Goodbye North-America

Nachdem das Rigg wieder drauf ist und alles wieder an seiner richtigen Stelle untergebracht ist, sieht Luna Mare wieder wie ein richtiges Segelboot aus. So ohne Rigg war das schon ein eher trostloser Anblick. Und kaum zu glauben, dass es nach so relativ kurzer Zeit den Weg zurück vom Pazifik in den Atlantik geschafft hat.

Luna Mare ist pünktlich am 11. Mai hier in Mystic angekommen. Geht am gleichen Tag noch zurück ins Wasser, so dass wir sie auch direkt wieder beziehen können. Insgesamt hat sie den Transport gut überstanden. Beim verstauen der letzten Sachen im Boot hat das Werftpersonal in Anacortes leider vergessen, die Luke am Niedergang zu schließen. So hat sich in der Bilge einiges an Regenwasser angesammelt, aber glücklicherweise keinen nennenswerten Wasserschaden verursacht. Da glaubst du, wenn das Boot aus dem Wasser ist, kann es keines mehr im Boot geben. Aber bei Luna Mare geht es halt nicht ohne.

Am Donnerstag geht es los, zurück über den Atlantik, über die Azoren nach Lanzarote. Goodby North-America. Nach den grenzwertigen Grenzerfahrungen in Prince Rupert (Kanada) und Friday Harbor (USA), hege ich nicht den Wunsch, jemals hierher zurück zu kehren. Ein zweites Mal muss ich mir so etwas nicht antun. Gibt schließlich noch genügend Länder, wo wir das ein erstes Mal erleben können ;-).

Wir hatten aber eine insgesamt wundervolle Zeit hier in Nordamerika verbringen dürfen. Und letztlich bin ich selbstverständlich dankbar, dass man uns die Einreise in beide Länder, wenn auch jeweils erst im zweiten Step, erlaubt hat. Vor allem, dass wir dadurch mit der Luna Mare auf die Ostküste wechseln konnten, um von hier die Rückreise nach Europa antreten zu können.

Alles in allem zwei wundervolle Länder, Kanada und USA, und mit eben ein paar ganz wenigen Ausnahmen ganz tolle Menschen, freundlich, hilfsbereit und weltoffen, die wir hier kennen lernen durften (siehe weiter unten „Leute“). Covid-19 hat das Ganze natürlich nicht einfacher gemacht, aber dank USA sind wir beide mittlerweile das zweite Mal geimpft. Ein schrecklicher Gedanke, unterwegs während der nächsten 3 Wochen an Bord ernsthaft zu erkranken. Ab Samstag (14 Tage nach der 2. Impfung) gelten wir als „fully vaccinated“, also als vollständig geimpft.

Glück haben wir auch mit dem Wetter hier in Mystic/Connecticut (weiß erst seit heute, dass es nicht Conneticut heißt, wie peinlich). Bisher fast nur Sonnenschein, gelegentlich leicht bewölkt, aber kaum Regen. Dank June haben wir hier einen tollen Liegeplatz an ihrer Mooringboje. Kleine Dinghitour zu einem Dinghisteg mitten in der Altstadt, von wo aus es nur ein paar Schritte zum geparkten Leihwagen sind.

Den haben wir uns für die letzten Tage noch gegönnt. Sind ja doch einige Erledigungen zu machen, bevor es losgehen kann. Und zu Fuß erreicht man die Eisdiele, aber halt keinen Supermarkt. Und Proviant ist einiges ran zu schleppen. Nach unserem Pazifikerlebnis wissen wir, dass man besser reichlich davon dabei hat.

Heute ging es noch zum Waschsalon, morgen nochmal für insbesondere Obst und Gemüse zum Aldi, übermorgen zum Ausklarieren und zur Mietwagenabgabe, so dass es dann Tags darauf, am Donnerstag, „Leinen los“ heißen kann.

Wir rechnen mit mindestens 3 Wochen für die 2.000 sm bis zu den Azoren. So wie es aussieht erwarten uns sehr stark wechselnde Wetterverhältnisse. Wind von Flaute bis > 40 kn abwechselnd aus allen Himmelsrichtungen. Eigentlich ist der Westwind hier vorherrschend, momentan aber mit längeren Phasen mit Wind aus östlichen Richtungen durchsetzt.

Leute:

Eine sehr tolle Seglerrunde hatte sich vor Hawaii eingefunden:

Brian (SV Carpe Ventus), der seine geplante Weltumsegelung wegen COVID-19 abbrach und zurück nach Nanaimo/BC gesegelt ist und den wir in Campbell River nochmals trafen.

Uwe (SV Tara), ebenfalls aus Deutschland gestartet und von dort aus nach Bellingham/WA, wo seine Tara auf ihn wartet, bis er wieder einreisen kann.

Jess, James, Maren und Kaia (SV Soteria), die wir mit ein paar Tipps hinsichtlich Hawaii bei deren Anreise unterstützen durften und die uns dann während unserer Zeit in Nordamerika immer wieder mit Rat und Tat zur Seite standen. Wieder getroffen in Alaska in mehreren Marinas. Mittlerweile haben sie ihr Segelboot verkauft und sind dabei, sich in Montana nieder zu lassen.

Richard (SV Darwind) mit seinen 20 Jahren nach US-Recht zu jung um Bier zu trinken, aber alt genug, um mit seinem 26 Fuß-Boot einen Pazifikrunde zu drehen. Auch in bewog COVID-19 nach Hause zurück zu kehren. In konnten wir in Anchorage besuchen, dabei seine tolle Familie kennen lernen und haben ihn kurz vor unserer dortigen Abreise nochmal in Anacortes getroffen. Ab Herbst geht es für ihn in Bellingham aufs College, Meereskunde steht an.

Joanna, Paul und Rosie (SV Tomten), die ebenfalls zurück in ihre Heimat, in diesem Falle Bellingham/WA sind und die wir in Anacortes nochmal trafen.

Darüber hinaus Doreen und Marc (SV Imani), Jeff (SV Amanti), Guy und Marie (SV Notre Rêve), Mark und Heidi (SV Estelle), Jim (SV Cheyenne), Mark (SV En Passant), Jon, Christine und Dylan (SV Free Spirit) und Jordon (SV Khira)

In Campbell River trafen wir unter anderem auf ganz liebe Stegnachbarn

Bren and Clay (SV Sanssouci), Marty und Mae (SV Wind Gypsy), Logan und Taryn (SV Wayward). Alle 3 Paare livaboards, die im Sommer die Inside Passage mit den Gulf Islands und St. Juan Islands unsicher machen und den Winter in einer Marina wie Campbell River verbringen.

Bob (MV) ein früherer Skirennläufer, dessen Sohn im kanadischen Ski-Nationalteam ist und Mark (MV), der ein Polizeiboot aus den 70ern umgebaut hat.

Und insbesondere Tracy (airbnb), die uns als airbnb-Host während unserer Quarantäne aufgenommen hat und dann zur Freundin wurde. Mit ihr haben wir etliche tolle Spaziergänge unternommen und herrliche Stellen auf Vancouver Island kennen gelernt, die wir ohne sie nie gefunden hätten.

Binny (Campbell River Mirror), eine junge Journalisten aus Indien, Mitbewohnerin von Tracy, die uns für den weltweit bekannten „Campbell River Mirror“ interviewt hatte.

Darüber hinaus viele viele nette und freundliche Menschen in den Marinas, Werften, Supermärkten, Hotels, airbnb-Unterkünften und wo überall sonst noch wir sie treffen durften.

Und dann hier in Mystic zu guter letzt June, eine Bekannte von Jess und James (SV Soteria), die uns ihre Mooringboje überlassen hat, an der wir die letzten Tage in Nordamerika bis zu unserer zweiten Atlantiküberquerung verbringen dürfen.

War eine tolle Zeit hier seit unserer Hawaii-Ankunft im März 2020, der Zeitpunkt, an dem wir zum ersten Mal von dem Virus erfahren haben, der uns alle seitdem begleitet und für uns durch die zweite Impfung hoffentlich seinen Schrecken verloren hat.

Von der US West- zur Ostküste

Fünf Wochen ist es jetzt her, dass wir unser schwimmendes zu Hause an der US-Westküste zurück gelassen haben. Komisches Gefühl. Aber auch schön, mal wieder reines Landleben zu genießen, wobei die Hotelaufenthalte schon etwas gewöhnungsbedürftig sind.

Luna Mare verlässt den Pazifik

Die ersten hatte ich noch in der Kategorie „billig“ gebucht. Das sind dann schon etwas einfachere Unterkünfte und kosten trotzdem $ 60 pro Nacht. Dann auf Kategorie „preiswert“ gewechselt. Sind dann so $ 20 pro Nacht mehr, aber schon wesentlich angenehmer, teilweise sogar etwas Frühstück dabei. Das macht das Reisen dann doch erträglicher.

Als Fortbewegungsmittel haben wir von „Budget“ einen VW Passat mit 8 Meilen auf dem Tacho für unseren 4.000 Meilen Roadtrip erhalten. Ein sehr komfortables Fahrzeug für diese doch sehr lange Strecke.

Von Bayern, Bergen, Flachland und einer Terminverschiebung

Los geht es mit Seattle. Ein wenig Sightseiing und eine Übernachtung. Wir wollen den größten Teil der Strecke auf dem landschaftlich reizvollen Highway 2 zurück legen. Laut Internet eine der schönsten Cruisingstraßen der Welt. Aber so was liest man vermutlich öfter.

Erstes Ziel Wenatchee/WA. Auf dem Weg dorthin, auf den Höhen der „Cascades, ein Skigebiet, das auf Grund des noch reichlich vorhandenen Schnees für Pandemiezeiten relativ gut besucht ist.

Danach geht es direkt nach Bayern, oder wie man sich das in „Leavenworth“ so vorstellt. Nennt sich „the bavarian village“. Haben dann schnell mal Heidelberg, Rüdesheim und Innsbruck „eingemeindet“. Aber für eine kurze Brotzeit („Omas Weiswurst“, gebratene Version, mit Brezel) ein angenehmer Aufenthalt.

Der schlaue Skipper bucht den „super deal“, bei dem zum günstigsten Preis vom Onlineanbieter eines von drei Hotels ausgewählt wird, mit dem Hinweis „Region Wenatchee“. Angekommen in Wenatchee und die Hoteladresse in google maps eingegeben. Noch gut 100 Meilen, rund 2 Stunden Fahrtzeit bis zum Hotel. Die Relationen hinsichtlich Entfernungen sind hier doch schone sehr eigene. Stornieren geht nicht, also hin und am nächsten Morgen wieder zurück. Ein wahrliches Schnäppchen. Das mit der Landnavigation muss noch besser werden.

Nächstes Ziel, immer noch in Washington, Spokane. Ein schöner Ort am gleichnamigen Fluss mit einem Riverfront Park, der zum abendlichen Spaziergang einlädt.

Unsere Roadtrip-Idylle wird ziemlich jäh durch einen Anruf von Eric, dem für den Transport der Luna Mare beauftragten LKW-Unternehmer, unterbrochen. Er kann den zugesagten Termin nicht einhalten. Sein LKW ist defekt und in Reparatur. Eigentlich sollte ein neuer geliefert werden, das verzögert sich aber und er kann Luna Mare erst zwei Wochen später als vereinbart abholen.

Zwei Wochen sind machbar. Aber es wird dann schon etwas eng und was ist, wenn er beim nächsten Anruf nochmal die eine oder andere Woche hinzufügt? Nicht auszudenken, sollte unser Rückkehrprojekt jetzt noch scheitern. Wir hoffen aufs Beste und machen erst mal wie geplant weiter. Gibt ohnehin keine Alternative.

Bevor es am nächsten Tag nach Montana geht, durchqueren wir noch auf rund 70 Meilen den „Idaho Panhandle“ auf dem Weg nach Kalispell. Von dort erreicht man den „Glacier National Park“ in den nördlichen Rocky Mountains. Durch den Park führt eine wundervolle Straße, jedoch ist die erst ab Juni/Juli schneefrei und damit durchgehend befahrbar. So fahren wir dran vorbei und erleben den letzten Schnee bevor es zu den „Plains“ geht.

Montana hat eine Fläche von 380.000 km² und ist damit geringfügig größer als Deutschland mit 358.000 km². Hat auf dieser Fläche verstreut aber nur rund 1 Million Einwohner. Die größte Stadt auf dieser enormen Fläche hat gerade mal 100.000 Einwohner.

So geht es am nächsten Tag 420 km durch die endlosen Landschaften Montanas nach „Havre“. Highway 2 wurde entlang der Eisenbahnlinie gebaut, genauer gesagt, beides gemeinsam, die Straße zum Herantransport von Mensch und Material. Unterwegs wurden dann, an wie auch immer strategischen Stellen, Ortschaften angelegt. Da viele Ingenieure und Arbeiter aus Europa kamen, haben die nun entsprechende europäische Namen (Dover, Naples, Marion!, Harlem, Malta, Glasgow, Palermo, York, Leeds, Petersburg).

Nach weiteren 450 km erreichen wir am nächsten Tag die Grenze North Dakota und nach weiteren 40 km unseren Stopp für die nächste Nacht, Williston. Weiter geht die Reise nach Grand Forks wodurch wir Minnesota erreichen. Und weiter nach Norway/Michigan und danach durch Wisconsin bis nach Chikagao/Illinois.

Von der Großstadt zum Drive-Thru Impftermin

Für Chikago wollen wir uns vier Tage Zeit lassen. Für solch einen etwas längeren Aufenthalt bietet sich eine airbnb Unterkünft mit Küche an. Irgendwie gefällt es uns, vor Ort „fast richtig“ zu wohnen, zum Supermarkt für die Lebensmitteleinkäufe zu gehen und uns Abends im temporär „trauten Heim“ ein leckeres Abendessen zu bereiten.

Und die vier Tage nutzen wir natürlich, um uns in Chikago etwas umzusehen. Erinnert nicht mehr allzu sehr an die alten US-Krimis, die wir vor unserem geistigen Auge haben.

Ich verfolge schon länger die Impfsituation in den USA, die sich ja erheblich von der z.B. in Europa unterscheidet. Man ist nicht nur in der Lage, reichlich Impfstoff zu beschaffen, sondern ist vor allem auch mit hohen organisatorischen Fähigkeiten ausgestattet, die es ermöglichen, diesen auch zügig zu verimpfen.

Seit Beginn der Impfkampagne gilt hier, dass jeder unabhängig von seinem legalen Status geimpft werden kann. Anfangs auch nach Prioritäten und von Bundesstaat zu Bundesstaat mit geringfügigen Unterschieden. Mittlerweile (April 2021) fast überall 60+ und in den ersten Staaten alle ab 16.

Um Impftourismus zu verhindern, benötigt man in etlichen Staaten einen Nachweis, dass man seinen Wohnsitz dort hat. Dafür reicht es aus, z.B. seine Stromrechnung mit Name und Adresse vorzulegen. Es werden aber keine persönlichen Daten gespeichert, den es ist ihnen hier wichtiger, alle geimpft zu bekommen, als Einzelne Illegale zu enttarnen.

Bei meiner Recherche werde ich fündig: Indiana impft einfach alle ab 16. Termin online vereinbaren, ein paar Angaben über gesundheitliches Befinden, Telefonnumer, e-mail und unsere Heimatadresse. Schon hat man einen Termin.

Also nächster Stopp: Indianapolis. In 2004 war ich bereits mal hier um mein bisher erstes und einziges Formel 1 Autorennen live zu verfolgen. War eine großartige Sache. Aktuell gibt es dort keine Autorennen, die Rennstrecke wird als Impfzentrum genutzt.

Ich habe aber einen Termin bei „Walgreens“ gebucht. Dort wird Johnson & Johnson verimpft. Hat den Vorteil, dass man nur eine Dosis benötigt, was es für uns Touristen natürlich einfacher macht.

Allerdings am Abend vor der Weiterfahrt von Chikago nach Indianapolis die Nachricht, dass der Termin verschoben werden muss, da sich bei einigen von den zig Millionen mit diesem Wirkstoff geimpften Blutgerinnsel gebildet hatten.

Was nun: Mal auf der Seite des Rennstrecken-Impfzentrums nachgeschaut. Die vergeben weiterhin Termine. Da kann man sogar noch welche für den selben Tag buchen. Ich buche einen für übermorgen. Mehr als auch absagen können die ja nicht.

Also geht es weiter nach Indianapolis. Kurze Zeit später die Nachricht, dass nicht Johnson & Johnson verimpft wird, sondern Moderna mit dem Hinweis, dass dabei eine zweite Dosis erforderlich sein wird. Auch ok.

Wir brechen zeitig auf, um zu sehen, wo wir da hin müssen. Wir können die Zufahrt erkennen und sehen, dass dort auf der einen Seite ein Auto nach dem anderen reinfährt und auf der anderen eines nach dem anderen die Rennstrecke verlässt. Scheint ja zügig zu gehen.

Wir haben noch etwas Zeit, die wir für einen kleinen Spaziergang nutzen, bevor es dann auf die Rennstrecke geht. Etwas aufgeregt was uns dort erwarten wird, passieren wir die Einfahrt zum „Indianapolis Motor Speedway“. Der Weg ist gut ausgeschildert und führt zu einem ersten Stopp. Da werden die paar Daten, die die gespeichert haben, kurz abgeglichen (Name, Geburtsdatum, Telefonnummer) und weiter geht’s.

