Südostalaska

Auch wenn nicht alles toll ist auf unserer Reise, Alaska ist es bisher. Elfin Cove, ein ganz besonderer Ort. Keine Straßen, nur Holzstege die entlang der paar Häuser und der Urlaubsressorts führen. Neben Touristen finden sich auch zahlreiche Fischer während der Sommermonate hier ein. Während der Wintermonate sind noch rund ein Dutzend Leute hier. Angeblich mit Alkoholkonsum von morgens bis abends beschäftigt. Ein Wahlspruch von Elfin Cove lautet angeblich: „A drinking town with a fishing problem“.

Momentan dürfen die Fischer nicht ihrem Beruf nachgehen. Die Behörden wollen den Fischbestand in Ruhe zählen, wofür sie eine Woche die Berufsfischerei eingestellt haben. Die Fischer nehmen das gelassen, den im Grunde sind sie froh, dass auf Nachhaltigkeit geachtet wird. Schließlich wollen insbesondere die jüngeren unter ihnen auch in 10 Jahren noch von ihrem Beruf leben können.

Ab jetzt geht es in der „Inside Passage“ weiter. Das schöne daran, die Strecken sind im allgemeinen durch Berge vom Wind geschützt und der Seegang ist deutlich geringer als draußen auf der offenen See. Nachteil, man muss mangels Wind fast ausschließlich motoren und man sollte die teils starke Strömung beachten, da das Vorwärtskommen bei 5 kn Gegenströmung bei Null liegt.

Es gibt ausreichend Buchten mit Ankerplätzen, oder kleinere Ort mit Stegen, so dass wir in Tagesetappen reisen können. Orte hier in Südostalaska haben im allgemeinen keine Straßenanbindung, sind also nur per Flugzeug, oder Schiff erreichbar. Darunter auch die Hauptstadt Juneau. Die Ecke ist eine ebenfalls bei Kreuzfahrtschiffen sehr beliebte, durch COVID-19 sind aber aktuell keine unterwegs. Und auch ansonsten ist es ausgesprochen ruhig hier. Kaum mal ein anderes Boot in einer Ankerbucht, höchstens mal das eine oder andere Fischerboot, nachdem die Fischerei wieder freigegeben ist.

Und Walen begegnen wir immer mal wieder.

Nach 4 Tagesetappen erreichen wir die „Baranof Warm Springs“, bekannt wie der Name schon sagt, für seine heißen Quellen. Ein kurzer Weg den Berg zum Wasserfall hoch und schon ist man an einem der natürlichen Becken. Müsste eigentlich „Hot Springs“ heißen, so heiß ist das Wasser. Es wird empfohlen, mit einem langen Holzstock „umzurühren“, das würde zu angenehmeren Temperaturen führen.

Wir entschließen uns aber, das örtliche „Badehaus“ zu nutzen. Drei kleine Räume mit jeweils einer Badewanne, mit großem Fenster zur Vorderseite, so dass man einen tollen Ausblick hat. Hier gibt es auch kaltes Wasser zum dazu mischen, so dass man seine Wohlfühlwassertemperatur einstellen kann. Herrlich.

4 Tage später erreichen wir dann Petersburg. Petersburg liegt am Eingang der „Wrangell Narrows“. Eine relativ enge Durchfahrt zwischen Mikof Island und Kupreanof Island. Der eher direkte Weg via Dry Strait ist wegen seiner Untiefen nicht für uns nutzbar. Das besondere an den Narrows ist, dass die Gezeit von beiden Seiten rein, bzw. rausläuft. Deshalb muss man das so planen, dass man mit der Flut reingeht, bei Hochwasser den „Green Point“ erreicht, wo sich die Gezeit trifft, um dann mit ablaufendem Wasser auf der anderen Seite rauszugehen.

Hat hervorragend geklappt, weshalb wir uns jetzt in Wrangell befinden. Wrangell liegt auf der gleichnamigen Wrangell Island und ist wie eben viele Orte hier nur per Flugzeug und Schiff zu erreichen. Angeflogen wird der Ort täglich von einer 737, die ab Seattle bis Anchorage die Orte „abklappert“. Starten, nach kurzem Flug am nächsten Ort landen, aus- und einsteigen, weiter geht’s.

Anchorage, die größte und wohl auch bekannteste Stadt Alaskas, haben wir bisher nicht in der Reiseplanung. Jetzt aber doch. Um eine Visumsverlängerung zu erhalten, muss man für die biometrischen Daten eben dorthin. So können wir morgen (Montag 31.08.) mal sehen, wie das mit dem Starten und Landen der 737 so geht. Wir bleiben für 3 Tage dort. Etwas den Ort und die Umgebung ansehen und unseren Segelfreund Richard wieder treffen. Der ist gebürtiger Alaskaner, wohnt dort und hat uns freundlicherweise gleich für Montag zum Abendessen eingeladen.

Und danach wissen wir hoffentlich, ob unser Visum wie gewünscht verlängert wird.

Bei Verlängerung geht es weiter durch Kanada (Transit ist unter Beachtung einiger Dinge erlaubt, Einreise ja leider nicht) nach Washington. Momentan schauen wir uns nach einer passenden Marina für die Überwinterung um. Nähe von Seattle wäre aktuell mein Favorit, aber mal sehen. Und sofern wir unseren Plan nicht mal wieder ändern, geht Luna Mare dann Ende April/Anfang Mai 2021 auf dem Landweg an die Ostküste und wir segeln dann im Mai 2021 über die Azoren zu den Kanaren.

Falls es keine Verlängerung gibt, müssen wir Luna Mare hier in Südostalaska zurück lassen und Mitte September nach Hause fliegen. Wäre natürlich toll, endlich Familie wieder zu sehen. Würden momentan aber nicht wissen, wann wir wegen der COVID-19 Reisebeschränkungen wieder hierher zurück könnten. Und für den Landtransport müssten wir dann im März/April den Weg durch Kanada nach Washington antreten. Müsste dann noch raus finden, ob das eine dafür passende Reisezeit ist.

So kann es nicht weiter gehen.

Vor uns liegen 350 sm vom Prince William Sound zur Elfin Cove, dem Eingang zur „Inside Passage“. Diese führt entlang Südostalaska über Britisch Columbia (Kanada) bis zum Bundesstaat Washington mit Zielorten wie Seattle, Bellingham, oder Anacortes, das auf Grund der zahlreichen Marinas, dem Schiffszubehörhandel und anderer maritimer Einrichtungen auch „Boating Capitol of the Northwest“ genannt wird.

