln dann im Mai 2021 über die Azoren zu den Kanaren.

Falls es keine Verlängerung gibt, müssen wir Luna Mare hier in Südostalaska zurück lassen und Mitte September nach Hause fliegen. Wäre natürlich toll, endlich Familie wieder zu sehen. Würden momentan aber nicht wissen, wann wir wegen der COVID-19 Reisebeschränkungen wieder hierher zurück könnten. Und für den Landtransport müssten wir dann im März/April den Weg durch Kanada nach Washington antreten. Müsste dann noch raus finden, ob das eine dafür passende Reisezeit ist.

So kann es nicht weiter gehen.

Vor uns liegen 350 sm vom Prince William Sound zur Elfin Cove, dem Eingang zur „Inside Passage“. Diese führt entlang Südostalaska über Britisch Columbia (Kanada) bis zum Bundesstaat Washington mit Zielorten wie Seattle, Bellingham, oder Anacortes, das auf Grund der zahlreichen Marinas, dem Schiffszubehörhandel und anderer maritimer Einrichtungen auch „Boating Capitol of the Northwest“ genannt wird.

Der Plan zu diesem Zeitpunkt ist, Wrangell oder Ketchikan als Platz für den Winter zu nutzen. Diese beiden Orte befinden sich in Südostalaska, kurz vor der Grenze zu Kanada. Dort ist das Klima für diese Breiten relativ mild, die Wassertemperatur sinkt den ganzen Winter über angeblich nicht unter 10 Grad. Sollte Kanada seine Grenzen, die nunmehr seit März geschlossen sind, nach der aktuell gültigen Verlängerung Ende August öffnen, wäre auch Viktoria eine gute Option für den Winter. Von dort wären es dann 700 sm bis San Francisco.

Die „Inside Passage“ selbst ist überwiegend durch Berge vom offenen Meer abgeschirmt, so dass es dort meist windstill ist, es also auch keine nennenswerten Wellen gibt. Einige Teilstrecken sind etwas offener zum Pazifik, aber da kann man ja auf gutes Wetter warten. Laut Revierführer kann man die gesamte Strecke überwiegend in Tagesetappen absolvieren. Nachtfahrten wären in dem Bereich mit einigen Engstellen durchaus eine Herausforderung.

Zu beachten ist allerdings die teils kräftige Strömung bei engeren Stellen zwischen den Inseln. Die kann im Extremfall bis zu 10 kn betragen. Da wir die Tidendaten haben, sollte das aber machbar sein.

Der Wetterbericht für die Überfahrt zur Elfin Cove ist für die nächste Zeit leider nicht sehr vielversprechend. Entweder reichlich Wind aus Südost (da wo wir hin wollwn), oder kein Wind. Also volltanken, so dass wir bei Bedarf die komplette Strecke unter Motor zurücklegen könnten. Keine schöne Vorstellung.

Cordova liegt eigentlich günstig mit direktem Zugang zum Golf von Alaska, dieser ist aber zu flach um von uns Revierfremden befahren zu werden. Also geht es am 30. Juli los über die „Double Bay“ zur „Garden Cove“. Zwei Buchten, die uns zwei schöne Tage vor Anker bieten. Und damit sind es dann 50 sm weniger, als wenn wir nonstop von Cordova aus segeln

In der Garden Cove haben wir Besuch von Seelöwen erhalten.

Gleich am nächsten Tag wollen wir starten. Gemäß Wetterbericht segeln wir mit reichlich Ostwind zuerst Richtung Süden und können dann nach rund 50 sm den Weg nach Osten einschlagen. Dann soll auch der Wind deutlich nachlassen, so dass wir bei Bedarf unter Motor zum Ziel kommen können. In vier Tagen sollte das zu schaffen sein. So unsere Überlegung.

01. August:

Um 8 Uhr geht der Anker hoch. Es hat schon kräftig aufgefrischt und unsere Ankerbucht und die Buchten auf dem Weg zur offenen See sind für ihre „Williwaws“, den hiesigen Fallwinden mit bis zu 60 kn, bekannt. In der „Garden Cove“ erreicht der Wind schon mal 30 kn, was das Einholen des Ankers etwas erschwert. Aber dann ist er geborgen und los geht es.

Aus den zwei Buchten die wir passieren, erreicht uns Wind mit bis zu 45 kn. Das Wasser sieht dort aus, als würde es dampfen. Wir kommen aber gut da durch und erreichen die offene See um Segel zu setzen. Mit gerefften Segeln geht es bei gut 20 kn Wind auf Amwindkurd (Wind von schräg vorne) Richtung Süden.

02. August

Es geht unter Segel ziemlich ruppig durch die erste Nacht. Die erste Nacht ist ohnehin hinsichtlich Schlaf schwierig, da der Rhythmus zwischen Wache und Schlafen noch fehlt, wird aber durch die heftigen Wellen noch unangenehmer.

Um 6 Uhr starten wir den Motor, da wir bei dem jetzt nachlassenden Wind Richtung Südwesten statt nach Südosten segeln und uns damit immer weiter vom Ziel entfernen. Bereits drei Stunden später dreht der Wind und wir können mit etwas mehr Wind von der Steuerbordseite wiederum unter Segel Zielkurs anlegen. Phantastisch.

Aber nur für weniger als eine halbe Stunde. Dann dreht der Wind zurück auf Südost und wir sind jetzt Richtung Norden unterwegs. Also in die Richtung aus der wir gekommen sind.

