Von Panama nach Hawai’i – Tag 34

Der Nachmittag bleibt so gut, wie es der Vormittag schon war. Bei Wind rund 15 kn, überwiegend sonnig, machen wir gut 4 kn Fahrt. Da stören die etwas ungleichmäßigen Wellen nicht so sehr. Fühlt sich schon wie Passatwindsegeln an. Mal sehen, für wie lange.

Und es bleibt weiterhin unverändert und damit ganz ok. Wir wechseln uns weiterhin mit einer Ausnahme stündlich ab. Die Ausnahme ist je einmal zwei Stunden vor bzw. nach dem Beidrehen, um wie erwähnt auf halbwegs 6 Stunden Schlaf am Stück (mit einer 15 Minuten Unterbrechung) zu kommen.

Jetzt sind wir den 3. Tag ohne Autopilot. Auf Grund der Anstrengung etwas müde, scheint aber zu schaffen zu sein. Jeden von uns beiden erwarten allerdings noch über 300 Stunden Ruder gehen bis Hawai’i. Gut das wir uns beim letzten Deutschlandurlaub etwas Winterspeck zugelegt haben.

Wir haben jetzt auch die 3. Nacht hinter uns, in der wir 4 Stunden (einmal 8 Stunden) beigedreht verbracht haben. Ich schaue immer bange auf die Segel, die doch immer so um die 20kn Wind aushalten müssen. Scheint aber zu passen, hoffentlich.

Der Wind schiebt uns dabei immer einige sm nach Südsüdwest. Wir machen dabei zwar keinen Weg Richtung Ziel gut, verlieren ihn aber auch nicht. Ohne beidrehen würden wir momentan locker die ursprünglich geplanten 100 sm pro Tag schaffen, ohne Schlaf geht es halt aber nicht.

Unser neues Ziel seit einer Woche sind 70 sm am Tag, was aktuell leicht machbar erscheint. Aber die Bedingungen ändern sich hier manchmal rasend schnell, deshalb Vorsicht mit Prognosen.

2.415 sm geschafft, 2.142 sm to go.

Von Panama nach Hawai’i – Tag 33

Der 33. Tag lässt sich gut an und nach 3 Stunden, um 15 Uhr, haben wir einen wichtigen Meilenstein erreicht: Bergfest. Wir haben jetzt die Hälfte der Strecke hinter uns und ab jetzt ist die "geschafft Zahl" stets größer als die "to go Zahl".

Darauf ein Stamperl panamesischen Rum (Marke abuelo = Großvater). Wohlgemerkt eins, aufgeteilt zwischen den zuständigen Göttern (die den, wie sich noch herausstellen sollte, nicht vertragen haben), der wundervollsten Skipperin der Welt und mir.

Wir segeln weiterhin angenehm mit rund 4 kn Fahrt dem Abend (Reisnudeln mit Gemüse und unserer vielfältigen Chorizowurst) entgegen.

Dann, nach Sonnenuntergang, machen sich die wohl betrunkenen Götter bemerkbar, mit allem, was man für grottenschlechtes Segeln benötigt:

1. Für die richtige Dramaturgie ist Dunkelheit erforderlich, gepaart mit einer der Stunde des Tages adäquat ermüdeten und unkonzentrierten Crew.

2. Seegang mit Wellen von 2 bis 3 m Höhe, aus möglichst unterschiedlichen Richtungen.

3. Böiger Wind, der in wechselnden Intervallen schnell mal von 14 auf 22 kn hoch und zurück geht.

4. Prasselnder Regen bildet sodann quasi das Sahnehäubchen.

Das Rudern wird dabei zu einer echten Herausforderung. Man dreht wortwörtlich am Rad. Bekommt man das ganze einigermaßen stabilisiert, schleicht sich unvermittelt, auf Grund von Müdigkeit und mangelnder Konzentration, ein Steuerfehler ein, den es hastig zu korrigieren gilt.