Der Plan zu diesem Zeitpunkt ist, Wrangell oder Ketchikan als Platz für den Winter zu nutzen. Diese beiden Orte befinden sich in Südostalaska, kurz vor der Grenze zu Kanada. Dort ist das Klima für diese Breiten relativ mild, die Wassertemperatur sinkt den ganzen Winter über angeblich nicht unter 10 Grad. Sollte Kanada seine Grenzen, die nunmehr seit März geschlossen sind, nach der aktuell gültigen Verlängerung Ende August öffnen, wäre auch Viktoria eine gute Option für den Winter. Von dort wären es dann 700 sm bis San Francisco.

Die „Inside Passage“ selbst ist überwiegend durch Berge vom offenen Meer abgeschirmt, so dass es dort meist windstill ist, es also auch keine nennenswerten Wellen gibt. Einige Teilstrecken sind etwas offener zum Pazifik, aber da kann man ja auf gutes Wetter warten. Laut Revierführer kann man die gesamte Strecke überwiegend in Tagesetappen absolvieren. Nachtfahrten wären in dem Bereich mit einigen Engstellen durchaus eine Herausforderung.

Zu beachten ist allerdings die teils kräftige Strömung bei engeren Stellen zwischen den Inseln. Die kann im Extremfall bis zu 10 kn betragen. Da wir die Tidendaten haben, sollte das aber machbar sein.

Der Wetterbericht für die Überfahrt zur Elfin Cove ist für die nächste Zeit leider nicht sehr vielversprechend. Entweder reichlich Wind aus Südost (da wo wir hin wollwn), oder kein Wind. Also volltanken, so dass wir bei Bedarf die komplette Strecke unter Motor zurücklegen könnten. Keine schöne Vorstellung.

Cordova liegt eigentlich günstig mit direktem Zugang zum Golf von Alaska, dieser ist aber zu flach um von uns Revierfremden befahren zu werden. Also geht es am 30. Juli los über die „Double Bay“ zur „Garden Cove“. Zwei Buchten, die uns zwei schöne Tage vor Anker bieten. Und damit sind es dann 50 sm weniger, als wenn wir nonstop von Cordova aus segeln

In der Garden Cove haben wir Besuch von Seelöwen erhalten.

Gleich am nächsten Tag wollen wir starten. Gemäß Wetterbericht segeln wir mit reichlich Ostwind zuerst Richtung Süden und können dann nach rund 50 sm den Weg nach Osten einschlagen. Dann soll auch der Wind deutlich nachlassen, so dass wir bei Bedarf unter Motor zum Ziel kommen können. In vier Tagen sollte das zu schaffen sein. So unsere Überlegung.

01. August:

Um 8 Uhr geht der Anker hoch. Es hat schon kräftig aufgefrischt und unsere Ankerbucht und die Buchten auf dem Weg zur offenen See sind für ihre „Williwaws“, den hiesigen Fallwinden mit bis zu 60 kn, bekannt. In der „Garden Cove“ erreicht der Wind schon mal 30 kn, was das Einholen des Ankers etwas erschwert. Aber dann ist er geborgen und los geht es.

Aus den zwei Buchten die wir passieren, erreicht uns Wind mit bis zu 45 kn. Das Wasser sieht dort aus, als würde es dampfen. Wir kommen aber gut da durch und erreichen die offene See um Segel zu setzen. Mit gerefften Segeln geht es bei gut 20 kn Wind auf Amwindkurd (Wind von schräg vorne) Richtung Süden.

02. August

Es geht unter Segel ziemlich ruppig durch die erste Nacht. Die erste Nacht ist ohnehin hinsichtlich Schlaf schwierig, da der Rhythmus zwischen Wache und Schlafen noch fehlt, wird aber durch die heftigen Wellen noch unangenehmer.

Um 6 Uhr starten wir den Motor, da wir bei dem jetzt nachlassenden Wind Richtung Südwesten statt nach Südosten segeln und uns damit immer weiter vom Ziel entfernen. Bereits drei Stunden später dreht der Wind und wir können mit etwas mehr Wind von der Steuerbordseite wiederum unter Segel Zielkurs anlegen. Phantastisch.

Aber nur für weniger als eine halbe Stunde. Dann dreht der Wind zurück auf Südost und wir sind jetzt Richtung Norden unterwegs. Also in die Richtung aus der wir gekommen sind.

9 Stunden später haben wir auf diese Weise 28 sm gutgemacht, sind dabei dem Ziel aber nur um 12 sm näher gekommen. So geht um 18 Uhr bei mäßigerem Wind der Motor wieder an.

Seit der Erstwässerung der Luna Mare vor 4 Jahren haben wir das Problem mit Wasser im Boot. Unterschiedlichster Natur. Bei der Erstwässerung fehlte ein Fettnippel an der Ruderanlage, so dass Wasser eindrang und dazu führte, dass das Boot umgehend wieder an Land musste.

Später waren die Fenster undicht, ich hatte mal vergessen, einen Borddurchbruch abzusichern, ein Trinkwassertank hatte ein Leck. Konnten wir alles korrigieren.

Problem wurde aber der Übergang des Kunststoffdecks zum Metallrumpf. Hier hatten wir schon etliche Abdichtversuche unternommen, alle halfen aber nur sehr temporär. Zuletzt hatten wir ein Aluklebeband verwendet mit dem guten Gefühl, dass jetzt alles dicht ist.

Ist es aber nicht. Es kommt immer dann, wenn es Wasser auf das Deck schafft (was bei Amwindkursen halt fast immer der Fall ist) etwas davon vom Vordeckbereich ins Boot und versammelt sich in der Bilge im mittleren Bereich, dem Bereich der Pantry.

Unangenehm, aber man muss halt hin und wieder die Bilgenpumpe in Betrieb setzen. Und demnächst einen neuen Abdichtversuch starten. Allerdings keine Ahnung, was da wirkungsvoll helfen könnte.

03. August:

Als ich um Mitternacht meine Wache antrete sieht der Wind wieder passender aus. Also Motor wieder aus und Segel gesetzt.

Aber bereits beim Wachwechsel um 3 Uhr passen Windrichtung und -stärke wiederum nicht und der Motor geht wieder an. Und dieser läuft für den Rest des Tages und die ganze kommende Nacht.