9 Stunden später haben wir auf diese Weise 28 sm gutgemacht, sind dabei dem Ziel aber nur um 12 sm näher gekommen. So geht um 18 Uhr bei mäßigerem Wind der Motor wieder an.

Seit der Erstwässerung der Luna Mare vor 4 Jahren haben wir das Problem mit Wasser im Boot. Unterschiedlichster Natur. Bei der Erstwässerung fehlte ein Fettnippel an der Ruderanlage, so dass Wasser eindrang und dazu führte, dass das Boot umgehend wieder an Land musste.

Später waren die Fenster undicht, ich hatte mal vergessen, einen Borddurchbruch abzusichern, ein Trinkwassertank hatte ein Leck. Konnten wir alles korrigieren.

Problem wurde aber der Übergang des Kunststoffdecks zum Metallrumpf. Hier hatten wir schon etliche Abdichtversuche unternommen, alle halfen aber nur sehr temporär. Zuletzt hatten wir ein Aluklebeband verwendet mit dem guten Gefühl, dass jetzt alles dicht ist.

Ist es aber nicht. Es kommt immer dann, wenn es Wasser auf das Deck schafft (was bei Amwindkursen halt fast immer der Fall ist) etwas davon vom Vordeckbereich ins Boot und versammelt sich in der Bilge im mittleren Bereich, dem Bereich der Pantry.

Unangenehm, aber man muss halt hin und wieder die Bilgenpumpe in Betrieb setzen. Und demnächst einen neuen Abdichtversuch starten. Allerdings keine Ahnung, was da wirkungsvoll helfen könnte.

03. August:

Als ich um Mitternacht meine Wache antrete sieht der Wind wieder passender aus. Also Motor wieder aus und Segel gesetzt.

Aber bereits beim Wachwechsel um 3 Uhr passen Windrichtung und -stärke wiederum nicht und der Motor geht wieder an. Und dieser läuft für den Rest des Tages und die ganze kommende Nacht.

Und der neue Wetterbericht verspricht nichts gutes. Statt wenig bis kein Wind, wie bei unserer Abfahrt vorhergesagt, sollen es jetzt 27 kn, in Böen 36 kn werden. Aus der Richtung, in die wir wollen.

Die Isobarendarstellung zeigt jedoch, dass es ein wenig nördlicher nur 14 kn, in Böen 29 kn, sein sollen. Unter Motor sollten wir dort zeitig hinkommen, unter Segel könnten wir nur direkt nach Norden und früher oder später zu nah an die Küste, die stark nebelgefährdet ist. Also nunmehr Richtung Nordost statt Südost, um dem stärkeren Wind auszuweichen.

Wir schaffen es dahin, der Wind größtenteils aber auch. So zeigt unser Windmesser im Mittel so 25 kn an, die bei Böen schon mal die 30 überschreiten.

04. August:

So geht es bei gut 20 kn Wind unter Motor in den 4. Tag. Wind und Welle führen dazu, dass wir unter Motor nur mehr mit rund 2 kn vorankommen. Da ist der Diesel alle, bevor wir ankommen.

Um 9 Uhr dreht der Wind erfreulicherweise mal wieder. So können wir wieder Kurs „Elfin Cove“ nehmen und die Segel setzen. Bei dem Wind natürlich gerefft. Der Kurs passt nicht ganz, wir kommen aber mit 3 bis 4 kn voran. Selbstverständlich Amwindkurs.

Wiederum nur kurz, bis Mittag. Nicht weil der Wind es sich wieder anders überlegt hat, sondern weil die Bilge voll Wasser ist. Durch den Amwindkurs und die Schräglage kommt jede Menge Wasser aufs Deck und, so scheint es, immer mehr davon ins Boot.

Wenn man einen Topf mit Wasser schräg hält, läuft auf der einen Seite das Wasser über, wo hingehend auf der anderen der Boden frei ist. So auch bei unserer Bilge auf Grund der starken Seelage die durch den Amwindkurs unter Segel entsteht. Hat den unangenehmen Effekt, dass die Bilgenpumpe auf der einen Seite Luft saugt, also nicht abpumpen kann, währenddessen das Wasser auf der anderen Seite aus der Bilge ins Boot läuft.

Da hilft nur Beidrehen. Zum einen kommt dann kaum noch Wasser aufs Deck und damit ins Boot und mit der Bilgenpumpe können wir zumindest die Bilge wieder leeren. Rest muss so aufgewischt werden.

Danach haben wir beigedreht viel Zeit, die Situation zu reflektieren. Eines ist schnell klar, so können wir unsere Reise nicht fortsetzen. Nach unserer Pazifikrunde werden wir uns ja wieder am Startpunkt in die Südsee befinden, entweder San Diego, oder Mexiko. Dann liegt der Pazifik in seiner ganzen Breite vor uns, der (teils wettermäßig unfreundliche) Indische Ozean, bevor es den Atlantik von Südafrika aus wieder hoch geht.

Für diese Strecken benötigen wir ein dichtes Deck. Aber wie dicht bekommen. Bisher sind alle Versuche gescheitert und wir verlieren die Hoffnung, einen erfolgreichen Weg zu finden. Das Kunststoffdeck liegt ja auf einer am Rumpf angebrachten Metallplatte. Die Verbindung wird nie 100% ok sein, da sich das Deck bewegt bzw. vibriert, während das Metall die Ruhe weg hat.

