Wie im letzten Blogeintrag erwähnt, geht es aber zuerst noch nach Anchorage. Die Boing 737 hebt in Wrangel ab, um neun Minuten später in Petersburg zu landen. Eine Stunde später geht es weiter nach Juneau, Flugzeit jetzt schon 20 Minuten. Und nach einer weiteren Stunde dann zum Ziel Anchorage. Flugzeit diesmal dann 1 Stunde 40 Minuten.

Wir treffen dort Richard, unserem jungen Segelfreund den wir vor Hawaii kennen gelernt haben, der uns zum Abendessen nach Hause einlädt, wo wir auch seine tollen Eltern und seine Schwester kennenlernen dürfen. Am darauffolgenden Dienstag geht es dann im Dodge Ram 1500 zu einem Ausflug in die Wildnis, bevor wir dann am Mittwoch den kurzen Termin für unsere Visum haben. Fingerabdrücke, Foto und schon waren wir fertig.

Donnerstag dann zurück nach Wrangell, von wo aus es dann zwei Tage später weiter nach Ketchikan geht. Dort hatten wir schon mal angefragt, ob sie einen Platz für den Winter hätten. Es gibt zwar größere Umbauarbeiten, aber sie können uns aufnehmen. Der Hafen ist geschützt, die Temperaturen moderat, so könnten wir Luna Mare hier lassen, falls wir im Laufe des Septembers nach Hause fliegen sollten.

Auf dem Weg nach Ketchikan ein Stopp in Meyers Chuck. Eine sehr schöne Bucht mit einer kleinen Siedlung, das heißt, es sind ein paar Häuser am Ufer verteilt. Es gibt aber einen Steg, so ist es einfach, hier für die Nacht fest zu machen.

Dann weiter nach Ketchikan. Wetter ist trübe und regnerisch, aber wir freuen uns auf den Ort, von dem wir viel Gutes erwarten. Festgemacht in der Marina und erst mal für eine Woche unser Bleiben angekündigt. Mal sehen, ob die Tage Nachrichten zu unserem Visa eintreffen.

Der Ort gefällt uns auf Anhieb sehr gut. Ab dem Folgetag reiht sich ein sonniger Tag an den anderen. Einkaufsmöglichkeiten sind gut erreichbar. Etwas weiter weg ist die Downtown. Diese ist sehr touristisch geprägt, da dort die Kreuzfahrtschiffe anlegen. Momentan deshalb tote Hose. Die meisten Läden, Schmuck und Souvenirs, sind dauerhaft geschlossen. Aber für einen Spaziergang hin und wieder bietet sie sich an.

Das schöne Wetter und die Tatsache das es uns hier recht gut gefällt, führt dazu, dass wir uns nach einer Woche entschließen, hier zu bleiben. Also auch für den Fall der Visaverlängerung erst im Frühjahr 2021 nach Washington zu segeln.

Auf zum Hafenbüro. „Schock“. Wir können die Zusage leider nicht mehr einhalten, bekommen wir zu hören. Bis Oktober maximal, weiter wissen wir noch nicht. Oktober ist ja nicht wirklich der Beste Zeitpunkt, um die rund 700 sm nach Washington anzugehen. Das Wetter ist noch einige Tage gut, das wollen wir nutzen. Also Tschüß. Wobei die Enttäuschung natürlich groß ist. Immer mal wieder frustrierend, wenn man auf Leute trifft, deren Wort nichts Wert ist.

Im Internet lesen wir, dass wir für die Passage durch Kanada nach Prince Rupert müssen. Dort müssen wir unseren Transit bei Customs anmelden, dann dürfen wir durch Kanada durch. Bei Bedarf ist Ankern erlaubt, auch das Anlanden für „essentiel supplies“, wozu z.B. Diesel zählt. Dann natürlich unter Einhaltung der Hygienevorschriften (Maske, Abstand).

Unterwegs ein Stopp in der schönen Foggy Bay bevor wir nach einem langen Schlag am Abend des Folgetages in Prince Rupert ankommen. Direkt zum Zollsteg und wie beschrieben mittels des dort angebrachten Telefon den Zoll informieren.

