Von Panama nach Hawai’i – Tag 23

Der heutige Wetterbericht bestätigt im Prinzip den gestrigen. Was ich allerdings gestern nicht so heraus gelesen habe: der Wind nimmt einen enormen Anlauf für seine "Pirouette".

Jetzt kommt er erst mal zwei Tage von mehr oder weniger genau achtern, mal leicht aus Steuerbord, zwischendurch mal Backbord, dann wieder Steuerbord, bis er richtig nach Backbord wechselt. Bei den vorhergesagten 20 kn Wind kreuzen wir vor diesem.

Die Abweichung sollte unsere Geschwindigkeit Richtung Ziel nicht allzu sehr beeinträchtigen. Da hat die Windstärke momentan schon einen wesentlich größeren Einfluss.

Zum Anfang des 23. Tages zieht sich der Himmel komplett zu und es gibt tatsächlich ein paar Regentropfen. Die ersten seit unserem Start. Soll wohl auch die nächsten Tage bewölkt und etwas regnerisch bleiben. Das Ganze bei rund 26° C.

Wir nähern uns dem Ziel mit etwas mehr als 4 kn. Der Wind steigert sich wie vorhergesagt auf 20 kn. So geht es mit nahezu gleichbleibenden Wind und gleichbleibender Geschwindigkeit in den Abend (Nudeln mit grünem Pesto und frisch geriebenem Parmesan, dazu … Krautsalat).

Friedlich schlummernd weckt mich die Skipper in um 23:30 Uhr, eine halbe Stunde vor meinem Wachbeginn. "Wir haben über 20 kn Wind, wollen wir nicht reffen?".

Kurzer " fachkundiger" Blick des Skippers: "Nö, geht doch noch und der Wind soll die nächsten Stunden eh nachlassen". Die Skipperin hat die Koje noch nicht erreicht, da schießt die Luna Mare voll in den Wind. Entsprechend nimmt der Wind an Bord auf 30 kn zu und ordentlich Wasser geht übers Deck. Auch bei kompletten Rudereinschlag mag sie sich von diesem nicht trennen.

OK. Reffen. Und schon wird die Luna Mare wieder steuerbar. Kurz danach lässt der Wind dann nach und keine weitere Bö diesen Ausmaßes trifft uns ein zweites Mal.

So geht es durch die Nacht. Bei Wachantritt um 6 Uhr hat sich der Wind auf um die 10 kn beruhigt. Mich plagt der Gedanke, das wir immer langsamer werden und beim Kreuzen vor dem Wind den Zielkurs nicht segeln keinen. Grübel grübel, keine Idee.

So gegen 10 Uhr schält sich die Skipperin aus der Koje. Meint, sie grübelt schon die ganze Zeit, wie wir Kursgenauigkeit und Geschwindigkeit erhöhen könnten und schlägt " Schmetterling" als Lösung vor.

Bei 20kn nicht unser Ding, bei 10kn Wind von achtern die perfekte Lösung. Gesagt, getan. Vorsegel (mit Spibaum) auf die eine Seite, Großsegel (mit Bullenstander zur Absicherung) auf die andere. Wir sind auf Zielkurs und erhöhen die Fahrt von knapp 4 auf über 5 kn.

Was tät ich nur ohne die Skipperin.

1.623 sm geschafft, 2.934 sm to go.

Von Panama nach Hawai’i – Tag 22

Nach dem neuesten Wetterbericht soll der Wind die nächsten zwei Tage auf 24 bis 27 kn anwachsen, bevor er dann weitere zwei Tage später wieder für einen knappen Tag auf unter 5 kn geht.

Vermutlich damit uns nicht langweilig wird, vollführt der Wind eine Pirouette. Dabei kommt der Wind erst querab von Steuerbord, dreht im Laufe des morgigen Tages nach achtern, bevor er übermorgen dann auf die Backbordseite wechselt. Im Laufe von mehr als einem Tag dreht er dann weiter, bis er irgendwann von vorne kommt. Dabei geht er dann in vier Tagen auf die vorhin erwähnten 5 kn zurück und wechselt dann wieder nach Steuerbord. Und einen Tag danach kommt er wieder querab von Steuerbord.