Und der neue Wetterbericht verspricht nichts gutes. Statt wenig bis kein Wind, wie bei unserer Abfahrt vorhergesagt, sollen es jetzt 27 kn, in Böen 36 kn werden. Aus der Richtung, in die wir wollen.

Die Isobarendarstellung zeigt jedoch, dass es ein wenig nördlicher nur 14 kn, in Böen 29 kn, sein sollen. Unter Motor sollten wir dort zeitig hinkommen, unter Segel könnten wir nur direkt nach Norden und früher oder später zu nah an die Küste, die stark nebelgefährdet ist. Also nunmehr Richtung Nordost statt Südost, um dem stärkeren Wind auszuweichen.

Wir schaffen es dahin, der Wind größtenteils aber auch. So zeigt unser Windmesser im Mittel so 25 kn an, die bei Böen schon mal die 30 überschreiten.

04. August:

So geht es bei gut 20 kn Wind unter Motor in den 4. Tag. Wind und Welle führen dazu, dass wir unter Motor nur mehr mit rund 2 kn vorankommen. Da ist der Diesel alle, bevor wir ankommen.

Um 9 Uhr dreht der Wind erfreulicherweise mal wieder. So können wir wieder Kurs „Elfin Cove“ nehmen und die Segel setzen. Bei dem Wind natürlich gerefft. Der Kurs passt nicht ganz, wir kommen aber mit 3 bis 4 kn voran. Selbstverständlich Amwindkurs.

Wiederum nur kurz, bis Mittag. Nicht weil der Wind es sich wieder anders überlegt hat, sondern weil die Bilge voll Wasser ist. Durch den Amwindkurs und die Schräglage kommt jede Menge Wasser aufs Deck und, so scheint es, immer mehr davon ins Boot.

Wenn man einen Topf mit Wasser schräg hält, läuft auf der einen Seite das Wasser über, wo hingehend auf der anderen der Boden frei ist. So auch bei unserer Bilge auf Grund der starken Seelage die durch den Amwindkurs unter Segel entsteht. Hat den unangenehmen Effekt, dass die Bilgenpumpe auf der einen Seite Luft saugt, also nicht abpumpen kann, währenddessen das Wasser auf der anderen Seite aus der Bilge ins Boot läuft.

Da hilft nur Beidrehen. Zum einen kommt dann kaum noch Wasser aufs Deck und damit ins Boot und mit der Bilgenpumpe können wir zumindest die Bilge wieder leeren. Rest muss so aufgewischt werden.

Danach haben wir beigedreht viel Zeit, die Situation zu reflektieren. Eines ist schnell klar, so können wir unsere Reise nicht fortsetzen. Nach unserer Pazifikrunde werden wir uns ja wieder am Startpunkt in die Südsee befinden, entweder San Diego, oder Mexiko. Dann liegt der Pazifik in seiner ganzen Breite vor uns, der (teils wettermäßig unfreundliche) Indische Ozean, bevor es den Atlantik von Südafrika aus wieder hoch geht.

Für diese Strecken benötigen wir ein dichtes Deck. Aber wie dicht bekommen. Bisher sind alle Versuche gescheitert und wir verlieren die Hoffnung, einen erfolgreichen Weg zu finden. Das Kunststoffdeck liegt ja auf einer am Rumpf angebrachten Metallplatte. Die Verbindung wird nie 100% ok sein, da sich das Deck bewegt bzw. vibriert, während das Metall die Ruhe weg hat.

Wir dachten, Sikaflex wäre flexibel genug, um diese Bewegungen auszugleichen. Dann das Alu-Klebeband. Hat alles nichts geholfen.

Dazu kommt ja auch noch die Covid-19 Situation. Machen die Grenzen auf? Falls ja, wann? Und auch wenn sie offen sind. Die einsamen Gegenden in der Südsee sind ja das reizvolle, aber haben die Einwohner dort nicht zu Recht Angst, dass die Segler das Virus mitbringen?

Unsere Familie haben wir seit knapp einem Jahr nicht mehr gesehen und es ist nicht absehbar, wann sich das ändern wird. Besuche auf der Luna Mare, wie ursprünglich für Kanada geplant, sind vorerst nicht möglich. Wenn wir nach Deutschland fliegen, kommen wir aktuell nicht mehr zurück.

Also neuer Plan. Sobald wir „Elfin Cove“ erreicht haben, in möglichst Tagesetappen möglichst gemütlich die „Inside Passage“ bis zum Bundesstaat Washington. Die Gefahr, dass auf dieser Strecke Wasser aufs Deck / ins Boot kommt ist je eher gering.

Von dort per LKW die Luna Mare von der West- zur Ostküste transportieren lassen. Und dann im Mai 2021 von Rhode Island aus über die Azoren nach Lanzarote. Auf Grund der vorherrschenden Westwinde sollte die Strecke auch mit dem derzeitigen Zustand der Luna Mare möglich sein. Und vielleicht können wir ja noch etwas abdichten.

Keine leichte Entscheidung, aber Lanzarote hat uns sehr gut gefallen und war als „Altersruhesitz“ an Bord der Luna Mare ohnehin eine Idee. Wir haben ausreichend Zeit, alles in Ordnung zu bringen und sofern wir eine vernünftige Lösung für das Deck finden, steht uns ja eigentlich alles wieder offen.

Kanaren, Mittelmeer, Karibik. Und der Startpu in die Südsee (Panama) wäre innerhalb von zwei Monaten erreichbar. Falls sich die Covid-19 Lage verbessert und wir dann noch Lust darauf haben sollten.

05. August:

Wir bleiben beigedreht um auf weniger Wind zu warten. Entweder aus passender Richtung, so dass wir mit Wind von querab, oder achterlicher als querab „trocken“ segeln können (eher unwahrscheinlich), oder aber unter Motor vorankommen können.

Um 12 Uhr haben wir den 4. Tag auf See verbracht. So lange, wie wir für die 350 sm brauchen wollten. Beigedreht hat uns der Wind und die Strömung in den letzten 24 Stunden um 22 sm vom Ziel entfernt. So haben wir nach vier Tagen nur 150 sm geschafft, haben also immer noch 200 sm vor uns.