Der Spaß geht so über einige Stunden. Um 23 Uhr geben wir auf und entschließen uns, die Luna Mare bei- und uns hinzulegen.

Noch kurz geprüft, ob die Luna Mare stabil liegt und zeitgleich mit dem Hinlegen kommt der Schlaf.

Nach den ohnehin geplanten vier Stunden noch keine Lust auf zu stehen. Am Besten abwarten, bis es wieder hell wird, was es dann um 7 Uhr unter wolkenverhangenem Himmel auch wird. 8 Stunden Schlaf bringen uns Erholung, aber halt nicht weiter.

Dafür macht das Segeln jetzt aber wieder deutlich mehr Freude. Bei weniger böigem Wind machen wir bei angenehmerer Arbeit am Ruder wieder so um die 4 kn Fahrt. Der Himmel klart etwas auf und die Sonne kommt gelegentlich zum Vorschein.

Sehr zur angenehmen Atmosphäre trägt der ausgeschaltene Windgenerator bei. Der nennt sich "Silentwind", ist aber eigentlich ein akustischer Sturmsimulator. Unglaublich was der für Windgeräusche verursacht, lädt aber bei weniger als 20 kn Wind die Batterie nur mäßig.

Immerhin hat er es geschafft, die Batterie bis heute früh von 90 auf 100 % zu bringen. Mal sehen, wie viel heute die Sonne davon halten kann, sonst müssten wir ihn bald wieder in Betrieb nehmen. Der Ausfall des elektr. Autopiloten macht sich in der Energiebilanz dafür schon deutlich bemerkbar.

Nun warten wir seit 33 Tagen auf angenehmen Passatwind. Vermute, der wird im Pazifik anders definiert als im Atlantik, wo das Segeln in demselben quer über den Atlantik ein Genuss war.

2.330 sm geschafft, 2.227 sm to go.

Von Panama nach Hawai’i – Tag 32

Laut aktuellsten Wetterbericht beginnt der 32. Tag mit 17 bis 19 kn, kontinuierlich zunehmend. Laut Windmesser an Bord haben wir momentan 7 bis 9 kn Wind.

So geht es gemächlich in den Nachmittag mit stündlich wechselndem Ruder gehen. Das lässt sich bisher ganz ok an. Ist aber schon etwas anstrengender als auf der faulen Haut zu liegen.

Die Stunde geht ganz gut rum. Längere Ruderzeiten erscheinen uns zu anstrengend. Ist zwar je nach Wind nicht sehr arbeitsintensiv, aber eine gewisse Konzentration ist aufrecht zu erhalten.

Da passt das "Parken auf hoher See" (beidrehen/beilegen) ganz gut; von Mitternacht bis vier Uhr ist es relativ ruhig an Bord und wir beide kommen zu etwas Schlaf.

Der letzte Rudergang der Skipperin davor und meiner danach ist für je zwei Stunden angesetzt, ergibt also für jeden 6 Stunden Schlaf, je einmal unterbrochen durch die Unterstützung beim beidrehen, bzw. klar machen zur Weiterfahrt.

Gegen Abend (Bratkartoffeln mit Chorizo-Wurst und Champignons) nimmt der Wind dann tatsächlich etwas zu und knappert schon das eine oder andere Mal an 20 kn. Hält durch bis zum mitternächtlichen beidrehen und lässt dann wieder etwas nach, bleibt aber überwiegend bei >10 kn, was uns ja bereits eine große Freude bereitet.

Jetzt, gegen Ende des 32. Tages, also kurz vor Mittag, sind 20 bis 25 kn Wind vorhergesagt, die die nächsten 36 Stunden anhalten sollen. Unser Windmesser zeigt immerhin 10 bis 14 kn an. Das ist ja ganz ok so.

Und es ist sonniger als vorhergesagt. Das freut die Batterien und schont unseren ohnehin knappen Dieselvorrat.

2.269 sm geschafft, 2.288 sm to go.