Die freundliche Dame am Telefon nimmt die Daten auf und eine gute halbe Stunde später erscheinen zwei Zollbeamte. Ob wir nach Kanada einreisen wollten? Das würden wir gerne, geht ja aber nicht, stattdessen wollen wir die Transitmöglichkeit nach Washington nutzen.

Nö, das geht auch nicht. Jetzt bin ich sprachlos. Alle Segler die wir kennen, und die diesen Weg genommen haben, wurde der Transit problemlos eingeräumt. Uns aber nicht? Verstehe ich nicht.

Nein, kein Transit möglich. Der „freundliche“ Zollbeamte bietet uns zwei wahrhaft tolle Möglichkeiten an. Zurück nach Alaska (wo wir aktuell keinen Liegeplatz für den Winter haben), oder weiter nach Washington, jedoch ohne Ankern, oder gar irgendwo für essentiel supplies anlegen zu dürfen.

Jetzt bin ich nicht nur sprachlos, auch mein Herz bleibt beinahe stehen. Nonstop durch die engen Passagen, egal ob Tag, Nacht, Nebel? Es gibt teilweise bis zu 10 kn Strömung und jede Menge teils riesige Baumstämme sind auf dem Wasser unterwegs. Würden wir jemanden sagen, dass das unser freiwilliger Plan ist, man würde zu Recht fragen, ob wir Selbstmord begehen wollen.

Hilft aber nichts. Wir müssen nach Washington. Die Sache bleibt surreal. Wir werden gefragt, ob wir eher auf offener See, oder die „Inside Passage“ nutzend reisen wollen. Ich sage „Inside Passage, weil sicherer“. Was Quatsch ist, siehe oben. Andererseits kann es weiter draußen stürmisch und äußerst ungemütlich werden. Wahl zwischen Pest und Cholera.

Und er sagt ja. Der weiß doch, dass das ohne Ankern eigentlich unmöglich ist? Was haben wir Kanada zu Leide getan, von dem wir nichts wissen. Mehrfach weißt er darauf hin, dass wir unterwegs keinesfalls anhalten oder Ankern dürfen. Vermutet er, der COVID-19 Virus von uns Deutschen ist besonders stark und kann übers Wasser laufen?

Zum Abschied erhält jeder von uns ein Stück Papier, auf dem steht, dass wir schleunigst in die USA ausreisen sollen und eine Gesichtsmaske! Müssen wir wohl nutzen, falls wir im Nebel eine Havarie erleiden und abgeborgen werden. Unglaublich.

Beim Ablegen zittere ich am ganzen Körper. Das war doch jetzt nicht wahr, oder? Das war bestimmt ein Albtraum.

Leider nicht. Da ich keine Ankermöglichkeit im Bereich Prince Rupert gefunden hatte, war unser ursprünglicher Plan, bis Lawson Harbor zu segeln und dort die Nacht zu verbringen. Wir entscheiden uns entgegen des Verbotes uns dorthin auf den Weg zu machen. Ankunft voraussichtlich Mitternacht.

Auf dem Weg raus aus Prince Rupert kommt uns die SY Soteria entgegen. Jess und James mit ihren beiden Töchtern kennen wir seit Hawaii. Wir tauschen uns über Funk aus und sie meinen, wir sollten auf alle Fälle umdrehen und mit Ihnen in der Pillsbury Cove vor Anker gehen. Auf Basis der übermittelten Koordinaten finde ich die Cove auf der Karte und ja, sieht passabel aus.

Wir schleichen uns in der Dämmerung in die Ankerbucht und fühlen uns dabei wie Kriminelle. SY Soteria kommt nach einer guten Stunde auch hier an und wir beratschlagen wie es weiter gehen soll. Sie schlagen vor, dass wir beisammen bleiben sollten. Das ist aber eher ein nett gemeinter Vorschlag, den die sind mit ihrer 60 Fuß Amel nahezu doppelt so schnell als wir.

James hat den letzen Wetterbericht ausgewertet. Außen wird ein Sturm mit 50 kn Wind erwartet. Also bleibt nur die „Inside Passge“. Mal schauen, ob das gut geht.

Die erste Herausforderung sind die Narrows im Grenville Channel. Strömungen mit bis über 8 kn. Das heißt, der richtige Zeitpunkt muss abgepasst werden.