Nach einigen Metern und Kurven geht es in die Boxengasse. Eine langes Gebäude mit offenen Garagentoren in der „Garage Area“. Wir werden in eine der Einfahrten hinein gewunken. So 10 Impfplätze befinden sich in dieser Halle.

Windschutzscheiben auf beiden Seiten runter. Frage nach Name und Geburtsdatum. Ok. Bitte Ärmel hochkrempeln. Marion ihren rechten, ich auf der Fahrerseite meinen linken (hätte auch den rechten wählen können, schien mir aber einfacher). Kurzer Piks, fertig ist die Impfung und wir können weiter fahren.

Hatte irgendwo gelesen, dass man nach der Impfung 15 Minuten warten soll, für den Fall, dass sich wider Erwarten Probleme einstellen sollten. Hier nicht?

Doch, kurz nach Ausfahrt aus der Garagenanlage geht es auf ein etwas größeres Feld, in dem sich Auto an Auto reiht. Hier müssen wir 15 Minuten warten. Personal geht die Autos ab mit der Frage, ob alles ok ist.

Dann geht es raus aus der Rennstrecke. Hätte gerne noch eine Rennrunde gedreht, das ist aber leider nicht vorgesehen.

Wasserfälle und ein großer Apfel

Nach dem zweitägigen Impfabstecher geht es weiter zu den Niagara-Fällen. Dort wollen wir drei Tage verbringen, ebenfalls in einer airbnb Unterkunft. Besuche der Niagara-Fälle, ein Spaziergang entlang des Niagara-Flusses und ansonsten einkaufen und kochen. Schon sind wieder drei Tage rum und wir freuen uns schon auf das nächste Ziel: New York City!

Der Größe der Stadt angemessen, haben wir die airbnb Unterkunft in Queens für 10 Tage gebucht. Die Fahrt über die George Washington Bridge (einfache Überquerung $16), die den Hudson River überspannt und über „Little Dominican Republic“ und etliche andere Stadtteile nach Queens führt, ist spannend und aufregend. Dass das Auto wegen der Straßen- und insbesondere Parkgebühren nicht das sinnvolle Fortbewegungsmittel für diese Stadt ist, ist glaube ich selbstredend.

So holen wir uns eine Wochenkarte für die Metro, die uns in rund 45 bis 60 Minuten direkt nach Manhattan bringt. Kostet $ 33 pro Person und Woche. Im teuersten Parkhaus, das wir unterwegs gesehen haben, kostet eine halbe Stunde parken mit $ 37 bereits etwas mehr.

Es hat sich einiges geändert seit meinem letzten Besuch hier im November 2004 zum New York Marathon, bei dem ich nach 4:37 h das Ziel im Central Park erreicht hatte (aber ja, das musste ich jetzt erwähnen). Insbesondere der Bereich um das ehemalige World Trade Center am „Ground Zero“ hat sich sehr verändert. Und auf der Westseite von Manhattan am Hudson River entstanden die „Hudson Yards“, Hochhäuser, Theater, und weitere Gebäude, die auf Stelzen über einem immer noch vorhandenen Zugabstellbereich errichtet wurden. Dort will man Arbeiten, Einkaufen und Wohnen miteinander verbinden.

Und von dort geht „The High Line“ los. Wikipedia sagt hierzu: „Die High Line ist eine 2,33 Kilometer lange und 7,5 Meter über dem Boden liegende, nicht mehr als solche genutzte Güterzugtrasse im Westen von Manhattan, die von 2006 bis 2019 zu einer Parkanlage, dem High Line Park, umgebaut wurde. Der erste Abschnitt wurde im Juni 2009 der Öffentlichkeit übergeben.“

Ein herrlicher Spaziergang. Nach einer Woche dann noch ein Spaziergang in der näheren Umgebung der Unterkunft zum „Flushing Meadows Corona Park“, dem zweitgrößten Park in New York neben dem, klar, Central Park. Dieser beheimatet auch das „USTA Billie Jean King National Tennis Center“, in dem jährlich im August/September die US-Open im Tennis ausgetragen werden.

Und den letzten Tag in New York City nutzen wir noch für einen kleinen Ausflug entlang Long Island mit herrlichen Wohngegenden und einem wundervollen Atlantikstrand, der uns schon etwas Vorfreude auf den Törn zurück nach Europa vermittelt.

Ab aufs Land und der verschwundene Mast

Eigentlich sollte es jetzt bereits nach Conneticut zur Luna Mare gehen. Auf Grund der Verspätung mit dem Transport bleiben uns aber noch zwei Wochen (und hoffentlich nicht mehr).

Für diese Zeit suchen wir wieder eine aribnb Unterkunft. Relativ teuer in der Gegend um Mystic/Conneticut. Aber wir werden fündig: West Pawlet. Hart an der Grenze zwischen Vermont und dem Bundesstaat New York. Sehr ruhige und einsame Gegend, da können wir uns mental schon etwas auf die bevorstehende Ozeanpassage einstellen.

Viel gibt es hier nicht zu tun. Spaziergänge hier und da, viel Zeit zum Lesen, Blog schreiben, spielen, oder im Internet surfen. Und natürlich einkaufen (gibt hier wie bereits bei unseren letzten Stopps einen tollen ALDI in der Nähe) und kochen.

Und auf den 4. Mai warten, der neue Verladetermin. Am 2. Abends ein Anruf. Don meldet sich. Er sei der LKW-Fahrer und Miteigentümer von „Safe Harbor Hauling“. Die letzte Auslieferung war etwas schneller, deshalb ist er bereits in Anacortes/Washington. Verladung kann also gemäß neuem Plan pünktlich erfolgen.

Am nächsten Morgen, wir gerade auf dem Weg zurück vom ALDI zu unserer Unterkunft, nochmals Don am Telefon. Es gibt ein paar „issues“, also Probleme. Nein, bitte nicht.

Don erzählt, er war am Boot und es müsste noch einiges erledigt werden, damit das Boot am nächsten Tag verladen werden kann. Übrigens fehlt der Mast. Er hat in der Werft nachgefragt, wobei John auf den Rigger verwies, der den Mast gelegt hat.

Daraufhin macht sich Don auf auf den Weg zum Rigger. Dort erzählt ihm Wayne, dass man den Mast ordentlich neben dem Boot abgelegt hat. Was nun?

Zurück in der Unterkunft rufe ich John von der Werft an. Ich kann mich dunkel erinnern, dass damals einer der Werftmitarbeiter meinte, dass der Mast nach dem Legen nicht am Boot bleiben kann, sondern anderweitig verstaut werden muss. Und John: Ach ja, kann sein. Ich lass mal nachschauen. Und man hat in tatsächlich irgendwo gefunden.

Und die übrigen „issues“ waren dann glücklicherweise auch behebbar. Wir hatten noch die Fender an der Reling hängen lassen, warum auch immer. Benötigt man dort beim Straßentransport aber nicht. Außerdem dürfen die beiden Dieselkanister nicht dort stehen, wo sie das aktuell tun, eine Alustange (Halterung für den Windgenerator) muss noch abgemacht werden und der Außenborder vom Heck entfernt werden, da ihn herunterhängende Äste zerstören könnten.

John war so nett, jemanden loszuschicken, um diese „issues“ zu bereinigen. Und ja, in der Tat wird Luna Mare am Morgen des 4. Mai verladen und tritt ihren Weg zu uns an die Ostküste an. Don hat mich bereits am Folgetag wieder angerufen mit der Info, das alles Bestens ist. Er will mir Bilder schicken und jeden Tag mitteilen, wo sie gerade sind. Toller Service.

Nächste Woche Dienstag (11. Mai) soll sie in Mystic ankommen und dann gleich zurück ins Wasser kommen. Das stellen des Mastes kann laut dortiger Werft eine bis eineinhalb Wochen dauern, da man derzeit sehr ausgelastet ist. Die Zeit können wir gut für die übrigen Vorbereitungen nutzen.

Und am 14. Mai sollen wir unsere zweite Dosis Moderna erhalten. Hoffentlich klappt das so reibungslos wie in Indianapolis, wäre schon toll, fertig geimpft in Europa anzukommen.

Und sofern nicht doch noch irgendwas dazwischen kommt und sobald das Wetter einen guten Eindruck macht, kann es losgehen. So in rund drei Wochen. Bin schon wahnsinnig aufgeregt, die Skipperin, wie üblich, die Ruhe selbst. Nicht fair.

Zurück in den U.S.A. – als ungebetener Gast

Die Wettervorhersage wechselt täglich, teilweise stündlich. Das einheitliche Schema ist, dass es alle zwei bis drei Tage windig (mit Wind aus der falschen Richtung) und regnerisch wird und dazwischen wenigstens nur bewölkt, aber windstill.

So planen wir die Abfahrt für Samstag den 20. März. Samstag und Sonntag sollen überwiegend sonnig und windarm sein, bevor es am Montag wieder ungemütlicher wird. Zwei mal 30 sm, also eine Nacht vor Anker, bevor wir dann in Friday Harbor auf der St. Juan Insel in die U.S.A. einklarieren wollen.

Wir sind froh, dass der Wetterbericht unsere Abfahrt für Samstag ermöglicht. Wir haben uns nämlich am Donnerstag noch einem Covid-19 Test unterzogen. Konnte zwar nirgend eine Info finden, dass der abgesehen von einer Einreise per Flugzeug gefordert wird, aber sicher ist sicher. Und im allgemeinen soll der ja nicht älter als 3 Tage sein. Es ist schwer konkrete Information über die aktuelle Einreise in die U.S.A. zu finden. Bei einer e-mail Rückfrage bei CBP erhielten wir zur Antwort, dass uns Friday Harbor eine Einreise erlauben könnte. Mit B2 Visum und Covid-Test sollte also alles planmäßig laufen.

So ist alles vorbereitet, der Anker geht hoch und wir wollen die False Creek verlassen. Jetzt, obwohl der Motor kalt ist, die im letzten Blog erwähnte Fehlermeldung. Motor nochmal aus und an. Unverändert. Jetzt lässt sich der Alarm auch nicht mehr dauerhaft wegdrücken. Alle paar Sekunden startet er kombiniert mit der Meldung „O.Load“ wieder und wieder. Bei einem der beiden Motorpaneele, welches sich im Cockpit befindet, ziehe ich den Stecker, Ruhe. Marion sitzt im Innensteuerstand am anderen und schaltet den alle paar Sekunden anschlagenden Alarm immer wieder aus.

Nachdem wir tieferes Wasser weiter entfernt vom Land erreichen löse ich die Skipperin beim Ausschalten des Alarms ab. Kaum sitze ich, keine erneute Alarmmeldung mehr. Gutes Karma? Nicht wirklich, den der Fehler bleibt grundsätzlich bestehen, die Batterie wird nicht geladen. Dank etwas Wind und Sonne geht die Ladung nicht zu schnell runter und es wird sicherlich bis Friday Harbor reichen. Dort wollen wir ohnehin in die Marina und können mit Landanschluss die Batterien wieder laden. Glauben wir zu dem Zeitpunkt zumindest.

Jetzt geht es aber erst mal wieder zurück zu den Vancouver Island vorgelagerten Inseln. Dort gibt es mehrere Pässe, die einen wieder in eine Art „Inside Passage“ führen. Die Eigenheit der Pässe ist, dass sich dort eine erhebliche Strömung von bis zu 9 kn entwickeln kann. Habe die letzten Tage hierfür rund ein Dutzend unterschiedlicher Routen im Plotter abgespeichert, da ich mich nicht so recht für einen Pass entscheiden konnte.

Nach Abfahrt aber gehen wir Richtung „Porlier Passage“ und nicht zu dem bis dahin favorisierten „Active Pass“. Die Durchfahrt durch letzteren ist relativ lang mit erheblichen Strömungsturbulenzen und es gibt dort angeblich reichlich Verkehr. Die „Porlier Passage“ ist nur kanpp 1 sm lang, man kommt also schnell hindurch und gemäß Strömungstabelle wird diese mit gut 3 kn mit uns sein. Trotz zu erwartender Verwirbelungen sollte wir dort gut durchkommen.

Beim Überqueren der „Strait of Georgia“ dann über Funk „Securité securité“, Sturmwarnung für den morgigen Sonntag. Der Wetterkanal grenzt das dann etwas ein, Sturm wohl eher weiter nördlich, in unserem Bereich Regen mit Starkwind. Das verspricht keine gemütliche Ankernacht.

Also in einem Stück durch bis Friday Harbor? Wir kommen ungern nachts irgendwo an, aber die Ankeralternative ist keine, die uns begeistert. Also Kurs erneut angepasst mit Ziel „Customs Dock“ Friday Harbor (so heißt nicht nur der Hafen dort, sondern der ganze Ort).

Einreise in die USA nicht möglich

Wir kommen gegen 21 Uhr an. Anlegen klappt, aber das Zollhäuschen am Steg ist nicht mehr besetzt. Ein Plakat zeigt die Telefonnummer für Ankunft außerhalb der Bürozeiten. Dort aber nur ein Anrufbeantworter. Die Bürozeiten beginnen um 8 Uhr, also verschieben wir das auf den nächsten Morgen und legen uns etwas später, nach dem obligatorischen Anleger, schlafen.

Und der Tag des Schreckens nimmt seinen Anfang. Ein paar Minuten nach acht rufe ich CBP (U.S. Customs and Border Protection – Department of Homeland Security) mittels eines am Zollhäuschen installierten Telefons an. Ich konnte noch kaum „Guten Morgen“ sagen, als man mir sagt „die Grenze ist geschlossen“.

Mein Herz sinkt schlagartig zu Boden, ich versuche meine Stimme im Griff zu haben und erläutere unser Anliegen. In Kurzform: Wir möchten gerne unser Boot auf dem Landweg von der U.S. Westküste an die Ostküste bringen, um von dort nach Hause segeln zu können. Der Transport und die Marinas, die das Boot aus dem Wasser holen und später wieder dahin zurück bringen, sind organisiert. Anzahlungen bereits geleistet. Nein, wir wollen nicht in den U.S.A. dauerhaft bleiben, wir wollen einfach nur nach Hause.

Das Gespräch ist insofern etwas eigenartig, als dass unser Gesprächspartner nicht selbst entscheiden darf, sondern das was ich ihm sage an die vermutlich Entscheidungsperson weitergibt, die dann ablehnt, woraufhin wir weiter diskutieren, er die Info weitergibt, die Entscheidungsperson wieder ablehnt. So geht das rund 30 Minuten.

Am Ende des Gespräches sagt er uns, er kommt zum Boot, auf dem wir gefälligst bleiben sollen. Kurze Zeit später ist er da und lässt sich unseren oben genannten Plan nochmal genau erläutern. Er möchte Unterlagen sehen, aus denen hervorgeht, dass wir tatsächlich einen LKW-Transport vereinbart haben, für den wir ja bereits $ 1.600 Anzahlung geleistet haben. Er macht hier und da ein Foto und schickt es vermutlich an die Entscheidungsperson. Danach telefoniert er mit dieser und informiert uns, nützt alles nichts, ihr müsst zurück nach Kanada.

Ich stammle was von wegen das geht nicht, da können wir unser Boot gleich hier aufgeben. Meinetwegen kann er uns verhaften, oder gleich erschießen. Echte Panik in meinem Hirn. Er lehnt beide Angebote ab und macht sich daran, die Leinen vom Boot zu lösen. Was soll das jetzt? Ich sage, er würde uns damit in Gefahr bringen und ob ich das fotografieren dürfe. Er sagt nichts, so hole ich die Kamera und mache ein paar Aufnahmen. Nach der ersten Leine beendet er dann aber seine Aktion und stampft wütend davon.

Lösen der Heckleine.
Vorleine dann doch nicht mehr gelöst.

Was nun? Diesel haben wir nicht mehr viel. Ich wollte, dass der Tank möglichst leer ist, bevor Luna Mare auf die Straße geht. Denke es ist nicht sehr hilfreich, wenn da ein paar Hundert Kilo Diesel am hin und her schwenken sind. Außerdem ist die Batterie mittlerweile bei unter 40%. Bevor der Grenzbeamte kam, haben wir den Motor schon mal probeweise gestartet, aber hinsichtlich Ladens der Batterie ohne Erfolg.

Zurück nach Kanada? Das schaffen wir nicht. Entweder geht der Diesel aus, oder die Batterie gibt ihren Geist auf und wir sind ohne Navigationsmöglichkeiten. Und sofern uns Kanada ebenfalls nicht mehr rein lässt beginnt ein ping pong Spiel, welches für uns mit Sicherheit in einer Katastrophe enden würde,

Wir müssen es irgendwie schaffen, die Luna Mare in die Marina von Anacortes zu bekommen. Sollte man uns dann festnehmen und ausweisen, hätten wir Freunde dort, die die Luna Mare zu der Werft bringen könnten, die sie an Land holt. Ein Transport an die Ostküste wäre dann möglich, aber was dann?

Egal, es ist unsere einzige Option. Die knapp 40% Batteriekapazität müssten für die 20 sm reichen. Es gibt zwar keine Sonne, aber wie vorhergesagt etwas mehr Wind. Also Leinen los und auf nach Anacortes.

Unter Geleitschutz nach Anacortes

Wir haben Glück, nach dem Starten des Motors werden die Batterien wieder geladen. Ein Problem erst mal weniger. Von Friday Harbor aus ist es ein zickzack-Kurz entlang der vielen Inseln. Insgesamt 20 sm. Da sollten wir doch unerkannt hinkommen können. Denkste. Nach knapp der halben Strecke ein Boot der U.S. Coast Guard mit Blaulicht. Wir stoppen unsere Fahrt.

