Da ich nicht absehen kann, wie lange die Reparatur dauern wird, habe ich die Unterkunft nur für 6 Tage gebucht. Das war Unfug, denn das endet dann am Montag, dem Tag, an dem die Werft den Schaden ja erst inspizieren will.

Da klar ist, dass der Triducer ersetzt werden muss, habe ich die Werft gebeten, diesen doch bereits zu bestellen. Die tolle Unterkunft können wir glücklicherweise um zwei Tage verlängern.

Wie sich herausstellt reicht das aber nicht. Also neue Unterkunft via airbnb reservieren. Am Mittwoch den 30.09. dann Umzug ins neue Quartier, welches etwas zentraler zur Innenstadt von Campbell River liegt. Die Zeit zwischen Auszug aus der einen Wohnung und Einzug in die Neue verbringen wir in einem kleinen Park bei glücklicherweise schönem sonnigen Wetter.

Quartierwechsel

Auch in der neuen Unterkunft fühlen wir uns gleich wohl. Gebe wegen unserer Quarantäne noch bei Customs Bescheid, dass wir umgezogen sind und frage nach, wann die Quarantäne exakt endet. Der freundliche Herr am Telefon akzeptiert jetzt den 16. 09. als unsere Einreise nach Kanada (und damit unsere Ankunft in Prince Rupert, statt in Campbell River) und meint, nach der nächsten Nacht ist sie zu Ende.

Tolles Timing, den von der neuen Unterkunft aus haben wir fußläufig einen Supermarkt und fast vor der Tür die Bushaltestelle für die Fahrt ins Zentrum. Das nutzen wir am nächsten Tag gleich ausgiebig aus.

Wir lernen auch unsere Gastgeberin Tracy kennen. Eine überaus sympathische Person die wir und die uns sofort ins Herz schließt. Sie bietet uns auch gleich an, mit Ihr einen Ausflug zu unternehmen. Das nehmen wir natürlich gerne an.

Davor machen wir uns aber schon mal eigenständig zu einem kleinen Ausflug auf. Mit dem Bus zuerst bis zu dessen Endstation und von dort ca. 20 Minuten Fußweg, bis ein Wanderpfad entlang des Campbell Rivers zu den Elk Falls Wasserfällen führt. Landschaftlich wundervoll und ein imposanter Wasserfall. Von dort wieder zurück zur Bushaltestelle. Alles in allem 3 Stunden Wanderung bei wundervollem Wetter.

Die Werft kann leider noch nicht absehen, bis wann sie mit der Reparatur fertig sein wird. Die aktuelle Unterkunft haben wir für eine Woche, danach kommen neue Gäste. Also noch eine weitere Unterkunft für ein paar Tage reservieren. Diesmal eine, die wir relativ günstig stornieren könnten, falls wir früher zurück auf die „Luna Mare“ können.

Gegen Ende der Woche steht dann der Ausflug mit Tracy an. In Ihrem Dodge Ram 1500 geht es raus aus der Stadt an Seen und Wasserfällen entlang. Eine wirklich atemberaubende Landschaft. Unterwegs nehmen wir den einen oder anderen kurzen Wanderweg, der uns in traumhafte, der Natur überlassene Wälder führt. Ein herrlicher Tag mit unserer wundervollen Gastgeberin.

Am Tag des Auszugs bietet uns Tracy an, unser Gepäck in ihrem Pick up zu verstauen, sie würde es uns dann später zur neuen Unterkunft bringen. Zwischen Aus- und Einzug liegen ja immer ein paar Stunden.

Vorher, es ist Dienstag der 6. Oktober, der Anruf von der Werft. Alles ist fertig und in ca. 30 Minuten (9:30 Uhr) geht „Luna Mare“ zurück ins Wasser. Schauen dann noch, ab der Einbau funktioniert hat und alles dicht ist und danach können wir ablegen.