Der Wind lässt aber nach und auch die Wellen werden etwas weniger ruppig. So können wir den Motor starten und mit anfänglich 3 kn loslegen. Stunde um Stunde wird die See ruhiger und wir etwas schneller.

Der Wetterbericht von heute morgen sagt bis morgen Nachmittag Wind von max. 10 kn voraus. Dann für 9 Stunden 11 bis 16, danach für 12 Stunden runter auf 4 kn (mit Böen bis 21 kn!?!), dann wieder etwas über 10 kn. Verrücktes Wetter haben die hier im Golf von Alaska. Müsste aber passen.

Sofern wir im Schnitt 3,5 kn schaffen, kommen wir am 07. August um 21 Uhr an. Da ist es noch hell. Ach das würde passen. Da kann jetzt eigentlich nicht mehr viel passieren.

Zur jetzt guten Stimmung, dass der Rest der Strecke ja überschaubar wird was das Vorankommen angeht, gesellt sich auch zunehmend die Sonne und erwärmt uns.

06. August:

Der Tag beginnt mit herrlichem Sonnenschein. Wir machen mittlerweile sogar etwas mehr als 4 kn Fahrt. Die zurückgelegte Strecke seit dem Start des Motors gestern Mittag bis zum heutigen Mittag beträgt 108 sm. Es bleiben also nur noch knapp 100. Die sollten wir spielend bis morgen nachmittag schaffen.

Die Wettervorhersage von heute morgen bestätigt das. Max. 12 kn, in Böen 18 kn heute, morgen dann weniger als 10 kn, allerdings mit Böen bis über 20 kn. Aber Böen kommen und gehen. Außerdem soll der Wind dann nach Südwest gedreht haben, so dass wir ihn nicht mehr direkt auf die Nase haben, sondern dieser uns vielleicht sogar ein wenig schiebt. Wär doch gut.

Da die letzten Tage ja doch etwas nervig waren, tut der Sonnenschein, der bis zum Abend anhält, jetzt so richtig gut. Wir machen uns für den morgigen Landfall schon mal schick. Duschen (ich traue mich das sogar im Cockpit im Freien), ich stutze meinen Bart, wir ziehen frische Sachen an.

So herrlich kann Segeln sein, in diesem Fall sogar unter Motor. Die Küste am Golf entlang ist phänomenal. Direkt aus dem Wasser ragen schneebedeckte Berge bis 4.000 m in die Höhe. Leider meist Wolken, oder Nebelverhangen und damit selten zu sehen und aus rund 50 km Entfernung schwer zu fotografieren. Muss man halt einfach selber erleben ;-).

Tja und mal wieder kommt es anders als erwartet. Der Wind geht am Abend auf 20kn bis 30 kn hoch. Aus Südost. Um Wasser im Boot zu vermeiden heißt es wieder beidrehen. 74 sm vor dem Ziel!

Kurz vor Mitternacht lässt der Wind zumindest leicht nach und führt mich zu dem Leichtsinn, den Motor zu starten, um irgendwann doch anzukommen. Mit so 2 bis 3 kn sind wir nicht schnell, aber immerhin.

07. August:

Müdigkeit ist vorhanden, aber zu viel innere Unruhe, die Motorgeräusche und zu heftige Bootsbewegungen um tatsächlich schlafen zu können. So übernehme ich die komplette Nachtwache während Marion sich mit Ohrstöpseln in die Koje verzieht. Überwiegend lesend, da sie auch keinen Schlaf finden kann. Hin und wieder döse ich etwas vor mich hin, behalte aber vermeintlich alles im Auge.

Es geht nur langsam voran, aber so kurz vor dem Ziel ist es irgendwie ein besseres Gefühl, diesem ein bis zwei Seemeilen pro Stunde näher zu kommen, anstatt beigedreht sich um die fast gleiche Strecke davon zu entfernen.

Um vier Uhr wieder ein Blick in die Bilge. Etwas Wasser drin, aber nicht bedenklich. Pumpe es aber trotzdem aus.

Das Plätschern und Rauschen des Meerwassers hat ja was beruhigendes. So denke ich mir das auch als ich gegen 5 Uhr so etwas vor mich hindöse. Aber plätschert das tatsächlich draußen am Bug, oder kommt das von innen?

Ein prüfender Blick und gefühlt geht die Welt unter. Zentimeterhoch steht die Pantry, der am tiefsten gelegen Teil des Bootes, unter Wasser. Aus der vordersten Bodenklappe sprudelt es nur so herein. Haben wir ein Leck?

Schon mal einen Pan Pan absetzen? Pan Pan macht man, wenn man ein technisches Problem hat, man aber glaubt, es noch meistern zu können. Damit hat man dann aber für den Fall, das es nicht klappt, schon mal Kontakt zu einer Rettungsstelle.

In Sekundenbruchteilen schießen mir die Gedanken durch den Kopf. Erstmal Bilgenpumpe. Die müsste eigentlich automatisch anlaufen, aber der Schwimmer, der sie auslöst, scheint irgendwie defekt zu sein. Dann bange Sekunden. Schafft die Pumpe mehr raus als nachfließt?

Sie scheint es zu schaffen. Langsam senkt sich der Wasserspiegel, wobei von vorne weiterhin Wasser nachläuft. Unter der Bodenklappe, aus der es sprudelt, befindet sich der Log/Lot-Geber. Wurde das irgendwie aus dem Rumpf herausgeschlagen? Nein, sitzt fest.

Marion hat bisher dank der Ohrstöpsel nichts mitbekommen. Da ich das Deck als mögliche Quelle des Desasters überprüfen möchte, hole ich sie aus der Koje. Ich möchte nicht unbeobachtet auf dem wackeligen Vorschiff unterwegs sein.

Normalerweise hebt und senkt sich der Bug bei heftigerem Wind und Wellengang ganz erheblich. Klatscht in dem Moment, wo er weiter unten ist die nächste kurz folgende Welle dagegen, ergießt sich ein Schwall über das Deck. Das würde man dann auch ganz gut vom Innensteuerstand aus bemerken und sehen.

Doch der Bug bewegt sich nicht sonderlich, sonder pflügt in sehr tiefer Lage durch das Wasser. So gibt es nicht einzelne Wellenschläge, die an Bord kommen, sondern der Bug ist fast ständig unter Wasser. So, als würde er zu einem Tauchgang ansetzen wollen.