Wir dachten, Sikaflex wäre flexibel genug, um diese Bewegungen auszugleichen. Dann das Alu-Klebeband. Hat alles nichts geholfen.

Dazu kommt ja auch noch die Covid-19 Situation. Machen die Grenzen auf? Falls ja, wann? Und auch wenn sie offen sind. Die einsamen Gegenden in der Südsee sind ja das reizvolle, aber haben die Einwohner dort nicht zu Recht Angst, dass die Segler das Virus mitbringen?

Unsere Familie haben wir seit knapp einem Jahr nicht mehr gesehen und es ist nicht absehbar, wann sich das ändern wird. Besuche auf der Luna Mare, wie ursprünglich für Kanada geplant, sind vorerst nicht möglich. Wenn wir nach Deutschland fliegen, kommen wir aktuell nicht mehr zurück.

Also neuer Plan. Sobald wir „Elfin Cove“ erreicht haben, in möglichst Tagesetappen möglichst gemütlich die „Inside Passage“ bis zum Bundesstaat Washington. Die Gefahr, dass auf dieser Strecke Wasser aufs Deck / ins Boot kommt ist je eher gering.

Von dort per LKW die Luna Mare von der West- zur Ostküste transportieren lassen. Und dann im Mai 2021 von Rhode Island aus über die Azoren nach Lanzarote. Auf Grund der vorherrschenden Westwinde sollte die Strecke auch mit dem derzeitigen Zustand der Luna Mare möglich sein. Und vielleicht können wir ja noch etwas abdichten.

Keine leichte Entscheidung, aber Lanzarote hat uns sehr gut gefallen und war als „Altersruhesitz“ an Bord der Luna Mare ohnehin eine Idee. Wir haben ausreichend Zeit, alles in Ordnung zu bringen und sofern wir eine vernünftige Lösung für das Deck finden, steht uns ja eigentlich alles wieder offen.

Kanaren, Mittelmeer, Karibik. Und der Startpu in die Südsee (Panama) wäre innerhalb von zwei Monaten erreichbar. Falls sich die Covid-19 Lage verbessert und wir dann noch Lust darauf haben sollten.

05. August:

Wir bleiben beigedreht um auf weniger Wind zu warten. Entweder aus passender Richtung, so dass wir mit Wind von querab, oder achterlicher als querab „trocken“ segeln können (eher unwahrscheinlich), oder aber unter Motor vorankommen können.

Um 12 Uhr haben wir den 4. Tag auf See verbracht. So lange, wie wir für die 350 sm brauchen wollten. Beigedreht hat uns der Wind und die Strömung in den letzten 24 Stunden um 22 sm vom Ziel entfernt. So haben wir nach vier Tagen nur 150 sm geschafft, haben also immer noch 200 sm vor uns.

Der Wind lässt aber nach und auch die Wellen werden etwas weniger ruppig. So können wir den Motor starten und mit anfänglich 3 kn loslegen. Stunde um Stunde wird die See ruhiger und wir etwas schneller.

Der Wetterbericht von heute morgen sagt bis morgen Nachmittag Wind von max. 10 kn voraus. Dann für 9 Stunden 11 bis 16, danach für 12 Stunden runter auf 4 kn (mit Böen bis 21 kn!?!), dann wieder etwas über 10 kn. Verrücktes Wetter haben die hier im Golf von Alaska. Müsste aber passen.

Sofern wir im Schnitt 3,5 kn schaffen, kommen wir am 07. August um 21 Uhr an. Da ist es noch hell. Ach das würde passen. Da kann jetzt eigentlich nicht mehr viel passieren.

Zur jetzt guten Stimmung, dass der Rest der Strecke ja überschaubar wird was das Vorankommen angeht, gesellt sich auch zunehmend die Sonne und erwärmt uns.

06. August:

Der Tag beginnt mit herrlichem Sonnenschein. Wir machen mittlerweile sogar etwas mehr als 4 kn Fahrt. Die zurückgelegte Strecke seit dem Start des Motors gestern Mittag bis zum heutigen Mittag beträgt 108 sm. Es bleiben also nur noch knapp 100. Die sollten wir spielend bis morgen nachmittag schaffen.

Die Wettervorhersage von heute morgen bestätigt das. Max. 12 kn, in Böen 18 kn heute, morgen dann weniger als 10 kn, allerdings mit Böen bis über 20 kn. Aber Böen kommen und gehen. Außerdem soll der Wind dann nach Südwest gedreht haben, so dass wir ihn nicht mehr direkt auf die Nase haben, sondern dieser uns vielleicht sogar ein wenig schiebt. Wär doch gut.

Da die letzten Tage ja doch etwas nervig waren, tut der Sonnenschein, der bis zum Abend anhält, jetzt so richtig gut. Wir machen uns für den morgigen Landfall schon mal schick. Duschen (ich traue mich das sogar im Cockpit im Freien), ich stutze meinen Bart, wir ziehen frische Sachen an.

So herrlich kann Segeln sein, in diesem Fall sogar unter Motor. Die Küste am Golf entlang ist phänomenal. Direkt aus dem Wasser ragen schneebedeckte Berge bis 4.000 m in die Höhe. Leider meist Wolken, oder Nebelverhangen und damit selten zu sehen und aus rund 50 km Entfernung schwer zu fotografieren. Muss man halt einfach selber erleben ;-).