Von Panama nach Hawai’i – Tag 30

Die Reinigung der Hydraulikpumpe lief wie erwartet. Einerseits war sie dringend notwendig (unverzügliche, dass mir das nicht schon in Panama eingefallen ist, aber so lange etwas funktioniert denke ich mich immer an so etwas) andererseits ging etwas defekt.

Die Befestigung für eine der beiden Schrauben ist wohl wegen Materialermüdung abgebrochen. Jetzt soll die verbleibende Schraube unterstützt um einen Kabelbinder die Pumpe zusammen halten.

Macht auch damit einen ziemlich stabilen Eindruck. Und der Test verläuft positiv.

Wir steuern aber zunächst weiter von Hand, um Energie zu sparen. Mangels Sonne und zu wenig Wind wird die Batterie nicht geladen.

Mit Einbruch der Dunkelheit, nach dem Abendessen (Schinkennudeln mit den restlichen beiden Eiern) um 19 Uhr über nimmt der Autopilot.

Um 21 zu meiner Freiwache ziehe ich mich in die Koje zurück, einigermaßen zufrieden, da der Autopilot uns wieder präzise steuert.

1,5 Stunden später ruft mich die Skipperin: der Autopilot hat sich abgeschaltet. Und das war es. Jetzt lässt er sich nur noch sporadisch anschalten und läuft dann für max. ein paar Minuten.

Der Alptraum ist eingetreten, wir steuern die nächsten geschätzt 40 Tage von Hand. Die Stimmung sinkt auf den Tiefpunkt. Aber da müssen wir durch.

Damit wir nicht komplett aus den Latschen kippen, planen wir, jeweils von 0:00 Uhr bis 4:00 beizudrehen (eine Art parken für ein Segelboot). Einer geht davor, der andere danach für zwei Stunden ans Ruder. So dass jeder 6 Stunden Schlaf hat. Die restliche Zeit wechseln wir uns stündlich ab.

Der Wind hat letzten Abend etwas aufgefrischt, kommt aber nicht aus Nordost, sondern aus Ostsüdost, also genau von achtern und hat mittlerweile wieder deutlich nachgelassen. Jetzt sind wir seit 31 Tagen und 2.200 sm unterwegs und immer noch kein stetiger und ausreichender Passatwind.

Werden versuchen müssen, mit der Situation klar zu kommen. Vernünftige Alternativen gibt es keine. Mexiko wäre nicht so weit weg, aber aus dieser Richtung kommt normalerweise der Wind. Ein kurzer Test um Mitternacht hat gezeigt, dass wir mit dem Ersatzsegel nicht hart am Wind kreuzen können. So würde uns der machbare Kurs dann eher zu den Aleuten, statt Mexiko oder USA bringen. Macht also keinen Sinn.

Also weiterhin Kurs Hawai’i, egal wie lange wir bis dahin noch benötigen werden.

2.202 sm geschafft, 2.355 sm to go.

Von Panama nach Hawai’i – Tag 30

Überwiegend bewölkt (schlecht für Solarenergie), allerdings noch kein Regen. Der Wind bewegt sich so zwischen 10 und 15 kn, zwischendurch geht es auch mal hoch auf 20. Damit können wir den avisierten Schnitt von 3 kn wohl gut erreichen.

Die Aussichten auf zwei Tage durchgehend 20 bis 25 kn sind nicht so erbaulich, da die Beanspruchung des Riggs steigt (noch ein Segel darf nicht ausfallen) und es an Bord ungemütlich wird. Aber noch nichts wirklich Besorgnis erregendes.

Am Ruder wechseln wir uns tagsüber momentan stündlich ab. Der Wind allein erzeugt aber trotz dieser Energieeinsparung nicht ausreichend Energie, so dass wir mittels Motor bzw. Lichtmaschine nachhelfen müssen. Hoffentlich verziehen sich die für den gesamten Vorhersagezeitraum von 5 Tagen angekündigten Wolken dann wieder und Sonne kommt zum Laden der Batterie zum Vorschein.