Ein Blick in den Ankerkasten. Dort steht das Wasser bis zum Deckel. Alles, die Ankerwinsch, die Batterie, das Relais, die Verkabelung, alles unter Wasser. Jetzt ist klar, wo das zusätzliche Wasser im Boot herkommt. Nur noch nicht wie es im Detail den Weg vom Ankerkasten ins Boot findet. Aber da dieser zum Bootsinneren hin nicht hermetisch abgeschlossen ist, bestehen keine Zweifel mehr.

Zurück und beigedreht. Motor aus.

Meine Vermutung ist, dass sich der Ankerkasten peu à peu gefüllt hat. Das Loch im Rumpf für den Wasserabfluss war vermutlich zu lange unter Wasser, dass sich der Ankerkasten soweit füllen konnte, dass das Gewicht von Ankergeschirr und Wasser den Bug immer weiter ins Wasser drückten. Irgendwann war der Abfluss unter Wasser und der Kasten lief bis zur Oberkante voll. Und zumindest ein guter Teil davon ins Boot.

Mittlerweile ist das Wasser abgelaufen. Die Batterie scheint noch zu funktionieren, zeigt jedenfalls 12,9 V an. Die Ankerwinsch ist angeblich wasserdicht, ob sie aber ein Wasserbad ausgehalten hat muss sich noch zeigen. Für das Relais haben wir Ersatz, falls dieses nicht mehr funktionieren sollte.

Da müssen wir uns doch noch etwas mehr Gedanken machen, wie wir diese Situation vermeiden können, bevor wir nächstes Jahr zu den Azoren aufbrechen. Und auch bis dahin, bis wir das Boot zur Abfahrt bereit an der US Ostküste haben werden, ist noch ein langer Weg.

Apropos langer Weg. Mittlerweile ist es Mittag und wir sind noch 74 sm vom Ziel entfernt. Genau so viele Seemeilen waren es vor 15 Stunden, also gestern Abend um 21 Uhr. Wir sind also exakt die Strecke, die wir in fünf Stunden seit Mitternacht unter Motor gemacht haben, in den zehn „beigedrehten“ Stunden wieder zurückgetrieben worden. Und wir treiben kontinuierlich weiter vom Ziel weg. Frust ohne Grenzen.

Laut Wetterbericht von gestern haben wir seit 6 Uhr 8 kn Wind (in Böen bis 22) aus südwestlicher Richtung. Zumindest zum motoren ideal. Bis 10 Uhr hatten wir aber weiterhin ständig 20 kn bis 25 kn Wind aus Südost. Seit zwei Stunden lässt er langsam nach und bewegt sich bei 15 kn bis 20 kn. Weiterhin Südost bei immer noch hohen, ruppigen Wellen.

Neuen Wetterbericht gibt es nicht mehr, da der Satellitenempfänger dem Wasser zum Opfer fiel. War in einem Fach höher als die Bodenbretter untergebracht. Hat aber nicht gereicht. Falls wir Glück haben sollten, ist nur der Akku, der in einem separaten abnehmbaren Teil untergebracht ist, hinüber. Muss sich aber noch zeigen. Bei der aktuellen Vorhersagegenauigkeit ist ein Wetterbericht aber ohnehin nutzlos.

Um 13 Uhr geht der Wind endlich auf unter 15 kn. Das ist einen Versuch wert. Noch sind die Wellen unangenehm hoch, die Schiffsbewegungen kräftig, aber es kommt kaum Wasser aufs Deck. So geht es endlich weiter. Dass es mit nur drei Knoten ist, stört jetzt nicht mehr.

Die Sonne zeigt sich jetzt sogar und wärmt uns physisch und psychisch etwas auf. Am Horizont sind allerdings bereits wieder dunkle Wolken mit kräftigen Regenbändern.

Die bringen tatsächlich etwas Regen. Es geht aber weiter und es sieht nunmehr gut aus, dass wir nunmehr morgen Elfin Cove erreichen werden.

08. August:

Mit (von dicken Wolken verdecktem) Sonnenaufgang sind wir nur noch einige Meilen vom Ziel entfernt. Es ist grau und regnerisch. Bei der Einfahrt in den Cross Sound schafft es die Sonne uns ein paar Strahlen durch die Wolkendecke zu schicken.

Gegen 10 Uhr erreichen wir die Cove. Etwas eng hier, wir finden aber am Gästesteg noch einen freien Platz zwischen Fischerbooten.

Nach 7 Tagen und 500 zurückgelegten Seemeilen haben wir die 350 sm, die es eigentlich nur sind, überwunden. Endlich da. Was sind wir froh.

Prince William Sound

Von Seward aus wollen wir etwas den Prince William Sound erkunden, bevor wir nach einem Stopp vor Cordova nach Südostalaska aufbrechen.

Der Sound bietet ausgezeichnete idyllische Ankerplätze. Dafür nimmt man den Wermutstropfen, dass es kaum Segelmöglichkeiten gibt und deshalb fast alles unter Motor zurück gelegt werden muss, gerne in Kauf.

Schöne sonnige Tage mischen sich mit regnerischen, trüben und kühlen Tagen. Bei zu viel Regen bleiben wir einfach einen Tag länger in einer Bucht.

Nach einigen Buchten erreichen wir die Esther Passage, von wo aus wir im Barry Arm einige Gletscher von etwas näher ansehen wollen. Das ist zugleich unser nördlichsten Punkt der bisherigen Reise (61° N) und Dank wunderschönem sonnigen Wetter wird das ein einmaliges Erlebnis. Zahlreiche Robben genießen das genau so wie wir.

Viel später hätten wir aber auch nicht hier sein dürfen. Die Gletscher scheinen auch hier deutlich weg zu schmelzen. Vor dreißig Jahren gab es hier wohl einiges mehr davon zu sehen.

Am frühen Nachmittag wieder zurück in die Esther Passage, um dort nochmal eine Nacht vor Anker zu verbringen. Danach geht es über weitere wunderschöne Ankerbuchten in den Südosten des Prince William Sound, nach Cordova.

Einer der zahlreichen Orte Alaskas ohne Straßenanbindung. Erreichbar mit der Fähre (im Winter zwei mal die Woche), oder per Kleinflugzeug welches auf einer Schotterpiste neben einem Bergsee landen kann. Das macht die Versorgung hier schwierig und extrem teuer.