Das hört sich doch schon mal gut an. Die Weiterfahrt wollen wir in Tagesetappen machen, da wir ja jetzt vermutlich einen anderen kanadischen Aufenthaltsstatus haben. Damit sollte das möglich sein. Zwischenzeitlich haben wir erfahren, dass eine direkte Reise nach Bellingham nicht möglich ist, da wir zu einem „port of entry“ müssen. Unsere Freunde von der Dada Tux wussten das genauso wenig wie wir und haben dadurch, dass sie vor dem Einklarieren in US-Gewässern geankert haben, mächtig Ärger bekommen.

Der Transit durch Kanada gilt entgegen dem was wir dachten und wussten als Ausreise aus den USA (obwohl eine Einreise nach Kanada nicht möglich ist, außer bei einem Notfall) und damit handelt es sich bei der Ankunft in Washington um eine erneute Einreise. Ein Bußgeld von $ 5.000 wurde angedroht. Nach einigem Hin und Her blieb es bei einer offiziellen Verwarnung und die Einreise mit einem Aufenthalt für 180 Tage wurde genehmigt. Die von den beiden (wie ja auch von uns) beantragte Visaverlängerung also unnütz und $ 910 umsonst ausgegeben. Wir sind aber jetzt vorgewarnt.

Koffer sind gepackt. Noch schnell ein Anruf bei Customs. Wir können vermutlich morgen weiter. Was müssen wir beachten? Dürfen wir ankern? Ja, dürfen wir. Wie lange haben wir Zeit, bis wir die kanadischen Gewässer verlassen müssen?

Wir dürfen bleiben

Ah ja. Sie haben ja jetzt 14 Tage Quarantäne hinter sich gebracht? Ja. Als Deutsche benötigen Sie kein Visum. Na ja, sie können ab dem Einreisedatum 16. September für 6 Monate im Land bleiben. Ich traue meinen Ohren nicht. Tatsächlich? Ja. Müssen wir irgendwo vorstellig werden, wegen Reisepass, Stempel oder so? Nein, haben das alles bereits in unserem System.

Das ist ja eine völlig neue Situation. Spontan die Überlegung, da „Luna Mare“ an Land steht, vielleicht kann die Werft den Rumpf neu streichen. Schnell dort anrufen. Könnt ihr den Kranvorgang noch abbrechen? Ja, ist möglich.

Auf zur Werft um den neuen Plan zu besprechen. Dachte, so ein Sandstrahlen plus neuer Anstrich bei unserer 38 Fuß Yacht würde nicht mehr als € 5.000 kosten. Was ja für unsere Verhältnisse schon ein ordentlicher Betrag ist. Aber getäuscht. Ich erfahre, dass so ein Projekt bei knapp € 25.000 liegen wird. Nö, dass können wir uns auf keinen Fall leisten.

Doof. Krantermin abgesagt. Geht da heute noch was? Ja, so gegen 14 Uhr ist ein neuer Versuch machbar. Bis 15 Uhr kann ich die neue Unterkunft in die wir heute einziehen wollten noch relativ günstig stornieren. Also gleich mal gemacht. Tracy informiert, dass wir unsere Koffer nicht in der neuen Unterkunft, sondern an der Werft benötigen.

Krantermin findet statt, „Luna Mare“ ist wieder im Wasser. Die Überprüfung des Transducers im vorderen Bereich des Bootes ergibt: Leck vorhanden, Einbau nicht 100% geglückt. Während ich diese unangenehme Nachricht vernehme, vernehme ich auch den Start der Bilge Pumpe. Was ist da nun wieder los.

Ein Blick in den Motorraum zeigt an der Wellendichtung im Heckbereich des Bootes ein ordentliches Tröpfeln. Nein, nicht noch ein Leck.

Leider doch. Die Wellendichtung dichtet nicht mehr und muss ersetzt werden. „Luna Mare“ muss ja ohnehin raus, da ja der Transducer-Einbau noch nachgebessert werden muss. Es ist mittlerweile 16 Uhr, unsere Unterkunft storniert und an Land im Kran hängend an Bord zu sein missfällt mir.

Also für die Nacht ein Hotelzimmer gebucht und mit unseren Koffern, die uns Tracy mittlerweile gebracht hat, auf den Weg dahin gemacht. So geht ein frustrierender Tag zu Ende.