Ein Schlauchboot wird herabgelassen mit 4 Mann Besatzung. Aus der Richtung von der wir kamen kommt ein weiteres Boot mit Blaulicht. Die Skipperin meint noch in ihrer durch nichts aus der Ruhe zu bringenden Art: die meinen nicht uns. Aber außer uns ist hier nur eine Fähre unterwegs.

Das Boot der U.S. Coast Guard und dessen Schlauchboot bleiben weiterhin in der Nähe, aber nähern sich nicht wirklich an und rufen uns auch nicht per Funk. Ziemlich surreal das Ganze. Ich denke, dann rufe ich die an. Auf Kanal 16: „U.S. Coast Guard for sailing vessel Luna Mare“. Keine Antwort. Was geht da ab? Nochmal „U.S. Coast Guard for sailing vessel Luna Mare“ ergänzt durch „are you here for us?“.

Dann kommt eine Antwort „Sailing Vessel Luna Mare for Victoria Coast Guard“. Habe es erst nicht bemerkt, aber nach der Frage, wo wir uns aktuell befinden, realisiere ich, dass kommt nicht von dem Küstenschutzboot in Sichtweite sondern vom kanadischen Grenzschutz. Wie das? Ich vermute, die wurden informiert, dass man uns zurück schickt, aber dass die meinen Anruf der U.S. Küstenwache beantworten hat mich schon etwas überrascht.

Nach kurzem Austausch auf Kanal 16 gibt mir Jenn, wie die freundliche Dame heißt, eine Telefonnummer, die ich anrufen soll. Am Telefon dann meinerseits die oben schon mal erwähnte Story. Sie fragt, ob eine Rückkehr nach Kanada für uns in Frage käme. Ich erwidere, dass das dem Aufgeben unsere Bootes gleichkommt, da wir dann erst in einem Jahr wieder die (ungewisse) Möglichkeit haben werden nach Europa auf zu brechen. Und bei dem Klima und den Feuchtigkeitsproblemen die wir ohnehin haben, wird das Boot keinen weiteren Winter in dieser Klimazone überstehen.

Auch Jenn möchte nochmals Details über unsere Planung zur Rückkehr nach Europa inklusive Name und Telefonnummer des LKW-Unternehmers. Und ich solle ihr noch die Papiere per MMS schicken, die wir letztes Jahr in Prince Rupert erhalten haben. Ein Dokument, dass bei der Einreise besagte, wir sollen direkt in die U.S.A. zurück kehren (Durch unser Leck auf Grund der Kollision mit einem Baumstamm durften wir dann ja wie berichtet trotzdem einreisen). Das gleiche haben wir nun auch von seitens der U.S.A., welches hier halt besagt, wir sollen direkt nach Kanada zurück kehren. Ping Pong. Sollte die U.S. Coast Guard sich an uns wenden, sollen wir diese an sie verweisen.

Ich glaube ja, es gibt ein politisches Problem zwischen Kanada und den U.S.A. Kanada hat seine Grenzen ja komplett dicht gemacht, währenddessen die Einreise in die U.S.A. von den meisten Ländern aus weiterhin möglich ist (natürlich mit entsprechenden VISA). Aus den hiesigen Medien ergibt sich der Eindruck, dass die U.S.A. reichlich verstimmt darüber ist, dass für sie die Grenze zum Nachbarn Kanada dicht ist.

Die Grenze war teilweise so zu, dass sich nicht mal Familienmitglieder sehen durften. Trudeau konnte nicht mit Trump. Das war noch nachvollziehbar. Aber dass Kanada die Grenzen weiterhin für die U.S.A dicht macht, obwohl Biden nun Präsident ist und ein stringentes Pandemiekonzept mit großen Impferfolgen hat, scheint wohl dort nicht gut anzukommen. Ist aber nur mein subjektives Empfinden.

Jetzt aber wieder zurück zu uns. Mittlerweile nähert sich das Schlauchboot doch. Es wird Sprachkontakt hergestellt. Was wir hier wollen, obwohl wir des Landes verwiesen wurden. Also wieder die gesamte Story. Von der Westküste an die Ostküste und dann nach Europa, nach Hause. Immer wieder Rücksprache mit einem Vorgesetztem, der sich vermutlich auf dem Küstenwachenschiff befindet.

Dürfen wir an Bord, um einen Sicherheitscheck durch zu führen? Ja klar, kein Problem. Sicherheitscheck läuft problemlos. Eine der Beamten fragt weiter nach den Details unseres Plans und möchte Unterlagen hierzu sehen. Außerdem fragt er, ob eine Rückkehr nach Kanada für uns in Frage käme.

Ich verneine und verweise auf Jenn. Und er verweist darauf, dass unser Boot mit hoher Wahrscheinlichkeit gleich nach der Ankunft in Anacortes beschlagnahmt werden wird. Ob wir nicht doch lieber nach Kanada zurück wollen. Ich verweise auf unseren niedrigen Dieselstand. Die Batterie ist glücklicherweise wieder voll geladen. Er schlägt vor, nach Friday Harbor zurück zu kehren um dort aufzutanken und dann die Rückreise nach Kanada anzutreten.

Kanada ist wundervoll, aber ich sehe keine Möglichkeit, über Kanada nach Europa zu kommen. Versuche Jenn am Telefon zu erreichen. Geht nicht ran. Textnachricht „Wir sollen zurück nach Kanada, dürfen wir überhaupt wieder rein?“. Antwort kurz darauf „Standby, ich spreche mit meinem Chef über die Situation“.

Der U.S. Beamte wiederholt sich. Euer Boot wird beschlagnahmt werden, wollt ihr nicht doch lieber zurück nach Kanada. Ich sage ja, ok, müssen wir wohl als Alternative berücksichtigen. Aber werden die uns überhaupt reinlassen? Ok, kein Problem, sagt er, ich kläre das.

Kurze Zeit später kommt er zurück. Wir haben Info aus Kanada, die lassen Euch nicht rein. Ihr wart dort laut deren Aussage für einige Monate illegal. Äh? Ok, kann nicht sein, aber ich widerspreche erst mal nicht. Bin zwar Buchhalter, muss aber nicht immer Recht behalten.

Jetzt ist Anacortes doch plötzlich eine Option. Das mit der Beschlagnahme bleibt so im Raum stehen, aber wenigstens ist die Luna Mare dann am Festland, wo sie zumindest theoretisch ihren Weg an die Ostküste antreten könnte. Sofern sie halt nicht an die Kette kommt.

Wir dürfen also unseren Weg nach Anacortes fortsetzen. Man informiert uns, dass uns dort die dortigen CBP Beamten erwarten werden und dass wir auf den Weg dorthin, „zu unserem Schutz“, von der Küstenwache begleitet werden.

Langer Sonntagabend in Anacortes

Durch den langen Aufenthalt auf halber Strecke kommen wir erst um 18 Uhr in Anacortes an. Der Wind hat deutlich zugenommen, auf jetzt 25 bis 30 kn. Das macht das Anlegen etwas herausfordernder. Hinzu kommt, dass ich mich auf Grund der Situation ohnehin schwer tue, mich zu fokussieren.

Wir sollen am Steg der Tankstelle anlegen. Ich wähle die Seite, von der uns der Wind wegpustet. Das macht es zwar schwieriger, so nahe an den Steg zu kommen, dass die Skipperin uns dort festmachen kann, aber auf der anderen Seite können wir nur sehr schwer ablegen, wenn uns der Wind gegen den Steg drückt.

Dank ihrer großartigen Wurffähigkeiten schafft es Marion eine Landverbindung herzustellen. Wir ziehen uns näher an den Steg, auf den ich dann hüpfen kann, um die übrigen Leinen festzumachen. Die Besatzung im Küstenschutzschlauchboot fragt, ob sie uns an den Steg drücken sollen. Ja, sehr gerne. So geht das festmachen dann doch relativ einfach.

Kurz darauf sind auch schon zwei CBP-Beamte am Steg. Wir können hier nicht bleiben, dies sei ein privater Steg, werden wir informiert. Die beiden Jungs im Schlauchboot suchen nach einer Alternative und finden die zügig. Leinen los und wieder ablegen.

Diesmal geht es an den Besuchersteg. Diesmal haben wir keine Wahl, es bleibt nur die Seite, an die uns der Wind drückt. Hier besteht aber auch eher die Chance, dass der Wind dreht, oder nachlässt, bevor wir wieder weg müssen bzw. in unserer Situation, dürfen. Die Jungs im Schlauchboot der Küstenwache drücken uns wieder an den Steg. Mein Hinweis, dass das der Wind bereits tut wird ignoriert. Scheint denen Spaß zu machen. Bei einem Stahlboot kann da ja nichts kaputt gehen. Höchstens am Steg.

Postwendend sind auch die CBP-Beamten wieder da und begleiten uns zu deren Büro im Hafengebäude. Nochmal unsere ganze Geschichte von vorne. Unsere Unterlagen werden begutachtet und kopiert. Vertrag mit dem LKW-Unternehmen, Covid-Test-Resulatat, Grenzdokumente etc. und man klärt uns darüber auf, dass wir uns bis zum Abschluss der Überprüfung in deren „custody“, also Gewahrsam befinden. Es wird uns Essen und Trinken angeboten, wir lehnen dankend ab.

Kurz nach 22 Uhr hat der Spuck ein Ende. Ergebnis: Unser 10-Jahres-Visa wird für ungültig erklärt und wir erhalten eine „parole“, eine Bewährung, die auf dem Dokument für die Ausreise vermerkt, dass diese bis zum 21. Juni zu erfolgen hat. Luna Mare wird nicht beschlagnahmt und wir können unseren Plan hinsichtlich der Rückreise nach Europa weiter verfolgen.

Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass die CBP-Beamten in Anacartes sehr freundliche waren und uns sehr gut behandelt haben. Wir sind sehr dankbar, dass sie es uns ermöglichen zusammen mit unserem Boot die Heimreise anzutreten anstatt dieses zu beschlagnahmen und uns einfach auszuweisen. Und Dank an die U.S. Coast Guard für die Hilfe beim Anlegen im Port of Anacortes.

Was bedeutet das für ungültig erklärte Visa für uns? Eigentlich nichts, was uns in Schwierigkeiten bringt. Das Zeitfenster für die Atlantiküberquerung schließt sich eh zu dem Zeitpunkt, wegen der Hurrikan-Saison. Unser Plan, ab Mitte Mai abzulegen, sobald das Wetter passend erscheint, kann also bestehen bleiben. Sofern wir wie geplant im Herbst 2022 wieder weitersegeln, haben wir die Route über Südamerika in den Pazifik geplant und dann Südsee etc. Ein Besuch der U.S.A. ist also ohnehin nicht für die nächsten Jahre vorgesehen.

In einigen Jahren dürfen wir zwar wieder ein US Visum beantragen. Stand heute kann ich mir nicht vorstellen, dass ich jemals ein Verlangen danach verspüren werde. Kein Vorwurf gegen die U.S.A., es ist deren gutes Recht keine Leute ins Land zu lassen, die man dort nicht haben möchte. Möchte halt aber auch kein Land besuchen, in welchem ich nicht willkommen bin.

Einziges was verbleibt ist möglicherweise, dass wir Überseegebiete der U.S.A., oder US-Inseln irgendwo in den weiten der Ozeane links liegen lassen müssen. Damit sollten wir aber klar kommen.

Es schwebt aber noch ein Damoklesschwert über uns. Es wird eine Geldstrafe gegen uns verhängt werden. Man würde hierzu am nächsten Tag zu uns an Bord kommen. Da kreisen natürlich sofort die Gedanken. Wird es eine sein, die wir in der Lage sind aufzubringen? Wenn nicht, wird dann Luna Mare doch noch beschlagnahmt? Dürfen wir ausreisen, oder droht uns gar Gefängnis, falls wir nicht zahlen können? Marion hält das mal wieder für Hirngespinste meinerseits und wie sich herausstellen sollte, hat sie natürlich mal wieder Recht. Wie immer eigentlich.

Aber unsere Nerven werden auf die Folter gespannt. Keiner kommt am nächsten Tag. Auch nicht die Tage danach. Was hat das zu bedeuten? Haben die uns vergessen? Die haben noch unsere Bootsurkunde, segeln kann man aber theoretisch auch ohne. Sofern wir es schaffen, Luna Mare an die Ostküste zu bringen.

Donnerstag werden wir mit einer Hiobsbotschaft von unserem, insbesondere meinem, angespannten Warten erlöst. $ 5.000, zahlbar innerhalb von 60 Tagen. Es sind aber keine Beträge, wie sie in meinen Albträumen vorgekommen sind und unbezahlbar gewesen wären. Aber auch $ 5.000 sind für uns eine Menge Holz. Zumal der Transport an die Ostküste teuer ist und nicht in unserem Budget vorgesehen ist. Und endlich in Lanzarote angekommen warten einige Bootsarbeiten auf uns, insbesondere ein Komplettanstrich und das Abdichten von Deck und Ankerkasten. In einer Tropfsteinhöhle können und wollen wir unsere Segelreise nicht fortsetzen.

Wir sind damit aber zumindest nicht direkt pleite. Vielleicht können wir es in Europa ja mal mit Arbeit versuchen, um unsere Bordkasse nicht ganz austrocknen zu lassen. Wär ja mal nen Versuch wert ;-). Und es wird uns erlaubt, eine Art Gnadengesuch einzureichen. Mach ich natürlich, auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, dass das zu einer Reduzierung, oder gar Aussetzung der Geldstrafe führen könnte.

Hier noch ein Bild von hier. Mehr Bilder gibt es, sobald ich wieder besser drauf bin.

Auf nach Vancouver

Vorbereitungen sind erledigt und wir haben richtig Glück hinsichtlich des Wetters. Der letzte bezahlte Monat in der Marina endet am Montag und das schöne Wetter beginnt ebenfalls am Montag, nachdem es Sonntags noch etwas Regen und Gegenwind gegeben hätte.

Wecker auf 7 Uhr gestellt, Nachbarn Mae und Marty sind um die Zeit schon wach und wollen uns beim ablegen helfen. Da klopft es schon kurz vorher am Boot. Wer weckt uns da? Niemand zu sehen. Plötzlich fällt mir eine dunkle Rauchsäule auf, die über uns hinweg zieht. Was brennt den da?

Und in der Tat, am Nachbarsteg brennen zwei Motorboote lichterloh. Die Feuerwehr ist rasch im Einsatz und kann verhindern, dass das Feuer auf Nachbarboote übergreift. Bei den zwei Motorbooten ist nichts mehr zu retten. Wie wir erfahren, kam glücklicherweise keine Person zu Schaden.

Als wir dann eine gute Stunde später ablegen, raucht es immer noch ordentlich. Mit einem größeren Schlauchboot der Küstenwache werden die beiden Boote aus der Box genommen, damit die dort nicht versinken und zu einem anderen Ort, vermutlich sofern möglich aus dem Wasser raus, gebracht.

Bob von nebenan bringt uns noch etwas frisch eingemachten Lachs vorbei. Der Wind lässt deutlich nach, so dass wir ohne Probleme aus der engen „Parklücke“ rauskommen. Wir verabschieden uns winkend von den Nachbarn und machen uns auf den Weg zur Tankstelle. Noch ein paar Liter Diesel bunkern und auf geht es zur ersten Ankerbucht, Henry Bay, Denman Island.

Und schon wieder die Ankerwinsch.

Um die Jahreszeit haben wir die Ankerbuchten meist ganz für uns. Gelegentlich der eine oder andere Fischer, aber glücklicherweise nicht in dem Bereich, der für uns flach genug zum Ankern ist. Also Anker runter. Stoppt aber nach kurzer Zeit. Was ist jetzt schon wieder los. Die neue Ankerwinde kann es ja wohl nicht sein.

Schon wieder das Relais defekt? Beim Berühren der Sicherung geht es plötzlich wieder weiter. Aber wieder nur kurz, dann springt die Sicherung ganz raus. Nach kurzem Warten ein klacken, die Sicherung kann wieder eingerastet werden und es geht wieder ein Stück. Das bringt nichts, den bevor der Anker am Boden ist, sind wir im Zweifel nicht mehr an der Stelle, wo wir den Anker setzen wollen.

Man kann aber mit einer Winschkurbel die Kettensperre lösen, so dass die Kette einfach ausrauscht. So liegen wir jetzt erst mal sicher vor Anker. Mal sehen, wie wir die Ketten morgen früh wieder hochbekommen.

Am nächsten Morgen bestätigt es sich dann, die Sicherung ist überfordert. So geht die Kette nur Meter für Meter hoch, immer mit einer Pause dazwischen, bis sich die thermische Sicherung wieder abgekühlt hat.

Manual überprüft. Arbeitslast der Winde 140A, die Sicherung soll 80A haben. Unsere hat 80A aber irgendwie komisch oder?

So kommt es, dass ich den Unterschied zwischen einer thermischen Sicherung, die wir haben, und einer hydraulisch/magnetischen, die wir laut Manual haben sollten, erlerne. Danke Tobi hierfür. Blöd nur, dass wir keine hydraulisch/magnetische dabei haben. Statt tollen Ankerbuchten jetzt doch in Marinas, oder einfach die Kette mit viel Geduld und der Hoffnung, dass die Sicherung nicht komplett den Geist aufgibt, hochholen?

Wundervolle Ankerbuchten schützen nicht vor einem weiteren Problem

Wir entscheiden uns fürs zweite und brechen zur False Bay/Lasqueti Island auf. Die Entfernung zwischen den Ankerplätzen beträgt nur zwischen 20 und 30 Seemeilen. So erreichen wir die nächste traumhafte Ankerbucht im Laufe des Nachtmittags.