Der Ort selbst ist klein, aber sehr ansehnlich. Schon ein etwas eigentümliches Gefühl, an einem Ort zu sein, der keine Straßenanbindung hat. Autos gibt es hier natürlich wie überall und trotz der geringen Entfernungen in der üblichen SUV/Pick-up-Größe. Pick-ups machen hier aber Sinn, da es für Fischer immer was zu transportieren gibt. Die hier haben oftmals einen kleinen Kran auf der Ladefläche um die Säcke mit den Netzen an Bord zu hieven.

Jetzt warten wir auf passendes Wetter, um unseren Weg nach Südostalaska fortsetzen zu können. Elfin Cove wird vermutlich unser erster Anlaufpunkt dort sein.

Kitoi Bay nach Seward

Am Nachmittag nach unserer Bärensichtung geht es dann weiter. Zur nächsten geplanten Bucht sind es etwas mehr als 80 sm. Da entschließen wir uns, durch die Nacht zu segeln. So heißt es um 14 Uhr „Anker hoch“.

Nach einem kurzen Stück unter Motor können wir sogar Segel setzen. Der Wind reicht aber nur für rund 30 sm. Dann geht es wieder unter Motor weiter, zur Home Cove.

Die Nächte hier sind immer noch nahezu durchgehend hell, richtig dunkel wird es nicht. Nach Sonnenuntergang um 23 Uhr erhellt die Dämmerung noch ganz gut den Himmel und bietet weiterhin relativ gute Sicht. Die Dämmerung verschwindet nie ganz, sondern wandert stattdessen von West über Nord nach Ost, wo dann um 5 Uhr bereits wieder die Sonne am Horizont erscheint.

Kurz vor Sonnenaufgang weckt mich die Skipperin. Wasser im Boot. Stellt sich glücklicherweise schnell heraus, dass es sich um Süßwasser handelt. Da hat sich ein Schlauch gelöst. Die Schlauchklemme ist an der nicht einsehbaren Rückseite auf Grund Rost auseinandergebrochen, blieb aber noch am Schlauch hängen. So konnte ich das Problem nicht rechtzeitig erkennen.

Das Ganze muss kurz nachdem wir den Motor starten passiert sein. Dadurch konnte die Wasserpumpe, die wir sonst hören würden, ungehört den noch vorhandenen Inhalt des Wassertanks mit rund 80 l ins Innere des Bootes pumpen. Dumm gelaufen, aber lösbar.

Die Home Cove ist etwas verwinkelt zu erreichen, was den Ankerplatz aber entsprechend idyllisch macht, da rundherum nun Hügel bzw. Berge zu sehen sind. Und durch die Lage ist er auch sehr Wind- und Wellengeschützt. So verbringen wir dort eine angenehme und ruhige Nacht vor Anker.

Am nächsten Morgen geht es weiter Richtung Northwestern Fjord. Dort soll es tolle Gletscher geben. Vor der Einfahrt in den Fjord kann man ankern. Kommen dort so um 16 Uhr an. Anker setzen. Geht nicht. Ankerwinsch macht keinen Mucks.

Hat sich die Winsch irgendwie verklemmt? Sieht so aus, den als ich diese löse, bewegt sie sich erst mal weiterhin nicht. Doch dann habe ich sie zu weit gelöst und 20 m Kette rauschen raus. 25 kg Anker, 20 m Kette, das sind dann vermutlich mehr als 50 kg. Die ohne Ankerwinsch wieder hochholen ist keine wirklich leichte Aufgabe.

Jetzt könnten wir natürlich so ankern, also die Kette ohne Winsch rauslassen, aber für die Wassertiefe wären 60m Kette erforderlich. Und die würden wir kaum wieder hoch bekommen.

Also neuer Plan, weiter nach Seward. Nochmal eine Nacht draußen. Trotz Müdigkeit klappt das aber ganz gut. Und die durchgehende Helligkeit hilft einem wach zu bleiben. Hier ist mit mehr Verkehr zu rechnen. Deshalb ist Wachsamkeit angebracht.

Am frühen Morgen um 4 Uhr erreichen wir Seward. Machen erst mal fest und legen uns schlafen. Nach ein paar Stunden zum Hafenmeister. Danach noch zur Tankstelle und einem Liegeplatz näher zum Hafenausgang.

Seward ist ein kleiner Ort, dessen „downtown“ im wesentlichen aus Restaurants, Touristeninfo und Souvenirläden besteht. Gibt aber auch Baumärkte mit Marineabteilung. Was für unser jetziges Leben halt eine wichtige Rolle spielt.

Die Lage des Ortes ist aber großartig. Am Ende des Fjords umgeben von Bergen, die teils noch Schneeflächen haben. Ein wirklich wundervoller Anblick. Neben Baumarkt gibt es mit „Safeway“ auch einen Supermarkt mit gutem Sortiment.

Die Marina selbst ist sehr ok und zur unseren großen Freude treffen wir hier Helen und Hansueli mit ihrer SY Dada Tux wieder. Die erste Begegnung war vor drei Jahren bei unserem Start in Warnemünde. Dann nochmal für etwas länger vor Cherbourg. Deren Weg hierher führte sie, die Karibik an Steuerbord liegen lassend, über Südamerika einschließlich Kap Hoorn. Unglaublich, welch unterschiedliche Strecken man segeln kann, um dann plötzlich wieder am selben Steg zu liegen.

Technik-Ecke:

Beim Überprüfen der Ankerwinsch hatte ich erst eine verklemmte Winsch und dann Probleme mit der Verkabelung vermutet. Es zeigte sich aber, dass die Batterie das Problem war. Ich hatte nicht bemerkt, dass eine ausgelöste Sicherung das Laden derselben verhinderte. Und hier, mit 60m Kette zum Ankern, hat sie natürlich Höchstleistung zu erbringen.

Wir haben mit 55 Ah eine für diese Zwecke ziemlich kleine Batterie, die bereits 8 Jahre auf dem Buckel hat. War beim Schiffskauf dabei. Jetzt gibt es vollgeladen nur noch kurze Zuckungen, bis die Voltanzeige bei Null ist. Konnten hier aber Ersatz finden und hoffen, dass die Neue ebenfalls so lange hält.

Jetzt aber genug der Worte, Bilder sollen sprechen:

Und weil der Bär so toll war, hier noch ein Video von diesem:

Von Kodiak zur Kitoi Bay

Insgesamt verbringen wir 5 Tage im Kodiak Harbor inmitten von Fischerbooten und einigen Fahrtenseglern, die von Hawai’i hierher gekommen sind.