Wir erreichen rechtzeitig mit der Tide Kumealon Inlet. Dort wollen wir die Nacht verbringen und am nächsten Morgen so aufbrechen, wie es uns Tidenkalender und Strömungstabelle nahe legen.

Wir erleben eine für unseren illegalen Lebenswandel ruhige Nacht. Alle Boote die vorbeifahren sind nicht von der Coast Guard, oder sonst wie offiziell, sondern Freizeit-, oder Fischerboote. Allerdings hat man im Vorfeld bereits berichtet, dass einen die gerne anzeigen um sicher zu gehen, dass keiner sich hier unerlaubt aufhält.

SY Soteria hält nicht an, sondern geht noch am selben Abend durch die Narrows. Mit ihrer größeren Geschwindgkeit erreichen sie diese noch bei passender Gezeit. Wir brechen am Folgetag auf und wollen bis Coghlan kommen. Wir haben dichten Nebel, aber wollen/müssen weiter. Mittels Radar funktioniert das aber gut und ich denke auch ausreichend sicher.

Gegen Mittag nehmen wir die Kurve, die zur langen Passage führt, in der sich auch die strömungsintensiven Narrows befinden. Kurz darauf geht es glücklicherweise raus aus dem Nebel, so dass wir die Engstelle wohl mit Sicht passieren werden können.

Von hinten ein deutlich zu vernehmendes Nebelhorn. Sehr vernünftig so vorsichtig unterwegs zu sein. Aus dem Nebel schält sich dann das dazugehörige Boot. Küstenwache. Wir sind aber ordnungsgemäß unterwegs, denke ich. Und sie passieren uns auch ohne uns sichtbar zur Kenntnis zu nehmen,

Es gibt die bei solchen Gegenheiten üblichen Verwirblungen im Wasser, ähnlich denen die man im Bereich der Englischen Kanalinseln antrifft. Aber wir kommen gut voran und durch die Engstelle. Erste Hürde geschafft, ich freue mich schon auf den Ankerplatz und das „Feierabendbier“.

Wir sind nicht sehr schnell, aber mit Sonnenuntergang so kurz vor 20 Uhr biegen wir ums Eck in die Coghlan Anchorage. Und du glaubst es nicht, wer ist da bereits? Die Küstenwache. Hat da festgemacht, wo wir hinwollen. Kann das möglich sein? Setzen die wirklich die Küstenwache dafür ein darauf zu achten, dass keiner Schutz in einer Ankerbucht sucht, dem das nicht erlaubt ist?

Erst später erfahre ich, nein, das tun sie nicht. Wir hätten wohl problemlos dort vor Anker gehen können. Abgesehen davon sitzt aber der Prince-Rupert-Schock noch tief, so drehen wir ab und nehmen Kurs zum nächsten Ankerplatz auf, der sich auf meiner sorgsam erstellten Wegpunktliste befindet.

Das würde uns aber in die nächste Passage führen. Nicht so eng und strömungsreich wie die letzte, aber meines Erachtens halt kritisch bei Dunkelheit. Ich schaue mir nochmal die Seekarte auf dem Plotter an und denke, wir könnten auch rausgehen. Wir sind bereits im Bereich des südlichen Endes der Hecate Strait, die als eher herausfordernd angesehen wird.

Neue Wegpunkte erstellt um zu sehen, wie die Strecke dahin aussieht. Sollte machbar sein. Kanada hat wie die USA einen laufenden Wetterbericht, den man mit seinem Bordfunkgerät hören kann; das dafür notwendige Handfunkgerät mit den USA und Kanadakanälen habe ich mir glücklicherweise in Hawaii angeschafft, den das europäische Modell, welches wir fest installiert haben, hat diese Kanäle nicht.

Das Wetter sollte passen, erst für in einigen Tagen ist der Wind mit Sturmstärke von 40 bis 50 kn vorhergesagt. Bis dahin sind wir auf alle Fälle hinter Vancouver Island, wo es auch wieder Ankerplätze gibt, sofern wir einen finden, den ich mich traue anzulaufen. Marion ist wie immer etwas pragmatischer und diesbezüglich deutlich weniger ängstlich als ich.