Anker ohne Ankerwinde gesetzt und die Natur ringsherum genießen. Da wir selten mit nur einem Problem unterwegs sind, haben wir auch dieses Mal noch ein zweites. Das Motorpaneel meldet „E16 TEMP“. Eine Fehlermeldung, die im Manual nicht erwähnt ist, aber wohl auf ein Temperaturproblem verweist. Motortemperatur ist aber mit knapp 80° C sicherlich nicht das Problem.

Der Fehler trat bisher auch schon mal sporadisch auf, dann hatten wir den Motor kurz abgestellt, neu gestartet und alles war ok. Dumm nur dann, wenn die durch ein äußerst unangenehmen Alarmton begleitete Fehlermeldung kommt, wenn man den Motor z.B. für ein Anlegemanöver dringend benötigt.

Das wollte die Motorelektronik aber so nicht auf sich sitzen lassen und hat sich nunmehr ausgedacht, das es durch das abschalten der Lichtmaschine vielleicht mehr Aufmerksamkeit erhalten könnte. Jetzt geht zusammen mit der Fehlermeldung der Drehzahlmesser auf Null und die fleißig weiterdrehende Lichtmaschine lädt die Batterien nicht mehr.

Glücklicherweise haben wir Internet und mit Hilfe der immer sehr hilfsbereiten Yachtwerft Heiligenhafen (Urs Weisel), des deutschen Motorlieferanten Marineservice Niederlehme (Alexander Rapp) und dem Hersteller (Lombardini, jetzt Kohler) selbst, konnte die Fehlerursache eingegrenzt werden.

Die für die Motorelektronik zuständige Box hat laut Hersteller einen falschen Grenzwert für die Temperatur im „Flashspeicher“. Muss ausgetauscht werden. Und es wurde ohne großes Hin und Her direkt angeboten, uns einen Ersatz zu senden. Gut, das wir mittlerweile June an der Ostküste kennen, die bereit ist, das Paket für uns entgegen zu nehmen.

Box für die Motorelektronik (ECU)

Die Befürchtung, jetzt doch weiter von Marina zu Marina zu müssen hat sich aber glücklicherweise nicht bestätigt. Morgens, wenn alle Aggregate noch kalt sind, läuft alles problemlos und bisher haben wir Glück, dass sich der Fehler erst immer dann einstellt, nachdem die Batterie voll geladen ist.

Morgens ist es drinnen wie draußen noch etwas kühl..

It is a log, not a rock

Nach unserer Ankunft in Campbell River waren wir in Quarantäne und auch danach noch ein paar Tage in Tracys airbnb Unterkunft, bis Luna Mare wieder dicht war. Anfang Oktober, nach Ablauf unserer Quarantäne, hat uns dort eine freundliche Journalistin vom lokalen „Campbellriver Mirror“ interviewt. Die fand es irgendwie spannend, wie wir hier gestrandet sind.

Im März nochmal eine kurze Unterhaltung und jetzt, zwei Tage nachdem wir Campbell River verlassen haben, erscheint der Artikel. Inhaltlich etwas ungenau, es war natürlich kein Fels, der durchs Wasser trieb, sondern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Baumstamm, den wir da nächtens gerammt haben. Vermutlich hat mein deutscher Akzent aus „log“ einen „rock“ gemacht. Und das passierte nicht in der Strait of Georgia. Dort haben wir lediglich das kleine Leck, das durch den ramponierten Tiefengeber entstand, entdeckt.

Auch ansonsten nicht immer präzise, habe die Journalistin vermutlich zu sehr voll gelabert, aber eine nette Geschichte. Vielen Dank Binny.

An unexpected anchor: German couple sailing the world find refuge on Vancouver Island – Campbell River Mirror

Weiter nach Vancouver

Die 3. Nacht verbringen wir in der Smuggler Bay vor Anker. Abgesehen vom kurzen Stopp am Zoll in Prince Rupert, das erste Mal, dass wir am Festland anlegen. Und dann gleich in einer solch wundervollen Bucht. Wiederum ganz für uns alleine. Im Sommer sieht das ganz anders aus. Da werden die Ankerlieger mit einem Tau am Festland befestigt, damit dann ein Boot gefahrlos so dicht wie möglich neben dem anderen liegen kann. Bei uns reicht ein Anker auf knapp 10 m Tiefe.

3. Ankernacht
in der
Smuggler Cove

Noch ein Stopp bis zum Ankerplatz in Vancouver. Wir entscheiden uns, die Gibsons Marina anzulaufen. Da gibt es „in der Nähe“ einen Marineladen und wir können nochmal eine richtige Dusche benutzen. Auf der Luna Mare ist das Duschen im Boot etwas umständlich und im Cockpit, wo es eigentlich ganz toll ist, witterungsbedingt nicht wirklich unser Ding.

White Islets auf demWeg zur Gibsons Marina.
Schöner Ausblick von der Gibsons Marina

Der Marineladen, den wir nach einem anstrengenden, weil teils relativ steilen Weg erreichen, bringt uns nicht weiter. Eine 80A Sicherung gibt es, aber nur eine thermische. Wir sind aber guter Dinge, in Vancouver die richtige zu ergattern. Der Spaziergang den Berg hoch zum Laden hat uns gut getan, noch die Dusche genießen und einen entspannten Abend mit einer ebensolchen Nacht auf der Luna Mare.

Da es nur noch gut 20 Seemeilen bis nach Vancouver sind, können wir uns gemütlich nach dem Frühstück auf den Weg machen. Die Strömung ist hier nicht so ausgeprägt, so dass wir gut vorankommen und gut 4 Stunden später bereits im False Creek den Anker setzen können. Nach dem ersten Versuch noch etwas zu nahe an einem Nachbarn, nochmal Anker hoch, was ja wie vorhin beschrieben ein Geduldsspiel ist. Nach dem zweiten Versuch liegen wir aber Bestens und wollen dass auch bis zur Weiterfahrt nicht mehr ändern.

Ankern vor der Skyline
von Downtown Vancouver

Kurz darauf ein Besuch des Grenzschutzes. Da wir nahe an der Grenze zur USA sind, achtet man wohl insbesondere auf Grund der Pandemie darauf, dass hier keiner unerlaubt die Grenze überschreitet. Er will unsere „Reporting-Number“ (Einklarierungsnummer), ruft bei der ausstellenden Behörde an und zieht wort- und grußlos weiter. Scheint also alles ok zu sein.

Am nächsten Tag, Samstag, geht es zuerst zum Public Market auf der Granville Island, die gar keine Insel, sondern nur eine halbe ist.

Danach machen wir uns auf den Weg zu einem Marineladen. Mit den örtlichen öffentlichen Verkehrsmitteln vertraut gemacht, geht es auf die andere Seite der nördlich von unserem Ankerplatz gelegenen Halbinsel, die die Downtown von Vancouver beheimatet. Entgegen den im Internet gefundenen Öffnungszeiten hat der Laden aber Samstags geschlossen. Macht nichts. Bei herrlichem sonnigen und milden Frühlingswetter spazieren wir am Ufer entlang zum Stanley Park.

Von dort geht es dann mit öffentlichen wieder zurück zum Dinghy-Dock und von dort auf die Luna Mare. Wir genießen den mildesten Tag seit rund einem halben Jahr. Im Internet finde ich noch einen weiteren Marineladen, der auch unsere Ankerwinde im Angebot hat. Dann könnte er ja auch den passenden Sicherungsschalter haben? Macht in einer guten Stunde zu. Noch versuchen rechtzeitig hinzukommen, oder auf Montag warten?

Reparaturen müssen gleich erledigt werden, also auf geht’s. Und in der Tat, wir schaffen es rechtzeitig und die haben exakt den Sicherungsschalter den wir benötigen. Für ein Segelboot kostet so etwas dann € 100, was man für den Haushalt vermutlich für € 20 erhalten würde. Stimmt, das hätten wir uns vorher überlegen müssen.

Am heutigen Sonntag zeigt sich das Wetter leider nicht mehr so angenehm. Regen, allerdings nicht mehr bei knapp über null, sondern fast 5 bis 10°C. In Campbell River schneit es momentan sogar noch kurz etwas. Es ist aber bereits für morgen wieder Sonnenschein vorhergesagt. Zumindest hier. Dann geht es wieder in die Downtown und Chinatown.

Es geht weiter…..zurück.

Die Winterpause in Campbell River geht zu Ende. Am Montag soll es weiter gehen, sofern es sich das Wetter nicht noch anders überlegt. Diese Woche war überwiegend regnerisch und windig, ab Montag soll es aber besser werden.

Nachdem wir seit Panama City vor keiner größeren Stadt mehr lagen, wollen wir das nun ändern. Bis Ende der Woche wollen wir nach Vancouver. Dort gibt es einen kostenlosen Ankerplatz (False Creek) mitten in der Stadt. Ankererlaubnis eingeholt, sind wir schon sehr neugierig, was uns da erwartet.

Danach geht es weiter nach Anacortes, wo wir Ende März ankommen wollen. Da gilt es die Luna Mare für den Transport vorzubereiten. Segel abnehmen, Baum ab, Windfahne und Solarpaneelen demontieren, Cockpit Dach abbauen, Luft aus dem Dinghy raus und auch ansonsten alles für den Transport ordentlich verstauen.

Wir starten dann in der ersten Woche mit unserem Roadtrip an die Ostküste mit einem mystischen Ziel: Mystic/Conneticut. Muss zugeben, wir haben nicht viel Ahnung, was die nördlichen US Bundesstaaten anbelangt, bin aber sicher, dass es eine spannende Reise durch abwechselnde, aber immer wundervolle Landschaften und Städte wird.

Montana, ein Staat ungefähr so groß wie Deutschland, hat gerade mal 1 Million Einwohner. Da wird der Roadtrip so einsam wie das Segeln auf hoher See. Chikago, Niagra Falls, New York, Boston und vermutlich noch viel mehr Highlights.

Unsere lokale Freundin Tracy hat uns nochmal zu einem Ausflug mitgenommen. Auf der Nachbarinsel Quadra Island haben wir Rebecca Spit aufgesucht und sind den Chinese Mountain hochgewandert. Ein wundervoller Abschluss für unseren Aufenthalt hier. War ein Glücksfall, mit Tracy jemanden von vor Ort kennen zu lernen, die uns sehr schöne Plätze hier gezeigt hat, die wir sonst vermutlich nicht gefunden hätten.

Kleiner Rückblick. Was sich als durchaus etwas schwieriger als gedacht herausgestellt hat, ist der Transport des Bootes von der West- an die Ostküste.

Den LKW-Transport konnten wir relativ schnell vertraglich vereinbaren. Etwas schwieriger war die Suche nach einer Marina, die in der Lage ist, Luna Mare aus dem Wasser zu holen, den Mast zu legen und dann auf einen LKW zu verladen. Nach ein paar e-mails und Telefonaten Seattle. Die wollen aber mehr als $ 4.000 dafür haben. Schon etwas teuer. Aber glücklicherweise eine Alternative mit Anacortes gefunden, die ein knappes drittel günstiger ist.

Im Osten war es dann nicht nur eine Preisfrage. Einige Marinas haben Ende April noch keine Saison und entsprechend keine Schwimmstege draußen, andere keinen Kran, die Wassertiefe ist nicht ausreichend, oder anderweitig kein Interesse. Dank Jess, die wir mit ihrem Ehemann James und deren Kindern vor Hawaii und noch ein paar mal in den Gewässern Alaskas getroffen haben, gelang es uns letzte Woche, auch diesen Teil der Reise zu arrangieren.

Jess kennt nämlich June aus Conneticut und June hat für uns eine Marina gefunden, die das alles kann und auch dazu gewillt ist. Darüber hinaus dürfen wir Junes Liegeplatz kostenlos nutzen. Bei Marinapreisen von €70 und mehr pro Tag eine wahrlich gute Nachricht.

So, die Anspannung steigt, Luna Mare wird am Wochenende noch fertig für die Weiterfahrt vorbereitet. Drückt uns die Daumen, dass das alles was uns da jetzt bevorsteht möglichst reibungslos über die Bühne geht.

Alltag in Campbell River

Seit zwei Monaten sind wir nunmehr bereits in dem kleinen Ort Campbell River auf Vancouver Island. Von den nahe gelegenen Einkaufsmöglichkeiten habe ich ja schon berichtet. Das ABC des Einkaufs (Alkohol, Baumarkt, Cannabis) wie das LM, Lebensmittel und Mode sind hier gleich um die Ecke.

Es spielt sich schnell eine gewisse Routine ein. Morgens um so ca. 10 Uhr der kurze Weg zum Supermarkt „Canadian Real Superstore“, ein Baguette fürs Frühstück. Nach dem Frühstück erst mal ins Internet und ab Mittag herum immer mal wieder Kleinigkeiten am Boot erledigen. Und bei Bedarf eine oder mehrere der erwähnten Einkaufsmöglichkeiten aufsuchen.

Die entspannte Skipperin

Bei schönem Wetter ein kurzer Spaziergang, ansonsten gemütlich im Boot die Zeit mit Lesen, oder Spielen verbringen. Bei dieser Gelegenheit ein Gruß an „The Legends of Sinerania“. Und schon geht ähnlich wie in Deutschland um 16:30 Ortszeit die Sonne unter.

Wie gehabt, kochen die Skipperin und ich im Wechsel jeweils jeden zweiten Tag das Abendessen, dann Geschirr spülen und entspannt geht es weiter in den Abend hinein, in den uns Youtube/Mediathek, lesen und spielen begleiten.

Das Wetter ist durchwachsen und wechselhaft hier. Immer mal wieder regnerische Tage, teils mit ordentlich Wind, gefolgt von angenehm sonnigen Tagen. Die Temperaturen ziemlich kontinuierlich im Bereich 0 bis 10 °C, ein paar Mal gab es leichten Nachtfrost. Dank unserer Zusatzheizung ist es jedoch stets angenehm warm an Bord der Luna Mare.

Wind mit bis 53.9 kn = knapp 100 km/h

Ach ja, COVID-19 gibt es hier auch. Ist aber diesbezüglich kein Brennpunkt und es läuft aus unserer Sicht alles ganz unspektakulär. Masken, Abstand, Hände waschen. Alle Läden, die wir brauchen (siehe oben), sind geöffnet. Soziale Kontakte sind naturgemäß überschaubar und beschränken sich im Wesentlichen auf Stegnachbarn. Man ist hier also unter sich und beim Klönen via Boot und Steg hat man ja automatisch ausreichend Abstand.

Tech-Eck:

Manchmal häufen sich die Ausfälle und es schleicht sich das Gefühl ein, dass das Boot einen überfordert. Das undichte Deck immer noch nicht im Griff, streikt unsere Dieselheizung. Dann schließt sich der Dieselherd dem Streik an und, aller guten Dinge sind drei, lässt sich das Batterieladegerät ebenfalls nicht lumpen und macht mit beim Streik.

Das sind jetzt nicht wirklich günstige Teile um sie zu ersetzen. Gibt es Reparaturmöglichkeiten? Noch sehe ich keine.

Dieselheizung:

Schaltet sich nach einigen Minuten einfach ab, mit dem Hinweis „Error“ auf dem Display. Nirgendwo allerdings eine Info, um welchen „Error“ es sich handeln könnte. Es fällt auf, dass die Dieselpumpe zwischendurch anscheinend die Pumpaktivitäten deutlich steigert, bevor sich die Heizung abschaltet. Irgendwas mit dem Diesel nicht ok?

Auch scheint das Gebläse hochzufahren, bevor sich die Heizung ausschaltet. Gelegentlich löst auch noch die Sicherung aus. Was sagt uns das alles?

Ein Stegnachbar meint, so ein Problem hatte er auch schon mal. Heizung ausbauen, auseinander nehmen, reinigen und (auf gut Glück wäre das dann bei mir) wieder zusammen bauen. So mühevoll, wie die im relativ engen Raum, wo sich der Ruderquadrant etc. befinden, verbaut wurde, wird der Ausbau eine akrobatische Übung. Und kalt ist es da hinten auch.

Also nichts überstürzen, wir haben ja noch Zeit. Und eine elektrische Zusatzheizung wollten wir uns eh anschaffen. Also zum Baumarkt und eine solche erstanden.

Einfacher als der Ausbau ist es, die Heizung einfach mal einzuschalten um zu schauen, ob sie immer noch nicht funktioniert. Test positiv, funktioniert nicht. Aber dann, plötzlich, eines Tages, läuft sie länger als gewohnt. Zufall? Egal, Hauptsache sie läuft.

Von der Heizung im Heck des Bootes läuft der Heizungsschlauch nach vorne. Zuerst im Schlafbereich mit einer verschließbaren Öffnung, dann weiter vorne, Pantry und Bad. Da es im Schlafbereich nicht so warm sein muss, ist die Klappe meistens geschlossen. Da sie jetzt auf ist, schließe ich sie. Und kurze Zeit später geht die Heizung wieder aus.

Besteht da ein Zusammenhang? Gleich nochmal testen und ja, so lange die Klappe im Schlafbereich offen ist, läuft die Heizung. Überhitzung, da das Gebläse die erhitzte Lift nicht bis ganz nach vorne pusten kann? Das scheint es wohl zu sein. Bestätigt wohl auch durch Verengungen im Schlauch, der aus leichtem (zerdrück baren) Aluminium besteht.