Da die Fischerei noch nicht freigegeben ist, sind die Fischer noch mit Vorbereitungen an ihren Booten beschäftigt. Wir kümmern uns ebenfalls um unser Boot. Glücklicherweise gibt es diesmal nicht so viel zu tun.

Das mit dem Netzwerkkabel funktioniert wieder. Habe es ausgebaut, in der Annahme es erneuern zu müssen. Noch ein Test, in dem ich den Plotter am Innensteuerstand damit mit dem Netzwerk verbunden habe.

Keine Probleme. Den Plotter im Cockpit damit wieder angeschlossen. Ebenfalls keine Probleme. Keine Ahnung warum, aber egal, es funktioniert wieder. Kabel wieder ordentlich verlegt. Fertig.

Am Donnerstag den 9. Juli geht es dann weiter. Erst zur Tankstelle, dann zur Kitoi Bay, die rund 30 sm nördlich von Kodiak Harbor in der Afognak Island liegt.

Es ist überwiegend sonnig, schon seit drei Tagen. Im Schatten, oder auf See bei etwas mehr Wind, ist es kühl. Aber nicht so, dass man sich dick anziehen müsste, um nicht zu frieren. Und mit Sonne hat es in der Tat T-shirt Wetter. Herrlich.

Auf dem Weg zur Bay treffen wir auf zahlreiche Wale. Den Wasserfontänen nach zu urteilen mehr als ein Dutzend. Leider überwiegend weit weg und immer nur kurz mit ein wenig Rücken an der Oberflãche. Gelegentlich können wir auch deren Schwanzflosse bewundern.

Am Ende der Bay befindet sich eine Lachs Brutstätte. Dort werden in der Bay gesammelte Fischeier ausgebrütet und die Lachse dann mit einer Größe von ein paar Zentimetern ausgesetzt. Damit gelten sie als Wildlachse, wie uns zwei Mitarbeiter erzählen.

Es sind dort insgesamt 22 Mitarbeiter das ganze Jahr über beschäftigt. Versorgt werden sie von einem Wasserflugzeug, was für die Leute dort praktisch, aber nicht sonderlich günstig ist.

Die Bay ist voll von Lachsen. Den ganzen Abend über vollführen sie Sprungübungen, begleitet von einem relativ lauten Aufklatschen auf dem Weg zurück ins Wasser.

Seehunde beäugen uns vorsichtig aus ausreichend Abstand um dann geschwind wieder unter zu tauchen. Unter den zahlreichen Vögeln, die hier unterwegs sind, befinden sich auch Weißkopfadler.

Am nächsten Morgen lassen wir nach dem Frühstück unser Dinghy zu Wasser. Etwas die Gegend um Luna Mare herum erkunden. Und um Braunbãren zu erspähen.

Ist aber nicht. Zurück zur Luna Mare und dort noch Richtung Strand. Da die Sonne blendet, etwas näher ran, um in den Schatten zu kommen und damit bessere Sicht zu haben.

Da erschrecken wir ordentlich, als keine 10m von uns entfernt ein Braunbãr am Strand auftaucht. Da er andeutet, ins Wasser gehen zu wollen, lege ich erstmal den Fotoapparat zur Seite und nehme die Paddel in die Hand, um etwas Abstand zu gewinnen.

Hat er in der Tat nur angedeutet and promeniert stattdessen gemächlich den Strand entlang und verschwindet dann im Dickicht. Etwas später sehen wir ihn auf seinem ebenso gemächlichen Rückweg. Diesmal von Bord der Luna Mare aus, was ein besseres Gefühl der Sicherheit gibt. Ein wahrlich imposanter Anblick.

Bilder gibt es, sobald wir wieder "richtiges" Internet statt Satellit haben.

Von Hawai’i nach Alaska – Tag 22 und Ankunft

Ja, es ist geschafft. Nach 22 Tagen und 2.300 sm liegen wir vor Kodiak Island vor Anker. Der letzte Tag beschert uns nochmal ordentlich Wind mit etwas mehr als 20 kn. Die voraussichtliche Ankunftszeit wird immer früher und letztendlich setzen wir um die Mittagszeit den Anker.

Der Törn war in der Tat einer der besseren Art. Mussten wegen Windmangel leider rund 90 Stunden motoren, davon alleine 60 Stunden ab dem 29. Juni (Tag 18 von 22). Die Alternative, auf Wind zu warten, erschien uns hier zu gefährlich, da der Wind in dieser Gegend auch gerne mal stürmisch vorbei kommt.

Aber ansonsten hatten wir teils tagelang ausgezeichneten Segelwind, der nur gelegentlich die „Komfortmarke“ von 20 kn überschritten hat. Und sofern man nicht selbst am Steuer stehen muss, kann so ein Törn schon zum Genuss werden.

Unser ziemlich wichtigstes Lebensmittel unterwegs.

Der erste Eindruck von Alaska ist überwältigend. Wir haben super Massel mit dem Wetter. Sonnig mit ein paar Wolken und so mild, dass man im T-shirt im Cockpit sitzen kann. Unser Ankerplatz vor dem kleinen Ort „Old Harbor“ ist ein sehr ruhiger und geschützter, von Bergen eingerahmt. Idylle pur.

Hier bleiben wir aber nur für eine Nacht. Wir wollen weiter nach Kodiak Harbor. Laut Vorhersage sollen wir guten Segelwind haben. Diese kann aber anscheinend die lokalen Gegebenheiten nicht berücksichtigen. Vermutlich durch die Bergwelt hier wird es nichts mit dem Wind und es bleibt uns nur die Motorvariante, um nach Kodiak Harbor zu kommen.

Den ganzen Tag über Sonne pur aus einem wolkenlosen Himmel bei wiederum angenehmen Temperaturen. Der Motorlärm stört etwas, aber das Wetter und der Ausblick rundherum sind phänomenal. Die teilweise schneebedeckten Berge, die aus dem Wasser ragen, machen den Eindruck, als wären die Alpen geflutet worden und man könnte dort mit einem Boot zwischen den Gipfeln unterwegs sein.

