Der 33. Tag lässt sich gut an und nach 3 Stunden, um 15 Uhr, haben wir einen wichtigen Meilenstein erreicht: Bergfest. Wir haben jetzt die Hälfte der Strecke hinter uns und ab jetzt ist die "geschafft Zahl" stets größer als die "to go Zahl".

Darauf ein Stamperl panamesischen Rum (Marke abuelo = Großvater). Wohlgemerkt eins, aufgeteilt zwischen den zuständigen Göttern (die den, wie sich noch herausstellen sollte, nicht vertragen haben), der wundervollsten Skipperin der Welt und mir.

Wir segeln weiterhin angenehm mit rund 4 kn Fahrt dem Abend (Reisnudeln mit Gemüse und unserer vielfältigen Chorizowurst) entgegen.

Dann, nach Sonnenuntergang, machen sich die wohl betrunkenen Götter bemerkbar, mit allem, was man für grottenschlechtes Segeln benötigt:

1. Für die richtige Dramaturgie ist Dunkelheit erforderlich, gepaart mit einer der Stunde des Tages adäquat ermüdeten und unkonzentrierten Crew.

2. Seegang mit Wellen von 2 bis 3 m Höhe, aus möglichst unterschiedlichen Richtungen.

3. Böiger Wind, der in wechselnden Intervallen schnell mal von 14 auf 22 kn hoch und zurück geht.

4. Prasselnder Regen bildet sodann quasi das Sahnehäubchen.

Das Rudern wird dabei zu einer echten Herausforderung. Man dreht wortwörtlich am Rad. Bekommt man das ganze einigermaßen stabilisiert, schleicht sich unvermittelt, auf Grund von Müdigkeit und mangelnder Konzentration, ein Steuerfehler ein, den es hastig zu korrigieren gilt.

Der Spaß geht so über einige Stunden. Um 23 Uhr geben wir auf und entschließen uns, die Luna Mare bei- und uns hinzulegen.

Noch kurz geprüft, ob die Luna Mare stabil liegt und zeitgleich mit dem Hinlegen kommt der Schlaf.

Nach den ohnehin geplanten vier Stunden noch keine Lust auf zu stehen. Am Besten abwarten, bis es wieder hell wird, was es dann um 7 Uhr unter wolkenverhangenem Himmel auch wird. 8 Stunden Schlaf bringen uns Erholung, aber halt nicht weiter.

Dafür macht das Segeln jetzt aber wieder deutlich mehr Freude. Bei weniger böigem Wind machen wir bei angenehmerer Arbeit am Ruder wieder so um die 4 kn Fahrt. Der Himmel klart etwas auf und die Sonne kommt gelegentlich zum Vorschein.

Sehr zur angenehmen Atmosphäre trägt der ausgeschaltene Windgenerator bei. Der nennt sich "Silentwind", ist aber eigentlich ein akustischer Sturmsimulator. Unglaublich was der für Windgeräusche verursacht, lädt aber bei weniger als 20 kn Wind die Batterie nur mäßig.

Immerhin hat er es geschafft, die Batterie bis heute früh von 90 auf 100 % zu bringen. Mal sehen, wie viel heute die Sonne davon halten kann, sonst müssten wir ihn bald wieder in Betrieb nehmen. Der Ausfall des elektr. Autopiloten macht sich in der Energiebilanz dafür schon deutlich bemerkbar.

Nun warten wir seit 33 Tagen auf angenehmen Passatwind. Vermute, der wird im Pazifik anders definiert als im Atlantik, wo das Segeln in demselben quer über den Atlantik ein Genuss war.

2.330 sm geschafft, 2.227 sm to go.