Dieselherd:

Macht es wie die Heizung, schaltet sich nach einigen Minuten einfach wieder ab. Ausgebaut, gereinigt, wieder eingebaut. Teile getauscht. Nichts funktioniert.

Ohne kochen geht es halt nicht, also zwei elektrische Kochgplatten gekauft.

Oben unsere neuen elektrisch betriebenen Kochplatten, unten unser Dieselherd.

Woher bekommen wir Ersatz für den Dieselherd? Aus Deutschland nach Kanada liefern lassen? Defekt nach 4 Jahren ist natürlich nicht sehr toll.

Noch ein Reparaturversuch. Nochmal ausgebaut. Ein Teil habe ich in der Tat noch nicht ausgetauscht, obwohl ich einen Ersatz dafür da habe. Das Thermostat. Kann es eigentlich irgendwie nicht sein, aber was solls.

Thermostat ausgebaut, erneuter Test und der Herd funktioniert wieder. Zweite Baustelle gelöst.

Batterieladegerät:

Läd nicht mehr. Die Anzeige blinkt, oder zeigt gar nichts an. Desaster. In der Marina den Motor laufen lassen um die Batterie zu laden? Obwohl wir Landanschluss haben und der Strom auf Basis Flatrate abgerechnet wird? Keine guten Aussichten.

Viel kann man da nicht machen. Ein Schalter am Bedienpanel, und einer am Ladegerät selbst. Plus sogenannte „Jumper“. Alles mal hin und her ändern. Hilft aber nichts.

Immer mal wieder am Bedienpanel einschalten und plötzlich funktioniert es wieder. Aber nur für einige Zeit, dann ist wieder Schluss. Und plötzlich funktioniert es wieder.

Oben: neuer Scheibenwischerantrieb. Mitte: Weihnachtsdeko. Unten (das mit der 8.0): Bedienpanel für Ladegerät, auf welches gelegentlich ein Tropen Kondenswasser von oben tropft. Nicht gut.

Nach gefühlt Wochen zeigt es sich, dass es wohl nicht am Ladegerät liegt, sondern am Bedienpanel. Das gute daran, ein Ersatz wäre nicht so teuer wie ein neues Ladegerät und wir können die Batterie weiter mit Landstrom laden. Muss halt direkt am Ladegerät eingeschaltet werden. Häufig lässt es sich aber doch über das Panel bedienen. Wohl so eine Art sporadischer Fehler.

Sonst noch was?

Habe ich schon mal erwähnt, dass unser Deck undicht ist und wir Wasser im Boot haben? Das bleibt wohl eine Endlosgeschichte. Das Abdichten mit Dichtmasse hat nicht so richtig funktioniert. Vermutlich ist bei dem Klima hier die Metallleiste zu feucht, so dass sich der Kleber nicht ordentlich dran heften kann.

Damit das Regenwasser nicht rein kann, eine Plane zugeschnitten und verklebt. Aber das Klebeband hält nicht am Decksbelag. Mal schauen, ob wir hierfür geeigneteres finden. Wirklich reparieren werden wir das aber wohl erst nächsten Sommer können, wenn wir sofern alles planmäßig läuft vor Lanzarote liegen.

Schicke Abdeckplane mit unzureichend haltendem Klebeband. Aber farblich schön abgestimmt 🙂

Der Vertrag für den Transport von der US West- zur Ostküste ist unterzeichnet, die Anzahlung geleistet. Termin: die Woche nach dem 18. April. Passt, wir können dann im Mai über die Azoren zurück segeln.

Ansonsten defekten Scheibenwischerantrieb ersetzt und etliche teils kleinere Roststellen an Metallteilen im Boot gereinigt. Für die draußen ist es zu kalt und häufig zu ungemütlich.

So werden wir die nächsten gut 2 Monate hier verbringen, bevor es im März Richtung Seattle weitergeht.

Euch allen wünschen wir ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start ins Jahr 2021 verbunden mit der Hoffnung, dass nächstes Jahr die Virus-Situation deutlich besser wird. Bleibt gesund.

Weihnachtsbaum auf der Luna Mare.

Herrliches Kanada

Da ich nicht absehen kann, wie lange die Reparatur dauern wird, habe ich die Unterkunft nur für 6 Tage gebucht. Das war Unfug, denn das endet dann am Montag, dem Tag, an dem die Werft den Schaden ja erst inspizieren will.

Da klar ist, dass der Triducer ersetzt werden muss, habe ich die Werft gebeten, diesen doch bereits zu bestellen. Die tolle Unterkunft können wir glücklicherweise um zwei Tage verlängern.

Wie sich herausstellt reicht das aber nicht. Also neue Unterkunft via airbnb reservieren. Am Mittwoch den 30.09. dann Umzug ins neue Quartier, welches etwas zentraler zur Innenstadt von Campbell River liegt. Die Zeit zwischen Auszug aus der einen Wohnung und Einzug in die Neue verbringen wir in einem kleinen Park bei glücklicherweise schönem sonnigen Wetter.

Quartierwechsel

Auch in der neuen Unterkunft fühlen wir uns gleich wohl. Gebe wegen unserer Quarantäne noch bei Customs Bescheid, dass wir umgezogen sind und frage nach, wann die Quarantäne exakt endet. Der freundliche Herr am Telefon akzeptiert jetzt den 16. 09. als unsere Einreise nach Kanada (und damit unsere Ankunft in Prince Rupert, statt in Campbell River) und meint, nach der nächsten Nacht ist sie zu Ende.

Tolles Timing, den von der neuen Unterkunft aus haben wir fußläufig einen Supermarkt und fast vor der Tür die Bushaltestelle für die Fahrt ins Zentrum. Das nutzen wir am nächsten Tag gleich ausgiebig aus.

Wir lernen auch unsere Gastgeberin Tracy kennen. Eine überaus sympathische Person die wir und die uns sofort ins Herz schließt. Sie bietet uns auch gleich an, mit Ihr einen Ausflug zu unternehmen. Das nehmen wir natürlich gerne an.

Davor machen wir uns aber schon mal eigenständig zu einem kleinen Ausflug auf. Mit dem Bus zuerst bis zu dessen Endstation und von dort ca. 20 Minuten Fußweg, bis ein Wanderpfad entlang des Campbell Rivers zu den Elk Falls Wasserfällen führt. Landschaftlich wundervoll und ein imposanter Wasserfall. Von dort wieder zurück zur Bushaltestelle. Alles in allem 3 Stunden Wanderung bei wundervollem Wetter.

Die Werft kann leider noch nicht absehen, bis wann sie mit der Reparatur fertig sein wird. Die aktuelle Unterkunft haben wir für eine Woche, danach kommen neue Gäste. Also noch eine weitere Unterkunft für ein paar Tage reservieren. Diesmal eine, die wir relativ günstig stornieren könnten, falls wir früher zurück auf die „Luna Mare“ können.

Gegen Ende der Woche steht dann der Ausflug mit Tracy an. In Ihrem Dodge Ram 1500 geht es raus aus der Stadt an Seen und Wasserfällen entlang. Eine wirklich atemberaubende Landschaft. Unterwegs nehmen wir den einen oder anderen kurzen Wanderweg, der uns in traumhafte, der Natur überlassene Wälder führt. Ein herrlicher Tag mit unserer wundervollen Gastgeberin.

Am Tag des Auszugs bietet uns Tracy an, unser Gepäck in ihrem Pick up zu verstauen, sie würde es uns dann später zur neuen Unterkunft bringen. Zwischen Aus- und Einzug liegen ja immer ein paar Stunden.

Vorher, es ist Dienstag der 6. Oktober, der Anruf von der Werft. Alles ist fertig und in ca. 30 Minuten (9:30 Uhr) geht „Luna Mare“ zurück ins Wasser. Schauen dann noch, ab der Einbau funktioniert hat und alles dicht ist und danach können wir ablegen.

Das hört sich doch schon mal gut an. Die Weiterfahrt wollen wir in Tagesetappen machen, da wir ja jetzt vermutlich einen anderen kanadischen Aufenthaltsstatus haben. Damit sollte das möglich sein. Zwischenzeitlich haben wir erfahren, dass eine direkte Reise nach Bellingham nicht möglich ist, da wir zu einem „port of entry“ müssen. Unsere Freunde von der Dada Tux wussten das genauso wenig wie wir und haben dadurch, dass sie vor dem Einklarieren in US-Gewässern geankert haben, mächtig Ärger bekommen.

Der Transit durch Kanada gilt entgegen dem was wir dachten und wussten als Ausreise aus den USA (obwohl eine Einreise nach Kanada nicht möglich ist, außer bei einem Notfall) und damit handelt es sich bei der Ankunft in Washington um eine erneute Einreise. Ein Bußgeld von $ 5.000 wurde angedroht. Nach einigem Hin und Her blieb es bei einer offiziellen Verwarnung und die Einreise mit einem Aufenthalt für 180 Tage wurde genehmigt. Die von den beiden (wie ja auch von uns) beantragte Visaverlängerung also unnütz und $ 910 umsonst ausgegeben. Wir sind aber jetzt vorgewarnt.

Koffer sind gepackt. Noch schnell ein Anruf bei Customs. Wir können vermutlich morgen weiter. Was müssen wir beachten? Dürfen wir ankern? Ja, dürfen wir. Wie lange haben wir Zeit, bis wir die kanadischen Gewässer verlassen müssen?

Wir dürfen bleiben

Ah ja. Sie haben ja jetzt 14 Tage Quarantäne hinter sich gebracht? Ja. Als Deutsche benötigen Sie kein Visum. Na ja, sie können ab dem Einreisedatum 16. September für 6 Monate im Land bleiben. Ich traue meinen Ohren nicht. Tatsächlich? Ja. Müssen wir irgendwo vorstellig werden, wegen Reisepass, Stempel oder so? Nein, haben das alles bereits in unserem System.

Das ist ja eine völlig neue Situation. Spontan die Überlegung, da „Luna Mare“ an Land steht, vielleicht kann die Werft den Rumpf neu streichen. Schnell dort anrufen. Könnt ihr den Kranvorgang noch abbrechen? Ja, ist möglich.

Auf zur Werft um den neuen Plan zu besprechen. Dachte, so ein Sandstrahlen plus neuer Anstrich bei unserer 38 Fuß Yacht würde nicht mehr als € 5.000 kosten. Was ja für unsere Verhältnisse schon ein ordentlicher Betrag ist. Aber getäuscht. Ich erfahre, dass so ein Projekt bei knapp € 25.000 liegen wird. Nö, dass können wir uns auf keinen Fall leisten.

Doof. Krantermin abgesagt. Geht da heute noch was? Ja, so gegen 14 Uhr ist ein neuer Versuch machbar. Bis 15 Uhr kann ich die neue Unterkunft in die wir heute einziehen wollten noch relativ günstig stornieren. Also gleich mal gemacht. Tracy informiert, dass wir unsere Koffer nicht in der neuen Unterkunft, sondern an der Werft benötigen.

Krantermin findet statt, „Luna Mare“ ist wieder im Wasser. Die Überprüfung des Transducers im vorderen Bereich des Bootes ergibt: Leck vorhanden, Einbau nicht 100% geglückt. Während ich diese unangenehme Nachricht vernehme, vernehme ich auch den Start der Bilge Pumpe. Was ist da nun wieder los.

Ein Blick in den Motorraum zeigt an der Wellendichtung im Heckbereich des Bootes ein ordentliches Tröpfeln. Nein, nicht noch ein Leck.

Leider doch. Die Wellendichtung dichtet nicht mehr und muss ersetzt werden. „Luna Mare“ muss ja ohnehin raus, da ja der Transducer-Einbau noch nachgebessert werden muss. Es ist mittlerweile 16 Uhr, unsere Unterkunft storniert und an Land im Kran hängend an Bord zu sein missfällt mir.

Also für die Nacht ein Hotelzimmer gebucht und mit unseren Koffern, die uns Tracy mittlerweile gebracht hat, auf den Weg dahin gemacht. So geht ein frustrierender Tag zu Ende.

Wie machen wir jetzt weiter? Morgen sollte der Weiterfahrt dann ja eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Auf nach Washington? Boot im Wasser lassen und darauf leben geht dort leider nicht, also direkt an Land stellen, für den Transport im April 2021 vorbereiten und nach Hause fliegen? Nicht wissend, ob wir dann im April 2021 Coronabedingt zur „Luna Mare“ zurück können?

Jetzt, wo wir eine Alternative haben? In Kanada überwintern? Das wäre doch möglicherweise die bessere Option.

Am nächsten Tag klären wir mit der Discovery Marina ab, ob wir dort über den Winter bleiben können. Die junge Dame im Marinebüro meint, sie wisse das nicht, müsste geprüft werden, aber wir können schon mal am Besuchersteg anlegen. Preise haben wir im Vorfeld im Internet geprüft, sind ok.

Also zurück zur Werft. Leider stellt sich der Austausch der Wellendichtung als etwas schwieriger heraus als gedacht. Da der Motor wohl nicht mehr exakt saß, hat sich auch ein weiteres Teil der Anlage etwas unrund ausgeschliffen. Kann aber vorerst bleiben. Der Werftarbeiter richtet soweit möglich den Motor etwas aus, damit das Ganze wieder etwas runder läuft.

Die Nacht im Kran

So nähert sich der Abend und eine Rückkehr ins Wasser geht auch heute nicht mehr. Diesmal überwinde ich mich und wir verbringen die (hoffentlich) letzte Nacht an Land auf unserer „Luna Mare“. Wobei wir nicht wirklich an Land sind, sondern im Kran hängen. Läuft aber problemlos.

Wir haben vorausschauend den Wecker auf 7 Uhr gestellt, da die Werft um 8 Uhr die Arbeit aufnimmt.. Hat uns dann auch geweckt und wir diesen ausgestellt. Ach ja, nochmal umdrehen. Und prompt wieder eingeschlafen. Aber kurz vor 8 Uhr wach geworden und blitzschnell aufgestanden.

Paar Minuten später läuft der Motor des Krans auch schon an. Wir gehen an Land und „Luna Mare“ zurück ins Wasser. Diese Mal ist alles dicht.

Discovery Harbor Marina

Nochmal auf den Weg zur Discovery Harbor Marina gemacht. Heute ist der Hafenmeister anwesend und ja, er hat für den Winter einen Platz für uns. Die Marina macht insgesamt einen guten Eindruck und die Preise sind günstig. € 300 pro Monat inkl. unbegrenzt Wasser, Strom und Dusche. Waschmaschine und Trockner je € 2 pro Wasch-/Trockengang. Das tut unserem gestressten Budget gut.

Rund um die Marina gibt es zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten. Campbell River, ein Ort mit rund 35.000 Einwohnern hat etliche große Super- und Baumärkte. Je einen gleich um die Ecke der Marina. So nah, dass ich ab jetzt wieder jeden Morgen ein frisches Baguette fürs Frühstück besorgen kann. Die Preise sind im Vergleich zu Hawai’i und Alaska wieder im normalen Bereich. So werden wir locker den notwendigen Winterspeck anfuttern können.

Das Wetter ist durchwachsen, oftmals nasskalt. Aber es gibt auch immer mal wieder sonnige Tage, die zu einem Bummel ins Stadtzentrum oder entlang des Campbell River einladen. Nach all dem, was wir erfahren hatten, nachdem wir in Ketchikan nicht überwintern konnten und der damit verbundenen Abfahrt Richtung Washington, fühlt sich das jetzt richtig gut an. Irgendwie wie ein Happy End für dieses Jahr.

Campbell River
… mit viel Landschaft dahinter
Supermarkt
Baumarkt
Für Alkohol gibt es separate Läden. Dieser hat an 365 Tagen im Jahr von 9 bis 23 Uhr geöffnet. Passt.
Und auch gegen Winterdepression gibt es hier die passenden Mittel.

Kanada, ein Albtraum

Wie im letzten Blogeintrag erwähnt, geht es aber zuerst noch nach Anchorage. Die Boing 737 hebt in Wrangel ab, um neun Minuten später in Petersburg zu landen. Eine Stunde später geht es weiter nach Juneau, Flugzeit jetzt schon 20 Minuten. Und nach einer weiteren Stunde dann zum Ziel Anchorage. Flugzeit diesmal dann 1 Stunde 40 Minuten.

Wir treffen dort Richard, unserem jungen Segelfreund den wir vor Hawaii kennen gelernt haben, der uns zum Abendessen nach Hause einlädt, wo wir auch seine tollen Eltern und seine Schwester kennenlernen dürfen. Am darauffolgenden Dienstag geht es dann im Dodge Ram 1500 zu einem Ausflug in die Wildnis, bevor wir dann am Mittwoch den kurzen Termin für unsere Visum haben. Fingerabdrücke, Foto und schon waren wir fertig.

Donnerstag dann zurück nach Wrangell, von wo aus es dann zwei Tage später weiter nach Ketchikan geht. Dort hatten wir schon mal angefragt, ob sie einen Platz für den Winter hätten. Es gibt zwar größere Umbauarbeiten, aber sie können uns aufnehmen. Der Hafen ist geschützt, die Temperaturen moderat, so könnten wir Luna Mare hier lassen, falls wir im Laufe des Septembers nach Hause fliegen sollten.

Auf dem Weg nach Ketchikan ein Stopp in Meyers Chuck. Eine sehr schöne Bucht mit einer kleinen Siedlung, das heißt, es sind ein paar Häuser am Ufer verteilt. Es gibt aber einen Steg, so ist es einfach, hier für die Nacht fest zu machen.

