Vorbereitungen sind erledigt und wir haben richtig Glück hinsichtlich des Wetters. Der letzte bezahlte Monat in der Marina endet am Montag und das schöne Wetter beginnt ebenfalls am Montag, nachdem es Sonntags noch etwas Regen und Gegenwind gegeben hätte.

Wecker auf 7 Uhr gestellt, Nachbarn Mae und Marty sind um die Zeit schon wach und wollen uns beim ablegen helfen. Da klopft es schon kurz vorher am Boot. Wer weckt uns da? Niemand zu sehen. Plötzlich fällt mir eine dunkle Rauchsäule auf, die über uns hinweg zieht. Was brennt den da?

Und in der Tat, am Nachbarsteg brennen zwei Motorboote lichterloh. Die Feuerwehr ist rasch im Einsatz und kann verhindern, dass das Feuer auf Nachbarboote übergreift. Bei den zwei Motorbooten ist nichts mehr zu retten. Wie wir erfahren, kam glücklicherweise keine Person zu Schaden.

Als wir dann eine gute Stunde später ablegen, raucht es immer noch ordentlich. Mit einem größeren Schlauchboot der Küstenwache werden die beiden Boote aus der Box genommen, damit die dort nicht versinken und zu einem anderen Ort, vermutlich sofern möglich aus dem Wasser raus, gebracht.

Bob von nebenan bringt uns noch etwas frisch eingemachten Lachs vorbei. Der Wind lässt deutlich nach, so dass wir ohne Probleme aus der engen „Parklücke“ rauskommen. Wir verabschieden uns winkend von den Nachbarn und machen uns auf den Weg zur Tankstelle. Noch ein paar Liter Diesel bunkern und auf geht es zur ersten Ankerbucht, Henry Bay, Denman Island.

Und schon wieder die Ankerwinsch.

Um die Jahreszeit haben wir die Ankerbuchten meist ganz für uns. Gelegentlich der eine oder andere Fischer, aber glücklicherweise nicht in dem Bereich, der für uns flach genug zum Ankern ist. Also Anker runter. Stoppt aber nach kurzer Zeit. Was ist jetzt schon wieder los. Die neue Ankerwinde kann es ja wohl nicht sein.

Schon wieder das Relais defekt? Beim Berühren der Sicherung geht es plötzlich wieder weiter. Aber wieder nur kurz, dann springt die Sicherung ganz raus. Nach kurzem Warten ein klacken, die Sicherung kann wieder eingerastet werden und es geht wieder ein Stück. Das bringt nichts, den bevor der Anker am Boden ist, sind wir im Zweifel nicht mehr an der Stelle, wo wir den Anker setzen wollen.

Man kann aber mit einer Winschkurbel die Kettensperre lösen, so dass die Kette einfach ausrauscht. So liegen wir jetzt erst mal sicher vor Anker. Mal sehen, wie wir die Ketten morgen früh wieder hochbekommen.

Am nächsten Morgen bestätigt es sich dann, die Sicherung ist überfordert. So geht die Kette nur Meter für Meter hoch, immer mit einer Pause dazwischen, bis sich die thermische Sicherung wieder abgekühlt hat.

Manual überprüft. Arbeitslast der Winde 140A, die Sicherung soll 80A haben. Unsere hat 80A aber irgendwie komisch oder?

So kommt es, dass ich den Unterschied zwischen einer thermischen Sicherung, die wir haben, und einer hydraulisch/magnetischen, die wir laut Manual haben sollten, erlerne. Danke Tobi hierfür. Blöd nur, dass wir keine hydraulisch/magnetische dabei haben. Statt tollen Ankerbuchten jetzt doch in Marinas, oder einfach die Kette mit viel Geduld und der Hoffnung, dass die Sicherung nicht komplett den Geist aufgibt, hochholen?

Wundervolle Ankerbuchten schützen nicht vor einem weiteren Problem

Wir entscheiden uns fürs zweite und brechen zur False Bay/Lasqueti Island auf. Die Entfernung zwischen den Ankerplätzen beträgt nur zwischen 20 und 30 Seemeilen. So erreichen wir die nächste traumhafte Ankerbucht im Laufe des Nachtmittags.

