Der Start in den 36. Tag lässt sich gut an. Nur mit Vorsegel unterwegs lässt sich Luna Mare gut steuern und segeln.

Im Laufe des Nachmittags frischt es auf, wir sind jetzt im Bereich von 20 bis 25 kn bei zunehmend unruhiger See.

Die Skipperin schlägt vor, auf unser kleinstes Vorsegel (Sturmfock) zu wechseln. Ich, immer zögerlich wenn es um die Verkleinerung der Segelfläche geht, habe gelernt, auf die Skipperin zu hören. Was wieder mal eine gute Idee ist. Den es ergeben sich zwei positive Punkte daraus.

Zum einen: während die Skipperin die Sturmfock am Kutterstag setzt, rauscht das andere Segel am Vorstag noch etwas aus. Nachdem wir es wieder aufgerollt haben, bemerkt die Skipperin, wie ruhig es plötzlich ist.

Da konnte sich Luna Mare unseren Affentanz bei dem Geschaukele in den Wellen wohl nicht mehr mit anschauen und dreht einfach bei. Dachte immer, zum beiliegen benötigt man auch die Unterstützung durch das Großsegel, geht aber anscheinend auch nur mit Vorsegel. Lediglich die notwendige Wende muss man halt dabei unter Motor machen. Mussten wir mit den kleineren Vorsegeln aber vorher schon.

Zum anderen: ich begebe mich wieder hinter das Ruder und korrigiere schon aus Gewohnheit laufend den Kurs ein wenig, um möglichst exakt auf Zielkurs zu sein. Bis ich bemerke, dass Luna Mare dies auch ohne mein zutun hin bekommt.

Ein wesentlicher Grund ist, dass der Wind gedreht hat und wir jetzt bei seitlichem Wind auf Kurs sind. Nur noch einige wenige Male pro Stunde ist eine manuelle Korrektur erforderlich.

So können wir die Won Ton Suppe gemütlich auf der Hundekoje genießen und dem Treiben um uns zusehen.

Der Wind erreicht mittlerweile 28 kn, wir segeln aber unter Sturmfock und mit kaum Ruderaufwand ganz ok dahin. Es wird zwar zunehmend schaukliger, im Eck sitzend, oder auf der Koje liegend, lässt sich das gut aushalten.

Wir beschließen wieder in den 3 Stunden Rhythmus zu gehen, um unter den bestehenden Bedingungen so lange wie möglich weiter zu segeln. Um Mitternacht knackt der Wind die 30 kn Marke (ein Danke an dieser Stelle nach Würzburg, ein paar Knötchen weniger hätten aber auch schon gereicht).

Leider klappt der Wachrhytmus nur wenig zufrieden stellend. Im Vorschiff liegt man ob der Schiffsbewegungen wie auf einer Achterbahn. Kein Schlaf möglich. Und die Hundekoje (Koje für den Wachhabenden) ist zu klein, dass ein zweiter darauf vernünftig schlafen könnte.

So drehen wir um 3 Uhr bei und gönnen uns drei Stunden Schlaf, bevor es wieder weiter geht. Leider hat der Wind zurück gedreht und trifft die Luna Mare wieder von schräg hinten, was bedeutet, dass wir wieder im stündlichen Wechsel ans Ruder gehen.

Der Wind ist auf 20 bis 25 kn zurück gegangen und geht mit Ende des 36. Tages auf unter 20 kn; die See um uns allerdings noch ziemlich unruhig. Aber wir kommen wieder relativ angenehm voran.

Wir sind jetzt 9 Stunden hinter Deutschland. Da sich mindestens 70 sm pro Tag nunmehr ständig ein zu stellen scheinen, ab sofort eine Prognose, wie viele Tage wir voraussichtlich noch benötigen werden und das sich daraus ergebende Ankunftsdatum (ETA).

2.565 sm geschafft, 29 Tage und 1.992 sm to go. ETA 16.03.2020.