Arbeitsplatzwechsel

Arbeitsplatzwechsel

Vor rund zwei Wochen war der Start in meine neue Berufung „Skipper der Luna Mare“, also gleichzeitig der Start unserer geplanten Langfahrt. Vor dem Segelsetzen haben wir uns zur Eingewöhnung noch etwas Arbeit übrig gelassen.

Hier der Vergleich zwischen meinem früheren Arbeitsplatz und dem von aktuell heute:

Frisch gestrichen!

Frisch gestrichen!

Fertig mit streichen. Alle Schichten sind aufgebracht, und der Unterwasserbereich sieht mit dem erhöhten Wasserpass m.E. sehr gut aus. Mit dem Unterwasserbereich haben wir jetzt ein gutes Gefühl, aber die Wirklichkeit muss zeigen, ob wir beim Antifouling die richtige Wahl getroffen haben. Laut Hersteller ist Ende 2018 eine neue Lage Antifouling notwendig. Bis dahin immer mal wieder reinigen aber mit unserem „freediver“ (tauchen mit Luft aus einem Kompressor der auf der Wasseroberfläche schwimmt und von einer Batterie betrieben wird), sollte es kein großes Thema sein.

Jetzt zum neuen Projekt, dem Wassermacher (Entsalzungsanlage). Wie glaube ich schon mal erwähnt, halte ich so einen für den größten Luxus, den man auf einer Langfahrtyacht wie der unseren haben kann.

Die Hochdruckpumpe habe ich in das ehemalige Batteriefach für die Starterbatterie eingebaut (da war ich sehr glücklich, einen passenden Platz gefunden zu haben). Die Starterbatterie kam in das Fach, wo vorher etliche Winter-Anziehsachen waren. Die Winter-Anziehsachen kamen….Nur begrenzt Platz zu haben ist schon eine Herausforderung, jeder mit einer Segelyacht < 40 Fuß weiß das.

Die Membranen fanden auch ihren Platz. Jetzt muss ich noch die Filter und eine Wasserpumpe einbauen und alles mit Wasserschläuchen verbinden.

Hier nochmal ein Bild vom Herzen der Elektroinstallation, mit Batterie, EM-Box („Energiemanagement-Box“), zahlreichen Ladegeräten, Sicherungen und Stromverteilern:

Beim Bohren habe ich mich noch gewundert, warum ein Zwischenraum zwischen dem Brett auf der einen und anderen Seite ist. Fühlte sich beim Bohren an als wäre dieser voll Isoliermaterial. Ein nähere Blick zeigt dann, da ist ein Wasserschlauch im Zwischenbereich (der von einer Bilgepumpe nach außen führt). Hatte vorher nach möglichen Leitungen, oder Schläuchen geprüft und hier keine erwartet. Aber wann passiert beim Segeln schon mal das, was man erwartet ;-). Musste dann eine etwas größere Öffnung ausschneiden, um an den durchbohrten Schlauch ranzukommen.

Malerarbeiten

Malerarbeiten.

Nach dem total verregneten Donnerstag konnten wir gestern die Schleifarbeiten abschließen. Schönes Gefühl der Erleichterung. Danach reichte die Zeit sogar noch für einen ersten Primer-Anstrich.

Die Crew der SY Columbia sagte kurz „Hallo“ und als sie sahen, wie wir schuften, haben Sie uns gleich für den Abend zu Essen und Kaltgetränken eingeladen. Genau das richtige nach einem anstrengenden Arbeitstag. Tolles Essen und tolle Gespräche, vielen Dank. Freuen uns schon auf ein Wiedersehen irgendwo auf diesem Planeten.

Glücklicherweise wurde das Wetter besser, so richtig schön sogar. Dadurch hatten wir heute morgen den zweiten und jetzt gleich noch den dritten Primer-Anstrich. Mit dem Krantermin am 15.05. passt jetzt alles wieder und wir können in Ruhe noch die restlichen Anstriche bis zum Antifouling anbringen.

Den Fortschritt und das schöne Wetter kann man ganz gut erkennen:

Und weil das Wetter so schön ist, gleich zu einem ausgiebigen Spaziergang die Uferpromenade entlang gestartet und mit einem Fischbrötchen gestärkt.

Da das Streichen überwiegend in ein bis zwei Stunden pro Tag erledigt ist, können nächste Woche noch weitere Arbeiten erledigt werden. Werde davon berichten.

Sieht jedenfalls so aus, das wir dann am 15.05. seglerisch in unseren neuen Lebensabschnitt starten können :-). Und für die Ostsee sind wir jetzt bestens gerüstet, dank umfangreichen Materials, welches wir von der SY Columbia überlassen bekommen haben. Vielen Dank dafür!