Nach zwei Nächten erreichen wir Morgens die Nordspitze von Vancouver Island. Laut Wetterbericht wird der zu erwartende Wind geringer, je weiter wir nach Süden kommen. Ich nutze die Zeit überwiegend um die Strömungen für die nächsten engen Passagen zu studieren, die uns auf dem Weg entlang Vancouver Island begleiten.

Es geht bereits wieder gegen Mitternacht, als Luna Mare beim Einbiegen in die Johnstone Strait plötzlich stehen bleibt, obwohl wir bis dato mit leichter Strömung mit uns unterwegs waren. Wir machen Fahrt durchs Wasser, aber nicht über Grund.

Habe ich doch tatsächlich eine Strömungstabelle übersehen. Aus der geht hervor, dass wir aktuell 5 kn Strom gegen uns haben. Da wir im Mittel 5 kn Fahrt machen, ergibt das halt in Summe Null. Also ein kurzes Stück zurück, Schreck verarbeiten und abwarten bis die Strömung kippt und weiter geht’s Richtung Seymour Narrows, das sind die mit den 10 kn Strömung. Wir müssen diese bis 15 Uhr, zum Stillwasser, erreichen.

Tun wir aber nicht, da wir vorher wieder eine Zeit lang Strömung gegen uns haben. Vor der Abbiegung in die Passage ist eine größere Wasserfläche. Wir stellen den Motor ab und lassen uns treiben. Schön am Plotter zu erkennen, wie wir uns erst vom Ziel entfernen und nach dem Kippen der Strömung diesem wieder näher kommen.

Die Ströungsgeschwindigkeit bei den Seymour Narrows geht innerhalb von 3 Stunden von 0 auf kanpp 10. Da muss man zum richtigen Zeitpunkt sein. Gegen 17 Uhr geht es weiter um nach meinen Berechnungen die Narrows bei einer Strömung von 5 bis 6 kn zu erreichen und die restliche Strecke raus auf die Strait of Georgia geschafft zu haben, bevor die Gegenströmung wieder einsetzt.

Die Berechnungen stimmen und je näher wir der Engstelle kommen, um so mehr Fahrt nehmen wir auf. Der Plotter zeigt zwischendurch mehr als 12 kn Fahrt über Grund an. Schon etwas unheimlich. Die Fahrt durch die Engstelle läuft trotz der starken Strömung äußerst problemlos. Hätten wir also auch eher starten und bei stärkerer Strömung durchgehen können?

Kurz nach der Engstelle eine Links-, gefolgt von einer Rechtskurve. Und hier geht die Post ab. Kurz vor der zur Engstelle hat uns ein Katamaran überholt, der jetzt vor uns ist und eine irgendwie komische Route wählt. Auch wir können unseren Kurs nicht ganz halten.

Die Luna Mare wird von den Strömungen und Strudeln beliebig hin und her geschoben, wir kommen aber gut durch. Der Katamaran, der eigentlich deutlich schneller ist als wir es sind, bleibt in etwa unveränderter Entfernung vor uns, wir achten aber mit zunehmender Dunkelheit nicht weiter darauf.

Wir nähern uns Cape Mudge, dem Ende der Discovery Passage und Eingang zur Strait of Georgia. Dann haben wir die engen Passagen hinter uns. Sofern der heranziehende Sturm nicht zu früh kommt, können wir übermorgen früh Bellingham erreichen.

Dann kommt der Katamaran doch wieder ins Spiel. Dieser wird von einer Fähre per Funk höflich gefragt, was deren Absicht ist und bis wann sie denken, der Fähre den Weg wieder frei zu geben. Der Katamaran meldet sich und berichtet über Motorprobleme und dass sie versuchen dort anzulegen. Ein Motorproblem in dem Gebiet kann leicht zur Katastrophe führen.

Mit einer unglaublichen Freundlichkeit meldet die Fähre: Ok, Sicherheit geht vor. Wir warten hier. Gebt uns bitte Bescheid, sobald ihr Sicher seid und wir damit unsere Fahrt fortsetzen können.

Allerdings steht die Fähre jetzt uns im Weg. Aber wir können ja ausweichen. Auf dem Plotter prüfe ich, ob die Tiefe für uns passt. Ja, mit 20 m kein Problem. Aber warum zeigt unser Tiefenmesser nichts an? Normalerweise schafft er bis zu 200 m Wassertiefe, bevor er keine Tiefe mehr anzeigen kann.