An frischen Sachen haben wir noch einige Kartoffeln und Zwiebeln. Es geht nun an Fertiggerichte und Fertigsaucen. So gibt es heute Abend Nudeln mit Tomaten-Fertigsauce. Durchaus genießbar und einfach in der Zubereitung.

Die Nacht verläuft überwiegend ruhig, nur der Autopilot macht uns weiterhin Sorge. Schaltet sich sporadisch ab, weil er keine Ruderrückmeldung mehr erhält. Muss nach Tagesanbruch doch mal die zugehörige Hydraulikpumpe öffnen. Vielleicht hat sich nur zu viel Kohlestaub angesammelt, der entfernt werden muss. Habe mich bisher diesbezüglich zurück gehalten. Hätte das lieber vor Hawai’i gemacht, da ein von mir bei der Reparatur verursachter Totalausfall schon eine problematische Sache wäre. Aber wird schon klappen.

Die aufgehende Sonne steht mittlerweile hinter einer Wolkendecke am Horizont. Bereite mich gedanklich auf die "Operation Hydraulikpumpe" vor. Davor zur Stärkung aber noch Müsli und einen starken Kaffee.

2.142 sm geschafft, 2.415 sm to go.

Von Panama nach Hawai’i – Tag 29

Meinem Blog von gestern bitte nicht falsch verstehen. Wir sind in keiner wirklich problematischen oder gar gefährlichen Situation. Selbst am Ruder zu stehen ist ja nichts so außergewöhnliches und manche haben gar keinen Kühlschrank an Bord.

Ein wenig Frust halt; durch das Malheur mit dem Vorsegel brauchen wir für die Reststrecke mehr als eine Woche länger und müssen uns nach 2.000 sm immer noch mit zu wenig Wind herum plagen. Mal sehen, wie lange es dauert, bis ich mich über zu viel Wind beklage ;-).

Heute Mittag, zu Beginn des 29. Tages hat beim Wetterdienst jemand aus dem Fenster geguckt und fest gestellt, dass etwas wenig Wind ist und dieser von genau achtern kommt.

Aber am Abend soll er etwas zur Seite drehen und auf die erhofften >10 kn zunehmen. also geht es weiter mit knapp 2 kn durch den Nachmittag.

Und tatsächlich, am Abend (Nudel/Reismischung mit Huhn Fertiggericht) dreht der Wind etwas zur Seite und müht sich langsam hoch auf 10 bis 12 kn. Mit kleinen Variationen, aber fast nie unter 10 kn bleibt es so während der ganzen Nacht und auch nach Sonnenaufgang.

Wir machen jetzt kontinuierlich >3 kn Fahrt und können von einer Ankunft in 37 Tagen träumen. Laut Vorhersage soll der Wind die nächsten Tage im Bereich 10 bis 15 kn bleiben (mit Böen leicht darüber), bis er dann noch auf 20 bis 25 kn ansteigt.

Gestern habe ich noch gemutmaßt, dass wir auch weiterhin kaum Regen haben werden. Jetzt wurde für die nächsten 3 Tage teils heftiger vorhergesagt. Bei 26°C Lufttemperatur kann man da ja mal eine Dusche nehmen.

Der eine oder andere Delfin versucht weiterhin gute Laune zu verbreiten, Seevögel versuchen an Bord zu kommen, gelingt denen aber selten, bzw. werden von mir wieder vertrieben, da die Luna Mare keine Sammelstelle für deren Hinterlassenschaften ist. Nur die Wale wollen sich das hier nicht mehr mit ansehen.

2.061 sm geschafft, 2.496 sm to go.

Von Panama nach Hawai’i – Tag 28

Der tägliche Wetterbericht wird durch die Realität leider weiterhin nicht bestätigt. Mit dem jetzt kleineren Vorsegel benötigen wir mindestens den Wind, der für diese Gegend eigentlich vorgesehen ist. So sind in den Böen häufig über 20 kn, teils 30 kn vorhergesagt worden. Haben wir aber nicht.