Schleifarbeiten

Schleifarbeiten

Statt irgendwo bei einem Longdrink in einer schönen Bucht vor Anker zu liegen, sind wir mit Schleifarbeiten beschäftigt, und das bei dem typischen Wetter hier, dem sogenannten „Schietwetter“.

Wir müssen ja noch den Wasserpass erhöhen. Weiß nicht ob die von Feltz markierte Linie die Wasserlinie war, vermutlich aber schon der Wasserpass und wir sind nur ein paar 100 kg zu schwer geraten.

Naiver Optimist wie ich bin, ging ich von einem Tag Schleifen aus. Geht zwar rund ums Boot (ca. 23 m), aber nur 10 bis 15 cm hoch. Nach zwei Tagen und rund 17 Std. haben wir ca. 2/3 erledigt. Und nachdem es gestern Abend zu Regnen angefangen hat (während ich, selbstverständlich ohne Regenschirm, mit Bus und Bahn unterwegs von Travemünde nach Lübeck in den Baumarkt war, um zusätzliches Schleifpapier zu kaufen) hat es bis jetzt nicht mehr aufgehört.

Krantermin haben wir schon mal um 5 Tage verschoben. Nach dem Schleifen müssen wir ja noch 7 Lagen Farbe (Primer, Antifouling) aufbringen und abschließend wollen wir dem gesamten Unterwasserbereich noch eine Lage Antifouling gönnen.

Die Weltreise wird, sofern das Wetter ein einsehen hat und zumindest der Regen aufhört, in rund 10 Tagen beginnen. Dann rund zwei Monate Ostseetörn bevor es in de Süden geht.

Und falls es kalt und regnerisch bleibt, überlege ich Frostbeule schon mal eine Kursänderung direkt in den Süden. Allerdings hat es auf den Kanaren heute auch nur 13 Grad bei Regen, hier aktuell 7 Grad, windig und Regen. Aber für morgen sind für die Kanaren schon 20 Grad vorhergesagt ;-).

Daheim

Daheim

Drei Tage unseres neuen Lebensabschnitts liegen hinter uns. Am Sonntag haben wir noch all die Sachen verstaut, die wir abschließend noch mitgebracht hatten.

Ein ganz besonders wundervoller Punkt ist die offene, herzliche und leicht zugängliche Art, die vielen Segler haben. Nach unserer Ankunft treffen wir zuerst Marina und Uwe. Die beiden kennen wir, seit wir im Dezember letzten Jahres hier angekommen sind. Richtig nette Leute, mit denen man immer ein freundliches Wort wechseln kann und mit denen wir auch schon bei einem Kaltgetränk „schnaken“ konnten. Die beiden leiten übrigens den hießigen TO-Stützpunkt.

Dann kurz mit Rosita und Bernhard ein paar Worte gewechselt und gleich für den frühen Abend auf ein Bier bei uns an Bord verabredet. Da die beiden ab Ende Juli auf Langfahrt gehen wollen, hatten wir selbstredend jede Menge Gesprächsstoff. Die beiden betreiben auch einen schönen Blog. Ein ganz tolles und sympathisches Paar. Wir wollen uns auf alle Fälle im Auge behalten. Bin sicher, irgendwo auf diesem Planeten werden sich unsere Wege nochmal kreuzen. Bis dann!

Kaum waren die beiden gegangen, fragten unsere Nachbarn, ob wir nicht Lust hätten, auf ein Glas Wein vorbeizukommen. Machten wir natürlich sofort und so hatten wir mit Uschi und Andreas ein paar schnell vergangene schöne Stunden um über unser aller hierher und wohin zu unterhalten. Die beiden grübeln noch, ob sie in einigen Jahren mit ihrer kürzlich erworbenen HR38 ebenfalls auf Langfahrt gehen wollen. Würde mich freuen, falls Euch unser Blog dazu vielleicht etwas anspornen würde.

Das meinte ich übrigens mit dem Titel „Daheim“. Ich habe bis hierher einige Bücher von Langfahrtseglern gelesen und Blogs verfolgt, wo das auch immer ein Thema war. Es ist schon fantastisch, dass man mit wundervollen Leuten einen Abend verbringt mit dem Gefühl, man kennt sich schon seit langem, obwohl man sich am selben Tag zum ersten mal gesehen hat.

Ansonsten hatten wir auch gestern noch ein paar Sachen am Boot gemacht. Insbesondere aufräumen. Lebensmittel eingekauft, gekocht und vor allem Platz für den Wassermacher (Entsalzungsanlage) gesucht. Ist ja ein Riesenteil mit der 16 kg schweren Pumpe und den 1,25 m langen Membranrohren plus all der Filter für ein 38 Fuß Boot.