Bei weiterhin schönstem Wetter laufen wir am Abend in Kodiak ein. Hier gibt es mit Safeway und Walmart gute Versorgungsmöglichkeiten. Die weitere Reise bis nach Südostalaska, wo wir im Laufe des August die Hauptstadt Kanadas Juneau und den evtl. Winterliegeplatz Ketchikan erreichen wollen, bietet da nicht mehr viele Möglichkeiten.

Eine davon wird noch Seward sein, von wo aus wir den Prince William Sound mit seinen zahlreichen Gletschern und Wildtieren erkunden wollen. Ende Juli, spätestens Anfang August soll es dann noch Südostalaska gehen. Elfin Cove wird dort wohl der erste Ort sein, den wir anlaufen wollen.

Sonnenuntergang ist hier aktuell um 23 Uhr, Sonnenaufgang um 5 Uhr. Dazwischen Abend- und Morgendämmerung. So richtig dunkel wird es zu keiner Zeit. Mit einem kalten Getränk verbringen wir den Abend im Cockpit, der eine oder andere kurze Plausch mit einem Fischer, der an der Luna Mare vorbeikommt.

Ich liebe diese nordischen Tage mit Licht quasi rund um die Uhr. Schwierig ist es nur, bei dieser Helligkeit den wundervollen Abend im Cockpit zu beenden um die Kojen auf zu suchen. Da ist es dann schnell Mitternacht und dabei noch so hell wie ansonsten an einem trüben Herbsttag.

Den wir dann auch gleich am nächsten Morgen begrüßen dürfen. Endlich Wetter so, wie wir es uns für hier vorgestellt haben. Regnerisch, diesig, allerdings nicht so kalt wie von uns befürchtet. Gutes Wetter aber, um die gut 4 km zu den Supermärkten in Angriff zu nehmen ;-). Auf dem Rückweg bepackt mit dann schweren Rucksäcken bemerken wir, dass so ein Weg nach wochenlangem Segeln ohne nennenswerte Bewegung schon sehr anstrengend sein kann.

Von Hawai’i nach Alaska – Tag 21

Zwei Stunden nach Beginn des 21. Tages kommt tatsächlich etwas Wind auf. Segel gesetzt. Die 7 kn Wind reichen immerhin für 3 kn Fahrt. Nicht viel, aber toll nach rund 60 Stunden unter Motor.

Weitere zwei Stunden später ist aber bereits wieder Schluss mit Wind; es verbleiben noch 1 bis 2 kn. Segel bergen, Motor an.

Nach den Abendessen (grüner Spargel mit Sauce Hollandaise und Salzkartoffeln) setzt der Wind ein, der bis Kodiak Island anhalten soll.

Während der Nacht macht er das schon mal and zu frostigen 12°C am nãchsten Morgen gesellen sich ein paar Sonnenstrahlen hinzu.

Die Sonne setzt sich gegen Mittag, dem Ende des 21. Tages, mehr und mehr durch. Nach Tagen endlich wieder im Cockpit sitzen und bei einer Tasse Tee die Reise genießen.

So können wir die restlichen Seemeilen in Angriff nehmen, auf diesem bisher ausgezeichneten Törn. Wenn alles klappt, werden wir Morgen Abend Old Harbor erreichen.

2.122 sm geschafft, 131 sm to go. Wassertemperatur 21,0°C.

Von Hawai’i nach Alaska – Tag 20

Die letzten Meilen nach Kodiak geben sich etwas eintönig. Kein Wind zu hören, nur das Brummen unseres Lambordini Diesels.

Rundherum alles grau, Sonne hat sich wohl zusammen mit dem Wind zurück gezogen. Und ohne Sonne nützt der beste Wintergarten nichts. Kalt im Boot, aber noch widerstrebt es uns, die Heizung einzuschalten. Warum eigentlich.

Der Abend bringt uns Spaghetti mit Pilzen und Tomatensauce. Die Nacht trotz der brummigen Umgebung guten Schlaf bzw. ereignislose Wachen.

Laut gestrigem Wetterbericht soll Wind 200 nm vor Kodiak einsetzen. Das wäre in 30 sm, bzw. rund 7 Stunden. Mal schauen, was der nächste Wetterbericht hierzu meint.

2.022 sm geschafft, 231 sm to go. Wassertemperatur 18,9°C.

Von Hawai’i nach Alaska – Tag 19

Mit Motor starten wir in den 19. Tag. Das mit den Motoren wird sich so schnell auch nicht ändern, denn Wind von mehr als 5 kn ist nicht absehbar.

So geht es laut und wenig spektakulär der Reis-/Gemüsepfanne als Abendessen entgegen. Und der Motorlärm bleibt uns die ganze Nacht erhalten.

Das mit dem Sommer war wohl etwas voreilig. Temperatur im Boot heute Morgen 12°C. Werden wohl bald mal die Heizung anstellen.

Und so geht der 19. Tag als "Tag des Motors" in unsere Segelgeschichte ein.

1.911 sm geschafft, 342 sm to go. Wassertemperatur 18,4°C.

Von Hawai’i nach Alaska – Tag 18

Zu Beginn des 18. Tages schafft es die Sonne tatsächlich sich gegen den Nebel zu behaupten. Trotz dass es etwas bewölkt ist, ergibt das einen schònen Nachmittag.

Und die Sonne heizt uns schön ein. Nach 14°C heute früh steigt das Thermometer im Innensteuerstand bei Aussentemperaturen von unter 20°C auf angenehme 27°C.

So lässt es sich drinnen aushalten. Und zur Abhãrtung auf das, was auf uns zukommt, habe ich die Dusche bei kühlem Wind im Cockpit genossen. Konnte mich danach ja drinnen wieder aufwãrmen.

Heizung konnte bisher ausgeschaltet bleiben.

Der Wetterbericht verspricht ab heute Mitternacht für die restlichen rund 500 sm bis Kodiak Island nur noch Wind um die 10 kn und darunter. Mal schauen wir wir voran kommen werden.

Langsam, mit schlagenden Segeln quälen wir uns durch die Nacht. Morgens um 6 entschließen wir uns, die Segel zu schonen and deshalb zu bergen and zu motoren.

Der Wind ist jetzt bei 1 bis 5 kn. Mehr noch nicht in Sicht. Mal sehen, was der nächste Wetterbericht diesbezüglich von sich gibt.

Die Wassertemperatur steigt leicht an. Wir bringen den Sommer nach Alaska🌝.

1.801 sm geschafft, 452 sm to go. Wassertemperatur 17.9°C.

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