Wir ändern unsere Prognose hinsichtlich unserer Reisegeschwindigkeit auf 3 kn. Das wären noch 36 Tage statt erhoffter 27. Grob überschlagen passt das hinsichtlich unserer Lebensmittelvorräte. Diesel ist halt etwas knapp.

Während wir dabei sind, uns mit der längeren Reisedauer "vertraut" zu machen, lässt der Wind weiter nach (4 bis 5, in den Böen gerade mal 8 kn) und wir schaffen kaum noch 2 kn Fahrt über Grund, also inkl. Strömung.

Der Unterschied hinsichtlich der verbleibenden Reisedauer ist beträchtlich:

4 kn = 27 Tage
3 kn = 36 Tage
2 kn = 54 Tage.

Da heißt es nun schon mal, sich mit den Vorräten/Reserven im Detail vertraut zu machen und den Bestand auf zu nehmen.

Lebensmittel: Nudeln und Reis reichen locker für 120 Tage. Mit Saucen, Suppen und sonstigem sind 50 Tage als momentaner worst case zu schaffen.

Diesel: Bei 50 Tagen dürfen wir in Bälde den restlichen Diesel nur zur Erzeugung der für den Wassermacher notwendigen Energie verwenden. Für den Rest müssen Sonne und Wind reichen. Momentan ist es noch größtenteils sonnig.

Das reicht aber noch nicht ganz. Kühlschrank steht jetzt auf Stufe 2 von 9. Sofern sich der Wind nicht deutlich verbessert, müssen wir ihn in spätestens zwei Wochen ausschalten.

Den Autopiloten entlasten wir durch Ruder gehen, momentan zumindest tagsüber. Ist auch für den Autopiloten selbst gut, da dessen Hydraulikpumpe sporadisch ausfällt, was an den sog. Kohlebürsten liegt. Bisher hat es gereicht, diese raus zu nehmen und wieder rein zu tun. Dann läuft er wieder für 2 bis 24 Stunden bis zum nächsten Ausfall.

Und die Kohlebürsten selbst sind ebenfalls ein Problem. Seit der Abfahrt vor 2.000 sm haben wir das zweite Paar eingesetzt, welches auch bereits fast verbraucht ist. Zwei Paar haben wir noch für die restlichen knapp 2.600 sm. Das erste Paar hielt, sofern ich mich recht erinnere, mindestens 7.000 sm. Da unsere Segeltrimmfertigkeiten seitdem nicht dramatisch abgenommen haben, kann es nicht (nur) am Trimm liegen. Da liegt vermutlich ein anderer Defekt an der Hydraulikpumpe vor.

Wasser: Mit dem vorhandenen Diesel haben wir genug Energie, um Wasser ausreichend für 100 Tage zu produzieren. Es darf nur am Wassermacher selbst kein Defekt auftreten, da die 200 l Notreserve bei 50 Tagen kaum reichen würden. Regen, um Regenwasser zu erhalten, gab es bisher nicht, abgesehen von ein paar verirrten Tropfen. Eher unwahrscheinlich, dass es mehr wird.

Alles in allem werden wir also weder verhungern noch verdursten und das Ziel früher oder eher später erreichen. Halt etwas ungemütlicher als gedacht. Und die Wahrscheinlichkeit, dass wir wenigstens 3 kn im Schnitt erreichen, dürfte auch bei vorsichtiger Einschätzung bei deutlich über 50% liegen.

Ergo kein Grund zur Sorge.

Was mir eben noch einfällt. Evtl. Kommentare von Euch (jederzeit herzlich willkommen) kann ich erst nach Zielankunft lesen, bzw., bei neuen Kommentatoren, dort überhaupt erst freischalten, damit sie angezeigt werden.

1,883 sm geschafft, 2.574 sm to go.