Tja und mal wieder kommt es anders als erwartet. Der Wind geht am Abend auf 20kn bis 30 kn hoch. Aus Südost. Um Wasser im Boot zu vermeiden heißt es wieder beidrehen. 74 sm vor dem Ziel!

Kurz vor Mitternacht lässt der Wind zumindest leicht nach und führt mich zu dem Leichtsinn, den Motor zu starten, um irgendwann doch anzukommen. Mit so 2 bis 3 kn sind wir nicht schnell, aber immerhin.

07. August:

Müdigkeit ist vorhanden, aber zu viel innere Unruhe, die Motorgeräusche und zu heftige Bootsbewegungen um tatsächlich schlafen zu können. So übernehme ich die komplette Nachtwache während Marion sich mit Ohrstöpseln in die Koje verzieht. Überwiegend lesend, da sie auch keinen Schlaf finden kann. Hin und wieder döse ich etwas vor mich hin, behalte aber vermeintlich alles im Auge.

Es geht nur langsam voran, aber so kurz vor dem Ziel ist es irgendwie ein besseres Gefühl, diesem ein bis zwei Seemeilen pro Stunde näher zu kommen, anstatt beigedreht sich um die fast gleiche Strecke davon zu entfernen.

Um vier Uhr wieder ein Blick in die Bilge. Etwas Wasser drin, aber nicht bedenklich. Pumpe es aber trotzdem aus.

Das Plätschern und Rauschen des Meerwassers hat ja was beruhigendes. So denke ich mir das auch als ich gegen 5 Uhr so etwas vor mich hindöse. Aber plätschert das tatsächlich draußen am Bug, oder kommt das von innen?

Ein prüfender Blick und gefühlt geht die Welt unter. Zentimeterhoch steht die Pantry, der am tiefsten gelegen Teil des Bootes, unter Wasser. Aus der vordersten Bodenklappe sprudelt es nur so herein. Haben wir ein Leck?

Schon mal einen Pan Pan absetzen? Pan Pan macht man, wenn man ein technisches Problem hat, man aber glaubt, es noch meistern zu können. Damit hat man dann aber für den Fall, das es nicht klappt, schon mal Kontakt zu einer Rettungsstelle.

In Sekundenbruchteilen schießen mir die Gedanken durch den Kopf. Erstmal Bilgenpumpe. Die müsste eigentlich automatisch anlaufen, aber der Schwimmer, der sie auslöst, scheint irgendwie defekt zu sein. Dann bange Sekunden. Schafft die Pumpe mehr raus als nachfließt?

Sie scheint es zu schaffen. Langsam senkt sich der Wasserspiegel, wobei von vorne weiterhin Wasser nachläuft. Unter der Bodenklappe, aus der es sprudelt, befindet sich der Log/Lot-Geber. Wurde das irgendwie aus dem Rumpf herausgeschlagen? Nein, sitzt fest.

Marion hat bisher dank der Ohrstöpsel nichts mitbekommen. Da ich das Deck als mögliche Quelle des Desasters überprüfen möchte, hole ich sie aus der Koje. Ich möchte nicht unbeobachtet auf dem wackeligen Vorschiff unterwegs sein.

Normalerweise hebt und senkt sich der Bug bei heftigerem Wind und Wellengang ganz erheblich. Klatscht in dem Moment, wo er weiter unten ist die nächste kurz folgende Welle dagegen, ergießt sich ein Schwall über das Deck. Das würde man dann auch ganz gut vom Innensteuerstand aus bemerken und sehen.

Doch der Bug bewegt sich nicht sonderlich, sonder pflügt in sehr tiefer Lage durch das Wasser. So gibt es nicht einzelne Wellenschläge, die an Bord kommen, sondern der Bug ist fast ständig unter Wasser. So, als würde er zu einem Tauchgang ansetzen wollen.

Ein Blick in den Ankerkasten. Dort steht das Wasser bis zum Deckel. Alles, die Ankerwinsch, die Batterie, das Relais, die Verkabelung, alles unter Wasser. Jetzt ist klar, wo das zusätzliche Wasser im Boot herkommt. Nur noch nicht wie es im Detail den Weg vom Ankerkasten ins Boot findet. Aber da dieser zum Bootsinneren hin nicht hermetisch abgeschlossen ist, bestehen keine Zweifel mehr.

Zurück und beigedreht. Motor aus.

Meine Vermutung ist, dass sich der Ankerkasten peu à peu gefüllt hat. Das Loch im Rumpf für den Wasserabfluss war vermutlich zu lange unter Wasser, dass sich der Ankerkasten soweit füllen konnte, dass das Gewicht von Ankergeschirr und Wasser den Bug immer weiter ins Wasser drückten. Irgendwann war der Abfluss unter Wasser und der Kasten lief bis zur Oberkante voll. Und zumindest ein guter Teil davon ins Boot.

Mittlerweile ist das Wasser abgelaufen. Die Batterie scheint noch zu funktionieren, zeigt jedenfalls 12,9 V an. Die Ankerwinsch ist angeblich wasserdicht, ob sie aber ein Wasserbad ausgehalten hat muss sich noch zeigen. Für das Relais haben wir Ersatz, falls dieses nicht mehr funktionieren sollte.

Da müssen wir uns doch noch etwas mehr Gedanken machen, wie wir diese Situation vermeiden können, bevor wir nächstes Jahr zu den Azoren aufbrechen. Und auch bis dahin, bis wir das Boot zur Abfahrt bereit an der US Ostküste haben werden, ist noch ein langer Weg.