Aber jetzt weiß ich (vorerst): die Pumpe kommt in das Fach, in dem sich momentan die Starterbatterie befindet, diese kommt in das „Schränkchen“ daneben (da muss die Skipperin leider ihre Pullover woanders unterbringen) und für die Membranen ist noch Platz unter der Heck Koje. Auch für die Filter und die Wasserpumpe habe ich schon Ideen. Kopfzerbrechen macht noch die Wasserzuleitung und die Abwasserleitung für die Salzkloake. Wird sich aber auch noch finden. Ich denke, das wird noch eine Mamut Aufgabe, bis der Wassermacher eingebaut ist und funktioniert.

Und heute haben wir das Boot fürs kranen vorbereitet, damit es um 11 Uhr an Land gestellt werden konnte. Wir wollen ja noch den Wasserpass erhöhen (das wird eine schöne Sch… Schleifarbeit) und den Unterwasserbereich nochmal streichen. Dann zum Baumarkt (statt Navi-programmieren im Auto heißt es jetzt Verbindung mit ÖPNV suchen) um noch Arbeitsmaterialien zu holen.

Wer sich fragt, warum ich am dritten Tag unseres neuen Lebensabschnittes vor dem PC sitze und diesen überlangen Blog schreibe, braucht nur mal aus dem Fenster zu gucken:

 

 

It’s the end of our life as we know it…

It’s the end of our life as we know it…

… but I feel fine. Inspiriert von einem R.E.M. song, nur bisher noch ohne Erdbeben.

Wir sitzen im ICE788 auf dem Weg von unserem bisherigen zu Hause Wiesbaden zu unserem neuen zu Hause, unserer Segel Yacht „Luna Mare“.

Dies ist der Start unserer langen Reise, die uns an viele wundervolle Plätze rund um die Welt führen möge.

Abgemeldet

Abgemeldet

So, ab jetzt sind wir hier so was von abgemeldet, oder wie es offiziell heißt „keine Hauptwohnung in Deutschland“:

Also ohne festen Wohnsitz. Mein Verweis auf die Festmacherleinen hat auch nicht geholfen, das würde noch keinen festen Wohnsitz begründen. Und Welt gilt nicht, da Postleitzahl und Hausnummer unbekannt (Späßle gmacht, abmelden war ja der Plan).

Somit heißt es jetzt:

Arbeits-los, Wohnsitz-los, Leinen-los 😉

Letzter Arbeitstag

Letzter Arbeitstag

Heute war mein letzter Arbeitstag, oder um genau zu sein, der letzte bezahlte. Arbeit haben wir nämlich immer noch reichlich vor uns, jeder Bootsbesitzer weiß, wovon ich rede.

Während meines gesamten beruflichen Lebens (immerhin fast 40 Jahre) hatte ich stets viele wundervolle Kollegen. So auch an meinem letzten Arbeitsplatz. So wundervoll, dass die letzten 12 Jahre wie im Fluge vergangen sind.

Für mich wurde ein wunderschöner Abschied bereitet, mit Trinken, Häppchen und zahlreichen Geschenken für mich.

Irgendwie haben die herausgefunden, dass ich ursprünglich aus Bayern stamme, woas net, wos mi veroan hod. Jedenfalls bekam ich rund 40 verschiedene bayerische Bierspezialitäten überreicht, ein paar Wiesbadener hatten sich auch eingeschlichen. Da besteht für den Törn in die Karibik für den Skipper 😉 kein Durstproblem. Bilder gibt es davon wegen dem Alkohol natürlich nicht.

Darüber hinaus eine tolle Grußkarte (siehe Bild) verbunden mit einem tollen Beitrag für die Bordkasse (ganz große Klasse, selbstverständlich kein Bild ;-).

Gesten kam schon per Eilboten ein Überlebenspaket aus Wien hier an, nebst Anleitung was wie/wann zu nutzen ist, verschickt von drei ganz wundervollen Kolleginnen. Damit können wir allen Widrigkeiten trotzen:

Man sagt ja in Seglerkreisen, Karl Moik verbunden mit Old Spice wäre die einzige 100% wirksame Piratenabwehr.

Und natürlich das wichtigste: die Kapitänsmütze. Gerade wenn man als Ehepaar unterwegs ist, ist es enorm wichtig, dass die Rollen klar verteilt sind:

Und falls ich mich gut benehme, sagt die Skipperin, darf ich die auch mal aufsetzen.

Auflösungserscheinungen

Auflösungserscheinungen

Noch drei Wochen bis „Leinen los“, also Zeit zur Haushaltsauflösung. Heute haben wir all das verfrachtet, was noch bei Familie/Freunden Verwendung finden kann. Das gibt uns jetzt in der (fast) leeren Wohnung schon mal den Geschmack auf das spartanische Leben, das uns bevorsteht 😉

Ab jetzt also eine Art Camping auf rund 120 m², allerdings glücklicherweise noch mit vollwertiger Küche. Bevor sich die Wohnfläche zukünftig auf rund 10 m² verringern dürfte.

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