Von Panama nach Hawai’i – Tag 27

Der Wetterbericht zu Beginn des 27. Tages weist für ebendiese weiterhin 25 bis 30 kn aus. Sind aber nur < 20 kn. Und es sollen tendenziell eher noch weniger werden.

Also setzen wir das etwas größere Ersatz-Vorsegel. Und tatsächlich erreichen wir wieder mehr als 4 kn Fahrt.

Die Freude währt aber nur ein paar Stunden. Mit Wind unter 15 kn geht die Fahrt auf rund 3 kn zurück und bei gelegentlichen < 10 kn Wind auf rund 2 kn.

Es bleibt aber zum Abend (von gestern übrig gebliebene Kartoffel-Chorizo-Suppe) bei Wind, ausreichend für rund 3 kn Fahrt. Dies hält auch di ganze Nacht hindurch an.

Erst gut eine Stunde vor Mittag, dem Ende des 27. Tages geht es Richtung 15 kn. Die könnten wir gut gebrauchen.

Mit nach 27 Tagen immer noch gut 2.600 sm vor uns (nach ursprünglicher Planung sollten es jetzt nicht mehr viel mehr als 1.800 sein), kreisen unsere Gedanken in erster Linie um den Wind. Mit dem jetzt kleineren Vorsegel ist es aktuell noch schwierig einzuschätzen, ob wir am Ende noch 4 oder 5 Wochen, oder gar länger benötigen.

Hinsichtlich der Lebensmittelvorräte kein Problem, aber die Geduld hat. Was natürlich Unfug ist, da ja das Segeln ohnehin nicht dafür geeignet ist, um schnell von A nach B zu kommen. Schon gar nicht mit einer 38 Fuß Stahlyacht mit mehr als 13 Tonnen. Aber das kriegen wir schon noch/wieder hin, das mit der Geduld.

1,824 sm geschafft, 2.633 sm to go.

Von Panama nach Hawai’i – Tag 26

Noch lässt der Wind zu Beginn des 26. Tages auf sich warten. Der noch vorhandene Rest verschwindet sogar gänzlich und wir müssen mal wieder die Segel einholen, da das Schlagen nur Lärm und Verschleiß verursacht, uns aber nicht wirklich voran bringt.

Laut Wetterbericht soll der Wind gegen Abend zunehmen und während der Nacht bei 15 – 20 kn liegen und seitlich kommen. Tut er dann auch, allerdings etwas vorlicher als vorgesehen. Das gibt etwas Schräglage während der Zubereitung des Abendessens (von gestern übrig gebliebenem Kartoffel-Chorizo-Auflauf als Suppe ergänzt um grünen Spargel aus der Dose) und auch beim "Ritt" in die Nacht.

In der Dämmerung begleiten uns noch ein paar Delfine und nach einem über die meiste Zeit wolkenverhangenem Tag klart es jetzt auf. Leider zu spät für die Solarzellen zum Batterie laden.

Der Wind wird noch etwas stärker und steigert sich auf 20 bis 25 kn, die eine oder andere Böe auch mal darüber. Nachdem der Wind die letzten Tage aus unterschiedlichen Richtung kam, haben wir eine sehr konfuse See, die zu äußerst ruppigen Bewegungen an Bord führt. Dazu noch eine ordentliche Schräglage.

Richtig toll schlafen kann man dabei nicht. Muss aber doch mal eingedöst sein, den das Rufen der Skipperin weckt mich.

Paul komm, komm schnell, das Segel ist gerissen. Nein, das darf nicht wahr sein. Versuche, bei den ruppigen Bedingungen aus der Koje zu kommen. Es ist jetzt 22:30 Uhr.

Ich befürchte zunächst, das Großsegel wäre betroffen, was mangels adäquaten Ersatz eine Katastrophe wäre, bei über 2.700 sm, die jetzt noch vor uns liegen.