Apropos langer Weg. Mittlerweile ist es Mittag und wir sind noch 74 sm vom Ziel entfernt. Genau so viele Seemeilen waren es vor 15 Stunden, also gestern Abend um 21 Uhr. Wir sind also exakt die Strecke, die wir in fünf Stunden seit Mitternacht unter Motor gemacht haben, in den zehn „beigedrehten“ Stunden wieder zurückgetrieben worden. Und wir treiben kontinuierlich weiter vom Ziel weg. Frust ohne Grenzen.

Laut Wetterbericht von gestern haben wir seit 6 Uhr 8 kn Wind (in Böen bis 22) aus südwestlicher Richtung. Zumindest zum motoren ideal. Bis 10 Uhr hatten wir aber weiterhin ständig 20 kn bis 25 kn Wind aus Südost. Seit zwei Stunden lässt er langsam nach und bewegt sich bei 15 kn bis 20 kn. Weiterhin Südost bei immer noch hohen, ruppigen Wellen.

Neuen Wetterbericht gibt es nicht mehr, da der Satellitenempfänger dem Wasser zum Opfer fiel. War in einem Fach höher als die Bodenbretter untergebracht. Hat aber nicht gereicht. Falls wir Glück haben sollten, ist nur der Akku, der in einem separaten abnehmbaren Teil untergebracht ist, hinüber. Muss sich aber noch zeigen. Bei der aktuellen Vorhersagegenauigkeit ist ein Wetterbericht aber ohnehin nutzlos.

Um 13 Uhr geht der Wind endlich auf unter 15 kn. Das ist einen Versuch wert. Noch sind die Wellen unangenehm hoch, die Schiffsbewegungen kräftig, aber es kommt kaum Wasser aufs Deck. So geht es endlich weiter. Dass es mit nur drei Knoten ist, stört jetzt nicht mehr.

Die Sonne zeigt sich jetzt sogar und wärmt uns physisch und psychisch etwas auf. Am Horizont sind allerdings bereits wieder dunkle Wolken mit kräftigen Regenbändern.

Die bringen tatsächlich etwas Regen. Es geht aber weiter und es sieht nunmehr gut aus, dass wir nunmehr morgen Elfin Cove erreichen werden.

08. August:

Mit (von dicken Wolken verdecktem) Sonnenaufgang sind wir nur noch einige Meilen vom Ziel entfernt. Es ist grau und regnerisch. Bei der Einfahrt in den Cross Sound schafft es die Sonne uns ein paar Strahlen durch die Wolkendecke zu schicken.

Gegen 10 Uhr erreichen wir die Cove. Etwas eng hier, wir finden aber am Gästesteg noch einen freien Platz zwischen Fischerbooten.

Nach 7 Tagen und 500 zurückgelegten Seemeilen haben wir die 350 sm, die es eigentlich nur sind, überwunden. Endlich da. Was sind wir froh.

Prince William Sound

Von Seward aus wollen wir etwas den Prince William Sound erkunden, bevor wir nach einem Stopp vor Cordova nach Südostalaska aufbrechen.

Der Sound bietet ausgezeichnete idyllische Ankerplätze. Dafür nimmt man den Wermutstropfen, dass es kaum Segelmöglichkeiten gibt und deshalb fast alles unter Motor zurück gelegt werden muss, gerne in Kauf.

Schöne sonnige Tage mischen sich mit regnerischen, trüben und kühlen Tagen. Bei zu viel Regen bleiben wir einfach einen Tag länger in einer Bucht.

Nach einigen Buchten erreichen wir die Esther Passage, von wo aus wir im Barry Arm einige Gletscher von etwas näher ansehen wollen. Das ist zugleich unser nördlichsten Punkt der bisherigen Reise (61° N) und Dank wunderschönem sonnigen Wetter wird das ein einmaliges Erlebnis. Zahlreiche Robben genießen das genau so wie wir.

Viel später hätten wir aber auch nicht hier sein dürfen. Die Gletscher scheinen auch hier deutlich weg zu schmelzen. Vor dreißig Jahren gab es hier wohl einiges mehr davon zu sehen.

Am frühen Nachmittag wieder zurück in die Esther Passage, um dort nochmal eine Nacht vor Anker zu verbringen. Danach geht es über weitere wunderschöne Ankerbuchten in den Südosten des Prince William Sound, nach Cordova.

Einer der zahlreichen Orte Alaskas ohne Straßenanbindung. Erreichbar mit der Fähre (im Winter zwei mal die Woche), oder per Kleinflugzeug welches auf einer Schotterpiste neben einem Bergsee landen kann. Das macht die Versorgung hier schwierig und extrem teuer.

Der Ort selbst ist klein, aber sehr ansehnlich. Schon ein etwas eigentümliches Gefühl, an einem Ort zu sein, der keine Straßenanbindung hat. Autos gibt es hier natürlich wie überall und trotz der geringen Entfernungen in der üblichen SUV/Pick-up-Größe. Pick-ups machen hier aber Sinn, da es für Fischer immer was zu transportieren gibt. Die hier haben oftmals einen kleinen Kran auf der Ladefläche um die Säcke mit den Netzen an Bord zu hieven.

Jetzt warten wir auf passendes Wetter, um unseren Weg nach Südostalaska fortsetzen zu können. Elfin Cove wird vermutlich unser erster Anlaufpunkt dort sein.