Wie machen wir jetzt weiter? Morgen sollte der Weiterfahrt dann ja eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Auf nach Washington? Boot im Wasser lassen und darauf leben geht dort leider nicht, also direkt an Land stellen, für den Transport im April 2021 vorbereiten und nach Hause fliegen? Nicht wissend, ob wir dann im April 2021 Coronabedingt zur „Luna Mare“ zurück können?

Jetzt, wo wir eine Alternative haben? In Kanada überwintern? Das wäre doch möglicherweise die bessere Option.

Am nächsten Tag klären wir mit der Discovery Marina ab, ob wir dort über den Winter bleiben können. Die junge Dame im Marinebüro meint, sie wisse das nicht, müsste geprüft werden, aber wir können schon mal am Besuchersteg anlegen. Preise haben wir im Vorfeld im Internet geprüft, sind ok.

Also zurück zur Werft. Leider stellt sich der Austausch der Wellendichtung als etwas schwieriger heraus als gedacht. Da der Motor wohl nicht mehr exakt saß, hat sich auch ein weiteres Teil der Anlage etwas unrund ausgeschliffen. Kann aber vorerst bleiben. Der Werftarbeiter richtet soweit möglich den Motor etwas aus, damit das Ganze wieder etwas runder läuft.

Die Nacht im Kran

So nähert sich der Abend und eine Rückkehr ins Wasser geht auch heute nicht mehr. Diesmal überwinde ich mich und wir verbringen die (hoffentlich) letzte Nacht an Land auf unserer „Luna Mare“. Wobei wir nicht wirklich an Land sind, sondern im Kran hängen. Läuft aber problemlos.

Wir haben vorausschauend den Wecker auf 7 Uhr gestellt, da die Werft um 8 Uhr die Arbeit aufnimmt.. Hat uns dann auch geweckt und wir diesen ausgestellt. Ach ja, nochmal umdrehen. Und prompt wieder eingeschlafen. Aber kurz vor 8 Uhr wach geworden und blitzschnell aufgestanden.

Paar Minuten später läuft der Motor des Krans auch schon an. Wir gehen an Land und „Luna Mare“ zurück ins Wasser. Diese Mal ist alles dicht.

Discovery Harbor Marina

Nochmal auf den Weg zur Discovery Harbor Marina gemacht. Heute ist der Hafenmeister anwesend und ja, er hat für den Winter einen Platz für uns. Die Marina macht insgesamt einen guten Eindruck und die Preise sind günstig. € 300 pro Monat inkl. unbegrenzt Wasser, Strom und Dusche. Waschmaschine und Trockner je € 2 pro Wasch-/Trockengang. Das tut unserem gestressten Budget gut.

Rund um die Marina gibt es zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten. Campbell River, ein Ort mit rund 35.000 Einwohnern hat etliche große Super- und Baumärkte. Je einen gleich um die Ecke der Marina. So nah, dass ich ab jetzt wieder jeden Morgen ein frisches Baguette fürs Frühstück besorgen kann. Die Preise sind im Vergleich zu Hawai’i und Alaska wieder im normalen Bereich. So werden wir locker den notwendigen Winterspeck anfuttern können.

Das Wetter ist durchwachsen, oftmals nasskalt. Aber es gibt auch immer mal wieder sonnige Tage, die zu einem Bummel ins Stadtzentrum oder entlang des Campbell River einladen. Nach all dem, was wir erfahren hatten, nachdem wir in Ketchikan nicht überwintern konnten und der damit verbundenen Abfahrt Richtung Washington, fühlt sich das jetzt richtig gut an. Irgendwie wie ein Happy End für dieses Jahr.

Campbell River
… mit viel Landschaft dahinter
Supermarkt
Baumarkt
Für Alkohol gibt es separate Läden. Dieser hat an 365 Tagen im Jahr von 9 bis 23 Uhr geöffnet. Passt.
Und auch gegen Winterdepression gibt es hier die passenden Mittel.