Wir haben diese Showeinlage nicht bestellt, ist aber wohl bei all-inclusive dabei. Da müssen wir durch sofern der Wind nicht noch kurzfristig kundtut "Spässle gemacht". Schaum mehr mal.

Nun zu Beginn des 22. Tages steigert sich der Wind peu á peu und damit unsere Geschwindigkeit. Wir erreichen nun knapp 5 kn. Zum Abend (Käsespätzle mit Krautsalat) hin baut sich eine etwas unangenehme See auf. Aber die Geschwindigkeit tröstet über das etwas heftigere Schaukeln hinweg.

So geht es geschwind durch die Nacht. Am Morgen dreht der Wind schon ein wenig, so dass wir den Kurs anpassen müssen, damit der Wind nicht zu genau von achtern kommt. Damit müssen wir den direkten Kurs Hawai’i geringfügig verlassen. Verringert unsere Fahrt zum Ziel aber nur marginal. Der Wind pendelt sich bei rund 20 kn ein und soll bis heute Abend ja noch auf 24 bis 27 kn ansteigen.

Damit geht auch der 22. Tag zu Ende und ich erwarte gespannt den neuesten Wetterbericht.

Vorher jedoch noch Geburtstagsgrüße nach Münster (Hessen). Herzlichen Glückwunsch lieber Werner R.

1.518 sm geschafft, 3.039 sm to go.

Von Panama nach Hawai’i – Tag 21

Laut Wetterbericht gibt es Morgen Wind. stimmt, kennen wir schon. Aber Morgen ist das anders. So ab morgen früh soll es langsam mit 10 kn losgehen, die sich im Laufe des Tages auf satte 20 kn steigern sollen. Und satte zwei Tage soll es so bleiben. Sicher?

Der Wetterbericht sagt auch, das es jetzt schon 8 bis 10 kn Wind gibt. Gibt es aber nicht. So geht es nunmehr den 13. Tag in Folge mit einer kleinen Dosis Wind in den Nachmittag des mittlerweile 21. Tages hinein. Und so bleibt es auch am Abend (Krautspätzle, mit der letzten Portion Sauerkraut) und minimal windiger durch die Nacht.

Kurz nach Sonnenuntergang höre ich ein deutlich wahrnehmbares Atmen aus der Dunkelheit heraus. Laut, so dass es wohl nicht so weit entfernt sein kann und ungefähr so rauh, wie ich es mir bei einer schweren Raucherlunge vorstellen kann. Zu sehen ist nichts, nur das schwere Atmen ist zu hören. So für ca. ein bis zwei Minuten. Dann kehrt Ruhe ein. Unheimlich. Ein schlafender Wal, den wir in geringer Entfernung passiert haben?

Am folgenden Morgen um 6 Uhr, wenn ich die morgendliche Wache übernehme, soll es mit den erwähnten 10 kn losgehen. Und tatsächlich, es frischt etwas auf und wir steigern unsere Fahrt auf über 3 kn.

Unsere Golden Delicious Äpfel haben lange gehalten. Heute gibt es den letzten davon, so wie bisher täglich. Denn "an apple a day keeps the doctor away". Aber auch ohne Apfel kommt hier vermutlich nicht so schnell ein Arzt vorbei. Und bei noch rund 5 Wochen bis Hawai’i wird hoffentlich keiner erforderlich werden.

Und auch hier stimmt die Vorhersage, der Wind nimmt gegen Ende des 21. Tages noch etwas zu und unsere " Fahrt über Grund“ erhöht sich auf fast 4 kn. Und es soll noch mehr Wind kommen.

1.405 sm geschafft, 3.152 sm to go.

Von Panama nach Hawai’i – Tag 20

Und weiterhin ruhig und gemütlich geht es auch in den 20. Tag hinein. Luna Mare bewegt sich weiterhin in alle Richtungen nur sehr gemächlich. Was hinsichtlich seitlicher Bewegungen ja immerhin sehr angenehm ist, da es weniger Schaukeln bedeutet.

So geht es auch heute den ganzen Nachmittag hinweg, in den Abend hinein (die letzten beiden Rippchen, diesmal mit Reis und einer Paprika-Sahne-Sauce) und die Nacht (eine weitere wunderschöne, sternenklare) hindurch.