Kitoi Bay nach Seward

Am Nachmittag nach unserer Bärensichtung geht es dann weiter. Zur nächsten geplanten Bucht sind es etwas mehr als 80 sm. Da entschließen wir uns, durch die Nacht zu segeln. So heißt es um 14 Uhr „Anker hoch“.

Nach einem kurzen Stück unter Motor können wir sogar Segel setzen. Der Wind reicht aber nur für rund 30 sm. Dann geht es wieder unter Motor weiter, zur Home Cove.

Die Nächte hier sind immer noch nahezu durchgehend hell, richtig dunkel wird es nicht. Nach Sonnenuntergang um 23 Uhr erhellt die Dämmerung noch ganz gut den Himmel und bietet weiterhin relativ gute Sicht. Die Dämmerung verschwindet nie ganz, sondern wandert stattdessen von West über Nord nach Ost, wo dann um 5 Uhr bereits wieder die Sonne am Horizont erscheint.

Kurz vor Sonnenaufgang weckt mich die Skipperin. Wasser im Boot. Stellt sich glücklicherweise schnell heraus, dass es sich um Süßwasser handelt. Da hat sich ein Schlauch gelöst. Die Schlauchklemme ist an der nicht einsehbaren Rückseite auf Grund Rost auseinandergebrochen, blieb aber noch am Schlauch hängen. So konnte ich das Problem nicht rechtzeitig erkennen.

Das Ganze muss kurz nachdem wir den Motor starten passiert sein. Dadurch konnte die Wasserpumpe, die wir sonst hören würden, ungehört den noch vorhandenen Inhalt des Wassertanks mit rund 80 l ins Innere des Bootes pumpen. Dumm gelaufen, aber lösbar.

Die Home Cove ist etwas verwinkelt zu erreichen, was den Ankerplatz aber entsprechend idyllisch macht, da rundherum nun Hügel bzw. Berge zu sehen sind. Und durch die Lage ist er auch sehr Wind- und Wellengeschützt. So verbringen wir dort eine angenehme und ruhige Nacht vor Anker.

Am nächsten Morgen geht es weiter Richtung Northwestern Fjord. Dort soll es tolle Gletscher geben. Vor der Einfahrt in den Fjord kann man ankern. Kommen dort so um 16 Uhr an. Anker setzen. Geht nicht. Ankerwinsch macht keinen Mucks.

Hat sich die Winsch irgendwie verklemmt? Sieht so aus, den als ich diese löse, bewegt sie sich erst mal weiterhin nicht. Doch dann habe ich sie zu weit gelöst und 20 m Kette rauschen raus. 25 kg Anker, 20 m Kette, das sind dann vermutlich mehr als 50 kg. Die ohne Ankerwinsch wieder hochholen ist keine wirklich leichte Aufgabe.

Jetzt könnten wir natürlich so ankern, also die Kette ohne Winsch rauslassen, aber für die Wassertiefe wären 60m Kette erforderlich. Und die würden wir kaum wieder hoch bekommen.

Also neuer Plan, weiter nach Seward. Nochmal eine Nacht draußen. Trotz Müdigkeit klappt das aber ganz gut. Und die durchgehende Helligkeit hilft einem wach zu bleiben. Hier ist mit mehr Verkehr zu rechnen. Deshalb ist Wachsamkeit angebracht.

Am frühen Morgen um 4 Uhr erreichen wir Seward. Machen erst mal fest und legen uns schlafen. Nach ein paar Stunden zum Hafenmeister. Danach noch zur Tankstelle und einem Liegeplatz näher zum Hafenausgang.

Seward ist ein kleiner Ort, dessen „downtown“ im wesentlichen aus Restaurants, Touristeninfo und Souvenirläden besteht. Gibt aber auch Baumärkte mit Marineabteilung. Was für unser jetziges Leben halt eine wichtige Rolle spielt.

Die Lage des Ortes ist aber großartig. Am Ende des Fjords umgeben von Bergen, die teils noch Schneeflächen haben. Ein wirklich wundervoller Anblick. Neben Baumarkt gibt es mit „Safeway“ auch einen Supermarkt mit gutem Sortiment.

Die Marina selbst ist sehr ok und zur unseren großen Freude treffen wir hier Helen und Hansueli mit ihrer SY Dada Tux wieder. Die erste Begegnung war vor drei Jahren bei unserem Start in Warnemünde. Dann nochmal für etwas länger vor Cherbourg. Deren Weg hierher führte sie, die Karibik an Steuerbord liegen lassend, über Südamerika einschließlich Kap Hoorn. Unglaublich, welch unterschiedliche Strecken man segeln kann, um dann plötzlich wieder am selben Steg zu liegen.

Technik-Ecke:

Beim Überprüfen der Ankerwinsch hatte ich erst eine verklemmte Winsch und dann Probleme mit der Verkabelung vermutet. Es zeigte sich aber, dass die Batterie das Problem war. Ich hatte nicht bemerkt, dass eine ausgelöste Sicherung das Laden derselben verhinderte. Und hier, mit 60m Kette zum Ankern, hat sie natürlich Höchstleistung zu erbringen.

Wir haben mit 55 Ah eine für diese Zwecke ziemlich kleine Batterie, die bereits 8 Jahre auf dem Buckel hat. War beim Schiffskauf dabei. Jetzt gibt es vollgeladen nur noch kurze Zuckungen, bis die Voltanzeige bei Null ist. Konnten hier aber Ersatz finden und hoffen, dass die Neue ebenfalls so lange hält.