Aber es ist unser großes Vorsegel. Es ist allerdings nicht in sich gerissen. Über dem Vorstag (Stahlseil von ganz vorne zur Mastspitze) ist ein Aluminiumrohr gestülpt mit einer Nut. In diese Nut wird das Vorsegel eingeführt (eine Art Rolle am Vorliek in der Stärke einer dünnen Zigarette) und hochgezogen.

Die Verbindung dieser "Rolle" mit dem Segel ist auf ganzer Länge gerissen. Die "Rolle" selbst ist noch in der Nut und die gut 40 qm Segel flattern im Wind.

Dank Decksleuchte haben wir trotz Dunkelheit ausreichend Licht um gemeinsam das Vorsegel zu bergen. Das gelingt relativ gut und schnell.

Für stärkeren Wind haben wir am sog. Kutterstag bereits ein kleines Segel bereit gelegt. Das können wir nun zügig setzen. Nach rund einer Stunde ist die nächtliche Aktion beendet.

Hätten wir dieses schon früher setzen sollen? Im Nachhinein betrachtet sicher ja. Aber muss so ein Vorsegel nicht Windstärke 5 bis 6 ab können, auch ungerefft? Passiert das öfter, das es an dieser Stelle reißt?

Auf alle Fälle ist unsere schöne große Genua jetzt ein Totalschaden. Das gibt ein Loch im Budget, denn versichert gegen so was sind wir nicht.

So geht es nun doch deutlich langsamer durch die Nacht. Weiterhin ruppig, aber natürlich mit deutlich weniger Schräglage. Nachdem sich der Adrenalinspiegel etwas gesenkt hat, finden wir doch noch etwas Schlaf.

Wir haben noch ein weiteres Vorsegel an Bord. Ungefähr halb so groß wie das gerissene, aber größer als das, welches wir momentan am Kutterstag führen. Wir hatten es schon mal ausgebreitet, begutachtet und ausgemessen, bisher aber noch nie im Einsatz. Hoffentlich gibt das keine negative Überraschung.

Nach Sonnenaufgang zerren wir dieses Segel raus aus seinem engen Lagerplatz. Setzen es aber noch nicht. Zum einen machen wir mit dem kleinen Vorsegel bei jetzt 15 bis 18 kn Wind immerhin über 3 kn Fahrt, aber vor allem, da es während des Tages wieder 20 bis 25 kn Wind geben soll.

Wir wollen also erst mal den Wetterbericht abwarten, den wir heute Mittag mit Beginn des 27. Tages einholen wollen. Danach entscheiden wir, mit welchem Vorsegel wir weiter machen. Mit dem kleinen Segel jetzt haben wir einerseits ein gutes Gefühl, andererseits benötigen wir damit vermutlich mindestens 5, statt 4 Wochen bis Hawai’i.

Drückt uns die Daumen, dass nicht noch weitere Schäden diesen Ausmaßes die nächsten Wochen hinzu kommen.

1.843 sm geschafft, 2.714 sm to go.

Von Panama nach Hawai’i – Tag 25

Etwas früher als vorhergesagt dreht der Wind auf der Backbordseite nach vorne und wird zunehmend schwächer. Noch vor dem Abendessen (Kartoffelauflauf mit Chorizo, dazu … Krautsalat) nehmen wir den Spibaum und Bullenstander weg.

Etwas später schläft der Wind ganz ein, so dass wir die Segel komplett wegnehmen und uns von der Strömung treiben lassen. Die meint es relativ gut mit uns und bringt uns dem Ziel mit einem knappen Knoten näher.

Nach Mitternacht frischt der Wind endlich zumindest etwas auf und kommt jetzt auch aus der bei Westkurs für einen Nordostpassat richtigen Seite, nämlich von Steuerbord.

So geht es mit knapp 3 kn fahrt durch die restliche Nacht und dem Ende des 25. Tages entgegen. Mal sehen, wie lange es noch dauert, bis die vorhergesagten > 10 kn Wind hier eintreffen.

Wir sind ab jetzt 8 Stunden hinter Deutschland.

1.767 sm geschafft, 2.790 sm to go.

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