Anker ohne Ankerwinde gesetzt und die Natur ringsherum genießen. Da wir selten mit nur einem Problem unterwegs sind, haben wir auch dieses Mal noch ein zweites. Das Motorpaneel meldet „E16 TEMP“. Eine Fehlermeldung, die im Manual nicht erwähnt ist, aber wohl auf ein Temperaturproblem verweist. Motortemperatur ist aber mit knapp 80° C sicherlich nicht das Problem.

Der Fehler trat bisher auch schon mal sporadisch auf, dann hatten wir den Motor kurz abgestellt, neu gestartet und alles war ok. Dumm nur dann, wenn die durch ein äußerst unangenehmen Alarmton begleitete Fehlermeldung kommt, wenn man den Motor z.B. für ein Anlegemanöver dringend benötigt.

Das wollte die Motorelektronik aber so nicht auf sich sitzen lassen und hat sich nunmehr ausgedacht, das es durch das abschalten der Lichtmaschine vielleicht mehr Aufmerksamkeit erhalten könnte. Jetzt geht zusammen mit der Fehlermeldung der Drehzahlmesser auf Null und die fleißig weiterdrehende Lichtmaschine lädt die Batterien nicht mehr.

Glücklicherweise haben wir Internet und mit Hilfe der immer sehr hilfsbereiten Yachtwerft Heiligenhafen (Urs Weisel), des deutschen Motorlieferanten Marineservice Niederlehme (Alexander Rapp) und dem Hersteller (Lombardini, jetzt Kohler) selbst, konnte die Fehlerursache eingegrenzt werden.

Die für die Motorelektronik zuständige Box hat laut Hersteller einen falschen Grenzwert für die Temperatur im „Flashspeicher“. Muss ausgetauscht werden. Und es wurde ohne großes Hin und Her direkt angeboten, uns einen Ersatz zu senden. Gut, das wir mittlerweile June an der Ostküste kennen, die bereit ist, das Paket für uns entgegen zu nehmen.

Box für die Motorelektronik (ECU)

Die Befürchtung, jetzt doch weiter von Marina zu Marina zu müssen hat sich aber glücklicherweise nicht bestätigt. Morgens, wenn alle Aggregate noch kalt sind, läuft alles problemlos und bisher haben wir Glück, dass sich der Fehler erst immer dann einstellt, nachdem die Batterie voll geladen ist.

Morgens ist es drinnen wie draußen noch etwas kühl..

It is a log, not a rock

Nach unserer Ankunft in Campbell River waren wir in Quarantäne und auch danach noch ein paar Tage in Tracys airbnb Unterkunft, bis Luna Mare wieder dicht war. Anfang Oktober, nach Ablauf unserer Quarantäne, hat uns dort eine freundliche Journalistin vom lokalen „Campbellriver Mirror“ interviewt. Die fand es irgendwie spannend, wie wir hier gestrandet sind.

Im März nochmal eine kurze Unterhaltung und jetzt, zwei Tage nachdem wir Campbell River verlassen haben, erscheint der Artikel. Inhaltlich etwas ungenau, es war natürlich kein Fels, der durchs Wasser trieb, sondern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Baumstamm, den wir da nächtens gerammt haben. Vermutlich hat mein deutscher Akzent aus „log“ einen „rock“ gemacht. Und das passierte nicht in der Strait of Georgia. Dort haben wir lediglich das kleine Leck, das durch den ramponierten Tiefengeber entstand, entdeckt.

Auch ansonsten nicht immer präzise, habe die Journalistin vermutlich zu sehr voll gelabert, aber eine nette Geschichte. Vielen Dank Binny.

An unexpected anchor: German couple sailing the world find refuge on Vancouver Island – Campbell River Mirror

Weiter nach Vancouver

Die 3. Nacht verbringen wir in der Smuggler Bay vor Anker. Abgesehen vom kurzen Stopp am Zoll in Prince Rupert, das erste Mal, dass wir am Festland anlegen. Und dann gleich in einer solch wundervollen Bucht. Wiederum ganz für uns alleine. Im Sommer sieht das ganz anders aus. Da werden die Ankerlieger mit einem Tau am Festland befestigt, damit dann ein Boot gefahrlos so dicht wie möglich neben dem anderen liegen kann. Bei uns reicht ein Anker auf knapp 10 m Tiefe.