Jetzt aber genug der Worte, Bilder sollen sprechen:

Und weil der Bär so toll war, hier noch ein Video von diesem:

Von Kodiak zur Kitoi Bay

Insgesamt verbringen wir 5 Tage im Kodiak Harbor inmitten von Fischerbooten und einigen Fahrtenseglern, die von Hawai’i hierher gekommen sind.

Da die Fischerei noch nicht freigegeben ist, sind die Fischer noch mit Vorbereitungen an ihren Booten beschäftigt. Wir kümmern uns ebenfalls um unser Boot. Glücklicherweise gibt es diesmal nicht so viel zu tun.

Das mit dem Netzwerkkabel funktioniert wieder. Habe es ausgebaut, in der Annahme es erneuern zu müssen. Noch ein Test, in dem ich den Plotter am Innensteuerstand damit mit dem Netzwerk verbunden habe.

Keine Probleme. Den Plotter im Cockpit damit wieder angeschlossen. Ebenfalls keine Probleme. Keine Ahnung warum, aber egal, es funktioniert wieder. Kabel wieder ordentlich verlegt. Fertig.

Am Donnerstag den 9. Juli geht es dann weiter. Erst zur Tankstelle, dann zur Kitoi Bay, die rund 30 sm nördlich von Kodiak Harbor in der Afognak Island liegt.

Es ist überwiegend sonnig, schon seit drei Tagen. Im Schatten, oder auf See bei etwas mehr Wind, ist es kühl. Aber nicht so, dass man sich dick anziehen müsste, um nicht zu frieren. Und mit Sonne hat es in der Tat T-shirt Wetter. Herrlich.

Auf dem Weg zur Bay treffen wir auf zahlreiche Wale. Den Wasserfontänen nach zu urteilen mehr als ein Dutzend. Leider überwiegend weit weg und immer nur kurz mit ein wenig Rücken an der Oberflãche. Gelegentlich können wir auch deren Schwanzflosse bewundern.

Am Ende der Bay befindet sich eine Lachs Brutstätte. Dort werden in der Bay gesammelte Fischeier ausgebrütet und die Lachse dann mit einer Größe von ein paar Zentimetern ausgesetzt. Damit gelten sie als Wildlachse, wie uns zwei Mitarbeiter erzählen.

Es sind dort insgesamt 22 Mitarbeiter das ganze Jahr über beschäftigt. Versorgt werden sie von einem Wasserflugzeug, was für die Leute dort praktisch, aber nicht sonderlich günstig ist.

Die Bay ist voll von Lachsen. Den ganzen Abend über vollführen sie Sprungübungen, begleitet von einem relativ lauten Aufklatschen auf dem Weg zurück ins Wasser.

Seehunde beäugen uns vorsichtig aus ausreichend Abstand um dann geschwind wieder unter zu tauchen. Unter den zahlreichen Vögeln, die hier unterwegs sind, befinden sich auch Weißkopfadler.

Am nächsten Morgen lassen wir nach dem Frühstück unser Dinghy zu Wasser. Etwas die Gegend um Luna Mare herum erkunden. Und um Braunbãren zu erspähen.

Ist aber nicht. Zurück zur Luna Mare und dort noch Richtung Strand. Da die Sonne blendet, etwas näher ran, um in den Schatten zu kommen und damit bessere Sicht zu haben.

Da erschrecken wir ordentlich, als keine 10m von uns entfernt ein Braunbãr am Strand auftaucht. Da er andeutet, ins Wasser gehen zu wollen, lege ich erstmal den Fotoapparat zur Seite und nehme die Paddel in die Hand, um etwas Abstand zu gewinnen.

Hat er in der Tat nur angedeutet and promeniert stattdessen gemächlich den Strand entlang und verschwindet dann im Dickicht. Etwas später sehen wir ihn auf seinem ebenso gemächlichen Rückweg. Diesmal von Bord der Luna Mare aus, was ein besseres Gefühl der Sicherheit gibt. Ein wahrlich imposanter Anblick.

Bilder gibt es, sobald wir wieder "richtiges" Internet statt Satellit haben.

Von Hawai’i nach Alaska – Tag 22 und Ankunft

Ja, es ist geschafft. Nach 22 Tagen und 2.300 sm liegen wir vor Kodiak Island vor Anker. Der letzte Tag beschert uns nochmal ordentlich Wind mit etwas mehr als 20 kn. Die voraussichtliche Ankunftszeit wird immer früher und letztendlich setzen wir um die Mittagszeit den Anker.

Der Törn war in der Tat einer der besseren Art. Mussten wegen Windmangel leider rund 90 Stunden motoren, davon alleine 60 Stunden ab dem 29. Juni (Tag 18 von 22). Die Alternative, auf Wind zu warten, erschien uns hier zu gefährlich, da der Wind in dieser Gegend auch gerne mal stürmisch vorbei kommt.

Aber ansonsten hatten wir teils tagelang ausgezeichneten Segelwind, der nur gelegentlich die „Komfortmarke“ von 20 kn überschritten hat. Und sofern man nicht selbst am Steuer stehen muss, kann so ein Törn schon zum Genuss werden.

Unser ziemlich wichtigstes Lebensmittel unterwegs.