Dass er keine Fahrt durchs Wasser anzeigt hatte mich nicht sonderlich irritiert, da das Rädchen, welches diese misst, öfters mal blockiert ist. Aber ohne Tiefenangabe ist das schon blöd. Was könnte die Ursache sein?

Instinktiv ein Blick in die Bilge. Wieder Wasser drinnen. Kennen wir ja bereits. Nur waren wir zuletzt nicht in schwerer See unterwegs, es konnte also kein Wasser über den Ankerkasten, oder über Decksundichtigkeiten ins Boot gelangen.

Blick in das Bodenfach, in dem sich der Transducer (Kombigerät mit Geschwindigkeits- und Tiefenmesser) befindet. Abgesehen von einer kleinen Pfütze sieht der Bereich ok aus. Mehr Wasser staut sich dort aber nicht, da es weiter nach hinten in die zuvor erwähnte Bilge fließt.

Ich trockne den Bereich und sehe, wie am Übergang der Transducerbefestigung zum Boot Wasser reinkommt. Der nächste Albtraum? Es ist nicht sonderlich viel Wasser und die Bilgepumpe reicht aus, um es wieder nach draußen zu bringen. Aber was ist, falls sich das Leck vergrößert, oder der Transducer ganz rausbricht?

Anfangs noch unschlüssig, ob wir das Risiko in Kauf nehmen, kommen wir dann doch zu der Überzeugung, dass das äußerst fahrlässig wäre. Die Chance, dass es gut geht ist meiner Einschätzung nach nicht gering. Aber es stehen uns noch zwei Nächte etwas weiter weg vom Land bevor und der Wind soll deutlich zunehmen.

Was nun. Anlanden dürfen wir eigentlich nicht und wir wissen eh nicht, wohin. Also rufe ich die Küstenwache an. Ohne „Pan Pan“, weil alles noch ok ist. Nur ein „Canadian Coast Guard for Luna Mare“. Leider ist die Verbindung ziemlich mies. Erst verstehe ich, wir sollen die Discovery Marina anlaufen, dann hört es sich eher so an, als sollten wir die Ankunft der Coast Guard abwarten.

Hier kommt die Fähre wieder ins Spiel. Die hat wohl die bessere Funke und hört Victoria Coast Guard deutlich besser als wir. So schaltet die sich in den Funkverkehr dazwischen und vermittelt zwischen Victoria Coast Guard und uns.

Wir übermitteln, dass wir geringen Wassereinbruch haben. Wir können das eindringende Wasser problemlos nach draußen befördern, halten es aber für zu riskant die verbleibenden 140 sm anzugehen. Was sie uns raten würden.

Nachdem geklärt ist, dass wir in keiner unmittelbaren Gefahr sind sagt man uns, man schickt jemand vorbei. Ok, wir warten.

Als wir bereits in einiger Entfernung ein Boot näher kommen sehen, plötzlich ein Hubschrauber über uns. Dieser erhellt die Luna Mare mit seinen Suchscheinwerfern und macht einen Höllenlärm so knapp über uns. Haben die mich missverstanden und meinen wir sinken bereits?

Kurz darauf das Boot der Coast Guard. Sehr freundlich und hilfsbereit schlägt man uns vor, uns den Weg in die Discovery Marina zu zeigen. Wir also hinterher. Ich frage nach, warum der Hubschrauber im Einsatz ist. Sie meinten, der war vermutlich eh in der Luft und hat sicherheitshalber mal vorbei geschaut.

Man weist uns einen Platz am Dock der Tankstelle zu, wo wir die Nacht verbringen können um uns am nächsten Morgen mit der Werft zur Schadensbehebung in Verbindung zu setzen.

Machen wir dann auch gleich morgens um 8 Uhr. Sehr freundliches Gespräch mit der Werft. Aber natürlich in den COVID-19 Zeiten alles nicht so einfach. Der Sicherheitsbeauftragte der Werft informiert uns, dass Luna Mare zuerst 72 Stunden in Quarantäne muss, bevor sie von einem Werftmitarbeiter betreten werden kann.