Dann weiter nach Ketchikan. Wetter ist trübe und regnerisch, aber wir freuen uns auf den Ort, von dem wir viel Gutes erwarten. Festgemacht in der Marina und erst mal für eine Woche unser Bleiben angekündigt. Mal sehen, ob die Tage Nachrichten zu unserem Visa eintreffen.

Der Ort gefällt uns auf Anhieb sehr gut. Ab dem Folgetag reiht sich ein sonniger Tag an den anderen. Einkaufsmöglichkeiten sind gut erreichbar. Etwas weiter weg ist die Downtown. Diese ist sehr touristisch geprägt, da dort die Kreuzfahrtschiffe anlegen. Momentan deshalb tote Hose. Die meisten Läden, Schmuck und Souvenirs, sind dauerhaft geschlossen. Aber für einen Spaziergang hin und wieder bietet sie sich an.

Das schöne Wetter und die Tatsache das es uns hier recht gut gefällt, führt dazu, dass wir uns nach einer Woche entschließen, hier zu bleiben. Also auch für den Fall der Visaverlängerung erst im Frühjahr 2021 nach Washington zu segeln.

Auf zum Hafenbüro. „Schock“. Wir können die Zusage leider nicht mehr einhalten, bekommen wir zu hören. Bis Oktober maximal, weiter wissen wir noch nicht. Oktober ist ja nicht wirklich der Beste Zeitpunkt, um die rund 700 sm nach Washington anzugehen. Das Wetter ist noch einige Tage gut, das wollen wir nutzen. Also Tschüß. Wobei die Enttäuschung natürlich groß ist. Immer mal wieder frustrierend, wenn man auf Leute trifft, deren Wort nichts Wert ist.

Im Internet lesen wir, dass wir für die Passage durch Kanada nach Prince Rupert müssen. Dort müssen wir unseren Transit bei Customs anmelden, dann dürfen wir durch Kanada durch. Bei Bedarf ist Ankern erlaubt, auch das Anlanden für „essentiel supplies“, wozu z.B. Diesel zählt. Dann natürlich unter Einhaltung der Hygienevorschriften (Maske, Abstand).

Unterwegs ein Stopp in der schönen Foggy Bay bevor wir nach einem langen Schlag am Abend des Folgetages in Prince Rupert ankommen. Direkt zum Zollsteg und wie beschrieben mittels des dort angebrachten Telefon den Zoll informieren.

Die freundliche Dame am Telefon nimmt die Daten auf und eine gute halbe Stunde später erscheinen zwei Zollbeamte. Ob wir nach Kanada einreisen wollten? Das würden wir gerne, geht ja aber nicht, stattdessen wollen wir die Transitmöglichkeit nach Washington nutzen.

Nö, das geht auch nicht. Jetzt bin ich sprachlos. Alle Segler die wir kennen, und die diesen Weg genommen haben, wurde der Transit problemlos eingeräumt. Uns aber nicht? Verstehe ich nicht.

Nein, kein Transit möglich. Der „freundliche“ Zollbeamte bietet uns zwei wahrhaft tolle Möglichkeiten an. Zurück nach Alaska (wo wir aktuell keinen Liegeplatz für den Winter haben), oder weiter nach Washington, jedoch ohne Ankern, oder gar irgendwo für essentiel supplies anlegen zu dürfen.

Jetzt bin ich nicht nur sprachlos, auch mein Herz bleibt beinahe stehen. Nonstop durch die engen Passagen, egal ob Tag, Nacht, Nebel? Es gibt teilweise bis zu 10 kn Strömung und jede Menge teils riesige Baumstämme sind auf dem Wasser unterwegs. Würden wir jemanden sagen, dass das unser freiwilliger Plan ist, man würde zu Recht fragen, ob wir Selbstmord begehen wollen.

Hilft aber nichts. Wir müssen nach Washington. Die Sache bleibt surreal. Wir werden gefragt, ob wir eher auf offener See, oder die „Inside Passage“ nutzend reisen wollen. Ich sage „Inside Passage, weil sicherer“. Was Quatsch ist, siehe oben. Andererseits kann es weiter draußen stürmisch und äußerst ungemütlich werden. Wahl zwischen Pest und Cholera.

Und er sagt ja. Der weiß doch, dass das ohne Ankern eigentlich unmöglich ist? Was haben wir Kanada zu Leide getan, von dem wir nichts wissen. Mehrfach weißt er darauf hin, dass wir unterwegs keinesfalls anhalten oder Ankern dürfen. Vermutet er, der COVID-19 Virus von uns Deutschen ist besonders stark und kann übers Wasser laufen?

Zum Abschied erhält jeder von uns ein Stück Papier, auf dem steht, dass wir schleunigst in die USA ausreisen sollen und eine Gesichtsmaske! Müssen wir wohl nutzen, falls wir im Nebel eine Havarie erleiden und abgeborgen werden. Unglaublich.

Beim Ablegen zittere ich am ganzen Körper. Das war doch jetzt nicht wahr, oder? Das war bestimmt ein Albtraum.

Leider nicht. Da ich keine Ankermöglichkeit im Bereich Prince Rupert gefunden hatte, war unser ursprünglicher Plan, bis Lawson Harbor zu segeln und dort die Nacht zu verbringen. Wir entscheiden uns entgegen des Verbotes uns dorthin auf den Weg zu machen. Ankunft voraussichtlich Mitternacht.

Auf dem Weg raus aus Prince Rupert kommt uns die SY Soteria entgegen. Jess und James mit ihren beiden Töchtern kennen wir seit Hawaii. Wir tauschen uns über Funk aus und sie meinen, wir sollten auf alle Fälle umdrehen und mit Ihnen in der Pillsbury Cove vor Anker gehen. Auf Basis der übermittelten Koordinaten finde ich die Cove auf der Karte und ja, sieht passabel aus.

Wir schleichen uns in der Dämmerung in die Ankerbucht und fühlen uns dabei wie Kriminelle. SY Soteria kommt nach einer guten Stunde auch hier an und wir beratschlagen wie es weiter gehen soll. Sie schlagen vor, dass wir beisammen bleiben sollten. Das ist aber eher ein nett gemeinter Vorschlag, den die sind mit ihrer 60 Fuß Amel nahezu doppelt so schnell als wir.

James hat den letzen Wetterbericht ausgewertet. Außen wird ein Sturm mit 50 kn Wind erwartet. Also bleibt nur die „Inside Passge“. Mal schauen, ob das gut geht.

Die erste Herausforderung sind die Narrows im Grenville Channel. Strömungen mit bis über 8 kn. Das heißt, der richtige Zeitpunkt muss abgepasst werden.

Wir erreichen rechtzeitig mit der Tide Kumealon Inlet. Dort wollen wir die Nacht verbringen und am nächsten Morgen so aufbrechen, wie es uns Tidenkalender und Strömungstabelle nahe legen.

Wir erleben eine für unseren illegalen Lebenswandel ruhige Nacht. Alle Boote die vorbeifahren sind nicht von der Coast Guard, oder sonst wie offiziell, sondern Freizeit-, oder Fischerboote. Allerdings hat man im Vorfeld bereits berichtet, dass einen die gerne anzeigen um sicher zu gehen, dass keiner sich hier unerlaubt aufhält.

SY Soteria hält nicht an, sondern geht noch am selben Abend durch die Narrows. Mit ihrer größeren Geschwindgkeit erreichen sie diese noch bei passender Gezeit. Wir brechen am Folgetag auf und wollen bis Coghlan kommen. Wir haben dichten Nebel, aber wollen/müssen weiter. Mittels Radar funktioniert das aber gut und ich denke auch ausreichend sicher.

Gegen Mittag nehmen wir die Kurve, die zur langen Passage führt, in der sich auch die strömungsintensiven Narrows befinden. Kurz darauf geht es glücklicherweise raus aus dem Nebel, so dass wir die Engstelle wohl mit Sicht passieren werden können.

Von hinten ein deutlich zu vernehmendes Nebelhorn. Sehr vernünftig so vorsichtig unterwegs zu sein. Aus dem Nebel schält sich dann das dazugehörige Boot. Küstenwache. Wir sind aber ordnungsgemäß unterwegs, denke ich. Und sie passieren uns auch ohne uns sichtbar zur Kenntnis zu nehmen,

Es gibt die bei solchen Gegenheiten üblichen Verwirblungen im Wasser, ähnlich denen die man im Bereich der Englischen Kanalinseln antrifft. Aber wir kommen gut voran und durch die Engstelle. Erste Hürde geschafft, ich freue mich schon auf den Ankerplatz und das „Feierabendbier“.

Wir sind nicht sehr schnell, aber mit Sonnenuntergang so kurz vor 20 Uhr biegen wir ums Eck in die Coghlan Anchorage. Und du glaubst es nicht, wer ist da bereits? Die Küstenwache. Hat da festgemacht, wo wir hinwollen. Kann das möglich sein? Setzen die wirklich die Küstenwache dafür ein darauf zu achten, dass keiner Schutz in einer Ankerbucht sucht, dem das nicht erlaubt ist?

Erst später erfahre ich, nein, das tun sie nicht. Wir hätten wohl problemlos dort vor Anker gehen können. Abgesehen davon sitzt aber der Prince-Rupert-Schock noch tief, so drehen wir ab und nehmen Kurs zum nächsten Ankerplatz auf, der sich auf meiner sorgsam erstellten Wegpunktliste befindet.

Das würde uns aber in die nächste Passage führen. Nicht so eng und strömungsreich wie die letzte, aber meines Erachtens halt kritisch bei Dunkelheit. Ich schaue mir nochmal die Seekarte auf dem Plotter an und denke, wir könnten auch rausgehen. Wir sind bereits im Bereich des südlichen Endes der Hecate Strait, die als eher herausfordernd angesehen wird.

Neue Wegpunkte erstellt um zu sehen, wie die Strecke dahin aussieht. Sollte machbar sein. Kanada hat wie die USA einen laufenden Wetterbericht, den man mit seinem Bordfunkgerät hören kann; das dafür notwendige Handfunkgerät mit den USA und Kanadakanälen habe ich mir glücklicherweise in Hawaii angeschafft, den das europäische Modell, welches wir fest installiert haben, hat diese Kanäle nicht.

Das Wetter sollte passen, erst für in einigen Tagen ist der Wind mit Sturmstärke von 40 bis 50 kn vorhergesagt. Bis dahin sind wir auf alle Fälle hinter Vancouver Island, wo es auch wieder Ankerplätze gibt, sofern wir einen finden, den ich mich traue anzulaufen. Marion ist wie immer etwas pragmatischer und diesbezüglich deutlich weniger ängstlich als ich.

Nach zwei Nächten erreichen wir Morgens die Nordspitze von Vancouver Island. Laut Wetterbericht wird der zu erwartende Wind geringer, je weiter wir nach Süden kommen. Ich nutze die Zeit überwiegend um die Strömungen für die nächsten engen Passagen zu studieren, die uns auf dem Weg entlang Vancouver Island begleiten.

Es geht bereits wieder gegen Mitternacht, als Luna Mare beim Einbiegen in die Johnstone Strait plötzlich stehen bleibt, obwohl wir bis dato mit leichter Strömung mit uns unterwegs waren. Wir machen Fahrt durchs Wasser, aber nicht über Grund.

Habe ich doch tatsächlich eine Strömungstabelle übersehen. Aus der geht hervor, dass wir aktuell 5 kn Strom gegen uns haben. Da wir im Mittel 5 kn Fahrt machen, ergibt das halt in Summe Null. Also ein kurzes Stück zurück, Schreck verarbeiten und abwarten bis die Strömung kippt und weiter geht’s Richtung Seymour Narrows, das sind die mit den 10 kn Strömung. Wir müssen diese bis 15 Uhr, zum Stillwasser, erreichen.

Tun wir aber nicht, da wir vorher wieder eine Zeit lang Strömung gegen uns haben. Vor der Abbiegung in die Passage ist eine größere Wasserfläche. Wir stellen den Motor ab und lassen uns treiben. Schön am Plotter zu erkennen, wie wir uns erst vom Ziel entfernen und nach dem Kippen der Strömung diesem wieder näher kommen.

Die Ströungsgeschwindigkeit bei den Seymour Narrows geht innerhalb von 3 Stunden von 0 auf kanpp 10. Da muss man zum richtigen Zeitpunkt sein. Gegen 17 Uhr geht es weiter um nach meinen Berechnungen die Narrows bei einer Strömung von 5 bis 6 kn zu erreichen und die restliche Strecke raus auf die Strait of Georgia geschafft zu haben, bevor die Gegenströmung wieder einsetzt.

Die Berechnungen stimmen und je näher wir der Engstelle kommen, um so mehr Fahrt nehmen wir auf. Der Plotter zeigt zwischendurch mehr als 12 kn Fahrt über Grund an. Schon etwas unheimlich. Die Fahrt durch die Engstelle läuft trotz der starken Strömung äußerst problemlos. Hätten wir also auch eher starten und bei stärkerer Strömung durchgehen können?

Kurz nach der Engstelle eine Links-, gefolgt von einer Rechtskurve. Und hier geht die Post ab. Kurz vor der zur Engstelle hat uns ein Katamaran überholt, der jetzt vor uns ist und eine irgendwie komische Route wählt. Auch wir können unseren Kurs nicht ganz halten.

Die Luna Mare wird von den Strömungen und Strudeln beliebig hin und her geschoben, wir kommen aber gut durch. Der Katamaran, der eigentlich deutlich schneller ist als wir es sind, bleibt in etwa unveränderter Entfernung vor uns, wir achten aber mit zunehmender Dunkelheit nicht weiter darauf.

Wir nähern uns Cape Mudge, dem Ende der Discovery Passage und Eingang zur Strait of Georgia. Dann haben wir die engen Passagen hinter uns. Sofern der heranziehende Sturm nicht zu früh kommt, können wir übermorgen früh Bellingham erreichen.

Dann kommt der Katamaran doch wieder ins Spiel. Dieser wird von einer Fähre per Funk höflich gefragt, was deren Absicht ist und bis wann sie denken, der Fähre den Weg wieder frei zu geben. Der Katamaran meldet sich und berichtet über Motorprobleme und dass sie versuchen dort anzulegen. Ein Motorproblem in dem Gebiet kann leicht zur Katastrophe führen.

Mit einer unglaublichen Freundlichkeit meldet die Fähre: Ok, Sicherheit geht vor. Wir warten hier. Gebt uns bitte Bescheid, sobald ihr Sicher seid und wir damit unsere Fahrt fortsetzen können.

Allerdings steht die Fähre jetzt uns im Weg. Aber wir können ja ausweichen. Auf dem Plotter prüfe ich, ob die Tiefe für uns passt. Ja, mit 20 m kein Problem. Aber warum zeigt unser Tiefenmesser nichts an? Normalerweise schafft er bis zu 200 m Wassertiefe, bevor er keine Tiefe mehr anzeigen kann.

Dass er keine Fahrt durchs Wasser anzeigt hatte mich nicht sonderlich irritiert, da das Rädchen, welches diese misst, öfters mal blockiert ist. Aber ohne Tiefenangabe ist das schon blöd. Was könnte die Ursache sein?

Instinktiv ein Blick in die Bilge. Wieder Wasser drinnen. Kennen wir ja bereits. Nur waren wir zuletzt nicht in schwerer See unterwegs, es konnte also kein Wasser über den Ankerkasten, oder über Decksundichtigkeiten ins Boot gelangen.

Blick in das Bodenfach, in dem sich der Transducer (Kombigerät mit Geschwindigkeits- und Tiefenmesser) befindet. Abgesehen von einer kleinen Pfütze sieht der Bereich ok aus. Mehr Wasser staut sich dort aber nicht, da es weiter nach hinten in die zuvor erwähnte Bilge fließt.

Ich trockne den Bereich und sehe, wie am Übergang der Transducerbefestigung zum Boot Wasser reinkommt. Der nächste Albtraum? Es ist nicht sonderlich viel Wasser und die Bilgepumpe reicht aus, um es wieder nach draußen zu bringen. Aber was ist, falls sich das Leck vergrößert, oder der Transducer ganz rausbricht?

Anfangs noch unschlüssig, ob wir das Risiko in Kauf nehmen, kommen wir dann doch zu der Überzeugung, dass das äußerst fahrlässig wäre. Die Chance, dass es gut geht ist meiner Einschätzung nach nicht gering. Aber es stehen uns noch zwei Nächte etwas weiter weg vom Land bevor und der Wind soll deutlich zunehmen.

Was nun. Anlanden dürfen wir eigentlich nicht und wir wissen eh nicht, wohin. Also rufe ich die Küstenwache an. Ohne „Pan Pan“, weil alles noch ok ist. Nur ein „Canadian Coast Guard for Luna Mare“. Leider ist die Verbindung ziemlich mies. Erst verstehe ich, wir sollen die Discovery Marina anlaufen, dann hört es sich eher so an, als sollten wir die Ankunft der Coast Guard abwarten.

Hier kommt die Fähre wieder ins Spiel. Die hat wohl die bessere Funke und hört Victoria Coast Guard deutlich besser als wir. So schaltet die sich in den Funkverkehr dazwischen und vermittelt zwischen Victoria Coast Guard und uns.

Wir übermitteln, dass wir geringen Wassereinbruch haben. Wir können das eindringende Wasser problemlos nach draußen befördern, halten es aber für zu riskant die verbleibenden 140 sm anzugehen. Was sie uns raten würden.