3. Ankernacht
in der
Smuggler Cove

Noch ein Stopp bis zum Ankerplatz in Vancouver. Wir entscheiden uns, die Gibsons Marina anzulaufen. Da gibt es „in der Nähe“ einen Marineladen und wir können nochmal eine richtige Dusche benutzen. Auf der Luna Mare ist das Duschen im Boot etwas umständlich und im Cockpit, wo es eigentlich ganz toll ist, witterungsbedingt nicht wirklich unser Ding.

White Islets auf demWeg zur Gibsons Marina.
Schöner Ausblick von der Gibsons Marina

Der Marineladen, den wir nach einem anstrengenden, weil teils relativ steilen Weg erreichen, bringt uns nicht weiter. Eine 80A Sicherung gibt es, aber nur eine thermische. Wir sind aber guter Dinge, in Vancouver die richtige zu ergattern. Der Spaziergang den Berg hoch zum Laden hat uns gut getan, noch die Dusche genießen und einen entspannten Abend mit einer ebensolchen Nacht auf der Luna Mare.

Da es nur noch gut 20 Seemeilen bis nach Vancouver sind, können wir uns gemütlich nach dem Frühstück auf den Weg machen. Die Strömung ist hier nicht so ausgeprägt, so dass wir gut vorankommen und gut 4 Stunden später bereits im False Creek den Anker setzen können. Nach dem ersten Versuch noch etwas zu nahe an einem Nachbarn, nochmal Anker hoch, was ja wie vorhin beschrieben ein Geduldsspiel ist. Nach dem zweiten Versuch liegen wir aber Bestens und wollen dass auch bis zur Weiterfahrt nicht mehr ändern.

Ankern vor der Skyline
von Downtown Vancouver

Kurz darauf ein Besuch des Grenzschutzes. Da wir nahe an der Grenze zur USA sind, achtet man wohl insbesondere auf Grund der Pandemie darauf, dass hier keiner unerlaubt die Grenze überschreitet. Er will unsere „Reporting-Number“ (Einklarierungsnummer), ruft bei der ausstellenden Behörde an und zieht wort- und grußlos weiter. Scheint also alles ok zu sein.

Am nächsten Tag, Samstag, geht es zuerst zum Public Market auf der Granville Island, die gar keine Insel, sondern nur eine halbe ist.

Danach machen wir uns auf den Weg zu einem Marineladen. Mit den örtlichen öffentlichen Verkehrsmitteln vertraut gemacht, geht es auf die andere Seite der nördlich von unserem Ankerplatz gelegenen Halbinsel, die die Downtown von Vancouver beheimatet. Entgegen den im Internet gefundenen Öffnungszeiten hat der Laden aber Samstags geschlossen. Macht nichts. Bei herrlichem sonnigen und milden Frühlingswetter spazieren wir am Ufer entlang zum Stanley Park.

Von dort geht es dann mit öffentlichen wieder zurück zum Dinghy-Dock und von dort auf die Luna Mare. Wir genießen den mildesten Tag seit rund einem halben Jahr. Im Internet finde ich noch einen weiteren Marineladen, der auch unsere Ankerwinde im Angebot hat. Dann könnte er ja auch den passenden Sicherungsschalter haben? Macht in einer guten Stunde zu. Noch versuchen rechtzeitig hinzukommen, oder auf Montag warten?

Reparaturen müssen gleich erledigt werden, also auf geht’s. Und in der Tat, wir schaffen es rechtzeitig und die haben exakt den Sicherungsschalter den wir benötigen. Für ein Segelboot kostet so etwas dann € 100, was man für den Haushalt vermutlich für € 20 erhalten würde. Stimmt, das hätten wir uns vorher überlegen müssen.

Am heutigen Sonntag zeigt sich das Wetter leider nicht mehr so angenehm. Regen, allerdings nicht mehr bei knapp über null, sondern fast 5 bis 10°C. In Campbell River schneit es momentan sogar noch kurz etwas. Es ist aber bereits für morgen wieder Sonnenschein vorhergesagt. Zumindest hier. Dann geht es wieder in die Downtown und Chinatown.