Am Morgen mit Sonnenaufgang (schon sehr schön) steigert sich der Wind um 2 kn auf 5 bis 6 kn und wir verdoppeln unsere Geschwindigkeit von 1,5 auf 3 kn. Da der Windzuwachs ja relativ gering ist, hat uns möglicherweise noch eine leichte Strömung Huckepack genommen.

So werden die 3 Stunden von 6 bis 9 Uhr mit den darin zurück gelegten 8 sm zu den schnellsten seit 6 Tagen. Die Hoffnung, wir hätten jetzt den Wind erreicht, wie er laut Wetterbericht schon seit Tagen wehen soll, erfüllt sich leider nicht und wir fallen in die alte Lethargie zurück.

Vor 5 Tagen war die Vorhersage, dass wir ab dem 29. mehr als 10 kn Wind haben sollen. Dann war es der 30., der 31. und laut letztem soll es nun in zwei Tagen, am 02.02., soweit sein. Erinnert an das Schild in der Kneipe "Morgen gibt es Freibier".

Eines findet aber definitiv heute statt. Der Geburtstag der lieben Ute G. Herzlichen Glückwunsch. Möge es bei Dir das Freibier (oder Glas Wein) bereits heute geben.

1.347 sm geschafft, 3.210 sm to go.

Von Panama nach Hawai’i – Tag 18

Übern Wind reden wir nicht, gibt eh kaum welchen (ganz entgegen der Wettervorhersage).

So macht der Pazifische Ozean seinem Zweitnamen "stiller Ozean" hier alle Ehre. Nur ein leichtes, gleichmäßiges Schaukeln, das ein ruhiges und einfaches Bordleben ermöglicht. Das erleichtert natürlich alle Tätigkeiten an Bord, insbesondere das Kochen, sehr.

Der Pazifik soll aber auch anders können. So liegen vor uns wohl noch Bereiche, bei denen wir zumindest mit Windstärke 6 bis 7 zu rechnen haben. Wir sind aber so weit es geht vorbereitet. Das kleinere Vorsegel ist bereits am Kutterstag befestigt. So müssen wir im Bedarfsfalle nur die große Genua einholen und die deutlich kleinere Fock hissen. Mal sehen, ob das die nächsten Wochen mal notwendig werden sollte.

Sehr schön ist jeden Abend die Zeit des Sonnenuntergangs. Geht gefühlt rasend schnell, aber begeistert durch sein Farbenspiel, vor allem natürlich während der Dämmerung.

Steht die Sonne erst mal knapp über dem Horizont, ist sie binnen weniger Minuten dahinter verschwunden. Keine halbe Stunde später ist auch die Dämmerung vorbei und wird, als würden die Sterne einzeln angeknipst, zügig von einem prächtigen, anwachsenden Sternenhimmel abgelöst.

Und wenn dann wie gestern Abend in der einsetzenden Dunkelheit eine Delfinschule in etwas Abstand vorbei zieht, ist das romantische Bild perfekt. Herrlich.

Das könnte man ewig genießen. Und wenn weiterhin kein vernünftiger Wind aufkommt, werden wir das auch müssen.

1.270 sm geschafft, 3.287 sm to go.

Von Panama nach Hawai’i – Tag 17

Nach versenden des (Nicht-)Blogs und der Positionsmeldung wie gewohnt den neuesten Wetterbericht herunter geladen und mit dem Routenprogramm auf dem PC ausgewertet.

Sehr vielversprechend. Leichter Wind von 5 bis 8 kn die nächsten 3 Tage, der uns zumindest gut 2 kn Fahrt bescheren würde, danach 10 kn und geringfügig mehr.

Und tatsächlich, zwei Stunden nach Beginn des 17. Tages, also so um 14 Uhr, kommt eine leichte Brise auf. Sofort alle beide Segel gesetzt und los geht die Fahrt.

Wie schon zu erwarten/befürchten (?) kommt der Wind zwar nur ein wenig schwächer, so mit 3 bis 5 kn, bringt unsere Luna Mare aber doch nur mühevoll voran.