Aber bevor irgendetwas überhaupt starten kann, müssen wir erst die Zustimmung von Customs erhalten. Sonst geht gar nichts. Nach der schlechten Erfahrung von Prince Ruppert war ich schon auf das schlimmste gefasst. Aber eine sehr freundliche und hilfsbereite Dame half uns auf unglaublich tolle Art und Weise.

Nach einigen Fragen und Belehrungen hinsichtlich COVID-19 klärte sie das weitere Vorgehen intern und mit der Werft ab. Gegen 10 Uhr dann der Rückruf.

Wir haben zwei Möglichkeiten (nein, wie vor ein paar Tagen in Prince Ruppert die Wahl zwischen Pest und Cholera?):

1. Sofern ihr meint ihr könnt es risikieren, Weiterfahrt nach Washington (oh je).

2. „Und die zweite Möglichkeit, und ich hoffe sehr, Sie nehmen diese wahr, den Schaden hier beheben zu lassen“.

Da fällt mir ein Stein vom Herzen und mein Kanadabild entspricht wieder mehr dem, welches ich vorher hatte: ein tolles Land mit tollen Leuten.

Sie hat auch bereits einen detaillierten Plan entwickelt.

– das Boot geht heute noch an Land, wo es in einem Bereich der Werft zuerst für 72 Stunden abgestellt wird.

– Da danach Wochenende ist, wird der Schaden Montag früh nach der Außen Ansicht im Innenbereich begutachtet.

– Wir müssen für 14 Tage bzw. bis zur Weiterfahrt in Quarantäne. Dafür sollen wir uns eine Unterkunft suchen, wobei sie uns zwei Empfehlungen mit auf den Weg gibt.

– Wir haben bis 15 Uhr Zeit uns ein Hotel zu suchen und die für die Quarantäne notwendigen Sachen zu packen. Danach müssen wir von Bord gehen.

Noch ein paar Telefonate mit der Werft für weitere Details über die weitere Vorgehensweise. Zwischendurch kommen zwei Beamte von Customs vorbei und klären uns nochmal über die Regeln hinsichtlich COVID-19 auf.

So gegen 10 Uhr finde ich eine tolle Bleibe für uns. Über airbnb eine kleine Wohnung in einem Haus, dessen oberes Stockwerk von den Besitzern bewohnt wird. Mit Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Bad. Das erscheint uns deutlich angenehmer als ein Hotelzimmer. Zumal wir noch reichlich Proviant im Kühlschrank haben, den wir dort dann nutzen könnten.

Nach etwas Aufregung und hin und her erhalten wir kurz vor 15 Uhr die Zusage. Nun schleunigst mit unseren gepackten Koffern an Land. Bootsschlüssel an die Werft übergeben und im Taxi los zur Unterkunft. Stellte sich dann heraus, dass diese nicht wie irgendwie fälschlicherweise von mir mit Google Maps berechnet 5 Minuten von der Werft entfernt ist, sondern eine halbe Stunde.

So sieht Luna Mare jetzt aus. Deutlich zu sehen, wie der Transducer beschädigt wurde.

So sah sie übrigens vor gut 3 Jahren vor unserer Abfahrt aus.

Anyway. Jetzt sind wir hier. Die Unterkunft ist in der Tat sehr toll. Mit Blick aufs Meer, damit sich keine Entzugserscheinungen einstellen. Wer mag, kann sie sich hier anschauen: Salish Seaside Guest Suite.

Die letzte Nacht haben wir wie zu Erwarten sehr gut geschlafen. Die Aufregung der letzten Tage legte sich etwas und wir waren ohnehin hundemüde.

Heute Vormittag ein kurzes Gespräch mit dem Hausherren, der uns zeigt, wie man den Gasofen einschaltet. Dabei erzählt er uns, dass hier gestern einiges los war. Die Coast Guard war unterwegs und ein Rettungshubschrauber hat den Himmel erleuchtet. Vermutlich eine größere Havarie, wahrscheinlich jemand auf Grund gelaufen.

Nö, das waren wir. Mit einem kleinen Leck an Bord, die Küstenwache fragend, wo wir hin sollen.

Und wir sind von dem ganzen Schrecken abgesehen begeistert von dem Ort hier. Unglaublich freundlich und hilfsbereit. Küstenwache, Customs, Werft und unsere Vermieter der Unterkunft. Ausnahmslos unheimlich tolle Menschen.