Der erste Eindruck von Alaska ist überwältigend. Wir haben super Massel mit dem Wetter. Sonnig mit ein paar Wolken und so mild, dass man im T-shirt im Cockpit sitzen kann. Unser Ankerplatz vor dem kleinen Ort „Old Harbor“ ist ein sehr ruhiger und geschützter, von Bergen eingerahmt. Idylle pur.

Hier bleiben wir aber nur für eine Nacht. Wir wollen weiter nach Kodiak Harbor. Laut Vorhersage sollen wir guten Segelwind haben. Diese kann aber anscheinend die lokalen Gegebenheiten nicht berücksichtigen. Vermutlich durch die Bergwelt hier wird es nichts mit dem Wind und es bleibt uns nur die Motorvariante, um nach Kodiak Harbor zu kommen.

Den ganzen Tag über Sonne pur aus einem wolkenlosen Himmel bei wiederum angenehmen Temperaturen. Der Motorlärm stört etwas, aber das Wetter und der Ausblick rundherum sind phänomenal. Die teilweise schneebedeckten Berge, die aus dem Wasser ragen, machen den Eindruck, als wären die Alpen geflutet worden und man könnte dort mit einem Boot zwischen den Gipfeln unterwegs sein.

Bei weiterhin schönstem Wetter laufen wir am Abend in Kodiak ein. Hier gibt es mit Safeway und Walmart gute Versorgungsmöglichkeiten. Die weitere Reise bis nach Südostalaska, wo wir im Laufe des August die Hauptstadt Kanadas Juneau und den evtl. Winterliegeplatz Ketchikan erreichen wollen, bietet da nicht mehr viele Möglichkeiten.

Eine davon wird noch Seward sein, von wo aus wir den Prince William Sound mit seinen zahlreichen Gletschern und Wildtieren erkunden wollen. Ende Juli, spätestens Anfang August soll es dann noch Südostalaska gehen. Elfin Cove wird dort wohl der erste Ort sein, den wir anlaufen wollen.

Sonnenuntergang ist hier aktuell um 23 Uhr, Sonnenaufgang um 5 Uhr. Dazwischen Abend- und Morgendämmerung. So richtig dunkel wird es zu keiner Zeit. Mit einem kalten Getränk verbringen wir den Abend im Cockpit, der eine oder andere kurze Plausch mit einem Fischer, der an der Luna Mare vorbeikommt.

Ich liebe diese nordischen Tage mit Licht quasi rund um die Uhr. Schwierig ist es nur, bei dieser Helligkeit den wundervollen Abend im Cockpit zu beenden um die Kojen auf zu suchen. Da ist es dann schnell Mitternacht und dabei noch so hell wie ansonsten an einem trüben Herbsttag.

Den wir dann auch gleich am nächsten Morgen begrüßen dürfen. Endlich Wetter so, wie wir es uns für hier vorgestellt haben. Regnerisch, diesig, allerdings nicht so kalt wie von uns befürchtet. Gutes Wetter aber, um die gut 4 km zu den Supermärkten in Angriff zu nehmen ;-). Auf dem Rückweg bepackt mit dann schweren Rucksäcken bemerken wir, dass so ein Weg nach wochenlangem Segeln ohne nennenswerte Bewegung schon sehr anstrengend sein kann.

Von Hawai’i nach Alaska – Tag 21

Zwei Stunden nach Beginn des 21. Tages kommt tatsächlich etwas Wind auf. Segel gesetzt. Die 7 kn Wind reichen immerhin für 3 kn Fahrt. Nicht viel, aber toll nach rund 60 Stunden unter Motor.

Weitere zwei Stunden später ist aber bereits wieder Schluss mit Wind; es verbleiben noch 1 bis 2 kn. Segel bergen, Motor an.

Nach den Abendessen (grüner Spargel mit Sauce Hollandaise und Salzkartoffeln) setzt der Wind ein, der bis Kodiak Island anhalten soll.

Während der Nacht macht er das schon mal and zu frostigen 12°C am nãchsten Morgen gesellen sich ein paar Sonnenstrahlen hinzu.

Die Sonne setzt sich gegen Mittag, dem Ende des 21. Tages, mehr und mehr durch. Nach Tagen endlich wieder im Cockpit sitzen und bei einer Tasse Tee die Reise genießen.

So können wir die restlichen Seemeilen in Angriff nehmen, auf diesem bisher ausgezeichneten Törn. Wenn alles klappt, werden wir Morgen Abend Old Harbor erreichen.

2.122 sm geschafft, 131 sm to go. Wassertemperatur 21,0°C.

Von Hawai’i nach Alaska – Tag 20

Die letzten Meilen nach Kodiak geben sich etwas eintönig. Kein Wind zu hören, nur das Brummen unseres Lambordini Diesels.

Rundherum alles grau, Sonne hat sich wohl zusammen mit dem Wind zurück gezogen. Und ohne Sonne nützt der beste Wintergarten nichts. Kalt im Boot, aber noch widerstrebt es uns, die Heizung einzuschalten. Warum eigentlich.

Der Abend bringt uns Spaghetti mit Pilzen und Tomatensauce. Die Nacht trotz der brummigen Umgebung guten Schlaf bzw. ereignislose Wachen.

Laut gestrigem Wetterbericht soll Wind 200 nm vor Kodiak einsetzen. Das wäre in 30 sm, bzw. rund 7 Stunden. Mal schauen, was der nächste Wetterbericht hierzu meint.

2.022 sm geschafft, 231 sm to go. Wassertemperatur 18,9°C.

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