Wir bewegen uns zwar nur kaum merklich dem Abend entgegen (gestern übrigens Nudeln mit Pilz-Sahnesauce, heute die restlichen Nudeln mit gebratenem Rippchen und endlich wieder Krautsalat), aber allemal besser, als nur rumdümpeln.

Nach einer ruhigen Nacht geht es jetzt am 28.01. kurz vor 12 Uhr Ortszeit (bereits 19 Uhr in Deutschland) dem Ende des 17. Tages entgegen, der uns seit dem Setzen der Segel vor gut 20 Stunden dem Ziel um sagenhafte 30 sm näher gebracht hat.

1.229 sm geschafft, 3.328 sm to go.

Von Panama nach Hawai’i – Tag 15

Diesmal hat der Wetterbericht (leider) Recht. Für den Nachmittag, den Abend (Rippchen mit Kraut) und die erste Hälfte der Nacht sagt er leichten Wind mit 6 bis 8 kn voraus, zweite Hälfte der Nacht geht es von 6 auf 4 kn und ab 6 Uhr früh noch 2 kn.

So schaffen wir in den 15 Stunden vom Beginn des 15. Tages bis 3 Uhr Nacht noch 32 sm, also 2 sm im Schnitt pro Stunde. Das sind rund 4 km/h. Bis der "richtige" Passatwind kommt, liegt dabei noch eine Strecke, die ungefähr der von Hamburg bis Mailand, evtl. sogar Rom entspricht, vor uns.

Und sobald wir die Etappe bis zum Wind geschafft haben, sind es immer noch rund 5.000 km bis Hawai’i. Geduld ist weiterhin gefragt, den das kann noch etwas dauern.

Vor allem, da wir jetzt bei den vorhin erwähnten 2 kn Wind die Segel gestrichen haben und hier rumdümpeln. Ist quasi wie ankern. Ankern, ohne den Anker zu setzen in einem rolligen Ankerfeld; besonders stark schaukelnd, sobald Böen von 4 bis 5 kn "durch jagen". Und halt ohne Inseln, Sehenswürdigkeiten, oder (Super-) Märkte zum erkunden.

Laut Wetterbericht wird es übrigens erst am 29.01. ab 21 Uhr, also in 3,5 Tagen, wieder etwas mehr Wind geben. Oh wie wär es diesmal schön, wenn der Wetterbericht falsch läge und der Wind früher einsetzen würde.

So, ich leg mich jetzt hin und lasse mich in 3,5 Tagen wach küssen.

Und da wir mittlerweile Sonntag, den 26. 01. haben, liebe Geburtstagsgrüße aus dem Pazifik an Ben-Yorick B., Doris W. und Reinhard S. Sowie nach Marokko nachträglich an Gordon W. Feiert schön.

1.198 sm geschafft, 3.359 sm to go.

Von Panama nach Hawai’i – Tag 14

Der 14. Tag geht mit langsamen, aber kontinuierlichen rund 3 kn weiter. Den ganzen Nachmittag, den Abend (Speck mit Bohnen und Salzkartoffeln, wobei zwei gebratene Chorizo Würstchen, die gestern noch die Currywurst gaben, jetzt als Speck dienen) und die ganze Nacht.

Mit Sonnenaufgang lässt der Wind mehr und mehr nach. So bewegt er sich nunmehr, knapp 3 Stunden vor Ende des 14. Tages, ständig unter 5 kn. Vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis er auch für langsamstes Segeln nicht mehr reicht. Und mangels ausreichend Diesel ist Motoren keine Option.

Die Gedanken kreisen jetzt nur noch um Wind und Vorwärtskommen. Kein Blick mehr für die faszinierend Weite um uns herum, für Vögel, die hier draußen noch unterwegs sind, oder uns begleitende Delfine.

Es sind noch 700 bis 800 sm, bis wir in das Gebiet kommen, wo nicht nur der Wetterbericht, sondern auch das Wetter selbst ausreichend Wind prophezeit. Es kann jetzt durchaus noch zwei Wochen, oder gar länger dauern, bis wir Gewissheit haben werden.

1.164 sm geschafft, 3.393 sm to go.

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