Nachdem geklärt ist, dass wir in keiner unmittelbaren Gefahr sind sagt man uns, man schickt jemand vorbei. Ok, wir warten.

Als wir bereits in einiger Entfernung ein Boot näher kommen sehen, plötzlich ein Hubschrauber über uns. Dieser erhellt die Luna Mare mit seinen Suchscheinwerfern und macht einen Höllenlärm so knapp über uns. Haben die mich missverstanden und meinen wir sinken bereits?

Kurz darauf das Boot der Coast Guard. Sehr freundlich und hilfsbereit schlägt man uns vor, uns den Weg in die Discovery Marina zu zeigen. Wir also hinterher. Ich frage nach, warum der Hubschrauber im Einsatz ist. Sie meinten, der war vermutlich eh in der Luft und hat sicherheitshalber mal vorbei geschaut.

Man weist uns einen Platz am Dock der Tankstelle zu, wo wir die Nacht verbringen können um uns am nächsten Morgen mit der Werft zur Schadensbehebung in Verbindung zu setzen.

Machen wir dann auch gleich morgens um 8 Uhr. Sehr freundliches Gespräch mit der Werft. Aber natürlich in den COVID-19 Zeiten alles nicht so einfach. Der Sicherheitsbeauftragte der Werft informiert uns, dass Luna Mare zuerst 72 Stunden in Quarantäne muss, bevor sie von einem Werftmitarbeiter betreten werden kann.

Aber bevor irgendetwas überhaupt starten kann, müssen wir erst die Zustimmung von Customs erhalten. Sonst geht gar nichts. Nach der schlechten Erfahrung von Prince Ruppert war ich schon auf das schlimmste gefasst. Aber eine sehr freundliche und hilfsbereite Dame half uns auf unglaublich tolle Art und Weise.

Nach einigen Fragen und Belehrungen hinsichtlich COVID-19 klärte sie das weitere Vorgehen intern und mit der Werft ab. Gegen 10 Uhr dann der Rückruf.

Wir haben zwei Möglichkeiten (nein, wie vor ein paar Tagen in Prince Ruppert die Wahl zwischen Pest und Cholera?):

1. Sofern ihr meint ihr könnt es risikieren, Weiterfahrt nach Washington (oh je).

2. „Und die zweite Möglichkeit, und ich hoffe sehr, Sie nehmen diese wahr, den Schaden hier beheben zu lassen“.

Da fällt mir ein Stein vom Herzen und mein Kanadabild entspricht wieder mehr dem, welches ich vorher hatte: ein tolles Land mit tollen Leuten.

Sie hat auch bereits einen detaillierten Plan entwickelt.

– das Boot geht heute noch an Land, wo es in einem Bereich der Werft zuerst für 72 Stunden abgestellt wird.

– Da danach Wochenende ist, wird der Schaden Montag früh nach der Außen Ansicht im Innenbereich begutachtet.

– Wir müssen für 14 Tage bzw. bis zur Weiterfahrt in Quarantäne. Dafür sollen wir uns eine Unterkunft suchen, wobei sie uns zwei Empfehlungen mit auf den Weg gibt.

– Wir haben bis 15 Uhr Zeit uns ein Hotel zu suchen und die für die Quarantäne notwendigen Sachen zu packen. Danach müssen wir von Bord gehen.

Noch ein paar Telefonate mit der Werft für weitere Details über die weitere Vorgehensweise. Zwischendurch kommen zwei Beamte von Customs vorbei und klären uns nochmal über die Regeln hinsichtlich COVID-19 auf.

So gegen 10 Uhr finde ich eine tolle Bleibe für uns. Über airbnb eine kleine Wohnung in einem Haus, dessen oberes Stockwerk von den Besitzern bewohnt wird. Mit Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Bad. Das erscheint uns deutlich angenehmer als ein Hotelzimmer. Zumal wir noch reichlich Proviant im Kühlschrank haben, den wir dort dann nutzen könnten.

Nach etwas Aufregung und hin und her erhalten wir kurz vor 15 Uhr die Zusage. Nun schleunigst mit unseren gepackten Koffern an Land. Bootsschlüssel an die Werft übergeben und im Taxi los zur Unterkunft. Stellte sich dann heraus, dass diese nicht wie irgendwie fälschlicherweise von mir mit Google Maps berechnet 5 Minuten von der Werft entfernt ist, sondern eine halbe Stunde.

So sieht Luna Mare jetzt aus. Deutlich zu sehen, wie der Transducer beschädigt wurde.

So sah sie übrigens vor gut 3 Jahren vor unserer Abfahrt aus.

Anyway. Jetzt sind wir hier. Die Unterkunft ist in der Tat sehr toll. Mit Blick aufs Meer, damit sich keine Entzugserscheinungen einstellen. Wer mag, kann sie sich hier anschauen: Salish Seaside Guest Suite.

Die letzte Nacht haben wir wie zu Erwarten sehr gut geschlafen. Die Aufregung der letzten Tage legte sich etwas und wir waren ohnehin hundemüde.

Heute Vormittag ein kurzes Gespräch mit dem Hausherren, der uns zeigt, wie man den Gasofen einschaltet. Dabei erzählt er uns, dass hier gestern einiges los war. Die Coast Guard war unterwegs und ein Rettungshubschrauber hat den Himmel erleuchtet. Vermutlich eine größere Havarie, wahrscheinlich jemand auf Grund gelaufen.

Nö, das waren wir. Mit einem kleinen Leck an Bord, die Küstenwache fragend, wo wir hin sollen.

Und wir sind von dem ganzen Schrecken abgesehen begeistert von dem Ort hier. Unglaublich freundlich und hilfsbereit. Küstenwache, Customs, Werft und unsere Vermieter der Unterkunft. Ausnahmslos unheimlich tolle Menschen.

Südostalaska

Auch wenn nicht alles toll ist auf unserer Reise, Alaska ist es bisher. Elfin Cove, ein ganz besonderer Ort. Keine Straßen, nur Holzstege die entlang der paar Häuser und der Urlaubsressorts führen. Neben Touristen finden sich auch zahlreiche Fischer während der Sommermonate hier ein. Während der Wintermonate sind noch rund ein Dutzend Leute hier. Angeblich mit Alkoholkonsum von morgens bis abends beschäftigt. Ein Wahlspruch von Elfin Cove lautet angeblich: „A drinking town with a fishing problem“.

Momentan dürfen die Fischer nicht ihrem Beruf nachgehen. Die Behörden wollen den Fischbestand in Ruhe zählen, wofür sie eine Woche die Berufsfischerei eingestellt haben. Die Fischer nehmen das gelassen, den im Grunde sind sie froh, dass auf Nachhaltigkeit geachtet wird. Schließlich wollen insbesondere die jüngeren unter ihnen auch in 10 Jahren noch von ihrem Beruf leben können.

Ab jetzt geht es in der „Inside Passage“ weiter. Das schöne daran, die Strecken sind im allgemeinen durch Berge vom Wind geschützt und der Seegang ist deutlich geringer als draußen auf der offenen See. Nachteil, man muss mangels Wind fast ausschließlich motoren und man sollte die teils starke Strömung beachten, da das Vorwärtskommen bei 5 kn Gegenströmung bei Null liegt.

Es gibt ausreichend Buchten mit Ankerplätzen, oder kleinere Ort mit Stegen, so dass wir in Tagesetappen reisen können. Orte hier in Südostalaska haben im allgemeinen keine Straßenanbindung, sind also nur per Flugzeug, oder Schiff erreichbar. Darunter auch die Hauptstadt Juneau. Die Ecke ist eine ebenfalls bei Kreuzfahrtschiffen sehr beliebte, durch COVID-19 sind aber aktuell keine unterwegs. Und auch ansonsten ist es ausgesprochen ruhig hier. Kaum mal ein anderes Boot in einer Ankerbucht, höchstens mal das eine oder andere Fischerboot, nachdem die Fischerei wieder freigegeben ist.

Und Walen begegnen wir immer mal wieder.

Nach 4 Tagesetappen erreichen wir die „Baranof Warm Springs“, bekannt wie der Name schon sagt, für seine heißen Quellen. Ein kurzer Weg den Berg zum Wasserfall hoch und schon ist man an einem der natürlichen Becken. Müsste eigentlich „Hot Springs“ heißen, so heiß ist das Wasser. Es wird empfohlen, mit einem langen Holzstock „umzurühren“, das würde zu angenehmeren Temperaturen führen.

Wir entschließen uns aber, das örtliche „Badehaus“ zu nutzen. Drei kleine Räume mit jeweils einer Badewanne, mit großem Fenster zur Vorderseite, so dass man einen tollen Ausblick hat. Hier gibt es auch kaltes Wasser zum dazu mischen, so dass man seine Wohlfühlwassertemperatur einstellen kann. Herrlich.

4 Tage später erreichen wir dann Petersburg. Petersburg liegt am Eingang der „Wrangell Narrows“. Eine relativ enge Durchfahrt zwischen Mikof Island und Kupreanof Island. Der eher direkte Weg via Dry Strait ist wegen seiner Untiefen nicht für uns nutzbar. Das besondere an den Narrows ist, dass die Gezeit von beiden Seiten rein, bzw. rausläuft. Deshalb muss man das so planen, dass man mit der Flut reingeht, bei Hochwasser den „Green Point“ erreicht, wo sich die Gezeit trifft, um dann mit ablaufendem Wasser auf der anderen Seite rauszugehen.

Hat hervorragend geklappt, weshalb wir uns jetzt in Wrangell befinden. Wrangell liegt auf der gleichnamigen Wrangell Island und ist wie eben viele Orte hier nur per Flugzeug und Schiff zu erreichen. Angeflogen wird der Ort täglich von einer 737, die ab Seattle bis Anchorage die Orte „abklappert“. Starten, nach kurzem Flug am nächsten Ort landen, aus- und einsteigen, weiter geht’s.

Anchorage, die größte und wohl auch bekannteste Stadt Alaskas, haben wir bisher nicht in der Reiseplanung. Jetzt aber doch. Um eine Visumsverlängerung zu erhalten, muss man für die biometrischen Daten eben dorthin. So können wir morgen (Montag 31.08.) mal sehen, wie das mit dem Starten und Landen der 737 so geht. Wir bleiben für 3 Tage dort. Etwas den Ort und die Umgebung ansehen und unseren Segelfreund Richard wieder treffen. Der ist gebürtiger Alaskaner, wohnt dort und hat uns freundlicherweise gleich für Montag zum Abendessen eingeladen.

Und danach wissen wir hoffentlich, ob unser Visum wie gewünscht verlängert wird.

Bei Verlängerung geht es weiter durch Kanada (Transit ist unter Beachtung einiger Dinge erlaubt, Einreise ja leider nicht) nach Washington. Momentan schauen wir uns nach einer passenden Marina für die Überwinterung um. Nähe von Seattle wäre aktuell mein Favorit, aber mal sehen. Und sofern wir unseren Plan nicht mal wieder ändern, geht Luna Mare dann Ende April/Anfang Mai 2021 auf dem Landweg an die Ostküste und wir segeln dann im Mai 2021 über die Azoren zu den Kanaren.

Falls es keine Verlängerung gibt, müssen wir Luna Mare hier in Südostalaska zurück lassen und Mitte September nach Hause fliegen. Wäre natürlich toll, endlich Familie wieder zu sehen. Würden momentan aber nicht wissen, wann wir wegen der COVID-19 Reisebeschränkungen wieder hierher zurück könnten. Und für den Landtransport müssten wir dann im März/April den Weg durch Kanada nach Washington antreten. Müsste dann noch raus finden, ob das eine dafür passende Reisezeit ist.

So kann es nicht weiter gehen.

Vor uns liegen 350 sm vom Prince William Sound zur Elfin Cove, dem Eingang zur „Inside Passage“. Diese führt entlang Südostalaska über Britisch Columbia (Kanada) bis zum Bundesstaat Washington mit Zielorten wie Seattle, Bellingham, oder Anacortes, das auf Grund der zahlreichen Marinas, dem Schiffszubehörhandel und anderer maritimer Einrichtungen auch „Boating Capitol of the Northwest“ genannt wird.

Der Plan zu diesem Zeitpunkt ist, Wrangell oder Ketchikan als Platz für den Winter zu nutzen. Diese beiden Orte befinden sich in Südostalaska, kurz vor der Grenze zu Kanada. Dort ist das Klima für diese Breiten relativ mild, die Wassertemperatur sinkt den ganzen Winter über angeblich nicht unter 10 Grad. Sollte Kanada seine Grenzen, die nunmehr seit März geschlossen sind, nach der aktuell gültigen Verlängerung Ende August öffnen, wäre auch Viktoria eine gute Option für den Winter. Von dort wären es dann 700 sm bis San Francisco.

Die „Inside Passage“ selbst ist überwiegend durch Berge vom offenen Meer abgeschirmt, so dass es dort meist windstill ist, es also auch keine nennenswerten Wellen gibt. Einige Teilstrecken sind etwas offener zum Pazifik, aber da kann man ja auf gutes Wetter warten. Laut Revierführer kann man die gesamte Strecke überwiegend in Tagesetappen absolvieren. Nachtfahrten wären in dem Bereich mit einigen Engstellen durchaus eine Herausforderung.

Zu beachten ist allerdings die teils kräftige Strömung bei engeren Stellen zwischen den Inseln. Die kann im Extremfall bis zu 10 kn betragen. Da wir die Tidendaten haben, sollte das aber machbar sein.

Der Wetterbericht für die Überfahrt zur Elfin Cove ist für die nächste Zeit leider nicht sehr vielversprechend. Entweder reichlich Wind aus Südost (da wo wir hin wollwn), oder kein Wind. Also volltanken, so dass wir bei Bedarf die komplette Strecke unter Motor zurücklegen könnten. Keine schöne Vorstellung.

Cordova liegt eigentlich günstig mit direktem Zugang zum Golf von Alaska, dieser ist aber zu flach um von uns Revierfremden befahren zu werden. Also geht es am 30. Juli los über die „Double Bay“ zur „Garden Cove“. Zwei Buchten, die uns zwei schöne Tage vor Anker bieten. Und damit sind es dann 50 sm weniger, als wenn wir nonstop von Cordova aus segeln

In der Garden Cove haben wir Besuch von Seelöwen erhalten.

Gleich am nächsten Tag wollen wir starten. Gemäß Wetterbericht segeln wir mit reichlich Ostwind zuerst Richtung Süden und können dann nach rund 50 sm den Weg nach Osten einschlagen. Dann soll auch der Wind deutlich nachlassen, so dass wir bei Bedarf unter Motor zum Ziel kommen können. In vier Tagen sollte das zu schaffen sein. So unsere Überlegung.

01. August:

Um 8 Uhr geht der Anker hoch. Es hat schon kräftig aufgefrischt und unsere Ankerbucht und die Buchten auf dem Weg zur offenen See sind für ihre „Williwaws“, den hiesigen Fallwinden mit bis zu 60 kn, bekannt. In der „Garden Cove“ erreicht der Wind schon mal 30 kn, was das Einholen des Ankers etwas erschwert. Aber dann ist er geborgen und los geht es.

Aus den zwei Buchten die wir passieren, erreicht uns Wind mit bis zu 45 kn. Das Wasser sieht dort aus, als würde es dampfen. Wir kommen aber gut da durch und erreichen die offene See um Segel zu setzen. Mit gerefften Segeln geht es bei gut 20 kn Wind auf Amwindkurd (Wind von schräg vorne) Richtung Süden.

02. August

Es geht unter Segel ziemlich ruppig durch die erste Nacht. Die erste Nacht ist ohnehin hinsichtlich Schlaf schwierig, da der Rhythmus zwischen Wache und Schlafen noch fehlt, wird aber durch die heftigen Wellen noch unangenehmer.

Um 6 Uhr starten wir den Motor, da wir bei dem jetzt nachlassenden Wind Richtung Südwesten statt nach Südosten segeln und uns damit immer weiter vom Ziel entfernen. Bereits drei Stunden später dreht der Wind und wir können mit etwas mehr Wind von der Steuerbordseite wiederum unter Segel Zielkurs anlegen. Phantastisch.

Aber nur für weniger als eine halbe Stunde. Dann dreht der Wind zurück auf Südost und wir sind jetzt Richtung Norden unterwegs. Also in die Richtung aus der wir gekommen sind.

9 Stunden später haben wir auf diese Weise 28 sm gutgemacht, sind dabei dem Ziel aber nur um 12 sm näher gekommen. So geht um 18 Uhr bei mäßigerem Wind der Motor wieder an.

Seit der Erstwässerung der Luna Mare vor 4 Jahren haben wir das Problem mit Wasser im Boot. Unterschiedlichster Natur. Bei der Erstwässerung fehlte ein Fettnippel an der Ruderanlage, so dass Wasser eindrang und dazu führte, dass das Boot umgehend wieder an Land musste.

Später waren die Fenster undicht, ich hatte mal vergessen, einen Borddurchbruch abzusichern, ein Trinkwassertank hatte ein Leck. Konnten wir alles korrigieren.

Problem wurde aber der Übergang des Kunststoffdecks zum Metallrumpf. Hier hatten wir schon etliche Abdichtversuche unternommen, alle halfen aber nur sehr temporär. Zuletzt hatten wir ein Aluklebeband verwendet mit dem guten Gefühl, dass jetzt alles dicht ist.

Ist es aber nicht. Es kommt immer dann, wenn es Wasser auf das Deck schafft (was bei Amwindkursen halt fast immer der Fall ist) etwas davon vom Vordeckbereich ins Boot und versammelt sich in der Bilge im mittleren Bereich, dem Bereich der Pantry.

Unangenehm, aber man muss halt hin und wieder die Bilgenpumpe in Betrieb setzen. Und demnächst einen neuen Abdichtversuch starten. Allerdings keine Ahnung, was da wirkungsvoll helfen könnte.

03. August:

Als ich um Mitternacht meine Wache antrete sieht der Wind wieder passender aus. Also Motor wieder aus und Segel gesetzt.

Aber bereits beim Wachwechsel um 3 Uhr passen Windrichtung und -stärke wiederum nicht und der Motor geht wieder an. Und dieser läuft für den Rest des Tages und die ganze kommende Nacht.

Und der neue Wetterbericht verspricht nichts gutes. Statt wenig bis kein Wind, wie bei unserer Abfahrt vorhergesagt, sollen es jetzt 27 kn, in Böen 36 kn werden. Aus der Richtung, in die wir wollen.

Die Isobarendarstellung zeigt jedoch, dass es ein wenig nördlicher nur 14 kn, in Böen 29 kn, sein sollen. Unter Motor sollten wir dort zeitig hinkommen, unter Segel könnten wir nur direkt nach Norden und früher oder später zu nah an die Küste, die stark nebelgefährdet ist. Also nunmehr Richtung Nordost statt Südost, um dem stärkeren Wind auszuweichen.

Wir schaffen es dahin, der Wind größtenteils aber auch. So zeigt unser Windmesser im Mittel so 25 kn an, die bei Böen schon mal die 30 überschreiten.

04. August:

So geht es bei gut 20 kn Wind unter Motor in den 4. Tag. Wind und Welle führen dazu, dass wir unter Motor nur mehr mit rund 2 kn vorankommen. Da ist der Diesel alle, bevor wir ankommen.

Um 9 Uhr dreht der Wind erfreulicherweise mal wieder. So können wir wieder Kurs „Elfin Cove“ nehmen und die Segel setzen. Bei dem Wind natürlich gerefft. Der Kurs passt nicht ganz, wir kommen aber mit 3 bis 4 kn voran. Selbstverständlich Amwindkurs.

Wiederum nur kurz, bis Mittag. Nicht weil der Wind es sich wieder anders überlegt hat, sondern weil die Bilge voll Wasser ist. Durch den Amwindkurs und die Schräglage kommt jede Menge Wasser aufs Deck und, so scheint es, immer mehr davon ins Boot.

Wenn man einen Topf mit Wasser schräg hält, läuft auf der einen Seite das Wasser über, wo hingehend auf der anderen der Boden frei ist. So auch bei unserer Bilge auf Grund der starken Seelage die durch den Amwindkurs unter Segel entsteht. Hat den unangenehmen Effekt, dass die Bilgenpumpe auf der einen Seite Luft saugt, also nicht abpumpen kann, währenddessen das Wasser auf der anderen Seite aus der Bilge ins Boot läuft.

Da hilft nur Beidrehen. Zum einen kommt dann kaum noch Wasser aufs Deck und damit ins Boot und mit der Bilgenpumpe können wir zumindest die Bilge wieder leeren. Rest muss so aufgewischt werden.

Danach haben wir beigedreht viel Zeit, die Situation zu reflektieren. Eines ist schnell klar, so können wir unsere Reise nicht fortsetzen. Nach unserer Pazifikrunde werden wir uns ja wieder am Startpunkt in die Südsee befinden, entweder San Diego, oder Mexiko. Dann liegt der Pazifik in seiner ganzen Breite vor uns, der (teils wettermäßig unfreundliche) Indische Ozean, bevor es den Atlantik von Südafrika aus wieder hoch geht.

Für diese Strecken benötigen wir ein dichtes Deck. Aber wie dicht bekommen. Bisher sind alle Versuche gescheitert und wir verlieren die Hoffnung, einen erfolgreichen Weg zu finden. Das Kunststoffdeck liegt ja auf einer am Rumpf angebrachten Metallplatte. Die Verbindung wird nie 100% ok sein, da sich das Deck bewegt bzw. vibriert, während das Metall die Ruhe weg hat.

Wir dachten, Sikaflex wäre flexibel genug, um diese Bewegungen auszugleichen. Dann das Alu-Klebeband. Hat alles nichts geholfen.

Dazu kommt ja auch noch die Covid-19 Situation. Machen die Grenzen auf? Falls ja, wann? Und auch wenn sie offen sind. Die einsamen Gegenden in der Südsee sind ja das reizvolle, aber haben die Einwohner dort nicht zu Recht Angst, dass die Segler das Virus mitbringen?

Unsere Familie haben wir seit knapp einem Jahr nicht mehr gesehen und es ist nicht absehbar, wann sich das ändern wird. Besuche auf der Luna Mare, wie ursprünglich für Kanada geplant, sind vorerst nicht möglich. Wenn wir nach Deutschland fliegen, kommen wir aktuell nicht mehr zurück.

Also neuer Plan. Sobald wir „Elfin Cove“ erreicht haben, in möglichst Tagesetappen möglichst gemütlich die „Inside Passage“ bis zum Bundesstaat Washington. Die Gefahr, dass auf dieser Strecke Wasser aufs Deck / ins Boot kommt ist je eher gering.

Von dort per LKW die Luna Mare von der West- zur Ostküste transportieren lassen. Und dann im Mai 2021 von Rhode Island aus über die Azoren nach Lanzarote. Auf Grund der vorherrschenden Westwinde sollte die Strecke auch mit dem derzeitigen Zustand der Luna Mare möglich sein. Und vielleicht können wir ja noch etwas abdichten.

Keine leichte Entscheidung, aber Lanzarote hat uns sehr gut gefallen und war als „Altersruhesitz“ an Bord der Luna Mare ohnehin eine Idee. Wir haben ausreichend Zeit, alles in Ordnung zu bringen und sofern wir eine vernünftige Lösung für das Deck finden, steht uns ja eigentlich alles wieder offen.

Kanaren, Mittelmeer, Karibik. Und der Startpu in die Südsee (Panama) wäre innerhalb von zwei Monaten erreichbar. Falls sich die Covid-19 Lage verbessert und wir dann noch Lust darauf haben sollten.

05. August:

Wir bleiben beigedreht um auf weniger Wind zu warten. Entweder aus passender Richtung, so dass wir mit Wind von querab, oder achterlicher als querab „trocken“ segeln können (eher unwahrscheinlich), oder aber unter Motor vorankommen können.

Um 12 Uhr haben wir den 4. Tag auf See verbracht. So lange, wie wir für die 350 sm brauchen wollten. Beigedreht hat uns der Wind und die Strömung in den letzten 24 Stunden um 22 sm vom Ziel entfernt. So haben wir nach vier Tagen nur 150 sm geschafft, haben also immer noch 200 sm vor uns.

Der Wind lässt aber nach und auch die Wellen werden etwas weniger ruppig. So können wir den Motor starten und mit anfänglich 3 kn loslegen. Stunde um Stunde wird die See ruhiger und wir etwas schneller.

Der Wetterbericht von heute morgen sagt bis morgen Nachmittag Wind von max. 10 kn voraus. Dann für 9 Stunden 11 bis 16, danach für 12 Stunden runter auf 4 kn (mit Böen bis 21 kn!?!), dann wieder etwas über 10 kn. Verrücktes Wetter haben die hier im Golf von Alaska. Müsste aber passen.

Sofern wir im Schnitt 3,5 kn schaffen, kommen wir am 07. August um 21 Uhr an. Da ist es noch hell. Ach das würde passen. Da kann jetzt eigentlich nicht mehr viel passieren.

Zur jetzt guten Stimmung, dass der Rest der Strecke ja überschaubar wird was das Vorankommen angeht, gesellt sich auch zunehmend die Sonne und erwärmt uns.

06. August:

Der Tag beginnt mit herrlichem Sonnenschein. Wir machen mittlerweile sogar etwas mehr als 4 kn Fahrt. Die zurückgelegte Strecke seit dem Start des Motors gestern Mittag bis zum heutigen Mittag beträgt 108 sm. Es bleiben also nur noch knapp 100. Die sollten wir spielend bis morgen nachmittag schaffen.

Die Wettervorhersage von heute morgen bestätigt das. Max. 12 kn, in Böen 18 kn heute, morgen dann weniger als 10 kn, allerdings mit Böen bis über 20 kn. Aber Böen kommen und gehen. Außerdem soll der Wind dann nach Südwest gedreht haben, so dass wir ihn nicht mehr direkt auf die Nase haben, sondern dieser uns vielleicht sogar ein wenig schiebt. Wär doch gut.

Da die letzten Tage ja doch etwas nervig waren, tut der Sonnenschein, der bis zum Abend anhält, jetzt so richtig gut. Wir machen uns für den morgigen Landfall schon mal schick. Duschen (ich traue mich das sogar im Cockpit im Freien), ich stutze meinen Bart, wir ziehen frische Sachen an.

So herrlich kann Segeln sein, in diesem Fall sogar unter Motor. Die Küste am Golf entlang ist phänomenal. Direkt aus dem Wasser ragen schneebedeckte Berge bis 4.000 m in die Höhe. Leider meist Wolken, oder Nebelverhangen und damit selten zu sehen und aus rund 50 km Entfernung schwer zu fotografieren. Muss man halt einfach selber erleben ;-).

Tja und mal wieder kommt es anders als erwartet. Der Wind geht am Abend auf 20kn bis 30 kn hoch. Aus Südost. Um Wasser im Boot zu vermeiden heißt es wieder beidrehen. 74 sm vor dem Ziel!

Kurz vor Mitternacht lässt der Wind zumindest leicht nach und führt mich zu dem Leichtsinn, den Motor zu starten, um irgendwann doch anzukommen. Mit so 2 bis 3 kn sind wir nicht schnell, aber immerhin.

07. August:

Müdigkeit ist vorhanden, aber zu viel innere Unruhe, die Motorgeräusche und zu heftige Bootsbewegungen um tatsächlich schlafen zu können. So übernehme ich die komplette Nachtwache während Marion sich mit Ohrstöpseln in die Koje verzieht. Überwiegend lesend, da sie auch keinen Schlaf finden kann. Hin und wieder döse ich etwas vor mich hin, behalte aber vermeintlich alles im Auge.

Es geht nur langsam voran, aber so kurz vor dem Ziel ist es irgendwie ein besseres Gefühl, diesem ein bis zwei Seemeilen pro Stunde näher zu kommen, anstatt beigedreht sich um die fast gleiche Strecke davon zu entfernen.

Um vier Uhr wieder ein Blick in die Bilge. Etwas Wasser drin, aber nicht bedenklich. Pumpe es aber trotzdem aus.

Das Plätschern und Rauschen des Meerwassers hat ja was beruhigendes. So denke ich mir das auch als ich gegen 5 Uhr so etwas vor mich hindöse. Aber plätschert das tatsächlich draußen am Bug, oder kommt das von innen?

Ein prüfender Blick und gefühlt geht die Welt unter. Zentimeterhoch steht die Pantry, der am tiefsten gelegen Teil des Bootes, unter Wasser. Aus der vordersten Bodenklappe sprudelt es nur so herein. Haben wir ein Leck?

Schon mal einen Pan Pan absetzen? Pan Pan macht man, wenn man ein technisches Problem hat, man aber glaubt, es noch meistern zu können. Damit hat man dann aber für den Fall, das es nicht klappt, schon mal Kontakt zu einer Rettungsstelle.

In Sekundenbruchteilen schießen mir die Gedanken durch den Kopf. Erstmal Bilgenpumpe. Die müsste eigentlich automatisch anlaufen, aber der Schwimmer, der sie auslöst, scheint irgendwie defekt zu sein. Dann bange Sekunden. Schafft die Pumpe mehr raus als nachfließt?

Sie scheint es zu schaffen. Langsam senkt sich der Wasserspiegel, wobei von vorne weiterhin Wasser nachläuft. Unter der Bodenklappe, aus der es sprudelt, befindet sich der Log/Lot-Geber. Wurde das irgendwie aus dem Rumpf herausgeschlagen? Nein, sitzt fest.

Marion hat bisher dank der Ohrstöpsel nichts mitbekommen. Da ich das Deck als mögliche Quelle des Desasters überprüfen möchte, hole ich sie aus der Koje. Ich möchte nicht unbeobachtet auf dem wackeligen Vorschiff unterwegs sein.

Normalerweise hebt und senkt sich der Bug bei heftigerem Wind und Wellengang ganz erheblich. Klatscht in dem Moment, wo er weiter unten ist die nächste kurz folgende Welle dagegen, ergießt sich ein Schwall über das Deck. Das würde man dann auch ganz gut vom Innensteuerstand aus bemerken und sehen.

Doch der Bug bewegt sich nicht sonderlich, sonder pflügt in sehr tiefer Lage durch das Wasser. So gibt es nicht einzelne Wellenschläge, die an Bord kommen, sondern der Bug ist fast ständig unter Wasser. So, als würde er zu einem Tauchgang ansetzen wollen.

Ein Blick in den Ankerkasten. Dort steht das Wasser bis zum Deckel. Alles, die Ankerwinsch, die Batterie, das Relais, die Verkabelung, alles unter Wasser. Jetzt ist klar, wo das zusätzliche Wasser im Boot herkommt. Nur noch nicht wie es im Detail den Weg vom Ankerkasten ins Boot findet. Aber da dieser zum Bootsinneren hin nicht hermetisch abgeschlossen ist, bestehen keine Zweifel mehr.

Zurück und beigedreht. Motor aus.

Meine Vermutung ist, dass sich der Ankerkasten peu à peu gefüllt hat. Das Loch im Rumpf für den Wasserabfluss war vermutlich zu lange unter Wasser, dass sich der Ankerkasten soweit füllen konnte, dass das Gewicht von Ankergeschirr und Wasser den Bug immer weiter ins Wasser drückten. Irgendwann war der Abfluss unter Wasser und der Kasten lief bis zur Oberkante voll. Und zumindest ein guter Teil davon ins Boot.

Mittlerweile ist das Wasser abgelaufen. Die Batterie scheint noch zu funktionieren, zeigt jedenfalls 12,9 V an. Die Ankerwinsch ist angeblich wasserdicht, ob sie aber ein Wasserbad ausgehalten hat muss sich noch zeigen. Für das Relais haben wir Ersatz, falls dieses nicht mehr funktionieren sollte.

Da müssen wir uns doch noch etwas mehr Gedanken machen, wie wir diese Situation vermeiden können, bevor wir nächstes Jahr zu den Azoren aufbrechen. Und auch bis dahin, bis wir das Boot zur Abfahrt bereit an der US Ostküste haben werden, ist noch ein langer Weg.

Apropos langer Weg. Mittlerweile ist es Mittag und wir sind noch 74 sm vom Ziel entfernt. Genau so viele Seemeilen waren es vor 15 Stunden, also gestern Abend um 21 Uhr. Wir sind also exakt die Strecke, die wir in fünf Stunden seit Mitternacht unter Motor gemacht haben, in den zehn „beigedrehten“ Stunden wieder zurückgetrieben worden. Und wir treiben kontinuierlich weiter vom Ziel weg. Frust ohne Grenzen.

Laut Wetterbericht von gestern haben wir seit 6 Uhr 8 kn Wind (in Böen bis 22) aus südwestlicher Richtung. Zumindest zum motoren ideal. Bis 10 Uhr hatten wir aber weiterhin ständig 20 kn bis 25 kn Wind aus Südost. Seit zwei Stunden lässt er langsam nach und bewegt sich bei 15 kn bis 20 kn. Weiterhin Südost bei immer noch hohen, ruppigen Wellen.

Neuen Wetterbericht gibt es nicht mehr, da der Satellitenempfänger dem Wasser zum Opfer fiel. War in einem Fach höher als die Bodenbretter untergebracht. Hat aber nicht gereicht. Falls wir Glück haben sollten, ist nur der Akku, der in einem separaten abnehmbaren Teil untergebracht ist, hinüber. Muss sich aber noch zeigen. Bei der aktuellen Vorhersagegenauigkeit ist ein Wetterbericht aber ohnehin nutzlos.

Um 13 Uhr geht der Wind endlich auf unter 15 kn. Das ist einen Versuch wert. Noch sind die Wellen unangenehm hoch, die Schiffsbewegungen kräftig, aber es kommt kaum Wasser aufs Deck. So geht es endlich weiter. Dass es mit nur drei Knoten ist, stört jetzt nicht mehr.

Die Sonne zeigt sich jetzt sogar und wärmt uns physisch und psychisch etwas auf. Am Horizont sind allerdings bereits wieder dunkle Wolken mit kräftigen Regenbändern.

Die bringen tatsächlich etwas Regen. Es geht aber weiter und es sieht nunmehr gut aus, dass wir nunmehr morgen Elfin Cove erreichen werden.

08. August:

Mit (von dicken Wolken verdecktem) Sonnenaufgang sind wir nur noch einige Meilen vom Ziel entfernt. Es ist grau und regnerisch. Bei der Einfahrt in den Cross Sound schafft es die Sonne uns ein paar Strahlen durch die Wolkendecke zu schicken.

Gegen 10 Uhr erreichen wir die Cove. Etwas eng hier, wir finden aber am Gästesteg noch einen freien Platz zwischen Fischerbooten.

Nach 7 Tagen und 500 zurückgelegten Seemeilen haben wir die 350 sm, die es eigentlich nur sind, überwunden. Endlich da. Was sind wir froh.

Social Share Buttons and Icons powered by Ultimatelysocial